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Geschrieben von Mike Lukanz
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Dienstag, 31 Oktober 2006 |
Auf schillernde Juwelen kann man von vielen Seiten blicken und staunen.
Seit 1997 bereits blickt SEITENWAHL für seine Leser auf das Gladbacher
Geschehen, 2004 gesellte sich der VfLog dazu. Beide Projekte haben
ihren eigenen unverwechselbaren Charme. Zu Beginn der Saison 06/07
kommt es nun zum SEITENwechsel: SEITENWAHL und VfLog beginnen einen
Briefwechsel, in dem alles möglich ist: Fachsimpelei, Verbalfouls,
Streit und Harmonie. Solange die Tinte reicht, wird auf
www.seitenwahl.de und www.VfLog.de künftig dienstags nach Spieltagen
der Brief der jeweils anderen Seite veröffentlicht.
In dieser Woche mache ich mir beim VfLog Gedanken über das Anspruchsdenken des Umfelds, Martin antwortet wie immer bei uns.
Lieber Mike,
ich habe unseren SEITENwechsel vermisst letzte Woche, als
er ausfallen musste wegen dem großen VfL-Pokalduell. Und diese Woche weiß ich
nun doch gar nichts mehr zu schreiben. Gerne gratuliere ich erst einmal Deiner
Partnerin und Dir zum Jahrestag (auch wenn Du dezent verschweigst, der wievielte
es eigentlich ist)! Ich hoffe jedenfalls, Ihr hattet einen rundum schönen Tag.
Ja, eine Liebesbeziehung ist etwas Feines. Wenn man frisch verliebt ist, genießt
man das Gefühl, sich (vermeintlich!) noch einmal neu erfinden zu können, die
Geschichten über die Vergangenheit neu zu erzählen, die Zukunft neu zu
entwerfen. Was anfangs von selbst geht, muss dann am Leben gehalten werden.
Menschen entwickeln sich, und Partnerschaften müssen da Schritt halten; nicht
zuletzt deshalb halten ja so wenige Beziehungen aus Schulzeiten im Studium
länger als zwei, drei Semester: Man lebt sich auseinander, die Beziehung kommt
mit der auseinanderdriftenden Entwicklung der Partner nicht mehr
mit.
"Nanu", fragst Du jetzt vielleicht, "was hat das mit
Gladbach zu tun?" Oder schlimmer noch: Du fragst es Dich vielleicht gar nicht,
denn auch für Dich liegt der Zusammenhang auf der Hand. Vielleicht kennst auch
Du dieses sich manchmal langsam schleichend nähernde Gefühl, dass auch
Fußball-Lieben vergehen können? Dass die ewige Wiederholung der gleichen
Frustrationen irgendwann nicht mehr als normales Tief, sondern als
Trennungsgrund gesehen wird? Dass man sich manchmal fragt, was, außer der
geteilten Vergangenheit, sich und den Verein in der Gegenwart eigentlich noch
verbindet? Ob das noch Liebe ist, die man spürt, oder nur noch
Nostalgie?
Ich kenne diese Fragen. Und schüttele sie, na klar, immer
wieder sehr schnell ab. Wenn mich mein Verein so traurig machen kann, dann sind
wohl noch genug Emotionen da. Aber die Frustrationen wachsen eben. Zunehmend.
Ich will nicht noch so einen Herbst erleben, und noch so einen, und noch so
einen. Aber im Moment sehe ich nicht, von wo der Befreiungsschlag kommen soll.
Die Fans, da bin ich ganz Deiner Meinung, sind sicher nicht förderlich für eine
langfristig positive Entwicklung. Ist es das Management? Ist es der Trainer? Ist
es die Mannschaft? Wir werden es nur abwarten können, und dabei die immer
gleichen Leiden durchleben müssen. Aber so ist das eben in einer langjährigen
Beziehung: Man steht zusammen, in guten wie in schlechten
Tagen.
Herzliche Grüße zurück,
Martin
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