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Home Vorberichte Mittelmaß von Hoeneß' Gnaden
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Mittelmaß von Hoeneß' Gnaden |
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Geschrieben von Mike Lukanz
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Donnerstag, 03 Dezember 2009 |
Nun also die Bayern. Sicherlich gab es in der Vergangenheit
schon ungünstigere Phasen, in denen das Auswärtsspiel beim Rekordmeister
anstand. Nach fünf ungeschlagenen Spielen in Folge hat Borussia allen Grund,
mit der notwendigen Mischung aus Respekt und Selbstvertrauen in München
anzutreten. Der üblichen Phrase, dass die Mannschaft „dort nichts zu verlieren"
habe, wollte sich Michael Frontzeck jedoch nicht anschließen. „Wir können dort
drei Punkte verlieren", stellte er auf der Pressekonferenz am Mittwoch fest.
Eine ebenso nüchterne wie richtige Erkenntnis, die wieder einmal die angenehme
Unaufgeregtheit Frontzecks verdeutlicht.
Die Chancen stehen gut, zum wiederholten Male mit der
gleichen Anfangsformationen beginnen zu können. Zwar fällt unter anderem
Kapitän Filip Daems weiterhin aus, doch Jean-Sebastian Jaurés hat sich in den
vergangenen Wochen - wie die gesamte Viererkette - dermaßen stabilisiert, dass
Daems in aller Ruhe und behutsam an die Mannschaft herangeführt werden kann. Es
ist davon auszugehen, dass der Belgier erst mit Beginn der Rückrunde zurück in
den Kader kehrt.
Die überragende Form von Dante Bonfim wurde in den
vergangenen Tagen ausreichend thematisiert. Der Brasilianer zeigt, dass selbst
durchschnittliche Mitspieler wie Brouwers oder Levels an der Seite eines
Spitzenspielers zu Höchstform auflaufen können. So schön es für alle
Beteiligten zurzeit läuft, so sollte der aktuelle Zustand vor allem
Sportdirektor Max Eberl verdeutlichen, wie fragil die personelle Situation
dennoch ist. Denn fällt Dante verletzungsbedingt oder durch Sperren aus, kann
die defensive Herrlichkeit recht schnell vorbei sein.
Das Defensivverhalten der gesamten Mannschaft ist mehr als
zufriedenstellend, in der Offensive hapert es nach wie vor. Borussia vertraut
nach wie vor zu sehr auf Geistesblitze eins Juan Arango oder Marco Reus. Diese
kommen von Zeit zu Zeit, doch insgesamt ist zu konstatieren, dass vorne der
Schuh drückt. Thorben Marx und Michael Bradley wird der Tordrang zwar nicht verboten,
dennoch obliegt es nicht den beiden solide agierenden Mittelfeldspielern, für
Treffer aus dem Spiel heraus zu sorgen. Was Borussia einfach fehlt, ist der
„Knipser" im Sturm, der für 10 Tore und mehr pro Saison gut ist. Die Hoffnungen
ruhten im Sommer sicherlich auf Bobadilla, doch der Argentinier muss aufpassen,
sich nicht zu sehr zu verkrampfen. Er hat alle Anlagen und eine weitere
Eingewöhnungszeit ist ihm sicher, doch er wäre nicht der erste Stürmer am
Niederrhein, der vom Publikum in die (Sinn)Krise gepfiffen wird.
FC Bayern München
An den medialen Overkill in Sachen FC Bayern hat sich der
deutsche Fußballfan über die Jahre gewöhnt. Vergangenen Freitag war es dann
aber mal wieder soweit: Für einen Tag vergaßen nahezu alle Sportredaktionen dieser
Republik den Wettskandal oder die aktuelle Berichterstattung, denn Uli Hoeneß
stieg vom Manager zum Präsidenten auf - oder ab, wie Spötter meinen. Ebenso
laut schien die Erleichterung am vergangenen Wochenende, als die Münchener mit
3:0 bei Hannover 96 gewannen. Der deutsche Sportjournalist scheint ob der
Tatsache irritiert, den FC Bayern schon seit über einen Jahr nicht mehr an der
Tabellenspitze zu sehen. Nachdem Philipp Lahm in einem einzigen Interview alle
Probleme seines Vereins der vergangenen zwei Jahre benannte, ist man an der
Säbener Straße wieder zum Alltag übergegangen. Und der heißt Mittelmaß, so hart
das auch klingt.
Wer sich in den vergangenen Wochen Spiele des FC Bayern über
volle 90 Minuten angesehen hat, war mitunter von der spielerischen Armut des
Serienmeisters erschrocken und sah keine Parallelen zu Partien von Hannover,
Frankfurt, Bochum oder eben Mönchengladbach. Holger Badstuber, Daniel Pranjic,
Thomas Müller, Edson Braafheid, Jörg Butt, Ivica Olic - über die Hälfte der
aktuellen Startaufstellung ist allenfalls leicht gehobenes
Bundesliga-Mittelmaß. Da darf es nicht verwundern, dass die Bayern auf
europäischer Ebene zurzeit chancenlos sind. Ohne Frage, mit Arjen Robben und
Frank Ribery im Team erhöht sich die fußballerische Qualität um ein Vielfaches,
aber speziell der Niederländer ist extrem verletzungsanfällig und sein
französisches Pendant auf dem linken Flügel fällt ebenso seit einigen Wochen
aus. Bei Robben besteht nach aktuellem Stand die Möglichkeit, dass er im Duell
mit Borussia zumindest als Joker zum Einsatz kommt.
Was bedeutet dies alles für Borussia am Freitagabend? - Zu
allererst, dass der Gastgeber aus der bayrischen Landeshauptstadt auch in der
aktuellen Form und in der aktuellen Aufstellung der Elf vom Niederrhein weit
überlegen ist. Michael Frontzeck hat mehr als recht, wenn er sagt, dass seine
Mannschaft „an die absolute Grenze" gehen muss, um Zählbares mit nach
Mönchengladbach zu nehmen. Der 3:0-Sieg der Bayern in Hannover klingt
deutlicher, als er es wirklich war. Die Tore fielen jeweils zum richtigen
Zeitpunkt und Hannover vergab diverse äußerst gute Chancen zum Tor. Nach diesem
Sieg von einer „Zeitenwende" zu sprechen, fußt mehr auf der zu überzogenen
Haltung gegenüber dem FC Bayern (s.o.).
Zudem steht für den Rekordmeister einige Tage später ein
ungleich wichtigeres Spiel vor der Tür: das letzte Gruppenspiel der
diesjährigen Champions-League-Saison bei Juventus Turin, das die Münchener
gewinnen müssen, wollen sie nicht im inzwischen unbenannten „Verlierer-Cup",
der Europa League, ihr internationales Renommee retten.
Aufstellung
Bayern: Butt - Lahm, van Buyten, Demichelis, Badstuber - van
Bommel, Schweinsteiger - Pranjic, Müller - Olic, Gomez
Borussia:
Bailly - Levels, Brouwers, Dante, Jaurés - Bradley, Marx - Reus, Arango -
Matmour, Friend
SEITENWAHL-Prognose
Mike Lukanz: Das Spiel endet auch deswegen 1:0 für die
Bayern, weil beim Gastgeber nahezu jeder Feldspieler ein Tor erzielen kann, bei
den Gästen vom Niederrhein leider nicht.
Christoph Clausen: Wenn die zuletzt so erfreulichen
Ergebnisse überhaupt eine Schattenseite haben, dann die, dass
Erwartungshaltungen in solchen Zeiten schnell ins Unermessliche steigen. Aber
natürlich ist die Borussia im Gastspiel bei den Bayern auch am Freitag
Außenseiter. Ganz verstohlen träumen darf man von einem Punktgewinn, aber ein
2:0-Sieg des Rekordmeisters scheint der realistischere Tipp.
Michael Heinen: In München ist leider nichts zu holen.
Nachdem man bis zur Halbzeit noch ordentlich mithalten kann, gibt es anschließend
doch noch 2 Tore für die Gastgeber.
Christian Spoo: Die Borussenabwehr steht auch in München gut
und verhindert eine Klatsche. Ein Gegentor gibt es aber trotzdem und so
verliert Borussia bei den Bayern knapp aber verdient mit 0:1.
Christian Heimanns: Sollte Robben bis Freitag nicht
gesunden, könnten die Bayern Schwierigkeiten gegen "Kompakt
Mönchengladbach" bekommen. Was mir wiederum die seltene Gelegenheit
eröffnet, ein 0:0 in München zu tippen.
Thomas Häcki: Hamburg wurde die erste Heimniederlage beigebracht,
Schalke die erste Auswärtsniederlage seit ... na ja, seit dem 0:1 in
Mönchengladbach letzte Saison. Da wäre ein Punktgewinn bei den schwächelnden
Münchenern quasi das Sahnehäubchen. Doch Vorsicht: Das Saisonziel Nichtabstieg
hat weiterhin Bestand. Und nach dem 0:1 in München stehen alle wieder mit
beiden Beinen auf dem Boden.
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