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Home Thomas Häcki Seitenwechsel, der 100. - Teil 2/4
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Seitenwechsel, der 100. - Teil 2/4 |
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Geschrieben von Maik Gizinski
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Mittwoch, 06 Januar 2010 |
Im Vorfeld zur Weltmeisterschaft 2006 erschien in der "ZEIT" ein Briefwechsel zwischen einem Redakteur der Hamburger Wochenzeitung und einer englischen Journalistin, den beide nutzen, um ihre Sicht der (Fußball-) Dinge der Öffentlichkeit kundzutun. "Eine prima Idee!", dachte auch die Redaktion von SEITENWAHL und schrieb im Sommer 2006 den ersten Seitenwechsel mit den lieben Kollegen des VfLog. Im Gegensatz zur Mönchengladbacher Borussia und dem VfL Osnabrück bewiesen wir Konstanz, denn in diesem Winter findet er statt: Nummer 100! Eine stolze Zahl, die wir gebührend feiern wollen. Daher erfolgt diese Ausgabe doppelt, denn alle beteiligen sich. Martin & Maik vom VfLog, Mike & Joachim für SEITENWAHL. Den Anfang macht Gründungsmitglied Mike beim VfLog, Kollege Gizinski antwortet hier.
Freunde
der VfLiebe,
wie
das so ist mit Jubiläen: Ich ignoriere lange Zeit ihr Kommen, und
wenn
es soweit ist, gehe ich ihnen aus dem Weg. So ist das auch mit
unserem
100. Seitenwechsel. Was sich liest wie ein schöner runder
Geburtstag,
ist in echt (nicht in Spiel!) ein Desaster. Mir ist nicht
zum
Feiern zumute. 100 Seitenwechsel zeugen von viel Elend: Wir sind alt
geworden.
Wir haben so viele schöne Erlebnisse und zauberhafte
Nachmittage
im Stadion schon längst wieder vergessen.
Wir
erinnern uns zu selten an die unbeschwerte Zeit des Anfangs. 2006
war
das. Gladbach spielte in der ersten Liga und Osnabrück in der
dritten,
alles schien möglich. Und heute? Gladbach spielt in der ersten
Liga
und Osnabrück in der dritten, alles scheint möglich. Haben wir uns
99
Seitenwechsel lang im Kreis gedreht, Stillstand beschrieben, uns mit
Silben-Diarrhoe
angesteckt?
Nie
fühlte ich mich Helmut Kohl näher, der so ähnlich schließlich nach
16
Jahren Bundeskanzlerschaft Bilanz gezogen haben muss. Und an der
Wiedervereinigung
haben auch wir mit unseren Seitenwechseln erfolgreich
gewerkelt.
Schließlich haben wir sie gar vier Mal feiern dürfen: So oft
mussten
die beiden VfLs seitdem gegeneinander Pflichtspiele austragen.
Wenn
ich also, lieber Mike, an den Tag unseres ersten Seitenwechsels,
einen
Sommernachmittag im August 2006, denke, kommt mir kein bestimmter
Song
in den Sinn und kein Gefühl. Wenn ich heute unserer
Redaktionsassistentin
diesen Text diktiere, hänge ich vielmehr einer
Zeit
nach, da ich überhaupt noch hören konnte und fühlen. Da ich noch
jung
war.
Damals
gab es auch noch keine Einschaltquoten oder Klickzahlen. Damals
hätte
Das Erste sich noch leisten können, anlässlich eines globalen
Top-Ereignisses
wie dem Klimagipfel in Kopenhagen eine Sondersendungen
zu
senden, und das ZDF hätte Markus Lanz verhindert. Und Spiegel Online
würde
als Teaser für den Jahresrückblick nicht die Rubrik "Tote 2009"
bewerben
und mit einem Bild von Robert Enke versehen. Immerhin das ist
tröstlich
an unseren 100 Seitenwechseln: Wer uns liest und ob überhaupt
wer,
ist uns stets am Arsch, äh, naja: Also, wir mindern nicht die
Qualität
zugunsten einer größeren Zahl an Lesern. Auch nicht nach
dreieinhalb
Jahren. Damit sind wir eine ruhebringende Oase in unserer
schnelllebigen
Zeit. [Der spinnt mit dieser ewig gestrigen Leier; Anm.
der
Redaktionsassistentin] Jedenfalls hast du recht, Mike: Unter
kapitalistischen
Bedingungen gäbe es uns nicht mehr, was eine Menge
aussagt
über die intellektuelle Reife dieser Wirtschaftsform. Freuen wir
uns
umso mehr, dass wir uns darum nicht kümmern müssen.
Unsere
beiden VfLs, Gladbach wie Osnabrück, müssen das sehr wohl. Und
der
schnöde Mammon [gleich kill ich ihn; Anm. der Redaktionsassistentin]
übte
in Osnabrück offenkundig einen derart großen Reiz aus, dass zwei
Spieler
aus der letztjährigen Mannschaft ihr Salär mutmaßlich mit
Wettgewinnen
aufzubessern gedachten. Trotzdem kämpfen unsere VfLs Seit
an
Seit weiter ihren ehrlichen Kampf für die gute Sache, die VfLiebe.
Das
ist eine der wenigen Konstanten, die mir geblieben sind, seit wir
mit
unserer Brieffreundschaft begonnen haben.
Ach,
Mike, du hast dich übrigens verschrieben, was deine Gladbach-Bilanz
der
letzten Jahre angeht. Über die Zeit von Heynckes bis jetzt zum Michi
[Frontzeck;
Anm. der Redaktionsassistentin] schreibst du: "Dazwischen
liegen
zwei mehr (Hans Meyer) oder weniger (Luhukay) erfolgreiche
Trainer."
Du meinst natürlich: Dazwischen liegen zwei mehr (Hans Meyer)
oder
weniger (Luhukay) glückliche Trainer, die bedauerlicherweise mehr
(Luhukay)
oder weniger (Hans Meyer) fortschrittlich waren. Diese kleine
Korrektur
nur, damit die wenigen Nicht-Stammleser unserer rührigen
Briefwechsel
uns nicht für deppert halten.
Dass
übrigens unsere geistreichen Kontroversen Einzug halten in
Borussias
Pressespiegel, ist dann doch ein schönes Geburtstagsgeschenk.
Das
wusste ich nicht. Verstehen die Profi-Fohlen das wohl alles? Oder
schimpfen
sie uns arrogante Penner, die klug dummschwätzen und keine
Ahnung
haben. Ich weiß nicht, was sympathischer wäre. [Ihr seid doch
auch
nur so ein dreckiges Forum, das Stimmung macht gegen alles und
jeden;
Anm. der Redaktionsassistentin]
Jedenfalls
wünschen wir kleines, eingeschworenes Superteam vom VfLog -
das
sind Martin, Maren, unsere loyale rechte Hand im Sekretariat, und
ich
- uns sehr, dass alles noch eine Zeitlang so weitergeht als wäre
nichts
gewesen. Unsere Seitenwechsel sind, muss man sie nicht Paroli
laufen
lassen, eine verlässliche, wöchentliche VfLiebeserklärung!
Jetzt
haben wir fußballgottlob Ruhe mit diesen Jubiläen, wenigstens bis
zum
150.
In
diesem Sinne grüßt am Ende doch versöhnlich:
Maik
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