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Geschrieben von Michael Heinen
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Montag, 09 Oktober 2006 |
ANMERKUNG: Der folgende Text enthält satirische Elemente, die mit einem Augenzwinkern zu betrachten sind.
Fast genau 2 Monate ist es jetzt schon her, dass die neue
Bundesliga-Saison ihren Anfang nahm. Und dennoch sind seitdem erst 6
Partien ausgetragen worden. Verdanken tun wir dies der Praxisferne
einiger Funktionäre, deren vom fortschreitenden Zellverfall
geschundener Körper ihnen schon vor mindestens einem halben Jahrhundert
jedwede Möglichkeit versagte, selbst aktiv ins Geschehen unseres heiß
geliebten Sports einzugreifen. Frustriert ob derlei Unzulänglichkeit,
haben sie längst vergessen, was den Fußball tatsächlich ausmacht und
treffen in schöner Regelmäßigkeit wirklichkeitsfremde Entscheidungen.
Die Folge ist ein völlig abstruser Flickenteppich, der immer wieder
dann für eine Unterbrechung sorgt, wenn man sich gerade an die neue
Saison gewöhnt zu haben schien. Die neuerliche Pause wollen wir aber
dazu nutzen, um einen satirisch angehauchten Seitenblick zu wagen und
etwas sarkastisch-spöttisch zurückzublicken auf die Ereignisse der
ersten 6 Spieltage in der Bundesliga.
Beginnen wollen wir
logischerweise mit unserer Borussia. Nach dem für viele als misslungen
gewerteten Intermezzo eines Horst Köppel sollte unter Jupp Heynckes
endlich alles anders und vor allem alles besser werden. Was dereinst
schon bei Gerhard Schröder unerfüllt blieb, scheint auch Don Jupp nicht
so leicht von der Hand zu gehen. 3 Siege daheim, 3 Niederlagen
auswärts. Eigentlich alles wie gehabt, nur eben noch extremer. Über die
seit Jahren fest sitzende Auswärtsphobie wünscht Trainer Heynckes nicht
mehr zu reden, was wir ihm natürlich gerne gewähren. So langsam fehlen
einem ob derlei hartnäckiger Konstanz an Unfähigkeit und Hilflosigkeit
auf fremden Plätzen eh die Worte.
Neuzugang
Federico Insua konnte sich bereits an Mönchengladbacher Realitäten
gewöhnen. Im Laufe von nur zwei Auswärtsspielen stieg er vom „endlich
gefundenen Messias“ (Nürnberg-Spiel) zum „alleinigen Totalversager“
(Aachen-Spiel) ab. Alle Beschwichtigungen des Trainers, dass die
Wahrheit – wie so oft – in der Mitte liegen wird und man gerade bei
Südamerikanern fast immer einen Haufen Geduld benötigt, will man als
Borussen-Fan nicht hören. Dabei kommt den Verantwortlichen durchaus das
Beispiel eines Kahê zugute, der urplötzlich als kaltschnäuziger
Torjäger auf dem Weg zur kicker-Kanone verehrt wird. Noch vor nicht
allzu langer Zeit verwünschte ihn fast die gesamte Nordkurve zurück auf
den Zuckerhut, während man ihn jetzt nach den Spielen regelmäßig als
Matchwinner feiert. Ob allerdings das Zwischenhoch von vier Toren in
drei Spielen auf den großen Durchbruch hindeutet und auf lange Sicht
bestätigt werden wird? Der Borussen-Fan hat gemeinhin keine Zeit und
Lust, sich so weit in die Zukunft zu orientieren. Immerhin sind wir
schon beschäftigt genug damit, in unserer glorreichen Vergangenheit zu
schwelgen.
Auf die Zukunft hofft dagegen Marcell Jansen, der jetzt aber erst
einmal für den Rest der Vorrunde ausfällt. Schuld daran ist letzten
Endes sein neuer Werbevertrag. Denn wie zuvor schon Kevin Kuranyi,
Andreas Hinkel, Benjamin Lauth und Arne Friedrich wurde jetzt Jansen
offensichtlich vom berüchtigten „Nutella-Fluch“ heimgesucht. Wer auch
immer für diesen verwunschenen Brotbelag zu werben trachtet, verliert
automatisch jede Art von Form, verletzt sich beinahe tödlich und/oder
bringt so gut wie nichts mehr zu Stande. Zufall kann das nun wirklich
nicht mehr sein.
Doch Marcell Jansen könnte es immer noch schlechter gehen. Zum Beispiel
dann, wenn unser Verein vor einigen Wochen tatsächlich das
10-Mio.-Angebot des Hamburger SV angenommen hätte. Dann wäre Jansen
jetzt nicht nur verletzt, sondern hätte in dieser Saison schon
mindestens eine Rote Karte gesehen und müsste ernsthaft um den
Klassenerhalt zittern. Den in den letzten Jahren allzu neureich
aufgetretenen Hanseaten ergeht es nämlich zur Zeit sportlich ein wenig
so wie Sky Dumonts Familie in der RTL-Serie „Arme Millionäre“. Und wie
dort gibt es kaum einen Grund, auch nur einen Hauch an Mitleid zu
empfinden. Vielleicht können wir uns für ihr großzügiges Jansen-Angebot
schon bald mit einer Gegenofferte revanchieren. Mit 5-6 Mio. wären wir
durchaus bereit, den Hamburgern unter ihre bald schon klammen Arme zu
greifen, wenn sie uns dafür den in der 2. Liga eh kaum noch zu
bezahlenden Rafael van der Vaart überlassen.
Doch auch andere Klubs mit noch höheren Ambitionen sind beachtlich
schlecht gestartet. Der FC Bayern weiß aber immerhin noch, woran es
lag, dass man nacheinander in Bielefeld und Wolfsburg verlor. Nämlich
in erster Linie an den zu schwach aufgepumpten Bällen, mit denen
logischerweise nur die Bayern Probleme hatten. Außerdem ist die
Champions-League-Belastung in diesem Jahr besonders schlimm, nachdem
man in der letzten Saison keine einzige Partie im Anschluss an eine
englische Woche verloren hatte.
Der SV
Werder hat sich nicht zuletzt durch unsere Borussia wieder aus seiner
Krise befreit. Speziell Tim Wiese machte im Spiel gegen Barcelona von
sich reden. Sein Erfolgsgeheimnis verriet er im kicker, der ihn auf
seinen Überwurf-Fauxpas aus der Vorsaison ansprach. Damals hatte Wiese
seinen subjektiv als unwiderstehlich empfundenen Körper gewohnt
theatralisch in Szene zu setzen versucht, was ihm durchaus gelang. Nur
dass Wieses Bodybuilding gestählter Astralkörper in dieser Situation
den für so viel Körperkult überflüssig wirkenden Ball instinktiv
abwies. Juve-Star Emerson sagte Danke, beförderte das frei gewordene
Spielgerät ins Tor und Werder damit ins Aus. Wiese hatte dieses
Missgeschick aber schon bald überwunden, was er wie folgt begründete:
„Andere hätten danach angefangen zu grübeln“. Man könnte jetzt darüber
sinnieren, warum es der Werder-Keeper selbst wohl nicht vermochte, in
damaliger Situation einen Denkprozess in Gang zu setzen.
Reden wir aber lieber über einen anderen Fußballer, der schon lange für
sich entdeckt hat, dass übermäßiges Denken nicht allzu stark mit
sportlichem Erfolg korreliert. Lukas Podolski mutiert beim FC Bayern
zwar immer mehr zum „Calle del Haye für Arme“. Dafür konnte er abseits
des Spielfelds einen höchst beachtlichen Preis erringen. Und zwar den
so genannten „Fußball-Bildungspreis“. Wenn aber Lukas Podolski allen
Ernstes einen Preis für Bildung erhält, darf sich wohl selbst Irans
Präsident Mahmud Ahmadinedschad bald schon Hoffnungen auf den
Friedensnobelpreis machen.
Nirgendwo
geht es in dieser Saison so turbulent zu wie auf Schalke. Der kicker
widmete den Königsblauen bereits drei Titelstorys – und dies jeweils
mit einer neuerlichen Krise. Eine Woche nachdem man nur knapp nach
Toren an der Tabellenführung vorbeigeschrammt war, wurde zuletzt mal
wieder der Weltuntergang herbeigesehnt. Dabei bekam man international
lediglich bestätigt, was Fußballkenner bereits seit Jahren als
unumstößlichen Fakt akzeptiert haben. Die deutsche Liga ist
international nur noch zweitklassig und hinkt inzwischen gar der
französischen weit hinterher. Selbst ein No-Name-Verein wie der AS
Nancy war den Schalkern zu stark, obwohl vor dieser Saison selbst
internationale Fußballexperten nur beiläufig von einem solchen Klub
gehört haben wollten. Sogar Michel Platini soll sich nur dunkel daran
erinnert haben, jemals selbst bei diesem Verein gespielt zu haben. Zu
unscheinbar dümpelte jener seit Jahrzehnten in der französischen
Provinz fernab jeglicher Internationalität vor sich hin.
Dem FC
Schalke verdanken wir jetzt seine Renaissance und dafür verzichteten
diese dann mal eben auf bereits fest im Etat eingeplante
UEFA-Cup-Millionen. Eine Vorgehensweise, die schon bei anderen
Revierklubs mit durchschlagendem Erfolg erprobt worden ist.
„Totale Dominanz“ hatte Versuchs-Trainer Mirko Slomka zur Schalker
Maxime erkoren, wofür man u.a. einen Experten für „Teambildung“
einstellte. Der leistete bislang ganze Arbeit, denn im Team bildeten
sich inzwischen zahlreiche Gruppen. Eine davon wird geeint durch die
Beratertätigkeit der Firma Rogon, die sich auf das zu Fall bringen
einstiger Traditionsvereine spezialisiert hat. Was beim 1.FC
Kaiserslautern hervorragend geklappt hat, sollte mit solcherlei
Taktiken auch in Gelsenkirchen gelingen können.
Federführend u.a. Neuzugang Halil Altintop, der sich zunächst schon
nach einem Spiel bemüßigt sah, ein anderes Spielsystem einzufordern.
Nachdem es ihm dann aber in keinem System gelang, nur annähernd an sein
halbjähriges Zwischenhoch aus der Vorsaison anzuknüpfen, schlüpfte er
alternativ in die Rolle des Kabinen-Maulwurfs. Der böse Gerald hatte
Halil nämlich in der Kabine gestanden, sich ggf. ähnlich wie dessen
Bruder Hamit zu verhalten und eine potentielle Degradierung auf die
Bank nur bedingt glücklich aufzunehmen. Halil konnte nun endlich unter
Beweis stellen, wie weit sein Integrationsprozess in Deutschland schon
fortgeschritten ist und dass es sehr wohl für einen Ausländer möglich
ist, die Grundprinzipien deutscher Leitkultur vollauf zu
verinnerlichen. Edmund Stoiber soll geheult haben vor Rührung als er
erfuhr, wie ein Türke im preußischstem Gehorsam jene potentielle
Widerspenstigkeit gegenüber der Autorität (sofern man bei Slomka von
einer solchen sprechen kann) zur Anzeige brachte. Der brüskierte
Total-Dompteur nahm dies zum Anlass, zuerst vom „größtmöglichen
Vertrauensbruch“ zu faseln, um Asamoah dann aber schon nach einer Woche
wieder zu vergeben. So viel Konsequenz hatte man der doch eher skibbig
wirkenden Notlösung gar nicht zugetraut.
Nicht minder konsequent setzt auch die Vereinsführung seinen Weg fort,
dem möglichst kurzfristigen sportlichen Erfolg alles Übrige
unterzuordnen. So verhökerte man als Reaktion auf die entgangenen
UEFA-Cup-Millionen seine Seele an den russischen Energieriesen Gazprom.
Es war eh nur eine Frage der Zeit, bis die Abramowitschisierung des
internationalen Fußballs endlich auch auf Deutschland überschwappt.
Einen herzlichen Glückwunsch nach Gelsenkirchen, dass man ausgerechnet
dort jetzt den Anfang macht. Ausgerechnet dort im Ruhrgebiet, wo man
immer so stolz auf „ehrliche Maloche“ und auf seine „Arbeiterklubs“
(gewesen) ist und wo die Kapitalismuskritik am lautesten ertönt.
Ausgerechnet
dort zeigt sich in der fußballerischen Realität, dass windiges Geld
egal aus welcher Richtung kommend allzu gerne angenommen wird. Ob von
türkischen Waffenhändlern, berüchtigten Ober-Heuschrecken oder jetzt
eben von einem russischen Konzern, über dessen
Geschäftspraktiken ganze Bücher verfasst werden. Selbst wenn der Faktor
Intelligenz im Umfeld der Veltins-Arena keinen allzu dominanten
Stellenwert einnimmt, sollte sich der geneigte Fan schon einmal fragen,
warum die Russen bereit sind, jedes Jahr 25 Mio. Euro in einen Verein
zu pumpen, der ihm – angesichts bislang mangelnder eigener Aktivität in
Deutschland – nur einen sehr eingeschränkten Werbewert verspricht.
Trainer Slomka kann man noch am ehesten verstehen, dass er insbesondere
durch den Kooperationsvertrag mit Zenit Petersburg ganz neue
Möglichkeiten erkennt. Vielleicht findet sich ja wenigstens in Russland
ein Verein, der den einstigen Co-Trainer seines jetzigen Co-Trainers
aus der bald entstehenden Arbeitslosigkeit befreit. Gazprom wiederum
könnte auf Schalke schlussendlich doch noch seine geforderte Maxime
durchsetzen, denn es ist absehbar, dass die Russen bald schon die
„totale Dominanz“ über den Ruhrpottverein innehaben werden.
Dass der neue Sponsor ausgerechnet vom Dortmunder Ehrenmitglied Gerhard
Schröder beraten wird, ist nur eine amüsante Randnotiz, die wieder
einmal belegt, wie nahe sich die beiden vermeintlichen Rivalen im
Grunde doch stehen. Wir als Außenstehende können uns den Fans des FC
Schalski nur anschließen bei ihrer jüngst dem eigenen Team entgegen
geschleuderten Einschätzung: „Ihr seid Scheiße wie der BVB!“ Eine
Fusion beider Verein wäre nur noch logisch und zumindest was den
Schuldenstand angeht, könnte man so endlich zu den internationalen
Topklubs Europas aufschließen.
Noch mehr Gemeinsamkeiten lassen sich finden, denn auch die Dortmunder
haben einen Sponsor aus der Energiebranche, dessen Zukunft allerdings
weit weniger gesichert erscheint wie die der Russenmafia. Die RAG hatte
– nicht zuletzt mit aus Steuergeldern bezahlten Subventionen – den
Trikotsponsor-Vertrag in Dortmund bereits unterschrieben. Da fiel ihnen
urplötzlich ein, dass man eigentlich ja noch gar keinen Namen für den
Schriftzug hat. Während nämlich RAG-Boss Werner Müller seit Monaten von
einem baldigen Börsengang des gesamten Unternehmens unter
einheitlicher, neuer Flagge träumt, geht die politische Realität wohl
eher in eine andere, völlig ungewisse Richtung. So sollte man das
ohnehin abgrundtief hässliche Ausrufezeichen auf der Dortmunder Brust,
das mit Kunst ungefähr so viel zu tun hat wie Dortmund mit großem
Fußball, doch mal langsam eher durch ein Fragezeichen ersetzen.
Fragend wandte sich das Internetportal „schwatzgelb.de“ vor dem ewigen
Duell der Borussen an seine Leser und irgendwie auch an uns echte
Borussen. Denn man hinterfragte, welche Gründe es für unsere Rivalität
mit dem Klub aus Westfalen wohl geben könne. Es ist eins der
ungeklärten Phänomene unserer Zeit: Aber der gemeine Dortmunder scheint
tatsächlich davon überrascht zu sein, dass sein Verein in der gesamten
Nation komplett verhasst ist und mittlerweile selbst den FC Bayern in
der Rangfolge der unsympathischsten Vereine weit abhängt. Man sollte
meinen, gerade die Dortmunder, die das arrogante, überhebliche Gebären
des Vereins in den letzten Jahrzehnten hautnah miterlebt und
mitgestaltet haben, würden zu dieser Frage keine weiteren Erklärungen
von Fans anderer Klubs benötigen. Doch hierzu scheint es entweder an
Intellekt und/oder an Einsicht zu fehlen. Von daher schreitet man
lieber zum Gegenangriff und bemüht sich, Ressentiments gegen andere
Vereine, wie insbesondere unsere einzig wahre Borussia, zu schüren.
Über diesen kämpferischen Weg wollen wir uns grundsätzlich nicht
beschweren, selbst wenn man ihn etwas kläglich unter einem vermeintlich
satirischen Deckmantel verpackt, dessen Komikgehalt sich i.d.R. auf die
Nennung des Geburtsorts des ehemaligen Reichspropagandaministers
beschränkt. Den gemeinen Dortmunder kann man offensichtlich schon mit
folgendem „Witz“ zum Lachen bringen: „Joseph Goebbels wurde in
Mönchengladbach-Rheydt geboren“. Und durch zigfache Wiederholung
scheint er noch viel lustiger zu wirken. Erstmals muss ich tatsächlich
zugeben, auf Dortmunder – genauer auf die Kollegen von schwatzgelb.de –
neidisch zu sein, denn was kann einem als Website-Betreiber Besseres
passieren als eine derart dankbare Leserschaft?
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