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Ein Konzepttrainer für Borussia |
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Geschrieben von Thomas Häcki
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Montag, 14 Februar 2011 |
Keine 24 Stunden nach der Demission von Trainer Michael Frontzeck kann
Borussia Mönchengladbach bereits seinen Nachfolger präsentieren. Die
Wahl fiel auf den Schweizer Lucien Favre. Damit verpflichtete die
Borussia nach Dick Advocaat zum zweiten Mal in ihrer
Bundesligageschichte einen ausländischen Trainer. Hier enden aber auch
schon die Gemeinsamkeiten, denn im Gegensatz zum ehemaligen
niederländischen Bondscoach kann Favre bei seinem Amtsantritt am
Niederrhein bereits auf mehr als zwei Jahre Bundesligaerfahrung
verweisen – als Trainer von Hertha BSC Berlin. Vor etwas mehr als 21
Monaten wäre ihm sogar fast eine der größten Sensationen im
Bundesligafußball der letzten Jahre gelungen, als die Hertha in der
Rückrunde lange Zeit die Tabelle anführte und bis zum vorletzten
Spieltag ernstzunehmende Chancen auf den Gewinn der deutschen
Meisterschaft hatte.
Letztendlich musste man sich bekanntlichermaßen dem VfL Wolfsburg beugen und schloss die Saison als Tabellenvierter ab. Knapp vier Monate später endete das Abenteuer Bundesliga dann für ihn. Nach 6 Niederlagen in 7 Spielen musste Favre als Tabellenletzter den Hut nehmen. Eineinhalb Jahre nach dieser Entlassung ist nun Borussia Mönchengladbach seine zweite Station im bezahlten deutschen Fußball.
Im Gegensatz zu seiner Karriere als Trainer dürfte der Spieler Lucien Favre dem breiten deutschen Fußballvolk eher unbekannt sein. Zu Unrecht, galt Favre in der Schweiz als technisch versierter, filigraner Spieler, der es in der Schweizer Nationalmannschaft auf 24 Einsätze brachte. Sein Nationalmannschaftsdebüt feierte er am 1. September 1981 beim 2:1 Sieg über die Niederlande. Im gleichen Spiel feierten auf der holländischen Seite übrigens auch Ruud Gullit und Frank Rijkaard ihren Einstand. 3 Jahre später beendete Favre, der stets seinen eigenen Kopf hatte, seine Nationalmannschaftskarriere selbst, da dem Schönspieler das Kampffußball-Konzept von Nationaltrainer Wolfisberg nicht passte. Nach einem wenig erfolgreichen Abstecher in die französische Liga zum FC Toulouse machte er seinem Ruf als nicht pflegeleichtem Profi alle Ehre, als er sich bei Servette Genf mit der schweizerischen Fußball-Ikone Umberto Barberis um das Dress mit der Nummer 10 erbittert stritt. Endgültige Berühmtheit erlangte er aber nach einem der fürchterlichsten Fouls in der Geschichte der schweizerischen Liga, als ihm von Gabet Chapuisat, dem Vater von Stephane Chapuisat, das Bein gebrochen wurde. Favre musste sein Bein 239 Tage in Gips tragen und verklagte Chapuisat erfolgreich auf Körperverletzung vor einem Zivilgericht. Ein damals absolutes Novum, was ihm von der Öffentlichkeit übel genommen wurde.
1991 begann er seine Trainerlaufbahn als Assistent des C-Jugend-Trainers beim Amateurverein FC Echallens. Favre wählte diesen ungewöhnlichen Schritt, um einen Fußballverein von Grund auf kennen zulernen. Später übernahm er dort das Amt des Cheftrainers und führte den Provinzverein in die zweite Liga. 1997 wechselte Favre nach einigen Umwegen schließlich zu Yverdon-Sports und schaffte 1999 dort den Aufstieg in die höchste Liga, welche er ein Jahr später mit großen Erfolg halten konnte. Mittlerweile hatten sich seine Erfolge herum gesprochen und so erhielt Lucien Favre im Jahre 2000 ein Angebot seines Ex-Vereins Servette Genf. Seinen ersten nationalen Titel als Trainer konnte Favre dort direkt in der ersten Saison erringen, als Genf das Pokalfinale mit 3:0 gewann – bezeichnenderweise gegen seinen Ex-Club Yverdon-Sports. In der Meisterschaft blieb er mit Servette jedoch Mittelmaß. Noch während der Saison 2002/03 wechselte er schließlich zum FC Zürich. Der schweizerische Traditionsverein war seinerzeit eher in den unteren Tabellenregionen zu finden. Favre führte den Verein wieder zu alter Blüte. Nachdem er 2005 erneut den Pokal, diesmal gegen den FC Luzern, gewonnen hatte, sicherten die Züricher sich ein Jahr später in einem dramatischen Finale die Meisterschaft. Am letzten Spieltag war man bei Tabellenführer Basel zu Gast und gewann durch ein Tor in der 93! Minute mit 2:1. Diesen Titel verteidigte man ein Jahr später.
Mittlerweile war man auch außerhalb der Schweiz auf ihn aufmerksam geworden. Die Hertha war wieder einmal den eigenen Ansprüchen nicht gerecht geworden und dümpelte 2007 im Niemandsland der Tabelle. Lucien Favre galt als absoluter Wunschtrainer von Dieter Hoeneß. Der ehemalige Vize-Weltmeister löste nach anstrengenden Vertragsverhandlungen Favre aus seinem laufenden Vertrag aus und startete mit ihm in die Saison 2007/08. Dessen erste Amtshandlung war die völlige Umkremplung des Kaders. Favre befand dessen Niveau als nicht ausreichend und wechselte über die Hälfte des Personals aus, darunter Namen wie Kevin-Prince Boateng, Malik Fathi oder Dick van Burik. Ersetzt wurden sie von in Deutschland weitestgehend unbekannten Spielern, wobei er sich ausgiebig bei seinem alten Verein bediente. Besonders die Verpflichtung des Brasilianers Raffael geriet zu einem zähen Vertragspoker, in dessem Verlauf Zürichs Präsident Canepa sich über die Bedienmentalität der Berliner am FC Zürich beschwerte. Mit verjüngtem Kader erreichte man erneut einen Mittelfeldplatz. Ein Jahr später scheiterte man nur knapp an Gewinn der deutschen Meisterschaft und erreichte einen Platz im internationalen Wettbewerb. Bereits in dieser Saison zeigten sich die ersten Risse, die durch den phänomenalen Erfolg der Mannschaft verdeckt wurden. Immer öfter kam es zum Machtkampf zwischen Favre und Hoeneß. Dies endete schließlich mit dem Abgang des Managers am Saisonende. Hartnäckige Gerüchte besagen, Hoeneß hätte Favre hinsichtlich der Aufstellungen gängeln wollen. Zudem wurden Favres Abneigungen gegen allzu extrovertierte Spieler deutlich. Besonders mit Stürmerstar Pantelic kam es immer wieder zu Schwierigkeiten. Schließlich zahlte die Hertha den Preis ihres schnellen Erfolgs. Die Verträge von Pantelic und Voronin liefen aus und konnten aufgrund des gestiegenen Marktwertes nicht verlängert werden. Zudem schaffte man es nicht, mit Simunic eine weitere Stütze der Mannschaft zu halten. Diesen Aderlass konnten die Berliner nicht auffangen und legten in der Folge einen Fehlstart hin, in dessen Folge Favre am siebten Spieltag nach einer 1:5 Pleite in Hoffenheim gehen musste.
Lucien Favre gilt allgemein als Verfechter des Offensivfußballs. Allerdings erreichte er seine größten Erfolge bei Hertha BSC mit einer eher defensiv ausgelegten Taktik. Auch wenn er in seiner aktiven Zeit als Schönspieler galt, waren sein Ehrgeiz und sein Trainingseifer schon damals vorbildlich. Als Trainer legt er sehr viel Wert auf Disziplin. Zeigen Spieler mangelnden Teamgeist oder ordnen sich nicht rigoros seinen Vorgaben unter, kann es zu Problemen kommen. Dabei stößt er sich nicht an Namen. Fußballer mit spielerischer Qualität werden von ihm geschätzt. Favre bevorzugt zudem die Arbeit mit jungen Spielern und fördert diese gezielt. Unter ihm entwickelten sich Spieler wie Inler, Gygax oder Kacar bis zur Nationalmannschaft. Seine Dominanz kann aber zum Problem werden, wenn er sich hinsichtlich seiner Arbeit eingeschränkt fühlt. Dann kommt das Enfant Terrible, welches ihm schon als Spieler nachgesagt wurde, zum Vorschein. Favre hat eine Idee vom Fußball, die er umsetzen will. Forderungen nach Verstärkungen fanden in seiner Berliner Zeit gelegentlich den Weg in den Boulevard. Keinesfalls sollte Favre an der aktuellen Situation gemessen werden. Er analysiert scharf und setzt an den Grundstrukturen an. Dies erfordert Zeit. Er ist somit das Gegenteil eines Feuerwehrmanns. Seine bisherigen Stationen waren eher von nachhaltigen Erfolgen geprägt, letztendlich auch bei Hertha BSC. Mit Lucien Favre verpflichtet die Borussia einen Konzepttrainer.
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