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Home 2006/07 05, H, BL, Dortmund
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Vorbericht, Spieltag 5: Borussia Dortmund |
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Geschrieben von Mike Lukanz
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Donnerstag, 21 September 2006 |
Samstag, 20.03.2004: Borussia besiegt vor 33.000 Zuschauern am
Bökelberg den Hamburger SV mit 3:0 und überzeugt vor allem durch
Einsatz und unbedingtem Willen.
Dienstag, 20.09.2005: Nach einem in der ersten Halbzeit fast
aussichtslosem Spiel gegen einen übermächtigen Gegner, der nur aufgrund
der eigenen Fahrlässigkeit nicht noch höher führt, dreht Borussia in
der zweiten Halbzeit das Spiel und gewinnt gegen Werder Bremen mit 2:1
Toren. Der Startschuss für den „goldenen Herbst" war gefallen.
Was diese beiden Spiele gemeinsam haben? - Ihnen gingen peinliche
Niederlagen gegen Erzrivalen voraus, in denen Borussia nicht nur selber
enttäuschte, sondern auch ihre Fans. Das 0:1 im Pokal in Aachen und das
1:2 nach miserabler Leistung in Köln waren Tiefpunkte der jeweiligen
Saison. Hoffen wir also, dass Borussia im kommenden Heimspiel gegen die
Dortmunder Namenscousine diese Tradition fortsetzt, die nach einer
blamablen Leistung meist eine deutliche Steigerung zuließ. Schöner wäre
es indes, müsste man sich in solchen Spielen erst gar nicht
revanchieren, sondern auch auswärts endlich mit der Einstellung
auflaufen, die in der Bundesliga eine Bedingung ist.
Borussia:
Das Spiel in Aachen stellt den ersten negativen Höhepunkt der Saison
dar. Dass Borussia meist und oft gegen die Erzrivalen patzt, ist umso
bitterer, da die Fans dies weniger verzeihen respektive länger daran zu
knabbern haben. Der Boulevard greift diese Stimmungen allzu gerne auf
und fährt bereits in dieser frühen Phase der Saison die Geschütze auf.
Erstes Opfer ist Neuzugang Insua, dessen Auswechslung in Aachen
genüsslich ausgebreitet wurde. Borussia reagiert in dieser Woche
angenehm gelassen, was die einzig richtige und vernünftige Reaktion
ist. Es besteht kein Grund, nun alles in Frage zu stellen, was noch vor
einer Woche weitestgehend richtig war. Jupp Heynckes wird die nötigen
Lehren aus dem letzten Spiel gezogen und seine Mannschaft
dementsprechend vorbereitet haben. Zwar ist Dortmund der nominell
deutlich stärkere Gegner im Vergleich zur Alemannia, chancenlos ist man
jedoch bei weitem nicht, zumal die offensive Spielweise der Gäste der
Mannschaft um Kapitän Keller mehr liegen wird. Die beiden bisher
ausgetragenen Heimspiele gegen Borussia Dortmund waren sehr intensiv,
sehr ausgeglichen und mit offenem Visier geführt. Die Mannschaft hat es
selber in der Hand, sich für den uncouragierten Auftritt am Tivoli zu
rehabilitieren und somit den Fans nicht schon zu Beginn der Saison die
Laune vollends zu verderben. Die Presseschau dieser Woche hat gezeigt,
dass die Kritiker schon die Messer wetzen.
Borussias Defensive:
Die erschreckenste Erkenntnis der letzten Woche war, dass selbst die
konstanten Leistungsträger der Mannschaft vom Virus der
Unkonzentriertheit befallen waren. Kasey Keller, Ze António und Bo
Svensson hatten allesamt schon deutlich bessere Spiele und vor allem
von Kapitän Keller ist man solche Aussetzer, wie der, der dem 2:0 von
Jan Schlaudraff vorausging, gar nicht mehr gewohnt. Svensson und Ze
António waren bei allen Gegentreffern, die aus dem Spiel heraus fielen,
direkt beteiligt. Entweder standen sie völlig falsch zum Mann (2:0)
oder sie gingen nur halbherzig in die Zweikämpfe, so dass die
Gegenspieler freien Raum und Zeit hatten, zum Torabschluss zu kommen
(3:1, 4:1). Kasper Bögelund wird verletzungsbedingt ausfallen; seine
Leistung in der ersten Halbzeit in Aachen hätte eine Aufstellung
zumindest fragwürdig erscheinen lassen. Für ihn wird Oliver Kirch auf
die Position des rechten Verteidigers rücken. Kirch, der sich still und
heimlich zum Stammspieler entwickelt hat, fiel zwar in Aachen wie die
komplette Mannschaft ab, zeigt in dieser Saison jedoch gute und solide
Leistungen, so dass kein Grund besteht, ihm nicht ein weiteres Mal zu
vertrauen. Marcell Jansen steckt bisher - wie viele seiner
Nationalmannschaftskollegen - in einem kleinen Loch. Bei ihm ist zwar
kein so deutlicher Leistungsabfall zu konstatieren, wie es für Tim
Borowski oder Lukas Podolski zu beobachten ist, dennoch vermisst man
Jansens beherzten Sturmläufe über den linken Flügel, seine insgesamt
unbekümmerte und freche Art. Er wirkt abgeklärter, aber auch defensiver
in seinem Spiel; sicher eine Folge des Reife- und Lernprozesses, den
Jansen unter Jürgen Klinsmann und Joachim Löw durchgemacht hat.
An Eugen Polanski scheiden sich zur Zeit die Geister. Natürlich hält
man ihm immer noch gut Gute, dass er noch jung und entwicklungsfähig
ist und man darf nicht den Fehler machen, von ihm schon eine
spielerische Reife zu verlangen, die manch anderer in seinem gesamten
Fußballerleben nicht erreicht. Dennoch, Polanski ist selbstbewusst und
ehrgeizig genug, um seine Leistungen auch kritisch zu sehen. Wenn ein
junger Spieler wie er die Ambitionen hat, möglichst bald in der
A-Nationalmannschaft aufzulaufen und einen Stammplatz in einer
Bundesligamannschaft für sich zu beanspruchen, muss eine deutliche
Leistungssteigerung her. Polanski muss lernen, dass er nur das spielt,
was er kann und was von ihm verlangt wird. Er ist eben noch kein
Patrick Viera oder Mickeal Essien, die in ihrer Rolle nicht nur
Zerstörer, sondern auch Spielgestalter in der Offensive sind. Es ist
löblich, dass er zwar immer wieder versucht, das Spiel zu lenken und es
zeugt von seinem Selbstbewusstsein. In der Art und Weise jedoch, wie er
es seit Wochen umsetzt, schadet er der Mannschaft nur. Auch wenn Jupp
Heynckes große Stücke auf Polanski hält, so darf er sich darauf nicht
ausruhen, denn mit Bernd Thijs, Thomas Helveg und nicht zuletzt
Sebastian Svärd stehen genügend Alternativen bereit, die darauf
brennen, einen Einsatz von Beginn an zu erhalten.
Borussias Offensive:
Dass die Niederlage in Aachen speziell an Federico Insua aufgehangen
wurde, verwundert sehr. Hieß es noch vor der Saison, dass man ihm
genügend Zeit einräumt, um sich in der Bundesliga zurecht zu finden,
wird er nun - angeführt vom Hetzjournalismus des Boulevard - zur
Richterbank geführt, nur darauf wartend, bis man ihm hoch offiziell den
Stempel eines „Fehleinkaufs" aufdrücken kann. Borussia, ihre Fans und das
Umfeld sollten aufpassen, nicht erneut vorschnell den Daumen zu senken;
speziell dann, wenn es um einen hoch veranlagten Spieler wie Insua
geht. Alle sollten nach wie vor froh sein, einen Spieler seiner Güte in
den Reihen zu haben. Dass der Integrationsprozess, der ihn an das Tempo
und die Physis der Bundesliga heranführt, noch viele Wochen in Anspruch
nehmen wird, sollte jedem aufmerksamen Beobachter klar sein. Speziell
in Spielen gegen Gegner der „Klasse" Alemannia Aachen oder Energie
Cottbus, die mehr auf Zerstören des gegnerischen Spiels hinaus sind,
wird Insua anfangs seine Probleme haben. Man sieht seit Jahren bei
Johann Micoud, Marcelinho oder Lincoln, dass Feingeister in solchen
Spielen selten zur Höchstleistung auflaufen. Man mag dies verteufeln,
aber wünschen wir uns wirklich das stagnierende und kontraproduktive
Spiel eines Thomas Broich zurück? Oder das brave und uneffiziente eines
Ivo Ulich? Das Phlegma eines Marek Heinz? Jupp Heynckes hat in der
Pressekonferenz unmissverständlich klar gemacht, dass Insua definitiv
nicht zur Debatte stehe und dass er nicht eine Sekunde daran dachte,
ihn nicht spielen zu lassen. Hoffentlich denken die Fans am Freitag
genauso, denn spätestens nach dem ersten Fehlpass oder dem ersten
verlorenen Zweikampf wird sich zeigen, ob die Anti-Insua-Hysterie, die
diese Woche geschürt wurde, schon Wirkung zeigt. Zu befürchten ist dies
leider; hoffen wir auf das Gegenteil.
Peer Kluge wird noch nicht einsatzbereit sein, so dass Hassan El-Fakiri
erneut auf der linken Seite beginnen könnte. Da Kasper Bögelund ausfällt,
wird durch Oliver Kirchs Rückversetzung in die Viererkette eine Stelle
im rechten Mittelfeld frei. Hier bieten sich Heynckes ausreichend
Alternativen. Entweder Delura wird auf rechts beginnen, was
wahrscheinlich ist, oder Polanski weicht auf den Flügel aus, wenn Bernd
Thijs für seine von Heynckes oft gelobte Trainingsleistung mit einem
Startplatz belohnt wird und im defensiven Mittelfeld auflaufen darf.
Sollte Heynckes auf das System mit zwei defensiven Mittelfeldspielern
setzen, werden Polanski und Thijs dies ausfüllen, während Insua und
Delura (alternativ El-Fakiri) die Halb-Außen stellen. Da der BVB auch
auswärts offensiv spielt, wäre diese Variante zu bevorzugen, um über
Insua und dem schnellen Delura schnelle Kombinationen starten zu
können. Ob Youngster Johannes van den Bergh in diesem emotionsgeladenen
Spiel vor ausverkauftem Haus eine Chance von Beginn an erhält, scheint
fraglich. Zuzutrauen wäre es Jupp Heynckes allemal, zumal van den Bergh
die zur Zeit stiefmütterliche linke Seite im Mittelfeld besetzten
könnte.
Oliver Neuville wirkt zur Zeit auch „überspielt", an ihm wird derzeit
jedoch kein Weg vorbeikommen. Gleiches gilt für Kahê, der letzten
Samstag wohl sein bestes Spiel für Borussia machte und seine Leistung
mit zwei Toren krönen konnte. Dennoch sollte man nicht den Fehler
machen, den Brasilianer über den Klee zu loben, denn er hat immer noch
zu wenig klare Torchancen aus dem Spiel heraus und glänzt zur Zeit eher
bei Standards. Auch wenn gute Zuspiele aus dem Mittelfeld oft fehlen,
so taucht Kahê trotzdem zu wenig im gegnerischen Sechszehnmeterraum
auf, wo er aufgrund seiner Statur unbedingt hingehört. Wenn er sich ins
Mittelfeld fallen lässt, um - was er unweigerlich gut macht - die Außen
zu bedienen, fehlt er in der Mitte und Neuville ist wahrlich kein
Kopfballstürmer, der die Flanken von Jansen, Delura & Co. dann
verwerten könnte.
Der Gast aus Dortmund:
Man kann, wenn man über den BVB redet, lamentieren, motzen oder
mutmaßen. Fakt ist, dass der Verein unter Geschäftsführer Watzke
sprichwörtlich die Kurve bekommen hat. Natürlich ist der Verein noch
lange nicht saniert oder wirtschaftlich gesund, aber immerhin wieder so
handlungsfähig, dass man sich durchaus auf dem Transfermarkt bewegen
und sinnvoll investieren kann. Durch die Verkäufe von Jan Koller und
Tomas Rosicky, der in den letzten Jahren wahrlich keine überragende
Rolle mehr beim BVB ausübte, war genügend Kapital vorhanden, das das
Management direkt in neue Spieler investieren konnte. Alex Frei konnte
nach langem Hin und Her verpflichtet werden, ebenso Nelson Valdez von
Werder Bremen. Bereits zu Beginn des Sommers kam Steven Pienaar von
Ajax Amsterdam, kurz vor Ablauf der Transferperiode konnte mit Paulo
César Fonseca do Nascimento, kurz „Tinga", ein weiterer namhafter und
qualitativ hochwertiger Spieler gewonnen werden, so dass der Kader des
BVB insgesamt stärker und ausgeglichener besetzt ist als im letzten
Jahr.
Den Deal des Jahres hat Dortmund allerdings mit David Odonkor
abgeschlossen. Über 6 Millionen Euro für einen besseren
Ergänzungsspieler zu bekommen, ist fast schon grandios. Die Hälfte der
Transfersumme müsste man eigentlich direkt an Jürgen Klinsmann
überweisen, denn ohne dessen Berufung Odonkors zur WM hätte Michael
Zorc nur einen Bruchteil der Summe erhalten, die jetzt für Odonkor
geboten wurde. Der Aufschrei vieler Medienvertreter, die den
Dortmundern sofort den Rückfall in alte Zeiten vorhielten und dem
Vorwurf aussetzten, man gebe jungen Spielern keine Chance, war eher ein
letztes Zucken der euphorisierten WM-Journaille, die jedem Spieler der
Nationalmannschaft das Prädikat „Weltklasse" verliehen hätte (und hat).
Dass Odonkor bei der WM nicht ein einziges gutes Spiel gemacht hat,
vergessen viele. Vor der berühmten Flanke auf unseren Oliver Neuville
im Spiel gegen Polen gingen alle vorherigen Flanken daneben und selbst
gegen Argentinien bestand seine Rolle lediglich darin, den mit gelb
vorbelasteten, neu HSVler Juan Pablo Sorin zu beschäftigen und
gegebenenfalls zu einem Platzverweis zu provozieren.
Die bisherige Saison verlief zufriedenstellend für den Revierclub. Nach
einer erwarteten Niederlage beim Saisoneröffnungsspiel in München und
einem darauf folgenden Unentschieden im Signal-Iduna-Park gegen Mainz
05, das für viele Fans enttäuschend war, konnte Dortmund zuletzt zwei
Siege in Folge feiern. Nach einem überzeugenden 3:1 bei heimschwachen
Stuttgartern wurde letzte Woche der Hamburger SV mit einem knappen,
aber verdienten 1:0 bezwungen, so dass man sicher mit breiter Brust
nach Mönchengladbach reisen wird.
Dortmunder Defensive:
Roman Weidenfeller spielt seit nunmehr zwei Jahren auf konstant hohem,
bisweilen sehr hohem Niveau. Nicht umsonst bescheinigen ihm Kritiker,
der zur Zeit beste in der Bundesliga aktive Torwart zu sein. Diese
Leistungen sind auch bei Bundestrainer Löw registriert worden, so dass
davon auszugehen ist, dass Weidenfeller künftig hinter Jens Lehmann und
Timo Hildebrandt die deutsche Nummer drei sein wird. Eine logische
Konsequenz seiner Leistungen und läge man das reine Leistungs- und
nicht das traditionelle Nachfolger- und Hierarchieprinzip der deutschen
Torhüter an, müsste Weidenfeller gar die Nummer zwei hinter Lehmann
sein.
Vielleicht lag es auch am geplatzten Bruder-Duell David gegen Philipp
Degen, dass die Herren der Boulevardzeitungen sich so auf Insua
stürzten. Man kann sich ausmalen, welche rührenden Geschichten da
präsentiert worden wären: Bilder beider Jungs, wie sie von kleinauf
immer miteinander spielten, endlose Erzählungen, wer wieviele Minuten
älter ist, wer wo welches Muttermal hat, an dem ihre Eltern sie
unterscheiden konnten; die Liste ist ebenso lang wie bekannt. Philipp
Degen wird spielen, und zwar auf der rechten Seite der Viererkette. Die
Innenverteidigung stellen der lange Markus Brzenska, der in dieser
Saison den erneut verletzten Christoph Metzelder noch nicht adäquat
ersetzen konnte. Neben ihm spielt Kapitän Christian Wörns. Der
inzwischen 34jährige Wörns ist der Routinier in der jungen Dortmunder
Mannschaft und gilt trotz aller Bedenken sicherlich zu den besseren
Innenverteidigern der Liga. Sein Jammern, ausgetragen über die Presse,
nach seiner Nicht-Nominierung durch Jürgen Klinsmanns war jedoch sehr
peinlich und hatte den Geschmack eines beleidigten kleinen Jungen, dem
man sein Lieblingsspielzeug abgenommen hat. Links hinten wird wie
gewohnt Dede auflaufen.
Im defensiven Mittelfeld spielt der erst 19jährige Marc-André Kruska,
der jedoch schon über die Erfahrung von 46 Bundesligaspielen verfügt.
Natürlich profitiert Kruska von der Verletzung Sebastian Kehls, der mit
einer Knochenstauchung im linken Knie zwei weitere Wochen ausfallen
wird. Kehl selber hat sich in den letzten zwei bis drei Jahren
kontinuierlich gesteigert und ist zu einer der Führungsfiguren beim BVB
aufgestiegen.
Dortmunder Offensive:
So sehr der Weggang von Jan Koller auf den ersten Blick auch schmerzte,
das Spiel der letzten Jahre war sehr auf den großen Tschechen
ausgerichtet und somit auch berechenbar. Hatte man Jan Koller im Griff,
lahmte die halbe Offensive. Koller war Vollstrecker und Anspielstation
für Rosicky und die schnellen Stürmer an seiner Seite. Ohne Koller
setzt Trainer van Marwijk auch nicht mehr auf das lange praktizierte
4-3-3-System, sondern stellte auf 4-4-2 um (auch ein Grund, warum
Odonkor kaum noch zu Einsätzen kam). Mit den Stürmern Valdez, Alex Frei
und Smolarek verfügt der BVB nun über drei variable, schnelle und
technisch starke Stürmer. So musste Smolarek, in der letzten Saison
noch mit 13 Treffern erfolgreichster Stürmer der Dortmunder, gar auf
der Bank Platz nehmen und den Neuzugängen Valdez und Frei weichen.
Durch die Verletzung Valdez´ wird Ebi Smolarek im BorussiaPark jedoch
neben Alex Frei auflaufen können.
Tinga laborierte unter der Woche zwar noch einer
Oberschenkelverhärtung, sollte aber bis zum Freitag fit sein und wie
gewohnt im rechten Mittelfeld auflaufen können. Sein Pendant auf der
linken Seite ist Florian Kringe, der sich zu einer festen Größe im
Dortmunder Kader entwickeln konnte. Eine Entwicklung, die ihm viele
nach seinem Wechsel vom 1.FC Köln zur Dortmunder Borussia nicht
zugetraut hätten. Kringe ist kein überragender Techniker oder Stratege,
doch sehr lauffreudig, taktisch diszipliniert und glänzt gar ab und an
als Torschütze. Komplettiert wird das Mittelfeld von Neuzugang Steven
Pienaar auf der Position direkt hinter den Spitzen. Pienaaar konnte
ablösefrei von Ajax Amsterdam geholt werden und darf durchaus als
Verstärkung gesehen werden. Er ist technisch beschlagen und schnell,
insofern wird Gladbachs Eugen Polanski eine besondere Rolle zuteil,
wenn er den Spielmacher der Gäste neutralisieren soll.
Schiedsrichter:
Hach, Herr Fandel. Der 42jährige Pianist und Leiter
einer Musikschule im harten Fußballgeschäft, es ist immer eine Zeile
wert. Und, noch viel bemerkenswerter: Herr Fandel wird am Freitag erst
zum zweiten Mal ein Spiel im BorussiaPark leiten. Borussia hatte in den
vergangenen beiden Spielzeiten das jeweilige Glück, Herrn Fandel fast
nur bei Auswärtsspielen (und damit bei Niederlagen) erleben zu dürfen.
Dass er dabei auch ausgerechnet eine der wenigen Heimniederlagen
leitete (0:1 gegen den 1.FC Nürnberg), werten wir an dieser Stelle
nicht als schlechtes Omen, denn als reinen Zufall.
Bilanz:
Die Gesamtbilanz gegen die Dortmunder Borussia könnte
ausgeglichener kaum sein. In insgesamt 78 Duellen gab es 26 Siege, 27
Unentschieden und 25 Niederlagen. Die Heimbilanz sieht selbstredend
besser aus, hier wurden nur 8 der 35 Duelle verloren. Interessant: in
den letzten 11 Duellen gab es nur ein einziges Unentschieden (1:1 im
Januar 2005 in Dortmund). In der letzten Saison verlor man in Dortmund
nach durchwachsener Leistung verdient mit 1:2, doch konnte man sich im
Rückspiel ebenso mit 2:1 revanchieren, als Nando Rafael noch vor der
Pause beide Tore für die gastgebende Borussia erzielte.
Aufstellungen:
Borussia: Keller - Kirch, Svensson, Ze António, Jansen - Polanski, Thijs - Delura, Insua - Kahê, Neuville
Ersatz: Heimeroth, Fleßers, van den Bergh, Helveg, El Fakiri, Kluge, Sverkos, Rafael
Es fehlen: Sonck, D. Degen, Svärd (alle mit Trainingsrückstand), Bögelund (verletzt)
Dortmund: Weidenfeller - P. Degen, Brzenska, Wörns, Dede - Kruska - Tinga, Pienaaar, Kringe - Frei, Smolarek
Ersatz: Pirson, Hünemeier, Amedick, Kohlmann, Hillenbrand, Ricken, N. Sahin, Saka
Es fehlen: Kehl, Valdez, Metzelder, B. Meier Vrzogic (alle verletzt), Amoah (Trainingsrückstand)
Schiedsrichter: Herbert Fandel (Kyllburg)
Assistenten: Mike Pickel (Mendig), Christian Soltow (Hamburg)
4. Offizieller: Markus Kuhl (Köln)
SEITENWAHL-Meinung:
Mike Lukanz: Der Sieger der Partie wird die Tabellenführung der
Bundesliga übernehmen. Eine solche Chance ist prinzipiell ein sicheres
Zeichen dafür, dass das Spiel vergeigt wird. Ich bin hin- und
hergerissen zwischem dem Optimisten und dem Realisten in mir. Da die
Saison noch jung ist und ich mich nicht frühzeitig aller Illusionen
berauben möchte, tippe ich ein knappes, erkämpftes, aber schlussendlich
verdientes 5:1.
Thomas Zocher: Ich muß gestehen, nach dem Aachen-Spiel fällt mir nicht
wirklich viel ein. Sicher, ich könnte mich jetzt fein damit
herausreden, dass die Borussia heimstark und die Mannschaft einen
Eindruck, einen absolut schlechten, aufzupolieren hat. Allein mir fehlt
die Gewissheit. Und ganz so wie der Lottospieler, der Woche für Woche
fest glaubt und am Ende dann das Ziehungsgerät verteufelt, werde ich
mir jetzt ein 2:1 für Dortmund ausdenken. Eine Hoffnung, indes, ist,
dass Schiedsrichter Fandel einen besseren Tag erwischt als letzte Woche
sein Kollege Weiner. Und wenn sich Schiedsrichterentscheidungen
wirklich ausgleichen, dass ist vielleicht gar doch ein Remis möglich.
Michael Heinen: Der Heimnimbus bleibt immerhin zum Teil gewahrt. In
einem guten Spiel reicht es am Ende trotzdem nur zu einem 1:1.
Christoph Clausen: Nach der blamablen Pleite in Aachen zog es Spieler
und Spielerfrauen der Borussia gemeinschaftlich ins Musical. „Die
Schöne und das Biest" - die Polarität des Titels passt ganz gut zur
Lage des Vereins, der in der Auswärtstabelle einen biestigen letzten
und in der Heimtabelle einen schönen zweiten Platz belegt. Letzteren
wird man leider am Samstag abgeben müssen, nachdem man sich gegen
starke Dortmunder mit einem 2:2 bescheiden musste. Ob im Gegenzug die
Gladbacher Fans nächste Woche das Bremer Weserstadion weniger
verbiestert verlassen werden als letzten Freitag den Tivoli, bleibt
abzuwarten.
Christian Heimanns: Letzte Woche hat mich mein Optimismus fehlgeleitet,
dann muss er es diese Woche eben wieder geradebiegen. 2:1 für uns,
Spitzenreiter, Kahê führt die Torjägerliste an, Begeisterung regiert.
Bis zum nächsten Auswärtsspiel.
Hans-Jürgen Görler: Die Festung - jetzt hätte ich doch beinahe "am
Bökelberg" geschrieben - im Nordpark wird wanken und ächzen, aber nicht
nachgeben. Es wird dunkel, es wird warm - und die Borussia kann sich
dazu durchringen, den Dortmundern nach dem 2:2 einen Punkt mit auf den
Heimweg zu geben.
Der Gegner im Internet: Offizielle Homepage ; Fanzine "Schwatzgelb"
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