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Geschrieben von Thomas Häcki
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Sonntag, 03 Oktober 2010 |
Sieben Spieltage sind nun vorbei. Das ist sicherlich zu früh, um
ernsthafte Aussagen zum Verlauf der noch jungen Saison zu treffen. Mannschaften
wie Mainz, Freiburg oder Hannover 96 finden sich überraschend im oberen Drittel
der Tabelle wieder. Teams wie Stuttgart, Bremen oder Schalke 04 nehmen hintere
Plätze ein. Bei einem von Überraschungen geprägten Saisonstart, wo jeder jeden
überall zu schlagen vermag, darf getrost davon ausgegangen werden, dass dieses
Tabellenbild noch kräftig durcheinandergeschüttelt werden wird. Eine Aussage
darf man nach sieben Spieltagen aber dennoch machen: Der Saisonstart von
Borussia Mönchengladbach ging gehörig daneben.
Bekanntlich hat der Erfolg viele Väter. Beim Misserfolg muss man wiederum
nicht lange nach den Besserwissern suchen, welche die Welt, bevorzugt über die
Boulevardmedien, mit ihren Pauschalratschlägen beglücken. Gründe für die
momentane Tristesse gibt es somit viele. Sicherlich sind hier zuerst die
Schiedsrichter zu nennen. Deren unsicheres Händchen in kniffligen Situationen
hat bereits manch einen Verschwörungstheoretiker auf den Plan gerufen. Auch
wenn es das große Komplott gegen Borussia Mönchengladbach wohl nicht gibt, muss
die Frage nach der Qualität von Bundesligaschiedsrichtern gestellt werden. Vom
DFB darf man hier keine Hilfe erwarten. Kritik an den Unparteiischen führt in
Frankfurt reflexartig zur Ablehnung. Vielleicht liegen die Gründe für schwache
Schiedsrichterleistungen auch weniger auf dem Platz, als mehr in den Strukturen
des DFB, die schon im Fall Amerell ein unglückliches Bild abgaben. Zumindest
kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass in den letzten Jahren bei
qualifizierten Schiedsrichtern „die Breite an der Spitze geringer geworden
ist“.
Doch nicht nur die Schiedsrichter sind Schuld, dass es bei den Fohlen
derzeit nicht so läuft. Auch an der Mannschaft wird Kritik geäußert. Bei
durchschnittlich fast drei Gegentoren pro Spiel ist es keine Überraschung, das
vor allem die Defensive bemäkelt wird. Logan Bailly koste der Mannschaft derzeit
mehr Punkte, als er rette. Roel Brouwers hinke seiner Leistung der letzten
Saison hinterher. Dante wäre wohl auch für jeden anderen Bundesligisten schwer
zu ersetzen. Die Abstimmung im defensiven Mittelfeld sei verbesserungswürdig.
Zudem stimme die Übersetzung von Defensive auf Offensive nicht, man spiele zu
statisch oder die Mannschaft kämpfe ganz einfach nicht genug. Sicherlich sind
die meisten dieser Punkte diskutabel. Alleine die Fülle der Argumente zeigt
jedoch, dass es wohl „den einen Grund“ für den momentane Misere nicht gibt.
Oder vielleicht doch?
Nun hat sich das Orakel von München-Gladbach zu Wort gemeldet. Stefan
Effenberg redet via Boulevard Klartext: „Gladbach fehlen die Drecksäcke“.
„Jawohl!!!“ tönt es durch die Gladbacher Fangemeinde. Manch einer erinnert sich
verträumt an die Neunziger Jahre, als „der Tiger“ die Ärmel hochkrempelte und
bereits verloren geglaubte Partien noch gedreht wurden. Unstrittig ist, dass
ein Spieler mit dem Kampfgeist eines Stefan Effenberg den Fohlen gut zu Gesicht
stehen würde. Nur gibt es leider die Kategorie „Drecksack“ nicht, in der man
solche Spieler finden würde. Im Gegenteil. Drecksäcke werden nicht als solche
geboren, sie genießen keine fußballerische Ausbildung in diesem Fach und sie
können dies auch nicht an der Abendschule erwerben. Um ein Drecksack zu sein
bedarf es vielmehr zwei Grundeigenschaften: Die charakterliche Fähigkeit hierzu
und Erfahrung! Doch grade am zweiten hapert es noch.
Es ist noch nicht sehr lange her, als das gleiche Medium, in dem jetzt
Herr Effenberg seine These verbreitet, die heutige Mannschaft als „die neuen
Fohlen“ titulierte. Richtig ist, dass die Stammelf der Borussen noch recht jung
ist. Lediglich Filip Daems ist älter als 30, ein großer Teil des Stamms ist jünger
als 25 Jahre. Gerade bei den jungen Spielern zeigen ein Tobias Levels oder ein
Michael Bradley großen Kampfwillen. Wenn man also einen Drecksack haben will,
muss man ihm auch die nötige Zeit zur Entwicklung geben. Das mag im
schnelllebigen Fußballgeschäft mühsam erscheinen, Erfahrung und Zeit sind aber
nun einmal untrennbar miteinander verflochten. Selbst ein Stefan Effenberg war
mit 24 Jahren noch nicht in der Lage eine Mannschaft so zu führen, dass sie das
Ruder rum reißen konnte. Zum „Stinkefinger der Nation“ musste auch er sich erst
entwickeln. Wer also Drecksäcke haben will, der muss ihnen auch die Zeit geben,
sich zu entwickeln und Erfahrungen zu sammeln. Und genau das tut Michael
Frontzeck, genau dies ist der Weg den man in Mönchengladbach propagiert.. Wir
brauchen also nicht mehr Drecksäcke, sondern weniger Besserwisser.
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