Bundesliga 2011/2012

Tabelle

Intern / Interaktiv

Impressum
Home arrow Freie Autoren arrow Seitenblick
Seitenblick Drucken
Geschrieben von Michael Heinen   
Montag, 09 Oktober 2006
ANMERKUNG: Der folgende Text enthält satirische Elemente, die mit einem Augenzwinkern zu betrachten sind. 

Fast genau 2 Monate ist es jetzt schon her, dass die neue Bundesliga-Saison ihren Anfang nahm. Und dennoch sind seitdem erst 6 Partien ausgetragen worden. Verdanken tun wir dies der Praxisferne einiger Funktionäre, deren vom fortschreitenden Zellverfall geschundener Körper ihnen schon vor mindestens einem halben Jahrhundert jedwede Möglichkeit versagte, selbst aktiv ins Geschehen unseres heiß geliebten Sports einzugreifen. Frustriert ob derlei Unzulänglichkeit, haben sie längst vergessen, was den Fußball tatsächlich ausmacht und treffen in schöner Regelmäßigkeit wirklichkeitsfremde Entscheidungen. Die Folge ist ein völlig abstruser Flickenteppich, der immer wieder dann für eine Unterbrechung sorgt, wenn man sich gerade an die neue Saison gewöhnt zu haben schien. Die neuerliche Pause wollen wir aber dazu nutzen, um einen satirisch angehauchten Seitenblick zu wagen und etwas sarkastisch-spöttisch zurückzublicken auf die Ereignisse der ersten 6 Spieltage in der Bundesliga.

 

Beginnen wollen wir logischerweise mit unserer Borussia. Nach dem für viele als misslungen gewerteten Intermezzo eines Horst Köppel sollte unter Jupp Heynckes endlich alles anders und vor allem alles besser werden. Was dereinst schon bei Gerhard Schröder unerfüllt blieb, scheint auch Don Jupp nicht so leicht von der Hand zu gehen. 3 Siege daheim, 3 Niederlagen auswärts. Eigentlich alles wie gehabt, nur eben noch extremer. Über die seit Jahren fest sitzende Auswärtsphobie wünscht Trainer Heynckes nicht mehr zu reden, was wir ihm natürlich gerne gewähren. So langsam fehlen einem ob derlei hartnäckiger Konstanz an Unfähigkeit und Hilflosigkeit auf fremden Plätzen eh die Worte.

ImageNeuzugang Federico Insua konnte sich bereits an Mönchengladbacher Realitäten gewöhnen. Im Laufe von nur zwei Auswärtsspielen stieg er vom „endlich gefundenen Messias“ (Nürnberg-Spiel) zum „alleinigen Totalversager“ (Aachen-Spiel) ab. Alle Beschwichtigungen des Trainers, dass die Wahrheit – wie so oft – in der Mitte liegen wird und man gerade bei Südamerikanern fast immer einen Haufen Geduld benötigt, will man als Borussen-Fan nicht hören. Dabei kommt den Verantwortlichen durchaus das Beispiel eines Kahê zugute, der urplötzlich als kaltschnäuziger Torjäger auf dem Weg zur kicker-Kanone verehrt wird. Noch vor nicht allzu langer Zeit verwünschte ihn fast die gesamte Nordkurve zurück auf den Zuckerhut, während man ihn jetzt nach den Spielen regelmäßig als Matchwinner feiert. Ob allerdings das Zwischenhoch von vier Toren in drei Spielen auf den großen Durchbruch hindeutet und auf lange Sicht bestätigt werden wird? Der Borussen-Fan hat gemeinhin keine Zeit und Lust, sich so weit in die Zukunft zu orientieren. Immerhin sind wir schon beschäftigt genug damit, in unserer glorreichen Vergangenheit zu schwelgen.  

Auf die Zukunft hofft dagegen Marcell Jansen, der jetzt aber erst einmal für den Rest der Vorrunde ausfällt. Schuld daran ist letzten Endes sein neuer Werbevertrag. Denn wie zuvor schon Kevin Kuranyi, Andreas Hinkel, Benjamin Lauth und Arne Friedrich wurde jetzt Jansen offensichtlich vom berüchtigten „Nutella-Fluch“ heimgesucht. Wer auch immer für diesen verwunschenen Brotbelag zu werben trachtet, verliert automatisch jede Art von Form, verletzt sich beinahe tödlich und/oder bringt so gut wie nichts mehr zu Stande. Zufall kann das nun wirklich nicht mehr sein.
 

Doch Marcell Jansen könnte es immer noch schlechter gehen. Zum Beispiel dann, wenn unser Verein vor einigen Wochen tatsächlich das 10-Mio.-Angebot des Hamburger SV angenommen hätte. Dann wäre Jansen jetzt nicht nur verletzt, sondern hätte in dieser Saison schon mindestens eine Rote Karte gesehen und müsste ernsthaft um den Klassenerhalt zittern. Den in den letzten Jahren allzu neureich aufgetretenen Hanseaten ergeht es nämlich zur Zeit sportlich ein wenig so wie Sky Dumonts Familie in der RTL-Serie „Arme Millionäre“. Und wie dort gibt es kaum einen Grund, auch nur einen Hauch an Mitleid zu empfinden. Vielleicht können wir uns für ihr großzügiges Jansen-Angebot schon bald mit einer Gegenofferte revanchieren. Mit 5-6 Mio. wären wir durchaus bereit, den Hamburgern unter ihre bald schon klammen Arme zu greifen, wenn sie uns dafür den in der 2. Liga eh kaum noch zu bezahlenden Rafael van der Vaart überlassen. 
 

Doch auch andere Klubs mit noch höheren Ambitionen sind beachtlich schlecht gestartet. Der FC Bayern weiß aber immerhin noch, woran es lag, dass man nacheinander in Bielefeld und Wolfsburg verlor. Nämlich in erster Linie an den zu schwach aufgepumpten Bällen, mit denen logischerweise nur die Bayern Probleme hatten. Außerdem ist die Champions-League-Belastung in diesem Jahr besonders schlimm, nachdem man in der letzten Saison keine einzige Partie im Anschluss an eine englische Woche verloren hatte. 
 

Der SV Werder hat sich nicht zuletzt durch unsere Borussia wieder aus seiner Krise befreit. Speziell Tim Wiese machte im Spiel gegen Barcelona von sich reden. Sein Erfolgsgeheimnis verriet er im kicker, der ihn auf seinen Überwurf-Fauxpas aus der Vorsaison ansprach. Damals hatte Wiese seinen subjektiv als unwiderstehlich empfundenen Körper gewohnt theatralisch in Szene zu setzen versucht, was ihm durchaus gelang. Nur dass Wieses Bodybuilding gestählter Astralkörper in dieser Situation den für so viel Körperkult überflüssig wirkenden Ball instinktiv abwies. Juve-Star Emerson sagte Danke, beförderte das frei gewordene Spielgerät ins Tor und Werder damit ins Aus. Wiese hatte dieses Missgeschick aber schon bald überwunden, was er wie folgt begründete: „Andere hätten danach angefangen zu grübeln“. Man könnte jetzt darüber sinnieren, warum es der Werder-Keeper selbst wohl nicht vermochte, in damaliger Situation einen Denkprozess in Gang zu setzen.  

Reden wir aber lieber über einen anderen Fußballer, der schon lange für sich entdeckt hat, dass übermäßiges Denken nicht allzu stark mit sportlichem Erfolg korreliert. Lukas Podolski mutiert beim FC Bayern zwar immer mehr zum „Calle del Haye für Arme“. Dafür konnte er abseits des Spielfelds einen höchst beachtlichen Preis erringen. Und zwar den so genannten „Fußball-Bildungspreis“. Wenn aber Lukas Podolski allen Ernstes einen Preis für Bildung erhält, darf sich wohl selbst Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad bald schon Hoffnungen auf den Friedensnobelpreis machen. 

Nirgendwo geht es in dieser Saison so turbulent zu wie auf Schalke. Der kicker widmete den Königsblauen bereits drei Titelstorys – und dies jeweils mit einer neuerlichen Krise. Eine Woche nachdem man nur knapp nach Toren an der Tabellenführung vorbeigeschrammt war, wurde zuletzt mal wieder der Weltuntergang herbeigesehnt. Dabei bekam man international lediglich bestätigt, was Fußballkenner bereits seit Jahren als unumstößlichen Fakt akzeptiert haben. Die deutsche Liga ist international nur noch zweitklassig und hinkt inzwischen gar der französischen weit hinterher. Selbst ein No-Name-Verein wie der AS Nancy war den Schalkern zu stark, obwohl vor dieser Saison selbst internationale Fußballexperten nur beiläufig von einem solchen Klub gehört haben wollten. Sogar Michel Platini soll sich nur dunkel daran erinnert haben, jemals selbst bei diesem Verein gespielt zu haben. Zu unscheinbar dümpelte jener seit Jahrzehnten in der französischen Provinz fernab jeglicher Internationalität vor sich hin.  

Dem FC Schalke verdanken wir jetzt seine Renaissance und dafür verzichteten diese dann mal eben auf bereits fest im Etat eingeplante UEFA-Cup-Millionen. Eine Vorgehensweise, die schon bei anderen Revierklubs mit durchschlagendem Erfolg erprobt worden ist.  

„Totale Dominanz“ hatte Versuchs-Trainer Mirko Slomka zur Schalker Maxime erkoren, wofür man u.a. einen Experten für „Teambildung“ einstellte. Der leistete bislang ganze Arbeit, denn im Team bildeten sich inzwischen zahlreiche Gruppen. Eine davon wird geeint durch die Beratertätigkeit der Firma Rogon, die sich auf das zu Fall bringen einstiger Traditionsvereine spezialisiert hat. Was beim 1.FC Kaiserslautern hervorragend geklappt hat, sollte mit solcherlei Taktiken auch in Gelsenkirchen gelingen können.
 

Federführend u.a. Neuzugang Halil Altintop, der sich zunächst schon nach einem Spiel bemüßigt sah, ein anderes Spielsystem einzufordern. Nachdem es ihm dann aber in keinem System gelang, nur annähernd an sein halbjähriges Zwischenhoch aus der Vorsaison anzuknüpfen, schlüpfte er alternativ in die Rolle des Kabinen-Maulwurfs. Der böse Gerald hatte Halil nämlich in der Kabine gestanden, sich ggf. ähnlich wie dessen Bruder Hamit zu verhalten und eine potentielle Degradierung auf die Bank nur bedingt glücklich aufzunehmen. Halil konnte nun endlich unter Beweis stellen, wie weit sein Integrationsprozess in Deutschland schon fortgeschritten ist und dass es sehr wohl für einen Ausländer möglich ist, die Grundprinzipien deutscher Leitkultur vollauf zu verinnerlichen. Edmund Stoiber soll geheult haben vor Rührung als er erfuhr, wie ein Türke im preußischstem Gehorsam jene potentielle Widerspenstigkeit gegenüber der Autorität (sofern man bei Slomka von einer solchen sprechen kann) zur Anzeige brachte. Der brüskierte Total-Dompteur nahm dies zum Anlass, zuerst vom „größtmöglichen Vertrauensbruch“ zu faseln, um Asamoah dann aber schon nach einer Woche wieder zu vergeben. So viel Konsequenz hatte man der doch eher skibbig wirkenden Notlösung gar nicht zugetraut. 
 

Nicht minder konsequent setzt auch die Vereinsführung seinen Weg fort, dem möglichst kurzfristigen sportlichen Erfolg alles Übrige unterzuordnen. So verhökerte man als Reaktion auf die entgangenen UEFA-Cup-Millionen seine Seele an den russischen Energieriesen Gazprom. Es war eh nur eine Frage der Zeit, bis die Abramowitschisierung des internationalen Fußballs endlich auch auf Deutschland überschwappt. Einen herzlichen Glückwunsch nach Gelsenkirchen, dass man ausgerechnet dort jetzt den Anfang macht. Ausgerechnet dort im Ruhrgebiet, wo man immer so stolz auf „ehrliche Maloche“ und auf seine „Arbeiterklubs“ (gewesen) ist und wo die Kapitalismuskritik am lautesten ertönt. 
 

Ausgerechnet dort zeigt sich in der fußballerischen Realität, dass windiges Geld egal aus welcher Richtung kommend allzu gerne angenommen wird. Ob von türkischen Waffenhändlern, berüchtigten Ober-Heuschrecken oder jetzt eben von einem russischen  Konzern, über dessen Geschäftspraktiken ganze Bücher verfasst werden. Selbst wenn der Faktor Intelligenz im Umfeld der Veltins-Arena keinen allzu dominanten Stellenwert einnimmt, sollte sich der geneigte Fan schon einmal fragen, warum die Russen bereit sind, jedes Jahr 25 Mio. Euro in einen Verein zu pumpen, der ihm – angesichts bislang mangelnder eigener Aktivität in Deutschland – nur einen sehr eingeschränkten Werbewert verspricht. Trainer Slomka kann man noch am ehesten verstehen, dass er insbesondere durch den Kooperationsvertrag mit Zenit Petersburg ganz neue Möglichkeiten erkennt. Vielleicht findet sich ja wenigstens in Russland ein Verein, der den einstigen Co-Trainer seines jetzigen Co-Trainers aus der bald entstehenden Arbeitslosigkeit befreit. Gazprom wiederum könnte auf Schalke schlussendlich doch noch seine geforderte Maxime durchsetzen, denn es ist absehbar, dass die Russen bald schon die „totale Dominanz“ über den Ruhrpottverein innehaben werden. 

Dass der neue Sponsor ausgerechnet vom Dortmunder Ehrenmitglied Gerhard Schröder beraten wird, ist nur eine amüsante Randnotiz, die wieder einmal belegt, wie nahe sich die beiden vermeintlichen Rivalen im Grunde doch stehen. Wir als Außenstehende können uns den Fans des FC Schalski nur anschließen bei ihrer jüngst dem eigenen Team entgegen geschleuderten Einschätzung: „Ihr seid Scheiße wie der BVB!“ Eine Fusion beider Verein wäre nur noch logisch und zumindest was den Schuldenstand angeht, könnte man so endlich zu den internationalen Topklubs Europas aufschließen. 
 

Noch mehr Gemeinsamkeiten lassen sich finden, denn auch die Dortmunder haben einen Sponsor aus der Energiebranche, dessen Zukunft allerdings weit weniger gesichert erscheint wie die der Russenmafia. Die RAG hatte – nicht zuletzt mit aus Steuergeldern bezahlten Subventionen – den Trikotsponsor-Vertrag in Dortmund bereits unterschrieben. Da fiel ihnen urplötzlich ein, dass man eigentlich ja noch gar keinen Namen für den Schriftzug hat. Während nämlich RAG-Boss Werner Müller seit Monaten von einem baldigen Börsengang des gesamten Unternehmens unter einheitlicher, neuer Flagge träumt, geht die politische Realität wohl eher in eine andere, völlig ungewisse Richtung. So sollte man das ohnehin abgrundtief hässliche Ausrufezeichen auf der Dortmunder Brust, das mit Kunst ungefähr so viel zu tun hat wie Dortmund mit großem Fußball, doch mal langsam eher durch ein Fragezeichen ersetzen. 
 

Fragend wandte sich das Internetportal „schwatzgelb.de“ vor dem ewigen Duell der Borussen an seine Leser und irgendwie auch an uns echte Borussen. Denn man hinterfragte, welche Gründe es für unsere Rivalität mit dem Klub aus Westfalen wohl geben könne. Es ist eins der ungeklärten Phänomene unserer Zeit: Aber der gemeine Dortmunder scheint tatsächlich davon überrascht zu sein, dass sein Verein in der gesamten Nation komplett verhasst ist und mittlerweile selbst den FC Bayern in der Rangfolge der unsympathischsten Vereine weit abhängt. Man sollte meinen, gerade die Dortmunder, die das arrogante, überhebliche Gebären des Vereins in den letzten Jahrzehnten hautnah miterlebt und mitgestaltet haben, würden zu dieser Frage keine weiteren Erklärungen von Fans anderer Klubs benötigen. Doch hierzu scheint es entweder an Intellekt und/oder an Einsicht zu fehlen. Von daher schreitet man lieber zum Gegenangriff und bemüht sich, Ressentiments gegen andere Vereine, wie insbesondere unsere einzig wahre Borussia, zu schüren. Über diesen kämpferischen Weg wollen wir uns grundsätzlich nicht beschweren, selbst wenn man ihn etwas kläglich unter einem vermeintlich satirischen Deckmantel verpackt, dessen Komikgehalt sich i.d.R. auf die Nennung des Geburtsorts des ehemaligen Reichspropagandaministers beschränkt. Den gemeinen Dortmunder kann man offensichtlich schon mit folgendem „Witz“ zum Lachen bringen: „Joseph Goebbels wurde in Mönchengladbach-Rheydt geboren“. Und durch zigfache Wiederholung scheint er noch viel lustiger zu wirken. Erstmals muss ich tatsächlich zugeben, auf Dortmunder – genauer auf die Kollegen von schwatzgelb.de – neidisch zu sein, denn was kann einem als Website-Betreiber Besseres passieren als eine derart dankbare Leserschaft?