|
|
Home Thomas Häcki Ende gut, alles gut
|
Ende gut, alles gut |
|
|
Geschrieben von Christian Spoo
|
|
Montag, 30 Mai 2011 |
Deutlicher geht es nicht! Die „Initiative Borussia“ und ihr vermeintliches Zugpferd Stefan Effenberg haben von den Vereinsmitgliedern eine klare Ansage bekommen. Ihr Engagement ist nicht erwünscht, ihre Vorschläge, inhaltlich wie personell, finden keinen Anklang bei denen, die sie monatelang umgarnt hatten. Nur gut sieben Prozent der Teilnehmer bei der Mitgliederversammlung zeigten ihre grüne Stimmkarte, als um Zustimmung für den Satzungsänderungsantrag der Initiative gebeten wurde.
Dass das so kommen würde, zeichnete sich schon früh ab. Pfiffe und Buh-Rufe hielten sich während der Berichte von Präsident Rolf Königs, Sportdirektor Max Eberl und Geschäftsführer Stephan Schippers in engen Grenzen. Rolf Königs konnte sich sogar eine rhetorisch („liebe Mitgliederinnen und Mitglieder“) wie inhaltlich (irgendwann möchte auch der Wohlmeinendste nicht mehr hören, dass wir zwar keinen sportlichen Erfolg, aber dafür doch ein tolles Stadion haben) maximal ausreichende Darbietung leisten.
Deutlich mehr Zuspruch gab es für die selbstkritische, gleichwohl selbstbewusste Rede von Max Eberl, der eine kondensierte Fassung seiner Aussagen aus dem SEITENWAHL-Interview lieferte und gleichzeitig die leihweise Verpflichtung des Offensivtalents Joshua King von Manchester United verkündete.
Die Vertreter der „Initiative Borussia“ werden spätestens zu diesem Zeitpunkt gewusst haben, dass sie keine Chance haben. Sollten sie mit einer Spur Realismus ausgestattet sein, werden sie es sogar schon nach der erfolgreich bestrittenen Relegation gewusst haben. Die dünnen Worte der Gratulation, garniert mit letzten Angriffen, deuten darauf hin, dass sie zu diesem Zeitpunkt ihre Felle bereits schwimmen sahen.
Um ihren Satzungsvorschlag zu begründen, schickte die „Initiative“ Friedhelm Plogmann ins Rennen, dem man deutlich anmerkte, dass er nicht mehr an einen Erfolg glaubte. Mit dem Verzicht auf eine geheime Wahl räumte er das indirekt schon ein. Norbert Kox oder gar Stefan Effenberg äußerten sich nicht, warteten noch die Abstimmung ab und machten sich dann, noch vor Bekanntgabe des offiziellen Ergebnisses, aus dem Staub. Fast zeitgleich verschwanden alle Spuren des Initiativ-Spukes aus der Welt. Die Website vom Netz, die Facebook-Seite gelöscht.
Dass das Ergebnis so deutlich ausfiel, hätte vor der Veranstaltung vermutlich wirklich niemand erwartet. Das große Hallo in den Medien, vor allem die platte aber laute Kampagne des Express, hat offenbar ein leicht verzerrtes Bild gezeichnet, in dem die „Initiative“ deutlich größer wirkte, als sie jemals war. Selbstverständlich hat der Nichtabstieg, hat die Erfolgsserie zum Saisonabschluss, die Stimmung weiter in Richtung Vereinsführung kippen lassen. Das Ergebnis in seiner Deutlichkeit legt aber die Vermutung nahe, dass die „Initiative“ zu keinem Zeitpunkt und unter keinen Voraussetzungen eine wirklich realistische Chance auf eine Zweidrittelmehrheit gehabt hätte.
Der Ausgang der Mitgliederversammlung ist uneingeschränkt positiv zu bewerten. Nicht nur, dass das zweifelhafte Vorhaben einiger profilierungsfreudiger Menschen und einiger verschnupfter Ex-Borussen grandios gescheitert ist. Die Klarheit der Ablehnung zeigt auch, dass Borussias Anhängerschaft eben nicht, wie vorher vielfach gemutmaßt, gespalten ist. Selbstredend gibt es in Sachfragen unterschiedliche Auffassungen. In der Frage, was Borussia ausmacht, wie das grundlegende Wesen des Vereins zu sein hat, steht man aber zusammen. Die realistische Weltsicht der jetzigen sportlichen Leitung, das Bekenntnis zu Realismus und einer Politik der kleinen Schritte, kommt bei den Fans besser an, als wolkige Versprechen und der Anspruch, Bayern München auf Augenhöhe begegnen zu wollen.
Ferner können wir uns freuen, dass die Boulevardmedien auch künftig nicht die Vereinspolitik mitbestimmen. Die Vertreter der Großebuchstabenpresse müssen erkennen, dass ihre Einflussmöglichkeiten deutlich geringer sind, als sie das selber bis gestern vermutlich gedacht haben.In diesem Zusammenhang können sich Präsidium und sportliche Leitung gratulieren, die richtige Strategie gegen die Angriffe von außen gehabt zu haben. Die Ruhe bewahrt, und sich zumindest öffentlich das Einsteigen in eine Schlammschlacht gespart zu haben, war richtig.
So können wir mit einem guten Gefühl in die Sommerpause gehen. Borussia bleibt Borussia, die Fans stehen zusammen, Max Eberl, Lucien Favre und ihr Team arbeiten an einer sinnvollen Verstärkung der Mannschaft. Das und die sportlichen Leistungen der vergangenen Wochen machen Hoffnung auf eine ruhigere und erfolgreichere neue Saison.
|
|