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Home 2006/07 09, H, BL, Leverkusen
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Bor. M'gladbach - Bayer Leverkusen 0:2 |
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Geschrieben von seitenwahl.de
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Samstag, 28 Oktober 2006 |
An einem Wochenende, an dem die Tage kürzer werden, verlor die Borussia
am Samstagnachmittag ihr erstes Saisonspiel vor heimischer Kulisse, dem
UEFA-Cup Teilnehmer Bayer 04 Leverkusen war die Borussia mit 0:2 (0:1)
unterlegen und offenbarte dabei Schwierigkeiten, die auf
Abstimmungsdefizite zurück zu führen sind, die sich auch aus den
Umstellungen ergeben, zu denen Trainer Jupp Heynckes zur Zeit gezwungen
ist. Hinzu kam am heutigen Tage, dass der ansonsten stabile Torwart
Kasey Keller bei einem Tor daneben griff und beim zweiten Treffer der
Bayer-Mannschaft wenigstens unglücklich ausgesehen hatte.
Im Vergleich zum DFB-Pokalspiel beim VfL Osnabrück
während der vergangenen Woche nahm Jupp Heynckes sieben, gegenüber dem letzten
Bundesligaspiel einen einzigen Wechsel in der Anfangsformation vor. Bo Svensson
hatte vor dem Match grünes Licht gegeben und ersetzte Tobias Levels in der
Innenverteidigung. Verletzungsbedingt nicht mit von der Partie blieben Marcell
Jansen, Filip Daems, Kasper Bögelund und Sebastian Svärd. Eugen Polanski saß
zwar auf der Reservebank, erstmals seit seiner Muskelverletzung, jedoch einzig
für den Notfall.
Nachdem der Münchener Schiedsrichter Dr. Brych die
Begegnung für beide Mannschaften freigegeben hatte, versuchte sich zunächst die
Borussia am Strafraum der Gäste in Szene zu bringen. In dieser Phase erlangte
die Borussia ihre ersten Standardsituationen, besaß jedoch nicht die Ruhe am
Ball um diese Situationen vernünftig auszuspielen. Die Gäste aus der BayArena
schienen zunächst auf die Sicherung des von Hans-Jörg Butt gehüteten Tores aus
und trauten sich nicht sonderlich aus der Deckung, kamen aber in der zwölften
Spielminute zu ihrem Führungstreffer, dass nach Verlauf der Partie bis dato
zwar nicht schier vom Himmel, aber doch ein wenig überraschend fiel. Die Gäste
profitierten dabei von zwei Zufälligkeiten, die einen Torerfolg begünstigen
können - einerseits befand sich der von Sergej Barbarez freigespielte
Torschütze Marko Babic verdächtig nahe an einer Abseitsstellung, andererseits
unterlief Kasey Keller im Tor der Borussia mit einem Fehlgriff in Richtung des
eigentlich sicher aufzunehmenden Balles ein für ihn schier unglaubliches
Missgeschick.
Gegebenenfalls muss man diese Wortschöpfung, die
des Malheurs, aufnehmen, denn die Borussia von vor dem Führungstor der Gäste
und die Borussia von nach diesem Gästetreffer war grundverschieden. Durch den
Fehler ihres sichersten und erfahrenen Spielers wurden vor allem die wenig
erfahrenen Spieler wie Michael Delura, Marvin Compper und Oliver Kirch mit
zunehmender Spieldauer nervöser und weil auch die erfahreneren Akteure um
Oliver Neuville und Peer Kluge nicht in das Spiel fanden, war es umso
bedauerlicher, dass der eigentlich wiedergenesene Bo Svensson in der 18. Minute
aufgrund gesundheitlicher Probleme seinen Platz in der Innenverteidigung räumen
und an Tobias Levels übergeben musste. Levels ließ sich im Grunde umgehend von
der nun im Borussenspiel vorherrschenden Ruhelosigkeit und Verunsicherung
anstecken. Die Elf von Trainer Heynckes produzierte zwar keine Fehler in
serienreifer Produktion, vor allem Flüchtigkeitsfehler verursachten aber immer
wieder eine Verzögerung im Angriffsspiel, die solide agierende Leverkusener für
ihre Zwecke nutzen konnten.
Während die Borussia allenfalls zu Halbchancen, und
wenn dann mittels Standardsituationen, wie bei Marvin Comppers Kopfball in der
15. oder Kahês Kopfball in der 18. Spielminute, gelangte, zeigten sich die
Gäste nicht sonderlich eigeninitiativ und überließen den Zeitpunkt ihrer
wirklich aktiven Teilnahme am Geschehen den Schnitzern der Borussia in der
Defensivbewegung. Leverkusen hatte sich viel mehr und augenscheinlich
konsequent auf eine Spielverschleppung und auf die Sicherung des eigenen Tores
abgesehen. Erst in der 35. Spielminute kamen die offensiv eher passiven Gäste
zu einer Torchance. Aus einer Abwehrbewegung Zé Antónios, der mit letzter Mühe
eine brenzlige Situation zu Ecke abwehren konnte, entstand eine Eckballfolge
während der der Leverkusener Nordafrikaner Karim Haggui zu einer eklatanten Kopfballgelegenheit
kam. Die Borussia hatte Dusel, dass Hagguis Kopfball am Tor vorbei ging.
Während zwischenzeitlich der eifrige Assistent auf
der Haupttribünenseite ebensolchen Dusel hatte, dass seine ungenauen
Abseitsentscheidungen keine wirklich deftige Spielsituation zu Borussias
Ungunsten unterbanden, keimte unter den Borussenanhängern im Rund der
Hennes-Weisweiler-Allee ob der nervösen Darbietung der Mannschaft Unmut auf,
der sich in den ersten richtigen Pfiffen entlud. Diese Äußerungen des persönlichen
Unmutes wurden just in den zehn Minuten zwischen Hagguis Kopfballchance und dem
Halbzeitpfiff von Schiedsrichter Brych durch weitere, zum Teil eklatante,
Abspielfehler der Borussenelf weiter angeheizt. So hatte Marvin Compper Glück,
dass die Gastelf aus der Chemiemetropole aus seinem unbedrängten Kopfball in
ihre Richtung - der den Leverkusenern in einer Entfernung von 20 Metern zu
Kasey Keller Ballbesitz gab - kein Kapital schlugen. Einem Stellungs- und
Abspielfehler Borussias entsprang auch eine in der Tat hochkarätige Chance für
Borussias ehemaligen Jugendspieler Andriy Voronin, der in der 45. Spielminute
von Sergej Barbarez im Borussenstrafraum in Szene gesetzt wurde, schließlich
aber doch noch mit vereinter Borussenkraft (Kirch, Keller) gestoppt werden
konnte.
Aus der Halbzeitpause kehrte die Borussia ohne
Federico Insúa wieder. Der achtfache argentinische Nationalspieler, der Marvin
Compper bei dessen Kopfballchance den Ball auf den Schädel geflankt hatte,
wurde gegen David Degen eingetauscht. Für Borussia war dies der zweite von drei
möglichen Spielerwechseln und beinahe hätte sich Degen gleich ebenso prächtig
in den Vordergrund geschoben wie vor zwei Wochen gegen Wolfsburg, doch der
Algerier Ahmed Madouni im Leverkusentrikot klärte dessen Flanke vor dem
herannahenden Michael Delura. In der Tat, es sollte Borussias stärkste Phase
der Partie anstehen, die sich auch durch torgefährliche Situationen belegen
lässt. Vor allem erfreulich war, dass die unerfahrensten Kräfte der Borussia,
Marvin Compper und Tobias Levels, an ihnen beteiligt waren. Es blieb Pech, dass
Comppers blitzgescheites Zuspiel von Delura zu spät erfasst wurde und dem
früheren Hannoveraner damit die Chance entging den herausstürzenden Butt zu
umkurven - es war bedauerlich, dass David Degen aus dem Zuspiel von Tobias
Levels in die Tiefe kein Kapital schlagen konnte.
Zwischen der 46. und der 68. Spielminute war die
Borussia die druckvolle, die energische Mannschaft. Sie schwang sich auf ihre
Nervosität abzulegen und den Mittelrheinern ein erbitterter Gegner zu sein,
doch Kapital in Form von eigenen Torerfolgen blieb ihr verwehrt. In der 64.
Spielminute schickte Jupp Heynckes Wesley Sonck für Oliver Kirch auf das
Spielfeld, der Belgier sollte helfen den Druck weiter zu erhöhen und die Luft
für die verteidigende Bayerelf dünner zu machen. Unmittelbar war Sonck Teil des
Geschehens, da zog die Borussia vor dem Leverkusener Strafraum das Spiel
geschickt auseinander und schickte sich zu einer herausragenden Torgelegenheit
an. Doch während im Zentrum sowohl Sonck als auch Kahê sich in Stellung zu
bringen versuchten und David Degen auf der rechten Außenbahn sich über den
meterweit entfernten nächsten Gegenspieler zu wundern schien, entschied sich
Michael Delura als Ballführender für den Eigensinn und so verpuffte diese
Gelegenheit genauso kläglich wie später ein Distanzschuss Peer Kluges, der in
den hohen Weitenverpuffte anstatt in der Nähe des Leverkusener Tores
einzuschlagen.
Mit der Einwechselung Soncks als drittem Stürmer
ging eine Umstellung in der Grundaufstellung einher, die der Borussia alles
andere als gut tat. Während sie sich Mühe hatte zu positionieren, kam die Gäste
wieder mehr ins Spiel, beteiligten sich die Gäste ihrerseits wieder erheblicher
im Angriff und hatten fortan die klar besseren Gelegenheiten. So war es Kasey
Keller zu verdanken, dass der freigelaufene Barbarez aus Nahdistanz nicht
frühzeitig zum 2:0 einschießen konnte, so machte der US-Nationaltorwart auch
bei anderen Gelegenheiten der Bayermannschaft seine Arbeit.
Deshalb ist es bitter, dass gerade der zuverlässige
Mann aus Lacey in Washington auch beim zweiten Leverkusener Tor, erzielt durch
Voronin nach einem langem Zuspiel Bernd Schneiders in der 74. Minute, nicht
souverän aussah; dafür war allein der Ball von Schneider auf Voronin zu lange
in der Luft.
Jener Treffer beendete dann das Spiel, im Grunde.
Die Borussia wusste nunmehr, dass sie dieses Spiel nicht mehr gewinnen würde.
Sie mühte sich zwar noch einen ordentlichen Eindruck zu machen, doch unter dem
Strich hatten die Gäste in der Schlussphase deutlich häufiger die Chance zu
einem neuerlichen Tor als der Borussia die Möglichkeit zur Hoffnung auf den
Anschlusstreffer eingeräumt wurde. Das Leverkusen kein drittes Mal jubeln
durfte ging auf den während des heutigen Spiels vor allem in der ersten
Halbzeit nicht immer auf vollständiger Ballhöhe scheinenden Assistenten vor der
Haupttribünenseite zurück, der zusammen mit seinem Vorgesetzten beim
eingewechselten Kießling in der letzten echten Szene der Partie ein Foulspiel erkannte.
Unter dem Strich ist der Erfolg Bayer Leverkusens
anzuerkennen. Die Mannschaft aus Leverkusen ging zwar ein bisschen überraschend
in Führung, hatte in der Folge aber eine das fortan nervöse Spiel der Borussia
erstickende Ordnung und schon gegen Ende der ersten Spielhälfte Möglichkeiten
das Ergebnis für sich zu bearbeiten. Nachdem sie sich der Angriffe der Borussia
zu Beginn der 2. Halbzeit ausreichend erwehrt hatten, profitierten die Gäste
abermals von dem nicht optimalen Spiel Borussias und erledigten sich der
Aufgabe durch Voronins Treffer eine gute Viertelstunde vor Schluss. Hernach
hätte der Sieg der Gäste durchaus noch höher ausfallen können, die Borussia
hatte keine Antwort mehr.
Verloren hat die Borussia das Spiel in erster Linie
durch individuelle Fehler, wobei dem ersten Treffer ein solcher von Kasey
Keller vorausging. Nicht gewonnen hat die Borussia jenes Spiel durch die
relative Unerfahrenheit ihrer Mannschaft, die sich dieses Mal nicht mit einem
glücklichen Doppelschlag, wie noch gegen Wolfsburg vor der Halbzeitpause etwa,
die Nervosität aus den Gliedern schütteln und nötiges Selbstvertrauen aufbauen
konnte. Erfahrung und Abgeklärtheit macht auf Bundesliganiveau schon noch einen
Unterschied aus und davon hatte die Borussia auch deshalb zu wenig, weil von
den sogenannten etablierten Kräften keiner über das grundlegende Engagement
hinaus tätig werden konnte. Gepaart mit der Hast, die die unerfahreneren Kräfte
besonders in der Folge des ersten Leverkusener Treffers kräftig schüttelte,
entstand ein unheilvolles Machwerk, das die Niederlage fast bedingte und seicht
aufkommende Sprechchöre in der Machart „Wir wollen Euch kämpfen sehen!" in das
Gegenteil verkehrte; an der Berufsauffassung hat es der Mannschaft nicht
gemangelt.
Unverständlich wäre, als Resultat dieser Partie,
wenn nun Urteile über die Mannschaft oder Einzelspieler dieser Mannschaft
genauso harsch und hastig gefällt werden würden wir es ihr selbst am heutigen Tage unmöglich war die durch den
ersten Gegentreffer ausgelösten Zweifel am eigenen Können und an den eigenen
Nerven im Zaum zu halten. Insofern wird es wichtig sein sich auf das
Wesentliche zu konzentrieren. In Frankfurt kann die Borussia den durch diese
Niederlage eingebüßten Boden im Tabellenmittelfeld wieder aufholen.
Tore: 0:1 Babic (12.), 0:2 Voronin (74.).
Borussia: Keller - Kirch (Sonck 64), Svensson (Levels 18),
Zé Antonio, Compper - Thijs - Delura, Kluge - Insua (Degen 46) - Neuville,
Kâhe.
Ersatz: Heimeroth (Tor), Rafael, Polanski, Helveg.
Leverkusen: Butt - Haggui, Madouni, Juan,
Babic - Schwegler, Schneider, Rolfes, Barnetta - Barbarez (Kießling 75),
Voronin (Freier 86).
Schiedsrichter: Dr. Felix Brych (München)
Zuschauer: 51.227 (94,83 %)
Datum;
Spieltag:
Samstag, 28. Oktober 2006; 9. Spieltag
2006/07
Gelbe Karten (Borussia): -
Gelb-Rote Karten: -
Rote Karten: -
Besondere Vorkommnisse: Das 0:2 war Borussias erste Heimniederlage seit dem
18. Spieltag der vergangenen Saison, damals unterlag man dem späteren Deutschen
Meister FC Bayern München mit 1:3. Borussia wartet seit dem 25. Februar 1989
(2:0, Tore: Hochstätter, Budde) auf einen Heimsieg gegen Bayer 04 Leverkusen.
Nach zuletzt drei Unentschieden zwischen Borussia und Leverkusen in
Mönchengladbach war dies der erste Leverkusener Auswärtssieg bei der Borussia
seit dem 1:0 vom 08.09.2001 (Torschütze: Torwart Butt per Elfmeter).
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