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Home 2009/10 16, H, BL, Hannover
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Weder Fisch noch Fleisch zur Weihnachtszeit |
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Geschrieben von Thomas Häcki
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Donnerstag, 10 Dezember 2009 |
Das Internet ist eine feine Sache. Früher konnte
man nur auf seinen engeren Bekanntenkreis zurückgreifen, um die kleinen
Niederlagen des täglichen Lebens zu verbreiten. Heute ist das Publikum ungleich
größer. Dank so wundervoller Einrichtungen wie Facebook oder YouTube hat man
jetzt ein Forum, um die ganze Welt mit den eigenen Peinlichkeiten zu beglücken.
So mancher potentielle Arbeitgeber soll auf diese Weise schon in den Genuss
gekommen sein, dort einen Kandidaten betrunken zwischen kunstvoll gestapelten
Bierdosen oder im String-Tanga auf der Kneipentheke zu bewundern.
Da möchte auch ich mich nicht
weiter dem allgemeinen Fortschritt verschließen und hier und jetzt ein
Geständnis ablegen. Ja, ich war in einer Fussballkneipe. Vor etwas mehr als
einem Jahr. Während eines Bundesligaspiels. Und ich bin während des Spiels
eingeschlafen! Nicht aufgrund eines überhöhten Alkoholgenusses, sondern weil
die Dramatik des Spiels mir keine andere Chance ließ. Die Begegnung lautete
Hannover 96 gegen Energie Cottbus und das Endergebnis von 0:0 sagte wirklich
alles aus!
Viel scheint sich seit dieser
Zeit in Hannover nicht getan zu haben. Seien wir doch mal ehrlich: Wer von uns
ist denn in den letzten anderthalb Jahren montags mit einem Leuchten in den
Augen an seinem Arbeitsplatz erschienen und hat seine fussballbegeisterten
Kollegen mit einem „Hey, hast du am Wochenende Hannover gesehen?" begrüßt? Wenn
Borussia Dortmund Currywurst und Werder Bremen frischer Seelachs ist, dann ist
Hannover 96 Tofu. Respektiert, aber nicht unbedingt spannend.
Nun wird Tofu gerne belächelt. Durchgesetzt
hat es sich in deutschen Küchen aber irgendwie trotzdem. Und so sehr man
wiederum die niedersächsischen Ambitionen auf einen internationalen Startplatz
belächelt, so muss man doch anerkennen, dass sich Hannover in den letzten
Jahren auch dem Abstiegskampf mehr oder weniger souverän entziehen konnte. Tofu
ist halt weder Fisch noch Fleisch, genau wie die Niedersachsen. Das ist
Hannovers Fluch, das ist Hannovers Stärke. Es hat halt seinen Grund warum
Hannover dort steht, wo es steht - im Mittelfeld. Und dort übrigens in direkter
Nachbarschaft zu Borussia Mönchengladbach.
Die Elf vom Niederrhein erwartet
also ein Duell auf Augenhöhe. Und doch scheint nach den überzeugenden
Auftritten der letzten Zeit für manche Zeitgenossen Hannover ein Gegner zu
sein, gegen den man „schon irgendwie drei Punkte einfahren wird". Aber waren es
in der Vergangenheit nicht genau diese „leichten" Gegner, welche unsere
Borussia regelmäßig auf den Boden der Tatsache zurückholten? Trainer Michael
Frontzeck weiß also sehr genau, warum er dieses Spiel als „schwerstes
Heimspiel" tituliert.
Der Gegner aus Hannover
Große Überraschungen wären die
Überraschung schlechthin. Taktisch spielen die Niedersachsen defensiv mit einer
Viererkette. Bemerkenswert ist hierbei die Innenverteidigung. In den letzten
Jahren schien Hannover 96 die Lizenz zur Verbrennung gestandener Innenverteidiger
zu haben. Dies gehört nun der Vergangenheit an. Mit dem Leverkusener Neuzugang
Karim Haggui hat das einstige Sorgenkind deutlich an Stabilität gewonnen. Ihm
zur Seite steht mit Christian Schulz ein Spieler, dessen Leistungen getrost als
solide bezeichnet werden dürfen. Die Außenpositionen nehmen rechts der Amerikaner
Steven Cherundolo und links das Eigengewächs Konstantin Rausch ein. Denkbar
wäre auch Cherundolo durch Sergio Pinto oder Rausch durch Constant Djakba zu
ersetzen, doch eigentlich haben sich diese beiden im Mittelfeld als wesentlich
wertvoller erwiesen.
Im Mittelfeld spielt Hannover mit
einer klassischen Raute. Vor der Abwehr zeigt Hanno Balitsch eine bislang ganz
starke Saison. Er ist ganz sicher ein Schlüsselspieler der 96er und somit
jemand, der quasi gesetzt ist. Hinter den Spitzen agiert mit dem Niederländer
Arnold Bruggink ein solider, wenn auch nicht brillanter Offensiver. Seinen
Ausflug in den Sturm durfte man gegen Bayern München bereits nach 45min.
getrost als gescheitert ansehen. Auch er ist ein Fixpunkt im Team, wenn auch
nicht von der Qualität eines Balitsch. Spannender ist hingegen die Besetzung
der Außenbahnen. Mit Djakba, Rosenthal und Pinto stehen gleich drei Spieler
bereit, einen Platz in der Startaufstellung zu erhalten. Dabei sollten der
etwas defensivere Constant Djakba auf links und Jan Rosenthal auf rechts die
Nase vorn haben. Valdet Rama und dem Polen Jacek Krzynowek bleibt wohl nur die
Rolle der Edelreservisten.
Im Sturm harmoniert der
tschechische Altmeister Jiri Stajner recht gut mit dem Ivorer Didier Ya Konan.
Obwohl Konan zurzeit ein kleines Formtief durchläuft, muss er sich keine Sorgen
um seine Position machen. Für Routinier Mike Hanke und Jan Schlaudraff käme ein
Einsatz von Beginn an wohl noch zu früh, der Ex-Gladbacher Mikael Forssell wirbelt
hingegen eher die medizinische Abteilung durcheinander.
Sieht man mal von Torhüter
Florian Fromlowitz und Hanno Balitsch ab, dann ist Hannover ein homogenes Team,
welches aus soliden, aber keineswegs herausragenden Spielern besteht. Besondere
Stärken und Schwächen scheint es nicht zu geben, Mittelmaß ist Trumpf. Aber
grade das Mittelmaß macht Hannover auch gefährlich, denn dieses Team muss erst
einmal geschlagen werden. Auf der anderen Seite ist man auch immer in der Lage,
ein Tor zu erzielen. Und führte Hannover erst einmal, dann konnten sie in
dieser Saison die Punkte auch immer mitnehmen.
Die Borussia
"Never change a winning
team" - dieses Motto wird auch nach der Niederlage in München Bestand
haben. Der Auftritt bei den Bayern gibt zu einem Wechsel auch keine Veranlassung.
Nach den Verletzungen von Paul Stalteri und Filip Daems sind Alternativen in der
Verteidigung sowieso rar. Bradley und Marx harmonieren im Mittelfeld derzeit zu
gut, als das man Meeuwis unbedingt bringen müsste. Und im Sturm haben Friend
und Matmour ganz einfach die Nase vorne. Selten war es so einfach eine
Aufstellung vorherzusagen. Es bleibt zu hoffen, dass Tobias Levels von einer
gelben Karte verschont bleibt, denn es wäre seine fünfte. Grade auf den
Positionen der Außenverteidiger ist die Personaldecke mit dem Ausfall von
Stalteri, Daems und Dorda dünn.
Aufstellungen
Borussia: Bailly -
Levels, Brouwers, Dante, Jaurés - Bradley, Marx - Reus, Arango - Matmour,
Friend
Hannover:
Fromlowitz - Cherundolo, Haggui, Schulz, Rausch - Djakpa, Balitsch, Rosenthal,
Bruggink - Ya Konan, Stajner
SEITENWAHL-Prognose
Thomas Häcki: Alle Zeichen stehen auf Sieg und
genau das macht mir Sorgen. Im Gegensatz zu Hamburg, Schalke und München stehen
die Niedersachsen nicht in der Pflicht, das Spiel machen zu müssen. Und gegen
tief stehende Gegner haben die Borussen schon fast traditionell
Schwierigkeiten. Daher 1:0 für die Fohlen, egal wie, gerne auch schmutzig.
Mike Lukanz: Eigentlich tendiere ich auch zu einem Unentschieden, denn vor Spielen,
in denen alle einen Sieg erwarten, habe ich erfahrungsgemäß ein
schlechtes Gefühl. Allerdings verdient die Mannschaft nach den
Leistungen der vergangenen Wochen mein uneingeschränktes Vertrauen,
daher wird Hannover klar mit 3:0 besiegt.
Christian Heimanns: Wie kann es Borussia nur an mir gutmachen, dass ich letzte Woche als
einziger einen Punktgewinn getippt habe, der prompt nicht eintrat? Sie
kann mit 1:0 gewinnen und nicht höher, damit mein Tipp einmal genau ins
Schwarze trifft.
Christian Spoo: Nach den Siegen in Frankfurt und gegen Schalke und dem ansehnlichen
Spiel der Borussia in München erwartet jeder einen Sieg. Ich auch,
wenngleich ich glaube, dass das kein Selbstgänger wird. Borussi wird
sich lange schwertun, am Ende aber doch mit einen verdienten 2:0-Erfolg
für eine ruhige Winterpause sorgen. Ganz egal, was eine Woche später in
Leverkusen geschieht.
Michael Heinen: 2:1
Christoph Clausen: Ja, ich traue Borussia einen Heimsieg zu. Nein, ich bin mir keinesfalls
sicher. Nicht, weil Borussia in den letzten Wochen enttäuscht hätte,
sondern weil die 96er ein ernstzunehmender Gegner sind. Auswärts
bislang nur neun Gegentore, so gesehen auf Augenhöhe mit Wolfsburg und
Dortmund. Gerade bei einem frühen Gegentor könnte sich die Partie also
sehr kompliziert gestalten. Hoffen wir also nur insgeheim auf einen
3:2-Sieg, tippen aber zurückhaltend: 1:1.
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