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Deja Vu in Süddeutschland |
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Geschrieben von Michael Heinen
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Samstag, 10 Dezember 2011 |
Mit der bislang schlechtesten Saisonleistung verdiente sich Borussia
Mönchengladbach eine unerwartete 0:1-Niederlage beim Tabellenletzten aus
Augsburg und tat seinem Coach damit in gewisser Weise einen Gefallen.
Die 90 gezeigten Minuten sollten nämlich auch dem letzten Euphoriker eindrucksvoll
vor Augen geführt haben, wo die Mannschaft herkommt und wie sie insbesondere
im vorigen Jahr regelmäßig gespielt hat. Dennoch sollte man trotz der
ernüchternden Vorstellung mit den Spielern nicht zu hart in Gericht
gehen. Borussia mag in einzelnen Spielen auf Augenhöhe mit den Topklubs
des Landes mithalten können. Auf lange Sicht trifft dies aber eben nicht
zu und es ist leider als normal anzusehen, dass die Mannschaft
gelegentlich solche Tage erwischt, in denen sie kollektiv versagt.
Nach
ordentlichem Beginn ließ sich die Gästeelf von den kampfstarken
Augsburgern den Schneid abkaufen, die die Partie von Beginn an wie eine
Pokalbegegnung angingen. Dass die Elf von Trainer Jos Luhukay dabei ab
und an die Grenzen des Fairplays überschritt und auch die Zuschauer eine
extrem hitzige Atmosphäre entwickelten, sollten ihnen nicht vorgeworfen
werden. Eine spielerisch dermaßen zweitklassige Mannschaft hat nur auf
diesem Wege überhaupt eine Chance, das ansonsten aussichtslose Ziel
Klassenerhalt zu erreichen. So entwickelte sich ein Fight wie man ihn
früher vom Betzenberg gewohnt war, von dem sich sowohl Schiedsrichter als auch Gästemannschaft sichtlich beeindrucken ließen.
Den
Augsburgern wurde ihr knüppelhartes Einsteigen zwar regelmäßig
abgepfiffen. Es grenzte aber an ein Wunder Zagreber Dimensionen, dass
die einzige Gelbe Karte vor dem Seitenwechsel an einen Gladbacher
verteilt wurde. Borussia kam mit dieser Aggressivität nicht zurecht und
konnte in den letzten 75 Minuten nach vorne so gut wie keine Impulse
mehr setzen. Defensiv war Martin Stranzl der Fels in der Brandung, der
von seinen Nebenleuten aber allzu oft im Stich gelassen wurde. Dante
hatte einige Rettungsaktionen, in denen er seine Weltklasse andeutete.
Diesen positiven Eindruck machte er sich aber mit einer Reihe
haarsträubender Leichtsinnsfehler zunichte, die den FC immer wieder
unnötig aufbauten. Gerade die zuletzt so starke linke Seite mit Juan
Arango und Filip Daems war völlig von der Rolle und lud Werner, Mölders
oder Oehrl zu unnötigen Gelegenheiten ein.
Dennoch taten sich
die Gastgeber schwer, die optische Überlegenheit aus dem Spiel heraus in
hochkarätige Chancen umzuwandeln. So entwickelte sich vielmehr eine
Partie, wie sie schon vor einigen Wochen im Breisgau stattfand. Auch
damals bot Gladbach auswärts bei einem Abstiegskandidaten eine
unterirdische Leistung. Auch damals trug Schiedsrichter Markus Schmidt
nicht gerade zu einem positiveren Spielverlauf bei. Und auch damals
kamen die Gastgeber letztlich nur durch einen höchst unglücklich
abgefälschten Weitschuss zum entscheidenden Treffer.
Ausgerechnet
Raul Bobadilla war der Unglücksrabe, der dem Ball - für ter Stegen
unhaltbar - die entscheidende Wendung gab. Bis zu seiner Auswechselung
Mitte der 2. Halbzeit war er zwar einer der auffälligsten
Offensivspieler. Während dies in der Anfangsphase noch halbwegs positiv
zu werten gewesen ist, wurden seine Aktionen mit zunehmender Spieldauer
immer fahriger und wirkungsloser. Gut möglich, dass dies die letzte
Chance gewesen ist, die er im Borussen-Dress einmal mehr nicht zu nutzen
verstand. So sehr es um seine Ansätze leid tut. Nach nunmehr 58
Einsätzen in der Bundesliga besteht wenig Hoffnung darauf, dass der
bullige Argentinier noch den Durchbruch schafft. Ein endgültiges Ende
dieses Missverständnis im Winter wäre daher für beide Seiten das Beste.
Nach
so einer Partie gibt es kaum Positives zu berichten. Die Ausfälle von
Nordtveit und Reus konnten nicht im Ansatz kompensiert werden und
belegten nicht ganz überraschend, dass der Kader in der Breite noch
nicht Spitze ist. Lobend erwähnt sei aber Marc-Andre ter Stegen, auch
wenn dies auf den ersten Blick überraschen mag. Immerhin sorgte dieser
in Halbzeit 1 für Augsburgs beste Chance im ganzen Spiel, als der Ball auf dem schlechten Rasen ungünstig aufsprang und
Werner freistehend zum Torabschluss einlud. Diesen
dicken Patzer bügelte der
Borussen-Keeper aber sogleich gedankenschnell aus und es beeindruckte,
wie souverän der
Youngster anschließend seine Sicherheit beibehielt und fortan
keinen nennenswerten Fehler folgen ließ.
Für Borussia folgen in
diesem Jahr zum Glück nur noch zwei Heimspiele, da sich die Mannschaft
im Borussia-Park sichtlich wohler fühlt. Auf fremden Plätzen gab es
hingegen selbst mit Marco Reus schon ähnlich triste Auftritte in
Freiburg, Hoffenheim oder Heidenheim. Dies sollte der nächste Schritt in Lucien Favres Planungen sein, die Mannschaft in der Form fortzuentwickeln, dass sie in einiger Zeit vielleicht konstant auf dem Niveau spielen kann, das sie in den letzten Wochen abzurufen fähig war.
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