Bundesliga 2011/2012

Tabelle

Intern / Interaktiv

Impressum
Home arrow Newsticker arrow Erst desolat, dann stark
Erst desolat, dann stark Drucken
Geschrieben von Christoph Clausen   
Samstag, 06 November 2010

Bayern MünchenIn einem Spiel mit zwei völlig verschiedenen Halbzeiten kamen die Borussen am heutigen Samstag gegen Rekordmeister Bayern München zu einem 3:3. Trotz früher Führung präsentierten sich die Gladbacher in der ersten Halbzeit wie ein Absteiger und hatten angesichts dreier Münchner Aluminiumtreffer viel Glück, zur Pause nur mit 1:2 zurückzuliegen. In der zweiten Hälfte dagegen zeigte Michael Frontzecks Mannschaft eine der besten Saisonleistungen und konnte lange sogar auf einen Sieg hoffen.

 

Frontzeck hatte sich dafür entschieden, den gelbgesperrten Thorben Marx durch Roman Neustädter zu ersetzen. Zudem kehrte nach seiner Denkpause Raul Bobadilla in die Startelf zurück, dafür musste Igor de Camargo auf der Bank Platz nehmen. Von dort sah er jeweils ein frühes Tor auf beiden Seiten.

 

Beim Gladbacher Führungstreffer nach fünf Minuten leistete Hans-Jörg Butt großzügige Unterstützung. Der Bayernkeeper verschätzte sich bei Patrick Herrmanns Flanke und konnte den sich tückisch ins Tor senkenden Ball nicht mehr abwehren. Die Antwort der Münchner ließ nur sechs Minuten auf sich warten, und wie so oft in dieser Saison war es eine Standardsituation, aus der die Borussen ein Gegentor kassierten. Kroos‘ Freistoßflanke konnte Mario Gomez aus wenigen Metern relativ unbehindert ins Tor köpfen, nachdem Anderson den Ball nicht hatte wegköpfen können und Heimeroth auf der Linie verharrt war.

 

In der Folge übernahmen die ungemein passsicheren Münchner die Spielkontrolle, während sich nahezu alle Borussen in die eigene Hälfte zurückzogen. Gladbacher Konter waren selten; die wenigen verpufften in abgeblockten oder harmlosen Fernschüssen. Die Bayern waren in allen Belangen überlegen und mussten sich alleine vorwerfen, ihre Dominanz in zu wenig Zählbares umzumünzen. Zweimal rettete die Querlatte, einmal mit starkem Reflex Christofer Heimeroth für die Borussia. Machtlos war der Keeper allerdings in der 40. Minute, als Bastian Schweinsteiger Pranjics Zuspiel per Hackentrick ins Tor verlängerte. Zwei Minuten später hätte Schweinsteiger auf 3:1 erhöhen kann, setzte den berechtigten Foulelfmeter aber an den Pfosten. Zuvor hatte der nicht nur in dieser Szene überforderte Sebastian Schachten Hamit Altintop zu Fall gebracht und Glück gehabt, dass Schiedsrichter Kircher die Aktion nicht als Notbremse gewertet hatte.

 

Weiterspielen durfte Schachten dann aber doch nur noch drei Minuten lang, denn er wurde ebenso wie Mo Idrissou zur Pause ausgewechselt. Dafür kamen Roel Brouwers und Igor de Camargo ins Team. Kapitän Filip Daems übernahm nun die Rolle als Linksverteidiger, während Brouwers und Anderson im Zentrum verteidigten. Vorne spielte de Camargo hängende Spitze und orientierte sich Marco Reus stärker auf die Flügel.

 

Neben der Auf- hatte sich aber vor allem die Einstellung der Borussen verändert. Von Beginn der zweiten Halbzeit an gingen die Gastgeber engagierter in die Zweikämpfe, setzten die Bayern früher und entschlossener unter Druck und spielten zielstrebiger nach vorne, ohne in der Defensive die Ordnung zu verlieren. Prompt ergaben sich Torchancen. Zunächst war Neustädter noch zu überrascht, als der Ball nach der ersten Gladbacher Ecke zu ihm kam. Dann gelang es Bobadilla nicht ganz, Demichelis‘ Rückpass auf Butt zu erlaufen, kurz darauf verzog Herrmann in guter Schussposition.

 

In der 56. Minute aber war es soweit: Nach Neustädters energischer Balleroberung im Mittelfeld setzte de Camargo Reus in Szene, der mit einem Flachschuss in die rechte Torecke den Ausgleich erzielte. Nur vier Minuten später gingen die Borussen gar in Führung. Wieder waren Reus und de Camargo die Protagonisten, diesmal unter umgekehrten Vorzeichen: Der ohnehin sehr agile Reus setzte sich mit großer Dynamik gegen Pranjic durch und legte für de Camargo auf, der im Duell mit Jörg Butt die Nerven behielt und links unten ins Bayerntor abschloss.

 

Wer nun einen wütenden Münchner Sturmlauf erwartet hatte, sah sich getäuscht. Die Münchner waren nach vorne zwar bemüht, die Gladbacher Defensive zeigte sich nun aber viel besser sortiert. Daran hatte auch Frontzecks Umstellung in der Pause beträchtlichen Anteil: Auf der linken Abwehrseite hatte Daems Altintop weitestgehend im Griff. In der Innenverteidigung wirkte Brouwers stabilisierend und klärte in der 77. Minute als letzter Mann mit einem ganz starken Tackling gegen Gomez. Auch wenn die Borussen ihre gelegentlichen Konterchancen zu ungenau spielten, schien der zweite Sieg der Bundesligasaison lange in greifbarer Nähe.

 

In der Schlussphase allerdings erhöhten die Münchner wieder den Druck und kamen in der 84. Minute zum erneuten Ausgleich. Tymoshchuk spielte den im Strafraum allein gelassenen Lahm frei, der Heimeroth mit einem überlegten Schuss ins linke Eck bezwang. Der kurz zuvor eingewechselte Matmour hob in dieser Situation das Abseits auf.

 

Trotz einiger Aufreger auf beiden Seiten blieb es am Ende beim 3:3, das zur Pause noch keiner für möglich gehalten hätte. Die Gladbacher schwankten zwischen Ärger über den späten Ausgleich und Freude darüber, dass man nach der erschreckend schwachen ersten eine stark verbesserte zweite Halbzeit gespielt und einen insgesamt verdienten Punkt geholt hatte. Den letzten Tabellenplatz verließ die Frontzeck-Truppe dadurch allerdings nicht.

 

Borussia Mönchengladbach: Heimeroth – Levels, Anderson, Daems, Schachten (45. Brouwers) – Bradley, Neustädter – Herrmann (82. Matmour), Idrissou (45. de Camargo) – Reus, Bobadilla.
Bayern München: Butt – Lahm, van Buyten, Demichelis, Pranjic (81. Alaba) – Tymoshchuk, Ottl (70. Müller) – Altintop, Schweinsteiger, Kroos – Gomez.

Tore: 1:0 Herrmann (5.), 1:1 Gomez (11.), 1:2 Schweinsteiger (40.), 2:2 Reus (56.), 3:2 de Camargo (60.), 3:3 Lahm (84.).
Gelbe Karte: Schachten.
Besondere Vorkommnisse: Schweinsteiger verschießt Foulelfmeter (42.).

Zuschauer: 54.000.
Schiedsrichter: Kircher.