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Home 2006/07 08, A, BL, Berlin
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Hertha BSC Berlin - Borussia M'gladbach 2:1 |
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Geschrieben von Mike Lukanz
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Samstag, 21 Oktober 2006 |
Es ändert sich nichts. Borussia verliert auch das Auswärtsspiel in
Berlin verdient mit 1:2 und konnte nur ansatzweise eine Leistung
abrufen, die für das Bestehen auf fremden Plätzen dauerhaft notwendig
wäre. Die Defensivleistung der jungen Hintermannschaft war noch in der
ersten Halbzeit ordentlich, doch ein Sonntagsschuss von Pal Dardai und
individuelle Fehler beim zweiten Gegentreffer durch Pantelic ließen die
Hoffnungen auf einen Punktgewinn, die Oliver Neuville mit dem
zwischenzeitlichen Ausgleich kurz aufkeimen ließ, im selbigen
ersticken. Borussia spielt damit weiterhin das gefährliche Spiel, sich
auf die Punktgewinne im heimischen BorussiaPark zu verlassen.
Jupp Heynckes konnte auf die gleiche Formation setzen, die schon beim
letzten Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg begonnen hatte. Ze António
führte die junge Abwehr um Marvin Compper, Tobias Levels und Oliver
Kirch. Peer Kluge, eigentlich auf der linken Seite eingeplant, sollte
vor allem die Kreise des auf Berliner Seite wiedergenesenen Yildiray
Bastürk einengen. Kahê, unter der Woche noch mit einer Fußprellung
außer Gefecht, begann ebenso wie Nationalstürmer Oliver Neuville im
Angriff.
Borussia begann verhalten defensiv, dennoch ordentlich organisiert und
stark im Zweikampf. Bereits in der zweiten Spielminute trieb Delura das
Spielgerät in die gegnerische Hälfte, wo er auf den rechten Flügel zu
Kirch passte. Sein Passversuch auf den in der Mitte einschussbereiten
Neuville wurde von Dick van Burik zur Ecke abgewehrt. Es wurde schnell
deutlich, welche Taktik Jupp Heynckes für das heutige Spiel gewählt
hatte. Seine Mannschaft stand bei gegnerischem Ballbesitz tief in der
eigenen Hälfte, selbst Neuville und Kahê griffen erst hinter der
Mittellinie ihre Gegenspieler an. Der Gastgeber aus der Hauptstadt tat
sich sichtlich schwer, immer wieder wurde Bastürk in der Hoffnung
gesucht, eine seiner wieselflinken Aktionen und Dribblings möge zu
Lücken führen, die Torchancen ermöglichten. Bis auf zwei
Verlegenheitsschüsse von Dardai (9.) und Fathi (13.) kamen dabei jedoch
nicht heraus.
Nach einer Viertelstunde nahm Hertha das Spiel nun deutlicher in die
Hand und hatte demzufolge deutlich mehr Ballbesitz. Borussia war viel
zu sehr damit beschäftigt, die taktischen Vorgaben in der Defensive zu
erfüllen und sah sich daher außerstande, ihrerseits ein konstruktives
Offensivspiel zu initiieren. Meist wurde über Borussias rechte Seite
angegriffen, da speziell Michael Delura des öfteren Probleme in der
Rückwärtsbewegung offenbarte und durch schlechtes Stellungsspiel die
ein oder andere Lücke bot, die Bastürk und Fathi zu nutzen versuchten.
Direkt zu Beginn dieser Berliner Druckphase hätte sich Borussia über
einen Rückstand nicht beschweren dürfen, da Marko Pantelic regelwidrig
im Strafraum gefoult worden war. Der Serbe drang über die halblinke
Seite in Borussias Strafraum ein, als Tobias Levels mit einer Grätsche
zur Ecke klären wollte. Pantelic umkurvte Levels´ Bein, ließ sich
jedoch die ihm bietende Gelegenheit nicht nehmen und fiel folgerichtig.
Solange die Spieler jedoch mehr Kraft und Konzentration für den
eigentlich Fal aufbringen, müssen sie sich nicht wundern, wenn
Schiedsrichter nicht immer zwischen klarem Foul und Schwalbe
unterscheiden können.
Diese erste Druckphase der Berliner Hertha überstanden die Gäste ohne
Gegentor, da man zwar deutlich weniger Spielanteile, aber selten
wirklich gefährliche Szenen zu überstehen hatte. In den letzten 15
Minuten der ersten Halbzeit fing man sich auf Seiten Borussias wieder
und beteiligte sich wieder mehr am Spielgeschehen, das man zuvor zu
deutlich den Gastgebern überließ. Nach etwa einer halben Stunde lief
der heute erneut schwache Insua mit dem Ball durch das Mittelfeld und
passte auf den linken Flügel auf Neuville, der, quer zur
Strafraumgrenze laufend, auf den frei stehenden Kahê ablegte. Der
Schuss des Brasilianers strich nur knapp am rechten Pfosten des von
Christian Fiedler gehüteten Tores vorbei. Wenige Minuten später bot
sich den Gästen bei einem Konter eine 5 zu 3-Überzahlsituation, die
über Neuville und Compper etwas fahrlässig zu Ende gefahren wurde. In
solchen Situationen wird deutlich, wie wenig abgestimmt die Laufwege
sind, da ein solcher Konter, konsequent durchgespielt und überlegt
geführt, zu sehr guten Torchancen führen müsste. Vieles im
Mönchengladbacher Spiel ist intuitiv oder schlicht stümperhaft.
Doch, Undank ist der Welten Lohn, sagt der Volksmund, und so war der
Verfasser dieses Spielberichts mit einem 0:0 zur Pause und einigen
Offensivaktionen gar nicht so unzufrieden, lag man doch in bisher allen
Auswärtsspielen dieser Saison schon zur Pause zurück.
Als Pal Dardai wenige Minuten nach Beginn der zweiten Halbzeit mit
einem Sonntagsschuss die Führung für seine Mannschaft erzielte, wurde
jedem Borussen im Stadion und an den TV-Geräten langsam klar, dass der
Fußballgott seine Finger im Spiel haben muss. Wenn nicht, wie sonst
erlebt, eigene Fehler in der Defensive zu Gegentoren führen, muss eben
einem Spieler wie Pal Dardai (17 Tore in 228 Pflichtspielen für Hertha)
ein solcher Kunstschuss gelingen. Die Führung fiel nicht grundsätzlich
unverdient aus, doch kam sie zu diesem Zeitpunkt überraschend, da der
Gast aus Mönchengladbach das Spiel gegen Ende der ersten Halbzeit in
den Griff bekam.
Entgegen der sonstigen Gewohnheit, wirkte Borussia jedoch nur für
wenige Momente geschockt und war weiterhin bemüht, ihrerseits zu
Chancen zu kommen. Dreißig Minuten vor Spielende reagierte Heynckes zum
ersten Mal und wechselte zum ersten Mal aus. Für die heute ingesamt
schwachen Thijs und Insua wurden David Degen und der Ex-Berliner Nando
Rafael eingewechselt. Rafael agierte fortan auf der linken Seite, David
Degen auf der rechten. Michael Delura agierte wie schon beim Heimspiel
gegen Borussia Dortmund für Insua auf der Position im offensiven
Mittelfeld. Diese Auswechslungen sollten sich schon wenige Minuten
später bezahlt machen. Nando Rafael behauptete an der linken Außenbahn
den Ball gegen zwei Berliner Gegenspieler und passte auf den zentraler
stehenden Delura. Mit einer schnellen Körperdrehung und langen
Schritten trieb Delura den Ball in Richtung Strafraum, passte jedoch
klug auf Oliver Kirch, der sich auf dem rechten Flügel freigelaufen
hatte. Kirch flankte butterweich an den zweiten Pfosten, wo Oliver
Neuville nicht nur völlig freistehend wartete, sondern den Ball trocken
aus kurzer Distanz volley ins Tor schoss. Das Spiel wurde nun schneller
und interessanter, was angesichts des speziell in der ersten Hälfte
geringen Tempos nicht sonderlich schwierig darzustellen war.
Dass ein Auswärtsspiel ohne grobe individuelle Fehler nicht zu
absolvieren zu sein scheint, bewiesen zehn Minuten nach Neuvilles
Ausgleichstreffer Oliver Kirch und Tobias Levels. Josip Simunic schlug
einen langen Ball auf den linken Flügel, wo Marko Pantelic den Ball in
Höhe der Strafraumgrenze technisch sauber annahm und in den Strafraum
eindrang. Weder Kirch noch Levels waren in dieser Situation konsequent
im Zweikampf, so dass Pantelic mit einem einfachen Trick und einem
schnellen Schritt durch beide hindurch lief, um abschließend auch den
Torhüter Keller mit einem Schuss ins lange Eck zu überwinden und zur
erneuten Führung vollenden konnte.
Wer nun glaubte, dass Heynckes in der Schlussphase mit einer
Einwechslung von Stürmer Wesley Sonck für mehr Druck sorgen würde, sah
sich getäuscht. Zur völligen Überraschung (zumindest des Verfassers)
wurde nicht Sonck, sondern Robert Fleßers für Oliver Kirch
eingewechselt. Man kann Heynckes´ Jugendstil sicher loben, doch sollte
es nicht dazu führen, dass aus Grundsatz heraus junge Spieler
vorgezogen werden. Ein international erfahrener Spieler wie Wesley
Sonck würde, mit dem nötigen Torinstinkt ausgestattet, in der meist
hektischen Phase gegen Ende eines Spieles sicher für mehr Unruhe sorgen
als ein in solchen Spielen überforderter Robert Fleßers. Junge Spieler
sollen an die Mannschaft herangeführt werden, sie sollen Erfahrungen
sammeln, aber nicht auf Kosten des Gesamterfolgs, unabhängig davon, ob
mit Sonck das Spiel hätte gedreht werden können oder nicht.
So, wie Borussia letztlich in der Schlussphase agierte, hätte auch
Wesley Sonck in der Luft gehangen. Eine Schlussoffensive fand de facto
nicht statt, das Spiel verlor sich in kleinen Fouls und Hertha ließ
sich den insgesamt verdienten Sieg nicht mehr aus der Hand nehmen.
So blieben nach dem Schlusspfiff die üblichen Floskeln, dass in diesem
Spiel durchaus mehr „drin" war. Letztlich liegt man mit dieser Analyse
nicht vollends daneben, denn Berlin war am heutigen Tag sicherlich
keine nicht zu lösende Aufgabe. Das defensiv zwar geordnete, aber
letztlich völlig passive Spiel verliert in dem Moment seine Wirkung,
wenn der Gegner in Führung geht. Borussia versteht es nur phasenweise,
das Spiel ausgeglichen zu gestalten. Das Mittelfeld am heutigen Samstag
blieb völlig ohne Wirkung, einzig Michael Delura sorgte mit einigen
beherzten Antritten für Entlastung und Variabilität im Angriffsspiel.
Die Abwehr um Routinier Ze António stand zwar weitestgehend sicher,
doch speziell Tobias Levels geriet zur tragischen Figur, da er in der
ersten Halbzeit durch sein Foul an Pantelic seine Mannschaft schon
hätte schwächen können, beim zweiten Gegentor gegen jenen Pantelic
seiner Unerfahrenheit Tribut zollen musste.
Heute waren im Vergleich der letzten Auswärtspartien in Aachen und
Bremen zwar Fortschritte zu erkennen, aber im Bundesligageschäft zählen
auf Dauer nur Punkte. Die nächste Gelegenheit bietet sich schneller,
als vielen vielleicht lieb ist. Am Mittwoch tritt die Mannschaft im
Stadion an der Bremer Brücke in Osnabrück an. Ein Spiel, das man als
Bundesligist eigentlich nur verlieren kann.
Hertha: Fiedler - Friedrich, van Burik (70. Samba), Simunic, Fathi -
Dardai - Cairo (77. Chahed), Boateng -Bastürk - Pantelic, Okoronkwo
(74. Lakic)
Borussia: Keller - Compper, Zé Antonio, Levels, Kirch (78. Fleßers) -
Thijs - Kluge, Delura - Insua (61. Degen) - Neuville, Kahê (61. Rafael)
Tore: 1:0 Dardai (48.), 1:1 Neuville (63.), 2:1 Pantelic (73.)
Zuschauer: 43.600
Schiedsrichter: Dr. Markus Merk.
Gelbe Karten (Borussia): Insua
Gelb-Rote Karten:
Rote Karten:
Besondere Vorkommnisse: Das Spiel war Borussias 89. Auswärtsspiel seit
dem Wiederaufstieg. In diesen 89. Versuchen erreichte die Borussia 9
Siege, 26 Remis und berichtenswerte 54 Niederlagen. Eine jener neun
Partien fand übrigens im Berliner Olympiastadion statt. Am Dienstag,
10. September 2002 siegte die Borussia durch Tore von Markus Münch und
Joris van Hout gegen eine Hertha, für die damals Michael Preetz traf.
Das heutige Spiel war Borussias vierte Bundesligaauswärtspartiein
dieser Saison, in keinem dieser Spiele holte sie auch nur einen Punkt
(3:9 Tore).
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