Bundesliga 2011/2012

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Zeit zu handeln Drucken
Geschrieben von Michael Heinen   
Sonntag, 05 Dezember 2010
10 Punkte nach 15 Spielen. Keine der bislang 9 Niederlagen war auch nur annähernd unverdient oder allzu unglücklich. Keine Frage: Platz 18 ist der verdiente Lohn für eine Mannschaft, der es offensichtlich an Qualität auf entscheidenden Positionen fehlt.


Qualität bedeutet nicht, dass man in einzelnen Spielen über sich hinauswächst und überragende Leistungen bringt. So etwas bringt jede Thekenmannschaft gelegentlich zustande. Selbst der FV Weinheim konnte an einem besonderen Tag den großen FC Bayern schlagen. Echte Qualität zeigt sich darin, Leistungen auf hohem Niveau konstant über einen längeren Zeitraum abzurufen. Hierzu ist Borussia ebenso wie einige ihrer Schlüsselspieler offensichtlich aber nicht in der Lage.

Alle Defizite wird man in einem Winter nicht beheben können. Dennoch ist es fahrlässig, wenn der Verein nicht alles versucht, um so viele von ihnen so gut wie möglich zu schließen, um die Chancen eines (immer unwahrscheinlicher erscheinenden) Klassenerhalts so weit wie möglich zu maximieren. Analysiert wurde die missliche Lage unserer Borussia zu genüge. Es ist Zeit, jetzt schnell und konsequent zu handeln. Einige Vorschläge sollen im Folgenden herausgearbeitet werden.

 

Eingestehen der Realitäten

 

Wir belügen uns selbst, wenn wir uns einreden, die aktuelle Mannschaft werde regelmäßig Leistungen wie in Leverkusen abrufen können, sobald alle aktuell verletzten Spieler wieder an Bord sind. Zur Klarstellung: Ganze 2 Stammspieler sind derzeit verletzt. Es gibt nur wenige Bundesligisten, denen es anders geht. Die Behauptung, die Vertreter dieser beiden Innenverteidiger seien ebenfalls verletzt, ist schlichtweg falsch. Die Vertreter heißen Anderson und Daems. Letzterer wiederum sollte auf links ggf. durch Schachten oder Wissing ersetzt werden. Die tatsächlich verletzten Spieler sind der Ersatz für den Ersatz und dies nicht ohne Grund. Ob Jaures, Dorda oder Jantschke. Sie alle haben in den vergangenen zwei Jahren ihre Chancen reihenweise nicht genutzt und es mutet aberwitzig an, ihnen jetzt hinterherzuweinen.

Nein, es liegt nicht an den Verletzten und es ist grundfalsch, dies nach verlorenen Spielen regelmäßig zu suggerieren. Anstatt nach solchen Ausreden zu suchen und den Spielern Alibis zu liefern, sollten die Verantwortlichen endlich einmal Klartext reden. Sie sollten zugeben, die Qualitätsdefizite in der Defensive vor der Saison massiv unterschätzt zu haben. Damit befinden sie sich in guter Gesellschaft, denn auch von Seiten der meisten Fans und Experten wurde die Situation dereinst alles andere als besorgniserregend bewertet. SEITENWAHL bezieht sich hier ausdrücklich ein.

Die Erkenntnis, sich geirrt zu haben, ist stets der erste Weg zu einer möglichen Besserung. Die letzten Monate sollten uns allen die Augen geöffnet haben, dass Spieler wie Schachten, Daems oder Anderson leider keinerlei Berechtigung haben, in der 1. deutschen Fußballliga zu spielen. Sie sind mit dieser Qualität hoffnungslos überfordert und zumindest bei den ersten beiden besteht wenig Hoffnung, dass sich dies noch ändern wird.

Es ist eh eines der größten Mysterien unserer Vereinshistorie, wie sich ein Filip Daems trotz überwiegend unterirdischer Leistungen über 7 Jahre in der Stammelf behaupten konnte. Dessen Unfähigkeiten werden seit langem durch seine Position als Kapitän und vermeintlicher Führungsspieler verklärt und es verwundert, wieso es der Trainer einem Jens Wissing zutraut, noch schlechter aussehen zu können als der Belgier.

 

Wiedereingliederung von Paul Stalteri in den Spielbetrieb

 

Aber selbst wenn man in den 22jährigen, an dem vor der Saison u. a. Dortmund und Schalke Interesse zeigten, keinerlei Vertrauen hat. Für die Außenverteidigung steht noch ein Spieler unter Vertrag, der über die Erfahrung von 170 Bundesligaspielen verfügt, der vor zwei Jahren mit soliden Leistungen wesentlich zu unserem Klassenerhalt beitrug und der gerade einmal ein Jahr älter ist als der „unumstrittene“ Daems. Was genau hat Paul Stalteri verbrochen, dass über ihn selbst dann nicht nachgedacht wird, wenn Woche für Woche über die ach so dramatische Verletztenmisere in der Defensive lamentiert wird? Mit Sicherheit wäre der Kanadier nicht die Lösung all unserer Probleme. Eine Chance zum Comeback hat er in unserer derzeitigen Situation allemal verdient.

Sicher, wenn Dante und Brouwers mit Beginn der Rückrunde wieder bereitstehen und direkt zur Form der Vorsaison finden sollten, wären die Probleme zumindest weniger gering. Aber: Wie wahrscheinlich ist dieses Szenario? Eine Faustregel lautet, dass Spieler nach ihrer Verletzung noch einmal dieselbe Zeit benötigen, ehe sie ihre einstige Form wiedererlangen. Dies käme für unseren Verein definitiv zu spät. Zudem kassierte Borussia auch mit ihnen 15 Gegentore in den ersten 4 Spielen. Im guten Vorjahr waren es insgesamt 60.

 

Herr Königs, Open the Geldbörse

 

Borussia wird nicht darum herumkommen, im Winter wieder einmal deutlich nachzubessern. Die Aussagen der Verantwortlichen lassen darauf schließen, dass für Wintereinkäufe nur ein sehr begrenztes Budget zur Verfügung gestellt werden soll. Ein Hassan Salihimidzic z. B. soll aufgrund seiner finanziellen Ansprüche unerschwinglich sein. Dies mag nur der übliche Poker sein, um den Preis nicht unnötig nach oben zu treiben. Die Vehemenz, mit der immer wieder darauf verwiesen wird, dass im Winter nichts bis wenig geschehen soll, klingt aber mit jeder Niederlage bedrohlicher.

Sollte es wirklich so sein, dass Borussia ein gesunder Haushalt wichtiger ist als sportlicher Erfolg, so wäre dies nicht anders als vereinsschädigend zu nennen. Niemand verlangt einen finanziellen Harakiri-Kurs der Marke Michael Meier. Es ist den Fans aber nicht länger vermittelbar, wenn sich die Verantwortlichen Jahr für Jahr dafür feiern lassen, zu den finanziell gesündesten Vereinen der Liga zu gehören, ohne dass dies jemals in einen sportlichen Gegenwert mündet.

 

Kauf von mindestens zwei echten Qualitätsspielern in der Defensive

 

Spätestens, wenn in diesem Winter nur halbherzig eingekauft wird und dann am Ende der Abstieg steht, werden sich die Verantwortlichen hierfür rechtfertigen müssen. Sicher: Auch ein noch so großer Griff ins Portemonnaie wird die Möglichkeit des Abstiegs nicht ausschließen können. Dafür ist die Situation bereits zu verfahren. Und dafür ist der Wintermarkt zu schwierig. Es war ein absoluter Glücksfall, wie er vermutlich einzigartig in der Bundesliga-Geschichte gewesen sein mag, als man vor 2 Jahren gleich 4 (kurzfristige) Volltreffer landete. Selbst dies hätte beinahe nicht ausgereicht in einer Situation, die damals noch weit weniger prekär gewesen ist als jene von heute.

Doch diese ernüchternde Ausgangsbasis darf uns nicht davon abhalten, ab sofort alle möglichen Register zu ziehen. Genauso wie man von den Spielern ab sofort erwarten muss, dem Kampf um den Klassenerhalt alles andere unterzuordnen, haben die Vereinsoffiziellen die verdammte Pflicht, alles Ihnen mögliche zu tun. Ob Königs, Schippers, Bonhof oder Eberl. Sie alle stehen in der Pflicht und werden sich am Ende gemeinsam gegenüber den Fans und Mitgliedern verantworten müssen.


Ein Abstieg würde rein finanziell einen zweistelligen Millionenbeitrag kosten und er würde unser Ziel, sich in der 1. Bundesliga zu etablieren und sich in kleinen Schritten nach vorne zu arbeiten, ad absurdum führen. Der Verein muss zwingend ein kalkuliertes finanzielles Risiko und hierfür auch den Weg zur Kreditabteilung gehen. Dem Management müssen die nötigen Mittel in die Hand gegeben werden, damit man sich um echte Qualität bemühen kann. Ein Innenverteidiger und ein defensiver Mittelfeldspieler, die notfalls je 4-5 Mio. Euro kosten könnten, dafür dann aber einen echten Qualitätssprung erhoffen lassen, könnten die bedeutendsten Baustellen stopfen. Borussia wird Wege finden müssen, dies zu ermöglichen.

 

Versuch des Verkaufs von Logan Bailly und Raul Bobadilla

 

Ein Weg könnte darin bestehen, sich schweren Herzens von zwei jungen Perspektivspielern zu trennen, von denen man sich noch vor kurzem eine glorreiche Zukunft versprochen hatte. Nur bestehen mittlerweile doch erhebliche Zweifel, ob diese Erwartungen an Raul Bobadilla und Logan Bailly nur ansatzweise gerechtfertigt gewesen sind. Eine Entwicklung ist bei beiden eher in negativer Richtung zu erkennen. Auffallen tun sie weniger durch gute Leistungen als durch Undiszipliniertheiten auf und neben dem Platz sowie durch gnadenlose Selbstüberschätzung.

Mit Raul Bobadilla hatten wir eine Menge Geduld und gerade Frontzeck hat ihm immer wieder die Stange gehalten. Welchen Dank er dafür erhalten hat, konnte man in dieser Woche lesen und beobachten. Vor einigen Wochen noch wurde das Interesse diverser ausländischer Vereine am Argentinier kolportiert. Der Verein sollte diesen Quellen nachgehen und sehen, ob ein vorzeitiger Verkauf nicht Sinn macht, sofern sich eine erträgliche Ablöse einstreichen lässt, die nicht zu weit unter dem einstigen Einkaufswert liegt. Gleichfalls spricht viel für einen Verkauf von Bailly, der als belgischer Nationalspieler ebenfalls noch Geld einbringen dürfte.

Ersatzweise sollte man eine jeweils billige Alternative für die Ersatzbank suchen, da für die Stammelf Christofer Heimeroth und Mo Idrissou bereitstehen. Mit etwas Glück und Verhandlungsgeschick könnten sich so ca. 4 Mio. Euro Gewinn einfahren lassen. Geld, das in Spieler investieren werden kann, die uns in der Realität weiterhelfen und nicht in einer potentiellen, aber doch eher utopischen Zukunft.

 

Trennung von Michael Frontzeck

 

Bleibt schlussendlich noch die Frage zu klären, die Christoph bereits in seinem Kommentar vom Samstag abend aufgeworfen hat: Wie viel Kontinuität ist gut für uns? „Von Gladbach lernen“, so hieß eine Schlagzeile in der Süddeutschen Zeitung nach dem Sieg beim 1.FC Köln. Im darauf folgenden Fohlenecho berauschte sich Präsident Königs an dieser (verfrühten) Einschätzung der bayrischen Gazette. Er zeigte sich offensichtlich stolz, den so genannten „Mechanismen des Geschäfts“ entsagt zu haben und jetzt Kontinuität um jeden Preis zu predigen.

Es ehrt die Verantwortlichen, dass man aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt hat und nicht bedingungslos beim ersten auftretenden Misserfolg das schwächste Kettenglied entlässt, um auf den erstbesten Feuerwehrmann zu setzen. Kontinuität ist grundsätzlich eine gute Idee in einem Geschäft, das von allzu hastigen und übereilten Entscheidungen dilettierender Ex-Profis in für sie völlig ungeeigneten Positionen zersetzt ist. Doch Kontinuität ist nur dann gut, wenn man sich auf dem richtigen Weg befindet. Um das überstrapazierte Autobahn-Beispiel ein letztes Mal zu bemühen: Wenn man auf dem Weg in den Borussia-Park die falsche Autobahnauffahrt gewählt hat, dann besteht die Gefahr, früher oder später in Venlo zu landen. In diesem Fall kann es durchaus Sinn machen, in Süchteln den kontinuierlichen, aber falschen Weg in die Niederlande zu verlassen und eine andere Richtung einzuschlagen.

Michael Frontzeck ist zweifelsohne ein sehr sympathischer Mensch und ein echter Borusse. Ob er allerdings die beste Wahl ist, um mit ihm durch dick und dünn zu gehen, da wachsen die Zweifel immer mehr. Es wäre unfair, ihm die Abstiege von Aachen und Bielefeld sowie den drohenden unserer Borussia ganz alleine anzulasten. Fakt ist aber, dass er bei seinen mittlerweile 3 Stationen als Cheftrainer bislang noch nicht unter Beweis stellen konnte, ein guter und erfolgreicher Trainer zu sein. Niemand wird verhehlen können, dass er in dieser Spielzeit einige Fehler gemacht hat, die mit zum katastrophalen Zwischenresultat beigetragen haben. Fehler in der Personalpolitik, das Festhalten an Spielern und Systemen, mit denen es offensichtlich nicht funktioniert, die Rat- und Hilflosigkeit, auf die Misere zu reagieren. Die einzige Hoffnung, auf die Frontzeck seit Wochen setzt, ist die Rückkehr der beiden verletzten Innenverteidiger. Im offensichtlich verzweifelten Glauben, die Mannschaft werde dann auf einmal so sehr an Qualität gewinnen, dass sie plötzlich im Stile eines Europacup-Anwärters punktet. Denn mittlerweile wäre dies nötig, um eine Aufholjagd in der Rückrunde erfolgreich zu gestalten.

Nein, so weh es tut. Leider gehen die Argumente aus, warum der Trainer unserer Borussia auch in der Rückrunde noch Frontzeck heißen sollte. Der Einwand, etwaige Alternativen seien nicht besser, ist irrelevant. Wer kannte vor 11 Jahren einen Hans Meyer ehe er bei uns anheuerte? Zudem sind Trainer wie Gross, Favre, Stevens oder Daum auf dem Markt, die bereits beachtliche Erfolge in der Bundesliga vorzuweisen haben. Ein neuer Trainer wird ebenso mit den Defiziten der Mannschaft leben müssen und niemand sollte erwarten, dass eine solche Maßnahme automatisch den Klassenerhalt bringen wird. Dennoch besteht zu einem Wechsel auf der Trainerbank mittlerweile kaum noch eine Alternative. Der Verein muss sich jetzt schon den Vorwurf gefallen lassen, sehr spät reagiert zu haben. Viel spricht dafür, sofort einen sauberen Schlussstrich zu ziehen, der aber spätestens zum Winter vollzogen werden muss.

 

Stärkeres Einbringen von Rainer Bonhof

 

Max Eberl hat ebenso Fehler gemacht wie Frontzeck. Auf seiner Habenseite stehen aber immerhin einige gute Transfers und Vertragsverlängerungen (insbesondere Dante, Reus). Da man voraussetzen kann, dass unser Management bereits seit einigen Wochen nach Verstärkungen für den Winter sucht, wäre es schwierig, zum jetzigen Zeitpunkt den Hauptverantwortlichen auszutauschen. Ein neuer Mann müsste zunächst einmal gefunden werden und anschließend die gewachsenen Strukturen im Scouting durchdringen. Bis ihm dies gelungen ist, könnte es angesichts der kurzen Winterpause für adäquate Transfers zu spät sein. Es steht außer Frage, dass sich auch Eberl der Verantwortung zu stellen hat, da insbesondere seine Millionentransfers nicht ausreichend gut eingeschlagen haben. Hier sollte sich Rainer Bonhof (und/oder ein anderer Experte) aktiver in die Transferaktivitäten einbringen, da er mit seiner Erfahrung im Profifussball und insbesondere als Ex-Scout beim FC Chelsea über entsprechendes Know-How verfügt.

Selbst wenn alle genannten Vorschläge und ggf. noch weitere denkbare Maßnahmen umgesetzt werden sollten. Der Abstieg wird angesichts der Ausgangslage nur noch schwer zu vermeiden sein. Immerhin hätte der Verein dann aber alles versucht, ihn doch noch irgendwie abzuwenden. Nicht weniger als das dürfen wir Fans erwarten.