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Home 2006/07 07, H, BL, Wolfsburg
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Bor. M´gladbach - VfL Wolfsburg 3:1 (2:1) |
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Geschrieben von Michael Heinen
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Sonntag, 15 Oktober 2006 |
Borussia bleibt
zuhause eine Macht. Mit dem 3:1-Heimsieg gegen den VfL Wolfsburg
untermauerte man seine Spitzenposition in der Heimtabelle, wo man als
einziger Bundesligaverein weiter ohne jeden Punktverlust bleibt. Dabei
hatte es eine halbe Stunde lang ganz anders ausgehen und erst ein
überraschender Doppelschlag brachte Borussia auf die Gewinnerstraße.
Jupp Heynckes musste gezwungenermaßen einige Veränderungen vornehmen.
Während man normalerweise längere Spielpausen dazu nutzt, um
Verletzungspausen auszukurieren, waren bei Borussia in dieser Zeit
einige hinzugekommen, die insbesondere den quantitativ eh schwach
besetzten Defensivverbund betrafen. Da Marcell Jansen und Filip Daems
gleichermaßen für längere Zeit auf der linken Defensivseite ausfallen
werden, bekam folgerichtig Marvin Compper seine erste Chance auf seiner
Lieblingsposition. Tobias Levels profitierte von der Verletzung des
Dänen Bo Svensson und stand erstmals neben Ze Antonio in der
Viererkette. Federico Insua rückte nach ordentlichem Kurzeinsatz in
Bremen wieder zurück in die Startformation und sollte dem Offensivspiel
die nötigen Impulse verleihen.
Davon war zu
Beginn aber wenig zu sehen. Die erste Viertelstunde wirkte auf beiden
Seiten eher zerfahren und es wurde leider nie erkennbar, welche
Mannschaft denn nun Heimrecht genoß. Die erste Torchance erspielte sich
dennoch Borussia in Person von Nationalstürmer Oliver Neuville, der
sich eine über Umwege zu ihm gelangte Compper-Flanke schön
zurechtlegte, dann aber aus 7 Metern weit übers Tor verzog.
Mehr
Zwingendes war aber zunächst auf beiden Seiten nicht zu erkennen. Nach
etwa 10 Minuten wurden gar die auswärtigen Wölfe ein Stück weit mutiger
und bemühten sich, das Geschehen an sich zu reißen. Waren sie anfangs
noch mehrfach durch Abseitsstellungen um bessere Torgelegenheiten
gebracht worden, waren es nunmehr Eckbälle, mit denen sie zum Glück
kommen wollten. In Minute 16 ging diese Taktik auf. Der zweite Eckball
von Jacek Krzynowek fand am kurzen Pfosten seinen Abnehmer. Alexander
Madlung, der schon vor 3 Jahren mit Hertha BSC einen ähnlichen Treffer
gegen Gladbach erzielte, war Kahe davongelaufen und sprang dann noch
höher als Compper. Den gezielten Kopfball ins lange Eck konnte Kasey
Keller beim besten Willen nicht abwehren.
Doch schon wenig später konnte der US-Keeper doch noch sein Können
unter Beweis stellen. Denn in der 17.Minute – Borussias
Hintermannschaft befand sich wohl immer noch unter dem Schock des
Gegentores – lief Krzynowek zentral freistehend auf Keller zu. Dieser
wartete geschickt ab, und konnte so den Schuss des Polen ins kurze Eck
mit dem Bein abwehren. Das fällige 0:2 wurde so verhindert und das
Spiel offen gehalten.
Der Schock
aber schien weiter zu wirken. Borussia misslang jetzt beinahe alles.
Die Zuschauer begannen unruhig zu werden. Verunsicherung prägte das
Geschehen auf dem Feld, das die Wolfsburger zu diesem Zeitpunkt
problemlos im Griff behielten. Allerdings begingen die Gäste in dieser
Phase den Fehler, nicht energischer genug nachzusetzen und die
Schwächeperiode unserer Elf entscheidend zu nutzen. So baute man die
Heimelf langsam wieder auf und nach und nach lief der Ball wieder
flüssiger durch die Reihen der Borussen. Nach einer knappen halben
Stunde bekam man immer mehr das Gefühl, daß die Spieler jetzt doch
wieder an sich glaubten. Trotzdem sollte es einer arg kuriosen
Situation bedürfen, mit der sich die Elf von Jupp Heynckes wieder
zurück ins Spiel fand.
In Minute 34 konnte sich der bis dahin arg blasse Insua gegen zwei
Wolfsburger durchsetzen und zu Kahe passen, der ca. 25 Meter vor dem
Tor in zentraler Position bereit stand. Viel wusste der Brasilianer mit
der Vorlage aber nicht anzufangen, so dass nicht mehr als ein
Verzweiflungsschuss heraussprang, der auch noch vom Gegner abgefälscht
wurde. "Unglückseligerweise" standen dann gar noch die Füße von Peer
Kluge dem Schüsschen im Weg. Doch oh Wunder, der Ball kullerte auf
diese Weise urplötzlich am verdutzen Simon Jentzsch vorbei Richtung
Torlinie. Ganz wollte er seinen Weg hinein dann aber noch nicht finden,
sondern zog stattdessen den Pfosten des Gehäuses vor. Der vor Freude
noch ganz perplexe Kluge war inzwischen mitgelaufen und hatte keine
Mühe, den Ball ins leere Tor zum glücklichen Ausgleich
einzuschieben.
Man konnte sich gerade noch fragen, ob uns ein solches Tor wohl jemals
auch auswärts gelingen könnte, und dachte unweigerlich an Tomislav
Piplica, da wurde es erneut gefährlich. Keine Minute nach dem ersten
Treffer wurden Erinnerungen wach an das deutsche Sommermärchen im Juni.
Denn Oliver Neuville rutschte genauso wie dereinst gegen die Polen in
Richtung Ball und drückte ihn über die Linie. Ironie des Schicksals,
daß die Vorlage von „unserem Odonkor“ kam, denn Schnelligkeit ist auch
die hervorstechendste Stärke von Michael Delura, der sich vor dem Paß
in die Mitte auf der rechten Seite toll freigekämpft hatte. Der
Doppelschlag traf die Wölfe bis ins Mark und sollte sie über die
gesamte Spielzeit hinweg beschäftigen. Von nun an trat Borussia
jedenfalls endgültig so auf, wie man es sich zuhause erwartet. Bis zur
Pause geschah nichts allzu Bewegendes mehr. Borussia hatte das gedrehte
Spiel voll und ganz im Griff.
Man konnte gespannt sein, wie sich die Mannschaften nach dem
Seitenwechsel verhalten würden. Klaus Augenthaler hatte natürlich im
Sinn, jetzt wieder mehr Druck auszuüben und so eine erneute Wendung zu
erzwingen. Dafür kam mit Isaac Boakye ein neuer Stürmer aufs Feld, der
aber zunächst wenig auszurichten vermochte. Stattdessen machten die
unverändert gebliebenen Gladbacher jetzt das Spiel und drängten eher
auf das nächste Tor als den Vorsprung über die Zeit retten zu wollen.
Insbesondere Standardsituationen sorgten immer wieder für Ansätze von
Gefahr. Am Ende fehlten dann aber immer die entscheidenden Zentimeter
zum Erfolg. In der 56. Minute hätte es aber endgültig soweit sein
müssen. Insua wurde von Kluge toll in Szene gesetzt und der Argentinier
hatte im linken Teil des Strafraums alle Zeit der Welt, den Ball
anzunehmen und zu verarbeiten. Er entschied sich für eine perfekt
getimte Flanke in die Mitte, wo Kahe 7 Meter vor dem Tor völlig frei
stehend zum Kopfball kam. Doch der zuletzt so treffsichere Brasilianer
platzierte den Ball genau in die Tormitte, wo ausgerechnet auch noch
Simon Jentzsch bereit stand, um den „Rückpass“ gelangweilt
aufzunehmen.
Nach einer
eindeutig von Borussia bestimmten Anfangsviertelstunde in Halbzeit 2
sollte es doch wieder vermehrt in die andere Richtung gehen. Nach genau
einer Stunde konnte man sich bei Schiedsrichter Perl bedanken, der
einen ungestümen Tritt von Thijs gegen den soeben eingewechselten
Makiadi nicht als Elfmeter wertete. Der anschließende Konter hätte
beinahe gar zur Vorentscheidung geführt, wurde aber vom zögerlichen
Delura etwas schlampig verschenkt.
Obwohl Borussia bei einer Möhrle-Flanke in der 63.Minute Glück hatte,
daß Santana nur knapp am Ball vorbei strich, blieben zwingende Chancen
auf beiden Seiten Mangelware. Borussia ließ sich in dieser Phase etwas
zu weit zurückdrängen, was gegen einen stärkeren Gegner an diesem Tag
hätte ins Auge gehen können. Jupp Heynckes wollte dem mit Wechseln
entgegenwirken, so daß er zunächst Rafael (für Neuville) und später
Fleßers für Thijs brachte.
Die beste Wolfsburger Chance konnte so aber nicht verhindert werden. In
der 77.Minute bekam Mike Hanke seine Gelegenheit, dem Tor gegen die
Bayern am letzten Spieltag ein weiteres Highlight folgen zu lassen. Die
Flanke von Stegmayer, dem auf links von Kirch viel zu viel Platz
gelassen wurde, setzte der Ex-Schalker knapp am rechten Torpfosten
vorbei.
Borussia konnte durchatmen und durfte zum letzten Mal auswechseln. Für
den insgesamt ordentlichen Insua gab David Degen in der 80. Minute des
7. Spieltags seinen verspäteten Einstand, der nur drei Minuten später
vergoldet wurde. Kahe setzte dort nämlich einen schönen Konter an,
indem er durchaus nicht von Hektik getrieben den Ball über den Platz
schob und aus 25 Meter Torentfernung halblinks stehend in den Strafraum
schaufelte. Dort stand eben jener Degen frei, nahm den Ball gekonnt mit
der Brust an und hämmerte ihn zum 3:1 ins Tor. Endlich war es
geschafft. 7 Minuten vor dem Ende war jetzt klar, daß die Punkte einmal
mehr im Borussia-Park bleiben würden.
Das Spiel
plätscherte nun in Richtung Schlusspfiff und fand ohne weitere
Höhepunkte sein umjubeltes Ende. Mit nunmehr 12 Punkten setzt sich
unsere Elf wieder ins obere Tabellendrittel fest. Viel wichtiger
erscheint aber, daß man auf so einige Mannschaften hinter sich den
Abstand vergrößern konnte und jetzt ein gehöriges Polster zu den
Abstiegsrängen geschaffen hat. Für Träume vom UEFA-Cup ist nach dieser
Partie kein Anlass gegeben. Zwar war das Auftreten ab der 30. Minute
eins der besseren in dieser Saison. Zwar hielt die Bubi-Abwehr mit den
Youngsters Levels, Compper und Kirch abgesehen von gelegentlichen
Schwimmeinlagen erstaunlich gut stand. Zwar zeigte sich auch die
Kreativabteilung in der Offensive mit Insua, Kluge, Delura und Kahe
verbessert. Aber all dies hat alles keine Bedeutung, wenn man nächste
Woche beim anstehenden Auswärtsspiel wieder das übliche hässliche
Borussen-Gesicht aufsetzt. Doch wir wollen Jupp Heynckes den Gefallen
tun und nicht allzu lange über die Auswärtsschwäche reden. Freuen wir
uns heute lieber über den nächsten Saisonerfolg, durch den wir in der
Tabelle mit den Aachenern wieder gleichgezogen sind. Es darf durchaus
als erfreulich gewertet werden, wie Fußball-Deutschland die
Anfangserfolge von Nürnberg und Aachen dermaßen überschwänglich feiert,
während man unser durchaus ähnliches Abschneiden scheinbar als weniger
besonders einstuft.
Tore: 0:1 Madlung (16.), 1:1 Kluge (34.), 2:1 Neuville (35.), 3:1 Degen (83.)
Wolfsburg: Jentzsch –
Möhrle, Madlung, Hofland, Stegmayer – Sarpei (Menseguez, 69), Santana,
van der Leegte, Krzynowek (Makiadi, 58) – Hoogendorp (Boakye, 46),
Hanke.
Borussia: Keller –
Kirch, Levels, Zé Antonio, Compper – Delura, Thijs (Fleßers, 69), Insua
(Degen, 80), Kluge – Neuville (Rafael, 66), Kahê.
Schiedsrichter: Günther Perl
Zuschauer: 45.096
Datum, Spieltag: 14. Oktober 2006, 7. Spieltag
Gelbe Karten (Borussia): Kluge
Besondere Vorkommnisse: Während es für Tobias Levels das
erste Bundesligaspiel von Beginn an und für Marvin Compper das erste
Bundesligaspiel von Beginn an in dieser Saison war, durfte David Degen
zum ersten Mal in seiner Karriere überhaupt für die Borussia auflaufen.
Dem Neuzugang aus der Schweiz gelang sogleich ein Tor, letztmals
glückte dies dem Australier Craig Andrew Moore am 18. Spieltag der
Saison 2004/05 beim 1:0 über Arminia Bielefeld (22. Januar 2005).
Erstmals in dieser Saison kassierte die Borussia im Heimspiel ein
Gegentor, das letzte Gegentor in einem Heimspiel fügte ihr der
Hannoveraner Vinicius am 33. Spieltag der vergangenen Saison (zum 2:2
Endstand) zu. Es war auch in jenem Spiel am 6. Mai 2006, an dem die
Borussia letztmalig einen Rückstand in eine Führung umwandeln konnte.
Letztmalig nach einem Rückstand noch gewinnen, dies konnte sie zuletzt
am 17. Dezember 2005 beim 4:3-Erfolg über Eintracht Frankfurt unter
Horst Köppel.
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