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Geschrieben von Christian Heimanns
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Dienstag, 06 April 2010 |
Die Saison neigt sich dem Ende zu und für so manchen Fan beginnt die fünfte Jahreszeit: Es dürfen wieder Einkäufe für das Team des Herzens geplant werden. Wir nennen diese Zeit „das Transferfenster“ und wenn man es öffnet, wehen eine Menge Gerüchte herein.
Manche Vereine, greifen wir zum Beispiel mal ganz wahllos Borussia Mönchengladbach heraus, haben über die letzten Jahre immer wieder erklärt, solange man im Abstiegskampf steckt, kann man keine guten Leute überreden, einen Vertrag zu unterschreiben. Klingt überzeugend und ist auch in der Realität durchaus schlüssig. Mit dem Schlagwort „fehlende Planungssicherheit“ wurde dieser Umstand etwas sperrig umschrieben und dennoch ungemein populär unter der Fangemeinde (nicht nur dieses Vereins). Damit konnte Verein sich schön bedeckt halten, musste keine Namen ausplaudern, konnte alle Gespräche taktisch geschickt im Verborgenen führen und die Erwartungen auf kleiner Flamme garen lassen.
Der eingebaute Bumerang sieht so aus, dass im Falle frühzeitig erreichter Planungssicherheit das Feuerchen plötzlich heiss auf Stufe 5 aufflammt. Sofort brodelts in der Küche und Gerüchte strömen durch das ganze Haus. Was Verein nämlich gerne unterschätzt, ist das unauschaltbare Managerspiel-Gen der Fans. Geheime Sehnsüchte und unterdrückte Träume von Nationalspielern mit auslaufendem Vertrag brechen sich Bahn („Klose wäre einer, der uns weiterhelfen würde!“), eine seit Jahren unerklärte Liebe wird endlich ausgesprochen („ich fand den Arne Friedrich schon immer gut“), ungezügelter Neid auf den Symbolspieler des Erzfeindes darf auch mal an die Luft („wenn die abgehen, holen wir den Podolski, wat meinze, wat die dat ärgert“), alte Leiern werden neu poliert („ich habe seinerzeit schon auf Suat Türker verwiesen“) und völlige Internet-Neulinge werden in die ältesten Späße eingeweiht („Ole wer?“). Randfiguren sind hingegen die, die sich die Torschützenlisten südamerikanischer Ligen durchsehen und mit Hilfe von Statistiken rubenbauern: „Joao dos Santos Cruz Marinho do Prazinho Verde hat nach dem 22. Spieltag 15 Tore erzielt, 12 Vorlagen gegeben, davon 7 an sich selber. Scoutet Borussia überhaupt in Surinam oder warum wird so jemand nicht verpflichtet?“
Nichts ist billiger, als mit dem Geld anderer zu planen und am charmantesten kommt der Vorschlag daher „Man muss jetzt mal Geld in die Hand nehmen“, natürlich nicht um es in Griechenland-Fonds zu investieren sondern um es für Spieler auszugeben. Dieses entwaffnende Bild vom Geld, das einfach so herumliegt, ist bei weitem nicht nur die Unschuldslämmer von Borussenfans beschränkt; derlei Vermögensberater finden sich bei jedem Verein. Mit Verweisen auf so plastische Beispiele wie den ersten Fußballclub aus Köln, der sein Geld in die Hand nahm und es den Bayern gab, und der sich in der nächsten Saison der Dienste von Peter Zwegat bedienen werden muss um den Kader aufzupolieren, rennt man bei den spendablen Fans sauber ins Abseits. „Der iss doch auch nix mehr“. Der Hinweis darauf, dass solche Pleiten bei Vertragsabschluss meist noch nicht klar sind, ruft den gleichen Gesichtsausdruck hervor, wie seinerzeit bei Ewald Lienen, als er bei einer Pressekonferenz nach dem potentiellen Neuzugang Ole Nicolaisson befragt wurde. „....was?!“
So sieht das aus, wenn das Transferfenster langsam aufschwingt. Dabei könnte Borussia noch eine letzte und kurzfristige Ausrede auf den Markt bringen: Was hat uns die letzte Saison gebracht, als das P-Wort erst am letzten Spieltag zur Verfügung stand? Unter anderem Reus und Marx, zuvor Dante und Bailly. Was hat es an neuen Spielern gegeben, als genannte P. letztmalig Wochen vor dem Saisonende eintrudelte, nämlich in der Saison unter Horst Köppel? Insua, Delura, Degen.... also vergesst doch bitte ganz schnell, dass Planungssicherheit automatisch bessere Spieler bringt. Sie führt nur zu schlechterem Personal, wenn sie nicht da ist.
Aber wenn sich jemand solche Aussagen traut, gibt das nur wieder hämische Kommentare bei Seitenwahl.
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