Bundesliga 2011/2012

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SEITENwechsel, der 12. Drucken
Geschrieben von Mike Lukanz   
Dienstag, 31 Oktober 2006
ImageAuf schillernde Juwelen kann man von vielen Seiten blicken und staunen. Seit 1997 bereits blickt SEITENWAHL für seine Leser auf das Gladbacher Geschehen, 2004 gesellte sich der VfLog dazu. Beide Projekte haben ihren eigenen unverwechselbaren Charme. Zu Beginn der Saison 06/07 kommt es nun zum SEITENwechsel: SEITENWAHL und VfLog beginnen einen Briefwechsel, in dem alles möglich ist: Fachsimpelei, Verbalfouls, Streit und Harmonie. Solange die Tinte reicht, wird auf www.seitenwahl.de und www.VfLog.de künftig dienstags nach Spieltagen der Brief der jeweils anderen Seite veröffentlicht.

In dieser Woche mache ich mir beim VfLog Gedanken über das Anspruchsdenken des Umfelds, Martin antwortet wie immer bei uns.

Lieber Mike,

ich habe unseren SEITENwechsel vermisst letzte Woche, als er ausfallen musste wegen dem großen VfL-Pokalduell. Und diese Woche weiß ich nun doch gar nichts mehr zu schreiben. Gerne gratuliere ich erst einmal Deiner Partnerin und Dir zum Jahrestag (auch wenn Du dezent verschweigst, der wievielte es eigentlich ist)! Ich hoffe jedenfalls, Ihr hattet einen rundum schönen Tag. Ja, eine Liebesbeziehung ist etwas Feines. Wenn man frisch verliebt ist, genießt man das Gefühl, sich (vermeintlich!) noch einmal neu erfinden zu können, die Geschichten über die Vergangenheit neu zu erzählen, die Zukunft neu zu entwerfen. Was anfangs von selbst geht, muss dann am Leben gehalten werden. Menschen entwickeln sich, und Partnerschaften müssen da Schritt halten; nicht zuletzt deshalb halten ja so wenige Beziehungen aus Schulzeiten im Studium länger als zwei, drei Semester: Man lebt sich auseinander, die Beziehung kommt mit der auseinanderdriftenden Entwicklung der Partner nicht mehr mit. "Nanu", fragst Du jetzt vielleicht, "was hat das mit Gladbach zu tun?" Oder schlimmer noch: Du fragst es Dich vielleicht gar nicht, denn auch für Dich liegt der Zusammenhang auf der Hand. Vielleicht kennst auch Du dieses sich manchmal langsam schleichend nähernde Gefühl, dass auch Fußball-Lieben vergehen können? Dass die ewige Wiederholung der gleichen Frustrationen irgendwann nicht mehr als normales Tief, sondern als Trennungsgrund gesehen wird? Dass man sich manchmal fragt, was, außer der geteilten Vergangenheit, sich und den Verein in der Gegenwart eigentlich noch verbindet? Ob das noch Liebe ist, die man spürt, oder nur noch Nostalgie? Ich kenne diese Fragen. Und schüttele sie, na klar, immer wieder sehr schnell ab. Wenn mich mein Verein so traurig machen kann, dann sind wohl noch genug Emotionen da. Aber die Frustrationen wachsen eben. Zunehmend. Ich will nicht noch so einen Herbst erleben, und noch so einen, und noch so einen. Aber im Moment sehe ich nicht, von wo der Befreiungsschlag kommen soll. Die Fans, da bin ich ganz Deiner Meinung, sind sicher nicht förderlich für eine langfristig positive Entwicklung. Ist es das Management? Ist es der Trainer? Ist es die Mannschaft? Wir werden es nur abwarten können, und dabei die immer gleichen Leiden durchleben müssen. Aber so ist das eben in einer langjährigen Beziehung: Man steht zusammen, in guten wie in schlechten Tagen.

Herzliche Grüße zurück,
Martin