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Enke, Hochstätter, Kind - Fragen an Hannovers Fans |
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Geschrieben von www.seitenwahl.de
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Freitag, 30 April 2010 |
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Das Spiel Borussias bei Hannover 96 ist aus Gladbacher Sicht verhältnismäßig unbedeutend. Das primäre Saisonziel den Klassenerhalt frühzeitig zu sichern ist erreicht. Jetzt geht es nur noch um einen den Wettbewerb nicht verzerrenden Einsatz und um selbst gesetzte "Ehrenziele", wie etwa in der Abschlusstabelle vor dem 1.FC Köln zu landen.
Ganz anders sieht es für den Gegner aus. Hannover 96 ist höchst gefährdet. Eine Niederlage gegen Borussia könnte im für Hannover schlechtesten Fall schon den Abstieg in die Zweite Liga bedeuten.
Unsere Kollegen vom 96er-Online-Fanzine "Das Fanmagazin" hatten die SEITENWAHL-Redaktion zu allerlei Fragen rund um das vorletzte Spiel der Saison befragt. Was wir zu sagen hatten, lest Ihr hier.
Im Gegenzug wollten wir auch einiges zu Hannover 96 wissen. Welche Nachwirkungen hat der Tod von Robert Enke heute noch, wie wird die Arbeit von Christian Hochstätter rückblickend bewertet - und wie halten die Fans es mit den zweifelhaften Aktivitäten ihres Präsidenten in Sachen 50+1.
SEITENWAHL: Der Tod Robert Enkes scheint die Fans von H96 seinerzeit besonders zusammengeschweißt zu haben - ist jetzt, auch angesichts des sportlichen Mißerfolgs, davon noch etwas zu spüren?
das fanmagazin: Ich persönlich spüre davon nichts mehr, habe das aber ehrlich gesagt auch nicht erwartet. Auch sonst hat sich im Bereich des Profi-Fußballs nachhaltig ja nichts verändert, obwohl von vielen diese Hoffnung und auch der gute Willen geäußert wurde. Ich kann aber nicht erkennen, dass beispielsweise die Medien in ihrer Berichterstattung in irgendeiner Art und Weise "vorsichtiger" mit ihren Bewertungen einzelner Spieler sind. Ebenso merke ich im Stadion nicht viel davon. Nach wie vor gibt es Schmähungen des Gegners und auch ebenso starke Unmutsbekundungen gegenüber Spielern der eigenen Mannschaft - auch in Hannover.
SEITENWAHL: Objektiv gesehen lief es bei Hannover sportlich schon vor dem tragischen Tod von Robert Enke nicht rund. Trainer Hecking war der erste Trainer in der laufenden Saison, der gehen musste/gegangen ist. Wo siehst du die eigentlichen Gründe für die sportliche Talfahrt? Wurde der Kader falsch zusammengestellt?
das fanmagazin: Rund lief es in der Tat nicht. Aber immer noch besser als jetzt. Schließlich stand man tabellarisch bei der Entlassung Dieter Heckings deutlich besser dar als jetzt und fühlte sich da auch schon unter Wert verkauft. Die Gründe kann ich ganz schwer benennen, da ich sie nicht kenne. Eine große Rolle spielte sicherlich der Tod Robert Enkes, ganz klar. Zum einen als psychische Belastung für die Mannschaft und zum anderen auch rein sportlich gesehen. Mit Robert Enke fehlt nicht nur ein überragender Schlussmann, der viele Punkte rettet, sondern auch eine stützende Komponente, die einfach eine ganz besondere Sicherheit und Verlässlichkeit ausstrahlt, die auch auf die Vorderleute abfärbt. Womit ich nicht sagen will, dass Florian Fromlowitz ein schlechter Torhüter wäre, keineswegs, aber Robert Enke war einfach eine Klasse für sich.Ein weiterer ganz entscheidender Faktor ist ein Verletzungspech, das ich in der Bundesliga bislang bei noch keinem anderen Verein in diesem Ausmaß erlebt habe. Schon gar nicht über eine ganze Spielzeit hinweg. Durchschnittlich fehlten pro Spieltag bestimmt 7-9 Spieler verletzungsbedingt.Den Kader an sich halte ich für stark genug für die Bundesliga. Problem in dieser Saison sind einfach viele Faktoren, die nicht beeinflussbar sind, die ich ja bereits nannte. Hinzu kam noch, dass die Vorbereitung im Grunde verschenkt war, denn meines Erachtens hätte schon die neue Saison unbedingt mit einem neuen Trainer angegangen werden müssen.
SEITENWAHL: War die Trennung von Dieter Hecking ein Fehler und war die Ernennung Andreas Bergmanns zum Cheftrainer womöglich überstürzt?
das fanmagazin: Die Trennung von Dieter Hecking war auf keinen Fall ein Fehler und schon gar nicht überstürzt. Im Gegenteil: sie kam deutlich zu spät. Bereits nach der vergangenen Saison forderten viele eine Ablösung. Auch ich hätte sie mir gewünscht. Stattdessen entschied man sich, mit ihm in die neue Saison zu gehen und ihn dann direkt zu Saisonbeginn zum Rücktritt zu überreden. Statt dass der neue Trainer also die gesamte Sommerpause zur Vorbereitung nutzen und Einfluss auf den Kader nehmen kann, wurde er nun ins kalte Wasser geworfen. Das ist sicherlich auch ein Faktor, der mit einen Anteil an der derzeitigen Lage hat.
SEITENWAHL:Im Hinspiel gab es einen 5:3-Erfolg der Borussia mit einer Reihe an Selbsttoren, im Grunde auf beiden Seiten. Für Borussenanhänger war es ein spektakuläres Erlebnis, für die Fans von 96 bestimmt nicht. Generell: fällt ein Spieler von Borussia ein, der Dich interessieren würde, wenn Du Sportdirektor Deines Vereins wärst? Wie beurteilst Du aus der Ferne den Verein Borussia Mönchengladbach und besonders die laufende Saison der Borussia?
das fanmagazin: Doch doch, spektakulär war das schon; auch für mich. Wann gab es so etwas schon einmal, dass so viele Eigentore in einem Spiel fielen? Dazu noch so merkwürdige Eigentore und nicht nur welche in der Form, dass ein Spieler einen Ball abfälscht und die Flugbahn leicht verändert. Natürlich hätte ich die Eigentore lieber auf der anderen Seite gesehen, aber in gewisser Weise fand ich diese Kuriosität auch sehenswert. Vielleicht auch deswegen, weil ich damals in einer gewissen Grundnaivität auch noch glaubte, dass der Klassenerhalt kein Problem darstellen würde und die Mannschaft sich in der Winterpause wieder fängt.Zur Borussia kann ich ehrlich gesagt gar nicht viel sagen, da ich in meinem Blick ziemlich auf Hannover 96 fixiert bin. Daher kann ich leider keinen konkreten Spieler benennen. Was ich aus der Ferne aber sagen kann, ist, dass ich es beeindruckend finde, dass Gladbach nach der äußerst knappen letzten Saison eine so ruhige Spielzeit hinter sich hat. Das war so nicht zu erwarten. Was zuletzt außerdem noch auffiel, sind recht teure Neuverpflichtungen für die neue Saison. Da werden Erinnerungen an alte Zeiten wach - unter anderem auch an Christian Hochstätter.
SEITENWAHL:Am letzten Spieltag kann es in Bochum zu einem Endspiel um den Abstieg kommen. Was spricht für Hannover?
das fanmagazin: Dass Bochum noch schwächer zu sein scheint und auf den Abstiegskampf gar nicht so richtig vorbereitet ist. Bis vor ein paar Spieltagen ist in Bochum wohl so gut wie niemand davon ausgegangen, noch in den Abstiegsstrudel geraten zu können. Zudem haben die Roten gegen Schalke gezeigt, dass sie sowohl die Klasse als auch den Willen haben, Spiele für sich entscheiden zu können und dass sie vom Potenzial her in die erste Liga gehören.
SEITENWAHL: Eintracht Braunschweig schickt sich aktuell an in die 2. Bundesliga aufzusteigen. In Braunschweig wird derzeit jedes Tor gegen Hannover 96 noch frenetischer bejubelt als Tore der eigenen Mannschaft. Es wirkt möglich, dass man sich in der kommenden Saison wieder mit dem alten Rivalen messen muss. Mit welchen Gefühlen nimmt man bei den Fans von Hannover 96 dieses mögliche Szenario auf?
das fanmagazin: Ganz klar ambivalent. Einerseits hat so ein Duell natürlich immer einen ganz besonderen Reiz. Aber irgendwie ist die bisherige Lage, dass ganz klar definiert ist, wer sportlich die "Nummer 1" ist, auch ganz angenehm. Hinzu kommt noch, dass es einfach schwer ist, den Braunschweigern einen Aufstieg zu gönnen. Insbesondere natürlich dann, wenn 96 gleichzeitig absteigen sollte. Im Moment mache ich mir darüber aber praktisch keine Gedanken, da einfach nur der Klassenerhalt von 96 im Vordergrund steht. Alles andere ist reine Nebensache.
SEITENWAHL:Mit Ricardo Moar, Ilja Kaenzig, Christian Hochstätter und Jörg Schmadtke hat es in den acht Erstligajahren nach dem Aufstieg 2002 vier unterschiedliche Sportdirektoren bei Hannover 96 gegeben. Wie beurteilt ein 96-Fan die Amtszeiten dieser Verantwortlichen im Vergleich?
das fanmagazin: Die besten Resultate hat in meinen Augen ganz klar Jörg Schmadtke erzielt, auch wenn das angesichts der derzeitigen Lage vielleicht etwas widersprüchlich erscheint. Aber er hat nach meinem Empfinden das beste Händchen bewiesen. Er hat unbekannte Spieler zu vergleichsweise günstigen Konditionen verpflichtet, die Hannover 96 auch wirklich weiterhelfen können - so sie denn nicht verletzt sind. Ein solches Händchen hatte teilweise aber auch Ricardo Moar, der zum Beispiel mal eben einen Jaime aus dem Hut zauberte, der 96 viel Freude bereitet hat und vorher bei niemandem auf dem Zettel stand. Er lag aber auch oft daneben. Zudem war das gesamte Auftreten Moars sehr streitbar und über Transfers wurde im Vorfeld viel zu viel öffentlich. Eine alte 96-Tradition, die auch schon das eine oder andere Mal zum Platzen eines Transfers führte. Christian Hochstaetter hat hier im Nachhinein den Ruf, viel Geld für große Namen verbrannt zu haben, die nicht weitergeholfen haben, was sicherlich auch nicht von der Hand zu weisen ist. Allerdings liefen seine Transfers dafür sehr geräuschlos ab, was von vielen auch gelobt wurde. Wie übrigens bei Jörg Schmadtke auch. Meine Erinnerungen an Ilja Kaenzig sind dagegen etwas verblasst, ich kann einzelne Spieler gar nicht mehr so richtig den entsprechenden Sportdirektoren zuordnen.
SEITENWAHL:Hannover 96 ist bei vielen Fußball-Fans in Deutschland äußerst unbeliebt, weil der Präsident, Martin Kind, sich als vehementer Gegner der 50+1-Regel hervortut. Wie sieht man das in der Fanszene. Steht man da aus Prinzip zum Präsidenten, ist man gespalten oder sieht man diese Aktivitäten ähnlich kritisch, wie die Mehrheit der Fußballfans?
das fanmagazin: Ich habe vor eineinhalb Jahren mal eine Umfrage zum Thema 50+1 gestartet und bin davon ausgegangen, dass es ein klares Votum für den Erhalt von 50+1 geben würde. Das Ergebnis war dann aber ein völlig unerwartetes: die Umfrage fiel knapp für die Abschaffung von 50+1 aus.
In Diskussionen erscheint es aber so, als ob eine deutlichere Mehrheit gegen die Planungen von Martin Kind bestehen würde. Was im übrigen auch meiner persönlichen Meinung entspricht. Denn letztendlich würde eine Abschaffung der Regel nicht dazu führen, dass die kleinen Mannschaften davon profitieren, sondern in erster Linie eher die großen oder aber im Extremfall alle Mannschaften. Denn nicht nur Hannover 96 hätte die Möglichkeiten, Investoren ins Boot zu holen, sondern natürlich alle anderen Clubs auch. Im Endeffekt würde das entweder zu einem Fahrstuhleffekt führen, der alle finanziell oben bringt oder aber es würden sich in erster Linie für die größeren Clubs Investoren finden, während die Kleinen auf der Strecke bleiben. Aber eigentlich bin ich in der Materie zu wenig drin, um wirklich ein fundiertes Urteil dazu abgeben zu können. Die Kritik, die Martin Kind an der derzeitigen Praxis übt, ist ja sicherlich auch nicht von der Hand zu weisen, wenn er seine Argumentation darauf aufbaut, dass hinter Mannschaften wie Leverkusen und Wolfsburg große Unternehmen stehen, was durchaus wettbewerbsverzerrende Züge hat. Da ist schon was dran.
SEITENWAHL:Werden wir von Kind und seinen Machenschaften womöglich verschont, wenn H96 die Liga wechselt?
das fanmagazin: Wahrscheinlich nicht. Martin Kind hat bereits anklingen lassen, dass er es als Aufgeben empfinden würde. Und das entspricht ganz und gar nicht seinem Naturell.
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