Spiele gegen
den 1.FC Köln sind immer etwas ganz Besonderes. Das 4:0 vom vergangenen
Wochenende wird aber einen ganz speziellen Platz in der Derbyhistorie erhalten.
Es war ein Spiel der Extreme. Extreme Tabellenkonstellation,
extrem schlechte Platzbedingungen, zwei extrem unterschiedliche Halbzeiten und
am Ende waren alle Borussen extrem glücklich, während alle Kölner extrem
deprimiert aus dem Stadion schlichen.
Es war ein Spiel der Konzepte. Auf der einen Seite das
Eberlsche-Konzept der kleinen Schritte mit dem unverwüstlichen Glauben an
Kontinuität und dem beharrlichen Festhalten an Altbewährtem, was in den
jüngsten Krisenwochen vielfach als Sturheit uminterpretiert worden war. Auf der
anderen Seite das Meiersche-Konzept „Was kostet Europa?“, sich bewusst zu
verschulden, um dem Publikum die vermeintlichen Kracher zu präsentieren, die
den Weg zurück an die Spitze ebnen sollten. Und bei Misserfolg den angeblich unvermeidlichen
Gesetzen nachzugeben und den Trainer zu opfern.
Es war ein Spiel der tragischen
Comebacks. Dass
sich die Stamm-Innenverteidigung erneut verletzte und voraussichtlich für den
Rest der Hinrunde ausfällt, ist angesichts des weiter bestehenden
Defensivproblems dramatisch. Spätestens jetzt wird Borussias Management keine
andere Wahl haben, als sich im Winter um eine Verstärkung der Abwehrreihen zu
bemühen. Die nicht zu unterschätzende Gefahr, dass sich die Verletzung
zumindest einer der beiden Spieler noch auf die Rückrunde ausweiten könnte, ist
zu groß, um sie ignorieren zu können. Doch bis zum Winter sind noch sechs
weitere Pflichtspiele zu absolvieren, denen angesichts der weiterhin prekären
Tabellenlage immense Bedeutung zukommt. Da ist es erfreulich, dass sich die
Defensive gegen allerdings erschreckend harmlose Kölner souverän präsentierte
und kaum gegnerische Torchancen zuließ. Es wäre aber fahrlässig zu vermuten,
die vor dem Derby bestehenden Baustellen seien mit einer guten Partie behoben. In
den kommenden Wochen gegen Mainz und Dortmund ist wieder mit mehr Gegenwehr zu
rechnen und nicht nur Pessimisten dürften befürchten, dass zu den bisherigen 33
Gegentoren noch das eine oder andere hinzukommen wird.
Es war ein Spiel der erfreulichen
Comebacks. Raul
Bobadilla wurde zum Spieler des Spiels, nachdem viele ihn bereits auf das
Abstellgleis schieben wollten. Seine Leistung erinnerte an sein bislang bestes
Spiel dereinst gegen Werder Bremen. Es ist erstaunlich, wie ein Spieler mit
dieser körperlichen Präsenz und diesem Durchsetzungsvermögen sein Können
bislang nur derart sporadisch abrufen kann. Ähnliches gilt für Michael Bradley,
der seine Fähigkeiten etwas häufiger, aber immer noch zu unkonstant aufblitzen
lässt. Beide Spieler sind noch relativ junge Akteure, die inzwischen aber
bereits auf einige Jahre Profierfahrung
verweisen können und deren Eingewöhnungszeit abgelaufen sein sollte. Es
sind diese Ansätze, die sie immer wieder unter Beweis stellen, die das
Verlangen nach Konstanz auf hohem Niveau bestärken. Es wäre für sie und für den
Verein elementar, dieses Verlangen endlich nachhaltig zu befriedigen, da sie in
dieser Hochform Borussia zu dem anvisierten qualitativen Sprung nach vorne
verhelfen könnten.
Es war ein Spiel der
Weichenstellungen.
Wenigstens darf man als Borussen-Fan darauf hoffen. Es kann nicht übersehen
werden, dass auch in diesem Spiel nicht wie von Tobias Levels gefühlte neun,
sondern nur drei Punkte vergeben wurden und Borussia als 17. weiterhin nur
dürftige zwei Zähler Vorsprung vor dem Erzrivalen hat. Es darf ferner nicht
unterschlagen werden, dass ein Sieg und selbst vier Tore in Köln angesichts der
Historie nur schwerlich als Sensation eingestuft werden können. Derbys haben
ihre eigenen Gesetze und ein Gesetz des Rheinderbys ist es, dass sich in aller
Regel Borussia durchsetzt. So sehr man sich über die Bestätigung dieser
Gesetzmäßigkeit freuen darf, so steht das Oberziel Klassenerhalt über allem.
Die unerwarteten Siege von Freiburg und Hannover haben den Abstand zu zwei
vermeintlichen Konkurrenten nicht verkürzt. In direkter Reichweite erscheinen
von den „logischen Abstiegsanwärtern“ nur noch die beiden Aufsteiger aus
Kaiserslautern und St. Pauli. Die Saison ist zwar noch lang und es wird noch
einiges passieren, mit dem zur Zeit niemand rechnet. Dennoch sollten wir uns
davor hüten, die Gefahr bereits voreilig als gebannt zu erklären – was im
Verein logischerweise auch niemand tut.
Es wird ein Spiel der Weichenstellungen. Der
kommenden Partie gegen den FSV Mainz kommt eine mindestens so große Bedeutung
zu wie dem Derby selbst. Denn gegen den kriselnden Ex-Tabellenführer muss die
zuletzt bestehende Heimschwäche endlich abgelegt werden. 3 Punkte aus 6
Heimspielen sind indiskutabel. Sollte sich dieser Trend gegen den FSV
fortsetzen, und anschließend erwartungsgemäß in Dortmund nichts zu holen sein,
so wäre die Hoffnung auf eine Wende zum Guten bereits wieder verpufft und die
Abstiegsgefahr wieder mindestens ebenso groß wie vor dem Spiel der Spiele in
Köln.
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