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Home 2006/07 06, A, BL, Bremen
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Werder Bremen - Borussia M´gladbach 3:0 |
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Geschrieben von Mike Lukanz
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Samstag, 30 September 2006 |
Mit einem auch in dieser Höhe verdienten 0:3 verlor Borussia am
heutigen Nachmittag das Auswärtsspiel gegen Werder Bremen. Innerhalb
von fünf Minuten entschied der Gastgeber, der bereits am Dienstag den
FC Barcelona am Rand einer Niederlage hatte, das Spiel gegen wie immer
lust- und planlos auftretende Gäste vom Niederrhein. Es fällt schwer,
nach einem solchen Spiel nicht in fast schon gleichgültige Resignation
zu verfallen. Zu oft schon erlebte man in der Vergangenheit einen
solchen Spielverlauf, in dem Borussia passabel begann, dann jedoch in
wenigen Momenten in einer Kumulation von Unkonzentriertheiten, Pech und
auftrumpfenden Gegenspielern das Spiel aus der Hand gab.
Borussia begann im Gegensatz zum vergangenen Heimspiel gegen Borussia
Dortmund auf zwei Positionen verändert. Für den verletzten Oliver
Neuville begann Vaclav Sverkos neben Kahê, im Mittelfeld ersetzte
Michael Delura den Argentinier Federico Insua. Nach den zuletzt
zugegeben schwachen Leistungen des Spielmachers und dem Druck, der in
der Presse aufgebaut wurde, war diese Aufstellungsvariante zwar von
einigen erwartet, aber kam dennoch überraschend.
In der Anfangsphase deutete sich bereits ein schnelles Spiel an.
Borussia stand zwar kompakt in der Defensive, agierte dennoch
ordentlich im Spiel nach vorne. Die Zweikämpfe wurde früh angenommen
und in der Defensive größtenteils zu eigenen Gunsten entschieden. Die
Gastgeber aus Bremen hatten zwar optische Vorteile im Ballbesitz,
konnten sich jedoch kaum entscheidend in Szene setzen, um den
Defensivverbund um Svensson, Ze António und Keller zu gefährden.
Der erste Torschuss des Spiels wurde dennoch von Werder Bremen
abgegeben, als Verteidiger Womé aus knapp 18 Metern abzog, sein Schuss
aber deutlich das Ziel verfehlte. Wenigen Minuten später konnten die
Beobachter die erste Chance für die Gäste vom Niederrhein notieren.
Oliver Kirch passte in den Lauf von Michael Delura, der seine
Schnelligkeit ausnutzte und im Strafraum eine aussichtsreiche
Schusschance erhielt. Nationalverteidiger Per Mertesacker nutzte in
dieser Situation seine langen Beine und blockte Deluras Schuss zur
Ecke.
Die obligatorisch ordentlichen zwanzig Minuten der Gäste waren
gelaufen, und so übernahm Werder Bremen zusehends die Kontrolle und die
Chancen für den Meisterschaftsfavoriten häuften sich. Den Beginn der
Bremer Offensive in dieser Phase machte Nationalspieler Miroslav Klose,
der sich nach einem langen Pass im Zweikampf gegen Ze António
durchsetzte und alleine Richtung Strafraum zog. Marcell Jansen konnte
diese Situation im letzten Moment mit einem mutigen Tackling gegen
seinen Nationalmannschaftskollegen klären. Die folgende Ecke hätte fast
die Führung der Hansestädter zur Folge gehabt, doch Christian Schulz
brachte es aus zwei Metern nicht fertig, den Ball über die Torlinie zu
bugsieren. Im direkten Gegenzug erhielt Borussia eine ihrer wenigen und
vorerst letzten Gelegenheiten. Jansen zog mit seinem schwächeren
rechten Fuß eine lange Flanke auf den zweiten Pfosten des von Tim Wiese
gehüteten Bremer Gehäuse, wo der Ball per Kopf in den Rückraum auf
Eugen Polanski abgelegt wurde, doch noch bevor der U21-Nationalspieler
abziehen konnte, wurde der Ball von der vielbeinigen Abwehr der Bremer
geklärt.
Die Chancen ergaben sich nun im Minutentakt, wenngleich einzig Werder
Bremen nun in der Offensive befindlich war. In Minute 23 pariert Keller
mit einem starken Reflex den Schuss von Klose, vier Minuten später war
es Ze António, der eine Doppelpass-Kombination von Diego mit Hunt und
Klose zur Ecke abwehren konnte. Weitere 60 Sekunden später war es Aron
Hunt, der nach einer von der rechten Seite durch Frings geschlagene
Flanke nur um Milimeter verpasste, als er freistehend im Strafraum
stand. In der 33. Minute fiel folgerichtig der in dieser Phase
überfällige Führungstreffer für die Gastgeber. Erneut wurde seitens der
Gäste der Ball im Spielaufbau vertändelt, so dass sich Bernd Thijs
gegen Diego nur mit einem Foul zu helfen wusste. Bremens Verteidiger
Nando, für seine Schussstärke weithin bekannt, hämmerte den direkten
Freistoß aus knapp 20 Metern auf das Gladbacher Tor. Kasey Keller hob
aus Reflex die Fäuste hoch, womit er allerdings den Ball zur perfekten
Vorlage für Aaron Hunt machte, der aus fünf Metern nur abstauben
brauchte. Dass ein Rückstand in der Fremde schon per se ein schlechtes
Zeichen für Borussia ist, war allen mitgereisten Fans klar, doch dass
dies nur den Auftakt zu einer sich ankündigen Klatsche werden sollte,
hätten die wenigsten Beobachter erwartet.
Denn welches Offensivpotential der Gastgeber von der Weser besitzt,
durften die Zuschauer wenige Minuten später bestaunen. Der heute starke
Aaron Hunt flankte von der linken Seite in den Strafraum, wo der kurz
zuvor für Frank Baumann eingewechselte Daniel Jensen den Ball geschickt
im Sprung durchfliegen ließ. Der aus dem Rückraum in den Strafraum
gesprintete Christian Schulz nahm den Ball technisch perfekt volley und
ließ Keller diesmal keine Chance. Borussia lief in dieser Phase und
speziell in dieser Szene ausschließlich hinter, die Bremer waren nun in
allen Belangen klar überlegen. Die endgültige Entscheidung in diesem
Spiel und den Höhepunkt dieser fünfminüten Offensivphase setzte Bremens
Spielmacher Diego. Erneut lief Nando mit langen Schritten zu einem
Freistoß an, doch statt mit brachialer Gewalt flog der Ball technisch
perfekt und angeschnitten ins Gladbacher Tor, da Nando über den Ball
lief und Diego mit wenigen Schritten Anlauf die Gladbacher Mauer und
Torhüter Keller überwand.
Das Spiel war innerhalb weniger Minuten verloren und alle guten und
zarten Ansätze, die man auch in diesem Spiel in den ersten zwanzig
Minuten erkennen konnte, waren zunichte. Zur zweiten Halbzeit, als es
um die reine Schadensbegrenzung ging, wechselte Trainer Heynckes Peer
Kluge für den desolat aufspielenden El Fakiri ein. Selbst wenn keiner,
der Borussia in den letzten Jahren auswärts begleitete und beobachtete,
ernsthaft mit einem Punktgewinn am heutigen Tag rechnete, so wäre
vielleicht etwas Hoffnung aufgekeimt, wenn Michael Delura die sich ihm
bietende Chance in der 51. Minute verwertet hätte. Der vom FC Schalke
ausgeliehene Delura wurde von Eugen Polanski mit einer Flanke aus dem
Halbfeld in Szene gesetzt und lupfte den Ball über Tim Wiese, der den
Ball noch berührte und so an die Latte lenken konnte. Kahê ließ in
dieser Situation ihm schon zugeschriebene „Knipser"-Qualitäten
vermissen, da er in dieser Situation sein Trefferkonto auf fünf hätte
erhöhen können, wenn er besser antizipierte, da der Ball von der Latte
zurück ins Spielfeld prallte und so der Brasilianer nur noch abstauben
hätte müssen.
Der weitere Spielverlauf ist schnell erzählt. Werder Bremen nutzte den
komfortablen Vorsprung und schonte seine schon gegen Barcelona
eingesetzten Kräfte. Borussia hatte folgerichtig mehr Ballkontakte und
Spielanteile, aber das Offensivspiel, das durch die Hereinnahme von
Federico Insua nur marginal besser wurde, wirkte insgesamt zu pomadig,
zu wenig überraschend und nicht zwingend. Die ein oder andere Chance
bot sich sowohl Borussia als auch Werder Bremen, doch änderte sich am
Spielstand bis zum Schlusspfiff des souverän leitenden Schiedsrichters
Florian Meyer nichts mehr. Wenn eine Mannschaft nicht mehr will, die
andere nicht mehr kann, bietet sich dem Publikum kein ansehnliches
Spiel. Die Bremer Fans übten derweil die La Ola, ihre Gegenüber aus
Gladbacher sich selber in Galgenhumor, als sie den Torjingle aus dem
BorussiaPark intonierten.
Überrascht die Niederlage bei der spielstärksten Mannschaft der
Bundesliga, die vor wenigen Tagen die wohl beste Vereinsmannschaft der
Welt dominierte? Nicht wirklich? Es ist nicht das Ergebnis, es ist
nicht die Tatsache der Niederlage, es ist - mal wieder - die Art und
Weise, wie man ein solches Spiel hergibt. Lag man in den bisherigen
Spielen in Nürnberg und Aachen schon nach wenigen Minuten im Rückstand,
zeigte man heute in den ersten zwanzig Minuten durchaus nennenswerte
Ansätze. Wobei diese Ansätze sich einzig darin darstellten, dass man
Zweikämpfe gewann und in die Nähe des gegnerischen 16-Meter-Raums kam.
Solche im Grunde als selbstverständlich anzusehende Attribute werden
bei Borussias Auswärtsspielen schon positiv bewertet; ein Zeichen des
jahrelangen Auswärtsfrusts.
So schickt Borussia ihre Fans wie schon nach dem Auswärtsspiel in
Aachen mit einem ernüchternden und frustrierenden Ergebnis in die
Bundesligapause und hofft erneut auf das kommende Heimspiel. Eine
gefährliche Einstellung, die es unbedingt und zügig abzustellen gilt.
Bilanzierend muss man zugestehen, dass Werder Bremen in Normalform
mindestens zwei Klassen besser ist und für eine Mannschaft wie Borussia
unter normalen Umständen nicht zu schlagen. Die Auswärtsschwäche, die
sich inzwischen in der kompletten Bundesliga herumgesprochen hat, ist
schon längst eine Farce, die ihresgleichen sucht.
Tore: 1:0 Hunt (33.), 2:0 Schulz (35.), 3:0 Diego (38.)
Bremen: Wiese – Fritz, Mertesacker, Naldo, Womé – Baumann
(Jensen, 34) – Schulz, Frings – Diego – Klose (Klasnic, 67), Hunt
(Zidan, 71).
Borussia: Keller – Jansen, Zé Antonio, Svensson (Levels, 68), Kirch –
Polanski, Thijs – El Fakiri ( Kluge, 46), Delura – Sverkos (Insua, 71),
Kahê.
Schiedsrichter: Florian Meyer
Zuschauer: 35.000
Datum, Spieltag: 30. September 2006, 6. Spieltag
Gelbe Karten (Borussia): El Fakiri, Svensson, Polanski
Rote Karten: -
Besondere Vorkommnisse: Das Spiel war Borussias 88. Auswärtsspiel seit dem Wiederaufstieg. In diesen 88.
Versuchen erreichte die Borussia 9 Siege, 26 Remis und nunmehr 53 Niederlagen. Letztmals siegreich
war die Borussia bei Werder Bremen am 21. März 1987 mit 7:1, gleichzeitig der
bis zum heutigen Tage letzte Auftritt Borussias in Bremen mit Trainer Jupp
Heynckes. Wie sein Teamgefährte Eugen Polanski, der beim 0:2 am 12. Februar 2005
im Bremer Weserstadion zu seinem Bundesligadebüt kam, durfte auch Tobias Levels
am heutigen Tage sein erstes Bundesligaspiel bei einer Auswärtsniederlage der
Borussia bei Werder Bremen feiern.
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