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SEITENwechsel, der 9. |
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Geschrieben von Mike Lukanz
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Mittwoch, 04 Oktober 2006 |
Auf schillernde Juwelen kann man von vielen Seiten blicken und staunen.
Seit 1997 bereits blickt SEITENWAHL für seine Leser auf das Gladbacher
Geschehen, 2004 gesellte sich der VfLog dazu. Beide Projekte haben
ihren eigenen unverwechselbaren Charme. Zu Beginn der Saison 06/07
kommt es nun zum SEITENwechsel: SEITENWAHL und VfLog beginnen einen
Briefwechsel, in dem alles möglich ist: Fachsimpelei, Verbalfouls,
Streit und Harmonie. Solange die Tinte reicht, wird auf
www.seitenwahl.de und www.vflog.de künftig dienstags nach Spieltagen
der Brief der jeweils anderen Seite veröffentlicht.
Den neunten Brief von Mike an Martin gibt es beim VfLog , unten die Antwort von
Martin an Mike auf den ersten Brief.
Hallo Mike,
triste Zeiten, triste Zeilen. Und ja, was soll man sagen?!
Ein Brückentag, der hier in Österreich übrigens Fenstertag heißt, war es
bei mir nicht; Wien ist erfreulicherweise so weit, dass man die deutsche Einheit
nicht mehr feiert. (Wobei: Sollte sich Schüssel nach der Wahl einmal wieder für
nichts zu schade sein, und mit FPÖ und BZÖ eine Koalition eingehen, wer weiß, ob
dies so bleibt...)
Ich musste also arbeiten, hatte aber wenigstens die beruhigende
Gewissheit, dass dies auch allen anderen so geht. Und Arbeit lenkt ab
von der Misere, die Borussia uns dauerhaft beschert. Doch ich schweife
ab.
Was also schreiben? Es ist, wie Du es sagst: Es ist alles schon da
gewesen, die Fohlen bescheren uns zu Anfang des 21. Jahrhunderts ein
wahres fin de siecle-Feeling. Wie oft, wie lange kann man sich
emotional entfremden? Wir haben uns schon so oft entfremdet, dass wir
Borussia kaum noch buchstabieren können dürften. Dereinst forderte ich Gebt uns unsere Borussia zurück!,
nun forderst Du mit anderen Worten das Gleiche. Werden wir zufrieden
sein, wenn wir dann wieder zu Hause gewinnen? Oder ist die Liebe zu
Gladbach wirklich langsam verschwunden, Stück für Stück abgetragen wie
der Bökelberg?
Einst haben Maik und ich versucht, über Auswärtsspiele einfach gar
nicht mehr zu schreiben, sie zu ignorieren, bis einmal ein Sieg kommt.
Das war lustig und traurig zugleich, aber es hat die Auswärtsspiele,
die wir ignoriert haben, nicht besser gemacht.
Ich bin ratlos. Ich bin sprachlos. Ich bin, und das ist das Traurigste,
ein wenig gelangweilt von Borussia. Es ist wirklich nicht sehr
originell, sich über Jahre nichts besseres einfallen zu lassen, als zu
Hause immer ganz ok zu sein, und auswärts immer völlig erfolglos. Wenn
die emotionale Achterbahnfahrt zum Normalzustand wird, dann geht der
Kick der Achterbahn verloren. (Im August hat ein Mann einen neuen
Rekord im Achterbahnfahren aufgestellt, mit läppischen 210 Stunden.
Nichts gegen die Jahre, die wir nun schon mit unseren Kickern auf und
ab düsen...)
Was bleibt uns nun? Mein Test an Tagen wie diesen ist die Frage, ob ich
mich über Siege von Borussia noch freuen kann. Und das ist keine Frage.
Und wie! Solange das so ist, liebe ich diesen Club wohl immer noch. Und
folge ihm auch durch die Auswärtsödnis. Aber eins ist sicher: Wenn auch
unter Jupp auf Dauer die Steppe kein Ende findet, dann werden wir nie
richtig glücklich werden, und wieder den nächsten Automatismus in Gang
setzen: Ein neuer Trainer, neue Spieler, neue Hoffnung, neuer Frust,
usw. usf. -- ad infinitum? Wir werden sehen. Sicherheitshalber
archiviere ich diesen Text schon einmal. Für den SEITENwechsel Anfang
Oktober 2007. Wahrscheinlich kann ich ihn Dir dann einfach noch einmal
schicken...
Bis bald,
Martin
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