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Borussia
ist nach dem zehnten Spieltag am Tabellenende angekommen – mit einer Leistung,
die eines Tabellenletzten absolut würdig ist. Nach diversen Spielen, in denen
man sich – teils zurecht – von Schicksal und Schiedsrichtern benachteiligt
wähnte, lieferten die Gladbacher in Kaiserslautern eine Partie ab, in der sie
sich zu 100 Prozent alleine zuzuschreiben haben, unter die Räder geraten zu
sein. Aber auch nach den 90 Minuten des Schreckens scheint die Zeit für die branchenübliche
Diskussion um das Führungspersonal noch nicht angebrochen zu sein. Das ist
zunächst einmal gut.
Die reflexhaften und unbedachten Rufe nach einem
Trainerwechsel, das unsägliche Sehnen vieler Couch-Experten gar nach einem
Lautsprecher und Selbstdarsteller vom Schlage Effenberg führen nicht weiter.
Dass sich Borussias aktuelle Situation allein durch eine Veränderung auf der
Trainerposition dauerhaft verbessert, ist völlig ungewiss, ja sogar
unwahrscheinlich.
Ändern muss sich gleichwohl Einiges. So, wie es gestern lief, wie es teilweise auch in
den anderen Spielen dieser bislang aus Borussensicht entsetzlich verlaufenen
Saison lief, kann es nicht weitergehen.
Wie tief
ist diese Erkenntnis bei Borussia gedrungen? Das ist die Frage, die sich auch
dem wohlmeinendsten Beobachter nach dem Spiel in Kaiserslautern stellt. Die
Äußerungen von Max Eberl und Michael Frontzeck lassen zwei Interpretationen zu.
Eine positive: sie sind standhaft und konsequent von der Richtigkeit ihrer Idee
überzeugt. Eine negative: sie ziehen stur ihr Ding durch und hoffen auf den
lieben Gott.
„Zusammenstehen“,
„gemeinsam durchziehen“, an der „Linie festhalten“ – das ist gut, wenn man eine
Idee hat, wie man der Lage wieder Herr werden kann. Wenn man Punkte sieht, an
denen man ansetzen kann, um die Dinge zum Guten zu wenden. Wenn man sich sicher
sein kann, dass alle Beteiligten, mit denen man zusammenzustehen gedenkt, mit
Herz, Kopf und Knochen dabei sind.
Angesichts
von Äußerungen wie „unnötige Niederlage“, angesichts des (berechtigten aber
sinnlosen) Beweinens der anhaltenden Personalmisere, angesichts von Floskeln,
wie der vom „angeschlagenen Boxer“, der gegen Bayern womöglich erst recht
gefährlich ist, muss man allerdings kein „Raus-Rufer“ sein, um ein gewisses Unbehagen
zu verspüren und sich zu fragen, ob sich bei Borussia wohl eine gewisse
Realtitätsverweigerung breitgemacht hat.
Aber gehen
wir besser nicht zu kritisch mit solchen Wortmeldungen ins Gericht. Wenn man
nach einem derartigen Tiefschlag wie am Samstag gezwungen ist, etwas zu sagen,
sagt man nicht immer das Richtige. Und womöglich sind Max Eberl und Michael
Frontzeck auch gut beraten, sparsam mit Einblicken in ihren aktuellen Gefühls-
und Gedankenhaushalt umzugehen. Gehen wir davon aus, dass sich beide der
Floskelhaftigkeit ihrer Ausführungen bewusst sind und dass ein Sinn und nicht
nur ein Reflex dazu führt, dass sie sich immer noch schützend vor die Männer
stellen, die sie zum wiederholten Mal im Regen haben stehen lassen.
Gehen wir
also davon aus, dass es richtig ist, mit dem handelnden Personal
weiterzumachen.
Beneiden
kann man dieses Personal um seine Aufgabe keineswegs. Wie kompliziert die Lage
ist, zeigt sich in den zahlreichen Gesprächen und Diskussionen, die die Frage
„woran liegt’s“ zum Thema haben. Es gibt nämlich keine befriedigende Antwort.
Zu unterschiedlich sind die Spiele gelaufen, zu häufig gingen Pech,
Ungerechtigkeit und Unvermögen miteinander einher, zu oft tauchte, wenn ein
Schwachpunkt behoben zu sein schien, ein neues Problem an einer Stelle auf, an
der man keins erwartet hätte. Konstant ist – zumindest in der Bundesliga – nur
eins: es läuft nicht.
Die Abwehr
ist von Beginn dieser Saison an wackelig und unsicher. Das auf das Fehlen der
etatmäßigen Innenverteidigung zu schieben verbietet sich eingedenk der hohen
Niederlagen gegen Frankfurt und Stuttgart und auch des bisher einzigen
Bundesliga-Sieges in Leverkusen.
Zwischen
den sechs defensiv und den vier offensiv orientierten Spielern klafft in vielen
Spielen ein Loch. Wenn „unser Spiel“, also das schnelle Spiel aus der kompakten
Defensive in die Spitze, vom Gegner unterbunden wird, geht bei Borussia meist
weniger als nichts. Selten war das so offensichtlich wie in Kaiserslautern, wo
ein engagiert kämpfender Gegner eben dieses Spiel zu unterbinden vermochte.
Alle Versuche, sich durch das Mittelfeld hindurchzuspielen, gingen schief, wie
übrigens auch schon im Pokalspiel (und auch dort im Nachgang schon angemerkt).
Die Folge: extrem viele Ball- und in der Konsequenz der absolute Kontrollverlust
über das Spiel.
Sah es
zunächst so aus, als sei die wacklige Defensive das entscheidende Problem
Borussias, hat sich nun auch noch eine formidable Abschlussschwäche
dazugesellt, die schon in Spielen gegen Wolfsburg, Hoffenheim, Bremen und
Leverkusen (Pokal) deutlich wurde, die aber ihre bislang offensichtlichste
Ausprägung in der Idrissou-Groteske vom Samstag gefunden hat.
Auf
einzelne Spieler einzudreschen ist ebenso wenig zielführend, wie alle Probleme
auf Trainer oder Manager zu schieben. Problematisch wird es allenfalls dann,
wenn man Zweifel am Willen einiger Akteure, potenzieller Führungskräfte gar,
bekommt. Und da muss sich dann doch entweder Michael Frontzeck die Frage
gefallen lassen, ob Igor de Camargo womöglich noch extrem unter den Folgen
seiner Langzeitverletzung leidet und schlicht noch nicht spielfähig ist, oder
de Camargo selbst muss sich fragen lassen, was er am Samstag eigentlich auf dem
Platz gewollt hat.
Halten wir
fest: lächerlich war nicht das Ergebnis vom Samstag und es war auch kein Witz.
Lächerlich war die Darbietung der Mannschaft und ein Witz ist, wenn man
behauptet, 70 Minuten „gut dagegen gehalten“ zu haben.
Halten wir
ferner fest: Gemeinsam weitermachen kann genau der richtige Weg sein.
Die
Voraussetzung ist aber, dass „gemeinsam weitermachen“ nicht „weiter so“ heißt.
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