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SEITENwechsel, der 13. Drucken
Geschrieben von Mike Lukanz   
Dienstag, 07 November 2006
ImageLieber Mike,

was war das wieder ein Sch...spiel. Die Gladbacher Umstände kotzen Dich an,
schreibst Du. Mich auch. Aber bisweilen denke ich, dass wir alle, Nörgler
und Optimisten, Ausgewogene und Radikale, uns und Borussia mit unseren
andauernden Diskussionen keinen Gefallen tun. Borussia nicht, weil
Heynckes-Raus-Rufe gar nichts bringen, Meditationen darüber, dass
Heynckes-Raus-Rufe gar nichts bringen, aber letztlich nicht minder Unruhe
stiften. Und uns nicht, weil wir dadurch sicher nicht glücklicher werden.
Das Leben ist zu kurz, um dauernd in Depressionen und Melancholie zu
verfallen.

Vielleicht sollten wir einfach schönere Dinge mit unserer Zeit anfangen, bis
Borussia mal wieder etwas mehr Spaß macht. Das neue Buch von Wolf Haas zum
Beispiel ist kurzweilig und lesenswert. In dem Roman "Das Wetter vor 15
Jahren" erzählt Haas einmal nicht einen Krimi, sondern eine
Liebesgeschichte. Die allerdings, wird eigentlich auch gar nicht erzählt,
vielmehr kann man sie sich als Leser nur erschließen, denn der eigentliche
Text ist nichts anderes als ein fiktiver Dialog zwischen Wolf Haas selbst
und einer Literaturjournalistin aus Deutschland. So fügt sich Reflexion über
Literatur in eins mit einigen witzigen Beobachtungen über die Unterschiede
zwischen Deutschland und Österreich und praktisch en passant erfährt man
auch noch alles über einen Roman, der nie geschrieben worden ist.

Weniger frisch vom Ladentisch, aber auch ein echter Hammer (und ehrlich
gesagt schon noch einigen Klassen besser als der Haas) ist "Meister und
Margarita" von Bulgakow. Literaturfreunden werde ich damit nichts Neues
sagen, aber ich hab das Buch für mich eben erst kürzlich entdeckt, und
wieder einmal festgestellt, dass die Russen es einfach drauf haben. "Meister
und Margarita" ist unglaublich witzig, bösartig, skurill und schenkt der
Welt neben einer der sympathischsten Teufelfiguren auch eine der
liebenswertesten Katzendarstellungen, die man sich vorstellen kann (der
Assistent des Teufels ist nämlich eine etwas vorlaute und selbstverliebte,
menschengroße Katze). Und während der Haas nach gut drei Stunden auch schon
ausgelesen ist, kann man sich mit Meister und Margarita einige lauschige
Samstagnachmittage vergnügen.

Was das alles mit Borussia zu tun hat? Nichts. Ist das nicht schön?

Auf bald,
Martin