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SEITENwechsel, der 110. Drucken
Geschrieben von Martin Zierold   
Mittwoch, 31 März 2010
SEITENwechsel Martin sucht die Räsongdätre in der schwarz-gelben Welt, in der ansonsten liebe Kollegen kurz vorm Einschlafen Säue durchs Playmobilstadion treiben. So zumindest lautet die Kurzversion bei Schmerzblatt, die Langfassung folgt nachstehend. Und all dies nur, weil wir beim VfLog nicht wußten, wo der Fußballgott gerade den Sinn abgeladen hatte, bevor er Räucherstäbchen in der Kabine des VfL Osnabrück abzubrennen begann. Nun denn, lasset uns ein Hoffenheim-Trikot anziehen und Wayne Rooney abgrätschen, damit wir wenigstens über die Fair-Play-Wertung in die Europa League einziehen!


Lieber Joachim,

wie immer bin ich Dir dankbar für Deinen Brief, denn wie immer hat er mir geholfen, die Welt ein bißchen besser zu verstehen. Dieses Mal sogar hat er mir geholfen, die Welt sehr viel besser zu verstehen. Ich habe mich lange mit einem diffusen Unbehagen an dieser Saison gestoßen, bin nicht richtig warm geworden mit ihr, konnte keinen Bezug zu ihr herstellen. Liegt es an meiner natürlich vollkommen unbegründeten Skepsis gegenüber Michi (Michi ist überhaupt der beste Trainer der Welt, habe ich das hier schon einmal klargestellt?), so fragte ich mich, oder vielleicht am Stress auf der Arbeit, der mich ablenkt (ja, so eine Wirtschaftskrise ist kein Playmobilstadion!), ich wusste es nie.

Nun aber habe ich das Problem verstanden. Diese Saison ist wie die schwarz-gelbe Koalition: Es fehlt ihr das große, einigende, dramatische Thema, die Berufung, die raison d’etre. Hier ein bißchen gestolpert, dort ein bißchen brilliert, da zerstritten und gestümpert, dort brav gearbeitet, das ergibt doch alles kein Gesamtbild. Und so ist es ja nicht nur mit Borussia, sondern eigentlich mit der ganzen Liga in diesem Jahr. Kein Verein will so richtig Meister werden (außer Bayern, die aber nicht mehr dürfen, seit sie Magath aus Größenwahn geschasst haben). Für den Abstieg hat sich die Hertha frühzeitig freiwillig gemeldet, damit es ja nicht zu spannend wird. Und im Mittelfeld sind Kokolores-Ikonen wie die Eintracht erfolgreich. Ich bitte Dich! Da kann ich mir ja gleich Pressekonferenzen von Westerwelle und Seehofer ansehen.

Um das allgemeine Unbehagen zu verdecken, jagen die Medien tagein tagaus neue alberne Säue durchs Dorf, von denen Du ja einige benannt hast. Dass sich unsere Borussia und vorneweg unser Sportdirektor an den Kuranyi-&-Co Debatten beteiligt, ist gleichermaßen bedauerlich wie wenig überraschend. Ein lieber Kollege seufzt in solchen Momenten immer „what a perfect cure for insomnia“ und lässt den Kopf auf den Brustkorb fallen.

Aber ganz können wir uns auch noch nicht schlafen legen. Denn natürlich gilt es noch, den „F“C auf Distanz zu halten. Und nicht allzu ehrenrührig die Punkte in Stuttgart, Schalke und Leverkusen abzuliefern. Außerdem bleiben doch immer noch drei Spiele, auf die wir uns freuen können: Frankfurt putzen, gegen Bayern eine gute Leistung bringen, Hannover schlagen. Aus diesen drei Spielen müssen sechs, ja, eigentlich sieben Punkte her, soviel ist mal klar. Wenn nicht, dann will ich Dich endlich toben sehen, Joachim! Einen ersten Zwischenstand gibt’s nach dem Frankfurtspiel.

Herzliche Grüße (und zieh Dir endlich das Hoffenheim-Trikot aus, das sieht doch bescheuert aus, Joachim!)

Dein Martin