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Vorbericht, 1.DFB-Pokalrunde: SV Roßbach/Wied |
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Geschrieben von Mike Lukanz
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Freitag, 08 September 2006 |
„Denk ich an Deutschland in der Nacht,/Dann bin ich um den
Schlaf gebracht, /Ich kann nicht mehr die Augen schließen, /Und meine
heißen Tränen fließen". Noch bis vor wenigen Wochen kam kaum ein
intellektueller - und damit kritischer - Artikel über die
Bundesrepublik ohne die berühmten Worte Heinrich Heines aus. Bis auf
die Nationalspieler San Marinos, die die „Nachtgedanken" Heines heute
ähnlich formulieren würden, wird kaum jemand im sportpolitischen
Nach-WM-Deutschland diesen Worten etwas Positives abgewinnen können.
Die deutsche Nationalmannschaft ist toll, nett, spielt offensiv und
obendrein noch fair. So feierten wir den 13:0-Sieg vom letzten Mittwoch
nur kurz, weil das Mitleid für die San Marinesen überwog. Ist das nicht
nett? So schieben wir für den heutigen Vorbericht die sportliche
Bewertung beiseite, ersparen damit den Lesern die üblichen Floskeln von
biblischen Steinschleuderduellen und den Beschreibungen der
hauptberuflichen Tätigkeiten der Amateure aus Rheinland-Pfalz und
vergleichen andere, durchaus erwähnenswerte Aspekte.
Mönchengladbach (Stadt):
Gelegen im flachen, aber charmanten Gebiet des Niederrhein, ist die
Stadt weitaus mehr als der Namensgeber eines europaweit bekannten
Bundesligavereins. Ursprünglich als München-Gladbach (1888) als
kreisfreie Stadt bekannt, entwickelte sich die Stadt speziell in den
Jahren nach dem Krieg prächtig, die Einwohnerzahl stieg auf über
250.000. Für kulturelle Highlights ist die Stadt zwar nicht landesweit
bekannt, die Stadt jedoch als „grau" und „langweilig" im Schatten der
großen rheinischen Metropolen Düsseldorf und Köln zu bezeichnen, trifft
den Kern nur halbwegs. Freunde der Kleinkunstbühnen werden in
Mönchengladbach „Die Spindel", „Das Rote Krokodil" und das „Theater
Spielplatz" kennen und schätzen. Darüber hinaus finden sich in
Mönchengladbach einige bedeutende Bauwerke, deren historischer
Spannweite vom 13. Jahrhundert (Münster St. Vitus) bis ins 21.
Jahrhundert (na klar, der BorussiaPark) reicht.
Mönchengladbach (Land, Leute & Umgebung):
Der Niederrhein wird von vielen als „östliches Holland" oder als
„Diaspora westlich von Düsseldorf" verunglimpft, dabei gilt gar die
Kölner Bucht - streng geografisch - zum Niederrhein. Eine Tatsache, die
unsere Kölner Freunde selbstredend weniger gern hören.
Diese bissigen Bezeichnungen werden diesem Landstrich, der
sich vom Kreis Heinsberg im Süden bis zum Kreis Kleve im Norden
erstreckt, in keiner Weise gerecht. Weite und flache Wiesen- und
Waldlandschaften laden zum Wandern und Radfahren ein, kleine und ruhige
Städtchen ohne viel Prunk und Protz, die zumeist von den Kreisstädten
Viersen, Heinsberg und Kleve aus verwaltet werden, zeugen von der
Bodenständigkeit der Niederrheiner, der es im Allgemeinen etwas ruhiger
und gemütlicher mag und den Stress der Großstadt meist meidet wie
bayrische Lebenmittelkontrolleure ortsansässige Fleischhändler.
Den Niederrheiner zu charakterisieren fällt schwer; wenn Hanns-Dieter
Hüsch sagt, dass „der Niederrheiner nichts weiß, aber alles erklären
kann", mag das durchaus zutreffen. Ähnliches ließe sich jedoch auch
über den DSF-Stammtisch sagen. ZEIT-Redakteur
Christof Siemes, selber gebürtiger Niederrheiner, schrieb einmal: „Das
Wesen des Niederrheinischen ist die Kunst der reinen Vermutung, seine
sprachliche Form ist wie die Gegend: weit und ungegliedert." Wer einmal
ein Training von Borussia besucht hat und mit den Kiebitzen dort ins
Gespräch kam, wird dieser Aussage durchaus etwas abgewinnen können. Ob
„der Niederrheiner die tiefergelegte Form des Rheinländers" ist, wie
die Rheinische Post einst mutmaßte, sei allerdings dahingestellt.
Ausgeprägter Karnevalssinn, ein leckeres Bier und ein traditionsreicher
Bundesligaverein runden das Bild der Stadt Mönchengladbach positiv ab.
Roßbach / Wied (Umgebung):
Südlich des Rhein-Sieg-Kreises, in dem der Autor wohnt, grenzt der
Landkreis Neuwied. Bereits zu Rheinland-Pfalz gehörend, unterteilt sich
der Landkreis Neuwied in acht Verbandsgemeinden. Roßbach, mit knapp
1.500 Einwohnern lange nicht die kleinste Stadt im Landkreis, gehört
zur Verbandsgemeinde Waldbreitbach, die neben Roßbach noch die
Städtchen Breitscheid (nein, nicht das vom gleichnamigen
Autobahnkreuz), Datzeroth, Hausen, Niederbreitbach und Waldbreitbach
führt.
Der Kreis Neuwied liegt am wunderschönen Westerwald, der nicht nur
jedem passionierten Wanderer in Deutschland ein Begriff ist. Flankiert
von Rhein, Lahn, Dill und Sieg, durchzogen von Brex-, Erd-, Gel-,
Heller-, Holz-, Kerker-, Massel-, Sayn-, Ulm- und Aubach (aber eben
nicht Gladbach), unterteilt in Unterer, Oberer und Hoher Westerwald,
erstreckt er sich über eine Fläche von 3000km² und zählt damit zu den
größeren Gebirgen in Deutschland. Bei so viel Landschaft bleibt dem
Neuwieder an sich wenig Zeit, ambitioniertem Fußballsport nachzugehen,
was für Borussia nur positiv sein kann.
Roßbach (Stadt):
Dass die Menschen in diesem Fleckchen Erde nicht nur ihre Landschaft
akkurat und viel einteilen, sondern dies auch mit ihren Städtchen gerne
tun, zeigt sich am Beispiel Roßbachs. Knappe 1.500 Einwohner leben in
sage und schreibe 7 Stadtteilen (Niederbuchenau, Oberbuchenau, Lache,
Reifert, Spreitchen, Schimmelshahn, Scheuerchen), macht grobe 200
Einwohner pro Stadtteil. Erinnern wir uns an den ersten Absatz, müsste
die korrekte Ortsbezeichnung eines Roßbachers demzufolge lauten: „Guten
Tag, Müller. Wohnhaft in Neuwied am Rhein, Verbandsgemeinde
Waldbreitbach, Stadt Roßbach, Ortsteil Oberbuchenau." Dass dies die
Einwohner jedoch weniger stört, zeigt ein Blick auf die Homepage der
Verbandsgemeinde Waldbreitbach. Im eigens eingerichteten Forum findet
sich unter der Rubrik „Kritik / Wünsche / Anregungen" nicht ein
einziger Einträge. Gelobt sei, wer in Waldbreitbach wohnt! Im nächsten
Jahr wird das 700jährige Bestehen gefeiert; Gerüchten zufolge ist man
allerdings noch uneins, welcher Ortsteil das Zentrum der
Feierlichkeiten sein soll.
Dass man sich in Roßbach auch den Problemen der Zeit stellt, verrät
Alfons Becker, der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Waldbreitbach, in
einem persönlichen Grußwort auf der schon eben angesprochenen Homepage.
Dort heißt es: „... wir haben uns Augenmerk besonders auf die
Erweiterung des ‚Dienstleistungsangebotes der
Verbandsgemeindeverwaltung‘ durch das ‚Medium Internet / E-Mail‘
gelegt, damit Ihnen, liebe Mitbürgerin und Mitbürger (man beachte die
Singularform der Anrede!), der Gang durch den Behörden-Dschungel
erleichtert wird." Tja, wer es schafft, einen Landkreis (Neuwied) mit
circa 185.000 Einwohnern in fast ebenso viele Untergemeinden zu
verpacken, der darf durchaus von einem Behörden-Dschungel sprechen!
Mehr lässt sich zum Roßbacher an dieser Stelle nicht sagen. Von
Mönchengladbacher Seite ist nur zu hoffen, dass man a) das Stadion
findet und b) mit der entsprechenden Gastfreundlichkeit empfangen und
natürlich wieder verabschiedet wird, wenn man den Landkreis Neuwied mit
der Kugel verlässt, in deren Inneren der Name „Borussia
Mönchengladbach" auf einem Zettelchen vermerkt ist und die dann bei
einem der nächsten ZDF-SportStudios in eine Glasschüssel mit vielen
anderen Kugeln kommt, wenn die zweite Hauptrunde des diesjährigen
DFB-Pokals ausgelost wird.
Bilanz: - Fehlanzeige -
Schiedsrichter:
Bis zum heutigen Tag leitete Michael Kempter, 23jähriger Bankkaufmann
aus Sauldorf, kein Spiel der Mönchengladbacher Borussia. Kempter pfeift
ohnehin erst seit diesem Jahr in der 1. Bundesliga, nachdem er 2004 zum
ersten Mal in der 2. Bundesliga pfeifen durfte. In den 5 Partien, in
denen er in dieser Saison insgesamt eingesetzt wurde (Bundesliga, 2.
Liga und Regionalliga Süd), verteilte er 27 Gelbe und eine Gelb-Rote
Karte. Das macht einen Schnitt von mehr als fünf Gelben Karten pro
Spiel. Eine beachtenswerte Bilanz für einen jungen Schiedsrichter.
Aufstellungen:
Roßbach/Wied: Graf - Hempel, Jauernick, Cavlan, Schröter - Köhns, Gruber - Miura, Walgenbach - Zimnol, Breitbach
Borussia: Heimeroth - Bögelund, Svensson, Ze António, Jansen - Thijs, Kirch, Insua, Polanski - Sverkos, Kahê
Schiedsrichter: Michael Kempter (Sauldorf)
Assistenten: Volker Wezel, Arno Blos
Vierter Offizieller: - entfällt -
SEITENWAHL-Meinung:
Mike Lukanz: Niederrhein gegen Westerwald, Waldbreitbach gegen Holt, Mönchengladbach gegen Roßbach. Am
Ende jedoch ist es 1. Liga gegen 5. Liga, daher wird Borussia nach
einem 6:0 in der zweiten Runde des DFB-Pokals stehen.
Thomas Zocher: Rossbach ist nicht San Marino, entsprechend wird
die Borussia sich den Kantersieg von der vereinseigenen Wange wischen
können. Aber eigentlich ist die Spielanlage ja dieselbe. Die Borussia
wird auch geduldig das erste Tor herausspielen müssen, dann werden sich
zwangsläufig Möglichkeiten ergeben das Spiel deutlich zu gewinnen.
Sicher gewährt man den tapferen Rossbachern einen Ehrentreffer, so
siegt man am Schluß "nur" 5:1.
Christoph Clausen: Große Töne spuckt man in Rossbach, wo man
nach eigenem Bekunden die Schwächen der Borussen ausgiebig analysiert
hat und mit erfolgreich abgeschlossen Kontern zu nutzen gedenkt. Nach
dem Spiel wird man feststellen, dass man es dem Bundesligisten zwar
lange schwer gemacht, insgesamt den Mund aber doch ein bisschen voll
genommen hat. Borussia siegt nach späten Toren letztlich doch
standesgamäß mit 4:0.
Hans-Jürgen Görler: "Auswärtssieg, Auswärtssieg," wird es am
Sonntag nach der Partie von den Rängen erschallen. Die Borussia wird
mit einem 7:0 beim Verbandsligisten in die zweite Runde einziehen.
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