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Home 2006/07 06, A, BL, Bremen
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Vorbericht, Spieltag 6: SV Werder Bremen |
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Geschrieben von seitenwahl.de
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Donnerstag, 28 September 2006 |
Es ist das Spiel der Neunzehn. Der
„19-Stunden-Tabellenführer" vom vergangenen Wochenende reist zum Auswärtsspiel
beim SV Werder Bremen, bei dem er seit, genau, exakt 19 Jahren nicht mehr
gewinnen konnte. Ähnlich wie Borussias Bilanz beim alten Erzrivalen aus der
bayerischen Landeshauptstadt, in dessen zwischenzeitlichem Domizil
Olympiastadion man nur ein einziges Mal hatte siegen können, gab es in dem
kleinsten Staat der Bundesrepublik für die Borussia seit ewigen Zeiten nichts
Zählbares mehr. Immer kehrte man heim und war oft froh, wenigstens nicht hoch
verloren zu haben. Dann kramte man stets in der Erinnerung und erzählte sich
vom letzten Auftritt des Jupp Heynckes als Borussentrainer in Bremen. Und da
jener Trainer die Borussia erstmals wieder bei einem Auswärtsspiel in der
Hansestadt betreuen wird, wird auch der Strohhalm deutlich, unter dessen Stern
man in diesem Jahr zu dieser Partie gen Bremen aufbricht.
Borussia
Immerhin gut die Hälfte - genau 47,4 Prozent - derjenigen,
die im Laufe der Woche an der jüngsten SEITENWAHL-Umfrage teilgenommen haben,
erklärten, dass sie der Mannschaft die „Scheißleistung" (Marcell Jansen) vom
Spiel zuvor bei Alemannia Aachen trotz des Sieges über Dortmund noch nicht
vollständig nachsehen möchten. Trainer Heynckes hat es da einfacher. Aachen war
zwar auch schon die zweite Ligapleite nach seinem Wiederantritt bei der
Borussia, die ordentliche Leistung bei der ersten Saisonniederlage in Nürnberg
hat ihn aber dazu angehalten in Bezug auf das Aachen-Spiel von einem „Betriebsunfall"
zu sprechen. Und das ist eben aus seiner Sicht wesentlich einfacher als für die
vielen Borussenanhänger, die nun schon seit Jahren auf die Normalisierung der
Leistungen in der Fremde durch die Borussia warten und im regelmäßigem Abstand
immer wieder neu von der Elf enttäuscht werden. Manch ein Anhänger möchte sich
gar nicht ausmalen zu welchen Höhenflügen die Elf theoretisch schon hätte
ansetzen können, würde sie auf fremdem Geläuf nicht so brutal die Courage und
die Idee des erfolgreichen Mannschaftsspiels vermissen lassen. Andererseits
muss man so auch stets vor möglichen Heimniederlagen warnen, die die Borussia
bei anhaltender Auswärtsschwäche im Grunde automatisch in den Abstiegskampf
stoßen würden.
Borussias Defensive
Zuhause hui, auswärts pfui. Alle fünf Gegentore kassierte
die Borussia fernab ihrer geliebten Heimspielstätte und leitete, bei ihren
ersten beiden Auftritten in der Fremde in dieser Saison, jeweils durch frühe
Unachtsamkeiten während der Anfangsphase ihre Niederlage ein. War es in
Nürnberg noch eine Zuordnungsfehler, resultierte der verhängnisvolle
Elfmeterpfiff in Aachen aus einer Bewegung zum Ball. Gerade während dieses
Spiels wurde überdeutlich, dass die Defensive vor allem
Abstimmungsschwierigkeiten plagen. Das zweite Tor der Aachener in jenem Spiel,
als sich Borussias Torwart Keller und Borussias Abwehrspieler Zé António nicht
aufeinander verlassen wollten, sondern sich ohne funktionierende Absprache
gegenseitig aus der Situation nahmen, deutete darauf.
Dennoch, der Amerikaner und der Portugiese sind neben Bo
Svensson Fixpunkte in der Defensive, die durch Nationalspieler Marcell Jansen
auf der linken und höchstwahrscheinlich Oliver Kirch auf der rechten
Außenverteidigerposition angereichert wird. Als Alternative würden sich hier
theoretisch der zuletzt angeschlagene Belgier Filip Daems und der routinierte
Däne Thomas Helveg anbieten, doch ist nicht davon auszugehen, dass sie - oder
Jungprofi Tobias Levels - anstelle der im Heimspiel gegen Dortmund doch
überzeugenden Außenverteidiger zum Zuge kommen könnten.
Borussias Offensive
Defensiv bereits in Bestbesetzung, liegt in der Offensive
der Borussia noch so manche Brache. Hier tummeln sich die meisten
Verletzten,
wie etwa die zuletzt im Krankenstand befindlichen David Degen und
Wesley Sonck,
hier durchlebt Federico Insúa seine Anpassungsschwierigkeiten. Hier
siecht aber
auch der ob Achillessehnenschmerzen ausfallende Oliver Neuville, durch
seine Spielweise eigentlich prädestiniert für Auswärtspartien, vor sich
hin.
Der in der Nationalmannschaft zum „Held von Dortmund" aufgestiegene -
dort sicherte er sich im Frühjahr sein WM-Ticket gegen die USA, dort
verzückte er
im Juni ein ganzes Land mit seinem Tor gegen die Polen - befindet sich
in einer
wesentlich handfesteren Formkrise als der von den Boca Juniors
verpflichtete
und es mutet schon zuvorkommend an, dass der Boulevard sich zwar an den
natürlichen Anpassungsproblemen Insúas in seiner unnachahmlich
schäbigen Art
und Weise ergötzt, Borussias besten und wichtigsten Stürmer der letzten
zwei
Jahre aber in Ruhe an sich arbeiten lässt.
Wer aber auf die Idee kommt, jene, durch ihre Arbeitsweise, den (Aas-)Geiern ähnlichen täten dies weil
sie (nicht zuletzt aus ihrer eigenen aktiven Laufbahn heraus) nur zu gut noch
wissen werden, dass ein Spieler auch Leistungsschwankungen unterlegen ist, der
wird sich damit abzufinden haben, dass Neuvilles Formtief nur deshalb kein
Thema ist, weil sich Kahe durch zuletzt vier Tore in ebenso vielen
Bundesligaspielen nicht nur seinen Zirkumflex auf dem „e" quasi Stück für Stück
von uns zurück holt, sondern weil der Hobby-Trophologe zumindest vorübergehend
der treffsicherste Angreifer der gesamten Liga ist und man als Boulevardmann
mit der Wiederkäuung jener „Auferstehung" all diese irrelevanten
Groschengeschichtchen produzieren kann, die die Chefredaktion während der Woche
von einem erwartet.
Durch den Ausfalls Neuvilles, den die Borussia letztlich nicht
verhindern konnte, werden die Überlegungen von Jupp Heynckes
hinsichtlich Michael Deluras Einsatz sicher konkreter. Jener hatte
durch seinen starken Auftritt gegen Dortmund Ansprüche auf einen Platz
in der Startformation unterstrichen. Entscheidet sich Heynckes zudem
für den nach seiner Auffassung zuletzt ebenfalls verbesserten Vaclav
Sverkos, wäre allerdings die Frage für
welchen Akteur der Startformation er dies noch tun sollte,
denn Federico Insúa ist dafür wesentlich zu wichtig und Hassan El
Fakiri hat
gegen die Westfalen ein ordentliches Spiel geliefert. Es bliebe wohl
einzig
Eugen Polanski, der sich zur Zeit selbst zu stark unter Druck setzt und
infolge
dieser übertriebenen Erwartung auf dem Spielfeld immer blasser und
durchschaubarer verfährt. Schon die Partie in Aachen, als er mit einer
bedenklichen Nonchalance verlorenen Bällen nicht nachsetzte und sich
ansonsten
geflissentlich mit dem Schinden von „Kann, muss aber
nicht"-Standardsituationen
die Zeit vertrieb, bot im Grunde ausreichend Anlass den Viersener mit
einer
Verschnaufpause zu bedenken.
Der Gegner aus Bremen
Drei Aufgaben waren es, denen man sich am Weserufer in
dieser Saison wieder widmen durfte. Einerseits der Herausforderung im DFB-Pokal
- die man durch eine Niederlage beim FK Pirmasens verwirkte - und jenen beiden
Chancen auf einen Titel in der nationalen wie internationalen Meisterschaft.
Auch wenn die Bremer gerade in der Champions League nicht gerade eine innige
Duzbekanntschaft mit dem Losglück vollführten, Partien gegen den FC Barcelona
und den Ballack-Verein Chelsea London sind in jedem Falle tauglich das
internationale Renommee auf Vordermann zu bringen, zumal Werders vorletzte
Champions League Saison mit einem 2:7-Debakel bei dem, in Deutschland weiterhin
zu Unrecht nicht als internationalen Spitzenklub empfundenen, ehemaligen Klub
von Giovane Elber - Olympique Lyon - endete. In Werders Alltagsgeschäft, der
Bundesliga, gibt es ohnehin nicht allzu viele echte Herausforderungen für eine
Mannschaft, die mittels kaufmännischem Sinn (Geschäftsführer Allofs) und
sporttaktischer Weitsicht (Trainer Thomas Schaaf) in dieser Saison nicht nur zu
den Mitfavoriten um die Meisterschale, sondern nicht allein beim Autor dieses
Vorberichts als glasklarer Favorit gilt.
Jahr für Jahr beweist die meist lobenswert entspannt
agierende Führung der Norddeutschen auf finanzieller wie sportlicher Ebene eine
Fachkompetenz, von der ein riesengroßer Teil der restlichen Liga sich gerne
eine dicke Scheibe abschneiden könnte. Fast eine ganze komplette Mannschaft hat
man dem Trainer Schaaf schon genommen - beginnend bei Torhüter Rost über eine
Innenverteidigung mit Ismaël und Krstajic, ein
Mittelfeld um Frings, Ernst und Bode (Karriereende), bis hin zum einem
Paradesturm mit Ailton und Pizarro - und immer immer wieder hatte Werder
kostengünstig Ersatz an der Hand der mit ein paar wenigen Tagen
Mannschaftstraining so gut in den verbliebenen Kader eingegliedert werden
konnte, dass nicht nur der Verein am Ende ein paar Millionen Euro mehr auf dem
Konto hatte, dass vor allem die Mannschaft stärker als ihre Vorgängerelf war.
Während sich an anderen Schauplätzen der Liga Vereine
vermeintlich in der Spitze wähnen und für ein paar Pünktchen mehr am Saisonende
ihre langfristige Handlungsfähigkeit bereitwillig in Frage stellen oder einfach
dazu übergehen, ob ihrer vermeintlich unantastbaren Sonderstellung („Mir san
mir!") in der Liga, den Umstand zu beweinen, dass man im europäischen Fußball
eher eine Art VfL Bochum sein darf, in Bremen war man noch nie unvorbereitet
auf den möglichen Abgang eines Schlüsselspielers und wies somit kontinuierlich
eine Kompetenz nach, die von eben jener bewundernswerten Gelassenheit erzählt,
die echte Qualität und Kompetenz ausmacht. Werder Bremen hat den relativ grauen
Platz in der Fußballwelt, der dem Verein trotz allem Glanz weiterhin lediglich
übrigbleibt, nicht nur vollständig akzeptiert, sondern auch seit einigen Jahren
begonnen mit ihm sukzessive zu kokettieren. Auch gute Spieler wissen, dass sie
in Bremen sicher weniger verdienen können als anderswo in Deutschland oder in
Europa. Sie wissen mittlerweile aber auch, dass der Spatz in der Hand in diesem
schnelllebigen Geschäft oftmals doch besser ist als die „Taube auf dem Dach".
So kehrte ein Torsten Frings schlussendlich zurück, so entschied sich ein
Mertesacker letztendlich für den SV Werder.
Es ist jene Vernunft und diese Geduld. Sie regieren bei
Werder, sie werden durch Werder auf allen (auch sportlichen) Ebenen
beispielhaft vorgelebt und geben jedem Verein ein taugliches Vorbild ab; es mag
konservativ sein und altmodisch klingen, aber langfristiger Erfolg braucht so
langfristige Konzepte wie Werder Bremen.
Bremer Defensive
Wie üblich, besteht auch bei Werder Bremen die Defensive
aus mehr als dem Torwart und zwei zentralen Stoppern. Auf der Torwartposition
beschäftigt der SV Werder, wie jede europäische Mannschaft von Format, mehrere
Alternativen. Neben Borussias ehemaligem Jugendspieler Christian Vander, der
allerdings nur eine untergeordnete Rolle als 3. Mann spielt, konkurrieren der
Veteran Andreas Reinke und der häufig hochmütig wirkende Tim Wiese um den Platz
im Gehäuse. Der ehemalige U21-Nationaltorhüter hat sich dabei im letzten halben
Jahr einen Vorsprung erarbeitet und ihn trotz seiner fortdauernden Anfälligkeit
für „billige" Konzentrationsfehler, seiner unbestrittenen Strafraumdefizite und
seinem latenten Hang zum unnötig Spektakulären bislang nicht eingebüßt. Schade
blieb für seinen Konkurrenten Reinke dabei, dass dieser Wiese seinen angestammten
Platz im Tor ob seiner hässlichen Gesichtsverletzung aus dem letzten Winter
quasi kampflos übergeben musste.
Auf der rechten Abwehrseite Werders konkurrierten in der
vergangenen Saison der deutsche Nationalspieler Patrick Owomoyela, ein
dynamischer wie geschmeidiger Offensivverteidiger, und sein finnisches Pendant
Petri Pasanen - im Gegensatz zu Owomoyela eher der defensivorientierte und
kopfballstarke Stopper - um die Plätze. Beiden hat pünktlich zum Beginn der
aktuellen Saison der zuvor ablösefrei verpflichtete Clemens Fritz, zu Erfurter
A-Jugendzeiten auch einst von der Borussia umworben, den Rang abgelaufen.
Ähnlich wie Owomoyela verkörpert der gebürtige Thüringer mehr die Gattung jener
offensiven Außenverteidiger, die gern auch einmal aus vollem Lauf zu flanken
verstehen. Auf der linken Abwehrseite ist es ebenfalls ein Neuzugang, der aus
Mailand gekommene Afrikaner Pierre Wome, der einem in DFB-Auswahlspielen
gelegentlich prächtig in den Vordergrund tretenden Spieler den Rang abgelaufen
hat. Das „Glück" jenes Christian Schulz, mittlerweile immerhin dreifacher
deutscher A-Nationalspieler, ist es aber, dass er vielseitig verwendbar ist und
sich zudem als Eigengewächs besonderer Aufmerksamkeit der Werder-Familie sicher
sein kann. So kommt „Schulle", so der vereinsinterne Kosename des Linksfuß,
auch für die halblinke Position oder die zentral defensive im Mittelfeld in
Frage, freilich nur dann, wenn Trainer Schaaf dort von seiner Stammbesetzung
abweichend plant.
Von der im Meisterschaftsjahr 2004 tüchtig erprobten
zentralen Achse mit Ismaël, Krstajic &
Baumann ist es der einstmals aus Nürnberg gekommene Frank Baumann, der noch
immer ein Fixpunkt bei Werder ist. Mittlerweile zählt der unglückliche
Eigentorschütze aus dem September 2005 zwar nicht mehr zur Auswahl der
deutschen Nationalelf, seine völlig besonnene und akkurat defensive Spielweise
wird von seinem Vereinstrainer Thomas Schaaf aber weiterhin geschätzt. Zugute
kommt dem eigentlich als Abwehrspieler ausgebildeten Baumann gerade bei der
Aufgabenstellung im defensiven Mittelfeld seine Vielseitigkeit wie seine gute
Übersicht und Spielzug-Antizipation. Er ist deshalb auch
verwarnungsunanfälliger als der bei Werder vorzugsweise im rechten Mittelfeld
aufgebotene Multifunktionsspieler Torsten Frings, der aufgrund seiner erheblich
aggressiveren Spielweise - die sich mit der eines Eugen Polanski durchaus
vergleichen lässt - gerne einmal für mehr als ermahnende Worte von
Schiedsrichterseite offen ist. Frings, der in der Nationalmannschaft
hauptsächlich (und bei Werder im Bedarfsfall) vor der Abwehr spielt, hat seinem
Kollegen Baumann dafür die Dynamik voraus, die es ihm erlaubt von der zentral
defensiven Mittelfeldposition das Spieltempo und den Angriffsverlauf maßgeblich
zu beeinflussen und zu diktieren.
Wird es im defensiven
Mittelfeld Werders im hiesigen Match gegen die Borussia wohl auf die bewährte
Zusammenstellung mit Baumann zentral und den Kombiakteuren Frings und Borowski
- der gebürtige Neubrandenburger Borowski kann ebenso wahlweise defensiv wie
offensiv agieren und aus der jeweils vorliegenden Spielsituation intuitiv
selbstständig „switchen" - hinauslaufen, hängt in der Abwehrzentrale auf den
beiden Innenverteidigerpositionen viel vom Fitnesszustand der generellen
Wunschbesetzung Mertesacker/Naldo ab. Der bereits erwähnte Pasanen, der
ebenfalls genannte Baumann oder ehemalige dänische Juniorennationalspieler Leon
Andreasen stünden zur Auswahl, sollte weder der ehemalige Hannoveraner oder der
„Naldo" genannte Ronaldo Aperecido Rodrigues nicht im Vollbesitz der Kräfte
sein. Bei einem näheren Blick auf dieses Innenverteidiger-Wunschgespann von
Werdertrainer Schaaf wird deutlich, dass im direkten Spiel der Brasilianer als
Schwachpunkt herhalten könnte, ist auch er - wie Torwart Wiese - vor allzu leichten
Konzentrationsfehlern nicht vollständig immun. Gefährlich wird der geschmeidige
wie kopfballfreudige Lateinamerikaner gern durch seine Freistoßkunst, die sich
andererseits auf seinen brachialen und dennoch gründlich präzisen Distanzschuss
reduzieren ließe. Kollege Mertesacker, im Deckungsverhalten zwar
unspektakulärer (aber wesentlich antizipationssicherer) als der unbestritten
gelenkigere Naldo, entfaltet sich mittels seiner Kopfballstärke im
Offensivspiel einzig über Standards am gegnerischen Strafraum.
Bremer Offensive
Wesentlich im Bezug auf die Offensive Werder Bremens ist,
dass sie von Spielern wie Tim Borowski und Torsten Frings mitgeprägt ist, die
dank einer vorhandenen Vielseitigkeit gleichzeitig in der Defensive wertvolle
Tätigkeiten ausüben können. Dass sie darüber hinaus die Offensivbewegung nicht
vergessen, sich ganz im Gegenteil sehr gerne offensiv einbringen, wird durch
eine Zielstrebigkeit hinterlegt, die durchgängig im Spiel Werder Bremens
beheimatet ist und somit auch Werders Angriffsbewegung charakterisieren lässt -
es ist ob dieser Multifunktionalität einiger Schlüsselfiguren nicht
ungewöhnlich, dass Werder je nach Blickwinkel nominell nur drei vornehmlich
offensive Akteure aufbietet und dennoch Torchancen und Tore im Akkord produzieren
kann.
Die Angriffsreihe des SV Werder Bremen ist die stärkste
Besetzung der ganzen Bundesliga, da ist es nicht ungewöhnlich, dass sie mit dem
ehemaligen Pfälzer Miroslav Klose den besten aktuellen Bundesligastürmer und
einen der besten Stürmer weltweit beherbergt. Der neben dem Platz erfrischend
bescheiden agierende Klose ist ein herrlicher Kopfballspieler, aber ebenso
stark mit dem Ball am Fuß. Seit einiger Zeit beherrscht er dieses Metier sogar
besser als seine früheres Steckenpferd. Klose vereint viele Eigenschaften auf
sich, alle die einen guten Stürmer ausmachen. Er ist intuitiv, er ist
laufstark, er ist gedankenschnell, er ist wendig wie geschmeidig und der
Torschützenkönig der zurückliegenden Weltmeisterschaft ist mittlerweile auch
erheblich furchtloser im direkten Aufeinandertreffen mit Gegenspielern. Alles
Eigenschaften, die seinen gewöhnlichen Angriffspartner, den in Hamburg
geborenen kroatischen Nationalstürmer Ivan Klasnic, ebenso auszeichnen, doch
Klasnic ist als erheblich impulsiverer der beiden Stürmer auch
formschwankender; gleichwohl jammert man schon auf überdurchschnittlichem
Niveau, gehört der ehemalige St.Paulianer natürlich deutlich mehr zur
Oberschicht, als zum Bodensatz der Bundesligastürmer.
Zwei mit Weitsicht angeheuerte Legionäre bilden mit dem
spurtstarken Eigengewächs Aaron Hunt die Liste der Ersatzspieler für Klose und
Klasnic. Mohamed Zidan ist ein in Dänemark herangeführter, in Mainz zum
Bundesligastürmer weitergebildeter Angreifer, der körperlich die
entgegengesetzten Vorzüge des für ein Jahr mit Kaufoption aus Portugal
ausgeliehen Hugo Almeida mitbringt. Almeida ist ein groß gewachsener, kaum
geschmeidiger und bei 191 cm Körperlänge hünenhafter Strafraumstürmer, der auch
einfach nur den Ball in der gegnerischen Zone abdecken kann. Zidan ist da mehr
ein balltragender Akteur mit technischer Qualität und Geschmeidigkeit, der
dennoch die Grundlagenfähigkeiten des Torjägers beherrscht und mehr als
sporadisch als Scharfschütze aus vielversprechenden Lagen zum Erfolg zu kommen
versucht.
Abermals ein schon erwähntes „gutes Geschäft" gemacht hat
der hanseatische Klub in diesem Sommer beim Austausch seines zentralen
offensiven Spielers, der erneut bemerkenswert reibungsfrei über die Bühne ging.
Der einst ablösefrei aus der italienischen Liga geholte und teilweise deutlich
seine Eigenwilligkeit unterstreichende Johan Micoud ließ die Verantwortlichen
seine Neigung zu einem vorzeitigen Ende seines Bremen-Aufenthaltes zugunsten
einer Rückkehr zu Girondins Bordeaux ins heimatliche Frankreich erkennen und
für einen somit wechselwilligen Über-30-jährigen erzielte man letztlich noch
über mehr als 2 Millionen Euro Transferentschädigung. Auf diese sattelte man
vier Millionen Euro und erwarb den beim FC Porto in Portugal unglücklich
gewordenen 21-jährigen Diego Ribas da Cunha, der vor einigen Jahren im
Teenageralter beim brasilianischen Traditionsverein FC Santos in die
Notizblöcke aller europäischen Großklubs emporgeschossen war und trotz seines
U21-Status schon als herausragender Spieler im Seniorenbereich zu gelten hat.
In seinen Debütwochen im Weserstadion hat der im brasilianischen Bundesstaat
Sao Paulo geborene Ballvirtuose schon verdeutlicht, dass von ihm prinzipiell
ein eindringlicheres Spiel als von dem vom Klub geschiedenen Micoud zu erwarten
ist. Steilpässe und die von jedem guten Spieler zu erwartende Torgefahr führt
„Diego" ebenso inne wie Variationen im Tempospiel und Gefahr aus ruhenden
Bällen. Hat die Borussia ihren Insúa, hat Werder seinen „Diego" und bei aller
Wertschätzung für den südamerikanischen Borussen, der an der Weser
untergeschlüpfte Lateinamerikaner ist noch eine Stufe besser; auch wenn beide
im ersten europäischen Anlauf unter die Räder kamen und sich bei ihrem zweiten
Versuch selbstredend von ihrer besten Seite präsentieren wollen und
präsentieren werden.
Schiedsrichter
Die drei letzten Partien, die dem Niedersachsen Florian Meyer mit
Beteiligung der Borussia unter die Pfeife gekommen waren, fanden
ausschließlich in Mönchengladbach statt. In der Saison 2004/05 pfiff
der Kanzleileiter die Siege über Bielefeld (1:0) und Stuttgart (2:0),
wobei das Stuttgartmatch die Initialzündung für den erzitterten
Klassenverblieb war. Letztes Jahr beaufsichtigte Herr Meyer dann
Borussias 2:1 über Aufsteiger Duisburg und verhängte einen von Darius
Kampa parierten Elfmeter gegen die Borussia. Das letzte Auswärtsspiel
mit Borussenbeteiligung in der Bundesliga unter der Leitung des Mannes
vom RSV Braunschweig stieg im März 2004, es war die durch Sladjan
Asanins Eigentor in der letzten Minute verursachte 0:1-Niederlage beim
damaligen UEFA-Cup Aspiranten VfL Bochum und eine von drei
Bundesligaauswärtsspielen mit Meyer seit dem Wiederaufstieg; müßig zu
erwähnen, dass Borussia auch in beiden anderen Spielen (Januar 2004 in
Köln & April 2003 in München beim TSV 1860) torlos als Verlierer
vom Platz schlich.
Bilanz
Der vorsichtige Umgang mit den Brachialitäten der
deutschen Sprache ist selbstverständlich, doch kommt man nicht umhin Borussias
Bilanz bei Gastspielen im Bremer Weserstadion als grausam zu betiteln. Sicher,
das 7:1 vom Frühling 1987 ist in jeder Erinnerung fest verankert, doch war es
auch zum damaligen Zeitpunkt schon ein einzelner Tropfen auf einem völlig
heißen Stein. Vor jenem Kantersieg gewann Borussia in der Saison 1981/82 in
Bremen (1:0, Torschütze Kurt Pinkall) und davor letztmalig am letzten Spieltag
der Meisterschaftssaison 1974/75 (4:1 durch 2x Heynckes, Bonhof und Horst
Köppel). Damals war das Kräfteverhältnis beider Klubs noch ein völlig anderes.
Insgesamt siegte die Borussia in Bremen fünfmal und holte bei 23 Niederlagen
zehn Remis (42:68 Tore), das letzte unter Ewald Lienen am 2. Spieltag der
Saison 2003/04 durch einen Treffer von Joris van Hout, eines von lediglich vier
(!) Borussientoren im Weserstadion in all jenen letzten 18 Jahren.
Aufstellungen
Bremen: Wiese - Fritz, Mertesacker, Naldo, Schulz -
Frings, Baumann, Diego, Borowski - Klasnic, Klose.
Ersatz: Vander, Reinke (beide Tor), Pasanen,
Owomoyela, L. Andreasen, Womé, Vranjes, D. Jensen, Zidan, Hunt, Polenz.
Es fehlen: Almeida (Wadenverletzung)
Borussia: Keller - Kirch, Svensson, Zé
António, Jansen - Polanski, Thijs, El Fakiri - Insúa - Kahê, Sverkos.
Ersatz: Heimeroth (Tor), Helveg, Levels, Degen, Kluge,
Delura, Rafael.
Es fehlen: Bøgelund, Neuville (verletzt), Sonck,
Daems, Svärd (alle Rehabilitationstraining), Melka (nicht im Kader).
Schiedsrichter: Florian Meyer (Burgdorf)
Assistenten: Thomas Frank, Carsten Kadach
Vierter Offizieller: Thorsten Schriever
SEITENWAHL-Meinung
Christoph Clausen: Ein Problem an den
immer wiederkehrenden blutleeren Auswärtsauftritten ist, dass einem die
Formulierungen für den nächsten Tipp ausgehen. Machen wir es also kurz: Gegner
nach schwerem Champions League-Spiel erschöpft, Borussia auswärts wieder zu
zaghaft. Macht unter dem Strich ein 1:1. Interessant wäre natürlich zu wissen,
wie die Fußballwelt im Jahr 1987 vorher getippt hat.
Michael Heinen: In Bremen ist leider nichts zu
holen. Trotz engagierter Spielweise sind die Hanseaten am Ende eine Nummer zu
groß für uns und gewinnen mit 2:0.
Mike Lukanz: Die entscheidende Chance für Borussia wird sein, dass in
den Köpfen der Bremer Spieler der Hebel zwischen Barca und Borussia noch nicht
umgelegt sein wird. Daher muss man den Gastgeber einlullen, ihm das eigene
Spiel diktieren. Ein frühes Tor wäre nicht schlecht. Ach, was reden wir hier?
Nach dem Big Point letzte Woche gegen Dortmund kommt nun der nächste. Borussia
gewinnt 1:0 und die Liga horcht auf.
Thomas Zocher: Netter Versuch. Zur Überwindung
einer derart chronischen Schwäche fernab der Mutti, wäre es vielleicht ratsam
sich eine der machbareren Aufgaben zu erwählen. Werder Bremen hat beim klaren
3:0 kein einziges Problem mit der vor
sich hin krebsenden Borussia.
Christian Heimanns: Letzte Woche hat mein Optimismus es
rausgerissen und diesmal? Bremen in der Bundesliga angeschlagen, gegen
Barcelona mit dem Schock des Ausgleichs und jetzt eventuell ohne
Borowski; Borussia als Tabellenfünfter, das könnte doch ... das gleiche
geben wie immer. 3:0 für Bremen, Spielverlauf und Torschützen
beliebig.
Hans-Jürgen Görler: Die Bremer brauchen einen
Aufbaugegner, unsere Borussia wird sich vermutlich dazu überreden lassen. Mit
einer 0:2-Niederlage geht es wieder heim.
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