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Home 2006/07 11, H, BL, Schalke,
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Bor.M´gladbach - FC Schalke 0:2 |
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Geschrieben von Michael Heinen
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Mittwoch, 08 November 2006 |
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Mit einer desolaten
Leistung hat sich Borussia am Mittwoch abend endgültig in die Krise und
in den Abstiegskampf geschossen. Das 0:2 gegen Schalke 04 bedeutete
nicht nur die 5. Pflichtspiel-Niederlage in Folge, sondern spielerisch
einen neuerlichen Negativhöhepunkt. Durch die Ausfälle von Thomas
Helveg und Oliver Kirch fehlten in der Defensive gleich sechs Akteure,
was Borussia zu keiner Zeit zu kompensieren verstand. Das Experiment
mit dem 18jährigen Youngster Tim Rubink in der Innenverteidigung
glückte leider ebenso wenig wie die Rückkehr von Vaclav Sverkos in die
Startformation.
Zusammen mit den
nicht sonderlich viel älteren Marvin Compper und Tobias Levels auf den
Außenbahnen wurde die Viererkette den hohen Anforderungen des
Bundesliga-Alltags nie gerecht, was an diesem Abend aber in gleicher
Weise auf den Rest des Teams zutraf. Im Sturm war
neben Sverkos ebenfalls Oliver Neuville in die Startformation
zurückgekehrt, wodurch für Kahê nur noch ein Platz auf der Bank
verblieb. Das gleiche Schicksal ereilte Federico Insua, der einem
Doppelsechser bestehend aus Thijs und Polanski als Absicherung für die
junge Defensive Platz machen musste. Angesichts des Personalnotstands
eine durchaus nachvollziehbare Aufstellung, der man aber die
zahlreichen Veränderungen im Spielverlauf schmerzhaft anmerkte.
Wie
schon beim letzten Heimspiel gegen Leverkusen wurde das Spiel bereits
früh durch den ersten Gegentreffer entschieden. Dieses Mal dauerte es
11 Minuten ehe die Gäste höchst glücklich von gleich mehreren Umständen
profitierten. Ausgerechnet Rubink hatte bei seinem Debüt Pech, als er
an der Strafraumgrenze zu klären versuchte, dabei aber Halil Altintop
anschoss. Von dessen Bein trudelte der Ball gemächlich Richtung Tor, wo
er eigentlich eine leichte Beute für Kasey Keller gewesen wäre. Wenn da
nicht Zé Antonio gewesen wäre, der den Ball noch einmal entscheidend
abfälschte und ihn dann unhaltbar ins rechte untere Eck reinkullern
half. Vor ein paar Wochen war Borussia noch mit einem ähnlichen
Dusel-Tor gegen Wolfsburg zum wichtigen Ausgleich gekommen. 4 Spiele
und Niederlagen später hat sich das Glück jetzt eben gegen uns
gewendet. Doch gerade der Rückblick auf Wolfsburg erscheint angebracht.
Damals war das Team knappe zehn Minuten nach dem 0:1-Rückstand
kämpferisch zurückgekehrt und konnte das Ergebnis umdrehen. Warum aber
brach man in den beiden darauf folgenden Heimspielen gegen Leverkusen
und Schalke nach einem 0:1 völlig in sich zusammen und hörte fortan
auf, in irgendeiner Form Fußball zu spielen?
Während die Schalker schon vor dem 1:0 mit zwei kleineren Gelegenheiten
durch Altintop (7.) und Löwenkrands (9.) gefährlicher wirkten als
Borussia, sollte sich dies nach ihrer Führung erst recht verstärken.
Borussia wirkte nun völlig verunsichert und reihte eine endlose Zahl
von Fehlpässen aneinander. Schon eine Minute nach dem Rückstand hätte
Varela aus 8 Metern halbrechts erhöhen können, verzog aber seinen
Volleyschuss, der weit über dem Tor landete.
Borussias Chancen dagegen waren kaum als solche wahrzunehmen. Selbst aus Standardsituationen,
die zu Saisonbeginn oft für Gefahr sorgten, entwickeln sich seit Wochen
kaum noch Tormöglichkeiten. Symptomatisch der Eckball in der 18.
Minute, der von Delura viel zu hoch angesetzt zu Zé Antonio gelangte,
dessen Kopfball entsprechend ca. 10 Meter übers Tor strich. Nach 25
Minuten versuchte sich Polanski aus 25 Metern mit einem Weitschuss, der
Schalkes Jung-Keeper Neuer aber allerhöchstens warm schoss.
Nach 31
Minuten die logische Konsequenz aus dem verkrampften, fehlerbeladenen
Borussen-Spiel. Kevin Kuranyi kam bei einem Konter zu Fall, brachte den
Ball im Liegen aber gekonnt zum freistehenden Gustavo Varela. Der sah
nun seine Chance gekommen, wieder einmal in einem Spiel gegen Borussia
zu glänzen, indem er aufs Tor zurannte, Levels austanzte und aus 16
Metern unhaltbar für Keller ins linke Eck abschloss. Selbst ein Pass
auf den links völlig frei wartenden Löwenkrands wäre noch möglich
gewesen, was die mangelnde Klasse in Borussias Hintermannschaft
eindrucksvoll unterstreicht.
Aufs Tor vom Schalker Rost-Ersatz kam dagegen in Halbzeit 1 kein einzig
ernstzunehmender Ball. Kurz vor dem Seitenwechsel hätte sich beinahe
doch noch eine Chance zum Anschluss ergeben, der Erinnerungen an den
Schalker Auftritt gegen die Bayern hätte wecken können. Doch während
Ottl am Sonntag eine Unpässlichkeit von Neuer geschickt zum
Anschlusstor ausnutzte, zögerte Marvin Compper einen Moment zu lange.
Von Polanski war er mit einem der ganz wenigen schönen Pässe im linken
Strafraum frei gespielt worden und hätte dann direkt in die Mitte auf
den frei stehenden Vaclav Sverkos passen müssen. Stattdessen zog er
noch weiter Richtung Außenlinie und flankte dann ziemlich kläglich in
die Mitte, wo Neuer die Hereingabe dankbar in seine Arme aufnahm.
Das war es dann auch schon für diese grausame erste Halbzeit, die
selbst die unterirdischen Leistungen aus den letzten Wochen noch
negativ zu steigern vermochte. Beispielhaft sei das Spiel von Vaclav
Sverkos genannt, dem man sein Engagement anmerkte, dem aber immer
wieder im letzten Moment der entscheidende Fehlpass gelang. Doch es
wäre unfair, einzelne Spieler herauszuheben. Mit Ausnahme des
tadellosen Kasey Keller konnte kein Akteur an diesem Abend auch nur
ansatzweise so etwas wie Bundesligaform erreichen.
Eigentlich könnte man den Spielbericht an diesem Punkt abbrechen, denn
allzu große Erkenntnisse ließen sich im zweiten Spielabschnitt nicht
mehr gewinnen. Schalke erkannte früh, dass diese Borussen-Elf ganz
sicher besser spielen wollte, es aber ganz einfach nicht konnte. So
begnügte man sich damit, das Spiel weiter zu kontrollieren und mit
halber Kraft über die Runden zu bringen. Traurig genug, dass Borussia
in einem Heimspiel über keinerlei Mittel verfügte, um dies in
irgendeiner Form abstrafen zu können.
In der ersten Viertelstunde nach Wiederanpfiff passierte vor den beiden
Toren so gut wie nichts. Borussia war bemüht, irgendwie doch noch ins
Spiel zu kommen. Hinten stand man jetzt weniger durch den Wechsel von
Fleßers für Rubink besser als dadurch, dass die Schalker nicht zwingend
das 3:0 erzielen wollten. Dennoch waren diese im weiteren Spielverlauf
diesem Treffer jederzeit näher als unsere Elf auch nur im Entferntesten
zu einem 1:2 hätte kommen können. Nach 61 Minuten bot sich z.B. Halil
Altintop die Gelegenheit, einen tollen Pass von Kobiashvili aus 7
Metern halblinks abzuschließen. Sein Schuss trudelte aber rechts an
Keller sowie am Tor vorbei. Beim Ex-Lauterer konnten wir uns auch 4
Minuten später bedanken, dass eine Schalker Überzahlsituation bei einem
weiteren Konter höchst schlampig abgeschlossen wurde.
Dem objektiven Beobachter musste die Elf von Jupp Heynckes zu diesem
Zeitpunkt einfach nur noch leid tun. Mit höchst limitierten Mitteln war
man verzweifelt bemüht, mit einem allenfalls durchschnittlichen Gegner
Schritt zu halten. Letztlich wurde aber immer wieder deutlich, dass
diese Mannschaft in dieser Aufstellung und in dieser Verfassung kein
Bundesligaformat besitzt. So war ein Freistoß von Thijs aus 22 Metern
Entfernung, der einige Meter über das Tor strich, noch das
Gefährlichste, was Borussia in Halbzeit 2 zustande brachte. Immerhin
Kasey Keller konnte sich noch zweimal auszeichnen. In der 81. Minute
bei einem dankbaren Kobiashvili-Freistoß sowie in der Nachspielzeit bei
einem neuerlichen Versuch von Halil Altintop, aus nächster Entfernung
den Torwart abzuschießen.
Dann endlich hatte Schiedsrichter Sippel ein Einsehen und beendete die
klägliche Partie, die vielleicht sogar die schwächste Leistung sah, die
Borussia seit dem Wiederaufstieg abgeliefert hat. Nach nunmehr 5
Niederlagen in Folge wird es sich ein Teil der Öffentlichkeit nicht
nehmen lassen, über entsprechende Konsequenzen aus dieser Talfahrt
nachzudenken, die bekanntermaßen am einfachsten zunächst am Trainer
festgemacht werden.
Zunächst einmal bleibt festzuhalten, dass unser Saisonziel, mit dem
Abstieg erneut nichts zu tun haben zu wollen, bereits jetzt nicht mehr
erreichbar ist. Uns muss bewusst sein, dass der Abstiegskampf ab sofort
begonnen hat und mitnichten ein Selbstläufer werden wird. Unsere
Personaldecke ist – gerade in Teilen der Defensive – viel zu dünn, um
die aktuellen Ausfälle kompensieren zu können. Dem Offensivspiel fehlt
es an Kreativität und Klasse. Die Strategie, auf den verspäteten
Durchbruch ehemals talentierter Youngsters, die in den letzten Jahren
auf niedrigem Niveau stagnierten, zu hoffen, darf hinterfragt werden.
Spieler wie Rafael, Delura und Sverkos lassen zur Zeit jedenfalls auf
wenig Besserung hoffen. In Abwesenheit eines Marcell Jansen und beim
aktuellen Formtief eines Oliver Neuville fehlen dem Team die Stützen,
anhand derer sich die jungen Spieler aufrichten könnten. So kann man
Jupp Heynckes auch nur bedingt einen Vorwurf machen, da sich mit dem
aktuell zur Verfügung stehenden Kader (exklusive der zahlreichen
Verletzten) nicht viel mehr erreichen lässt. So bleibt trotz der
desolaten Vorstellung an diesem trostlosen Abend leider nicht viel
anderes übrig, als dem langfristig ausgerichteten Konzept weiter das
Vertrauen auszusprechen, für die kurze Frist auf eine baldige Rückkehr
einiger Verletzter zu hoffen und dann den Abstiegskampf entsprechend
kämpferisch anzunehmen. Ein Prozess der Selbstzerfleischung und
gegenseitiger Schuldzuweisung zwischen Fans, Trainer und Mannschaft
wäre in der jetzigen Lage genau das, was die ohnehin schon ernste Lage
noch weiter verschlimmern würde.
Tore: 0:1 Zé António (11., Eigentor), 0:2 Varela (31.)
Borussia: Keller - Levels, Rubink (Fleßers 46), Zé Antonio, Compper -
Polanski, Thijs - Delura (Sonck 79), Kluge (Degen 68) - Sverkos, Neuville.
Ersatz: Heimeroth - El Fakiri, Insúa, Kahê.
Schalke: Neuer - Rafinha, Rodriguez,
Krstajic, Pander (Boenisch 73) - Varela (Hamit Altintop 69), Bajramovic
(Hoogland 89), Kobiashvili - Halil Altintop, Kuranyi, Lövenkrands.
Schiedsrichter: Peter Sippel (München)
Zuschauer: 52.018 (96,29 %)
Datum;
Spieltag: Mittwoch, 8. November 2006; 11. Spieltag 2006/07
Gelbe Karten (Borussia): Compper, Polanski
Gelb-Rote Karten: -
Rote Karten: -
Besondere Vorkommnisse: Mit Tim Rubink (*12. Januar 1988) kam ein Spieler
aus Borussias U19 aufgrund der Personalsituation in der Abwehr zu seinem
Bundesligadebüt. Im dritten Auswärtsspiel des FC Schalke 04 an der
Hennes-Weisweiler-Allee kam der Gelsenkirchener Verein zum 2. Auswärtssieg
(zuvor: 2:1 am 19. Februar 2005), so viele Spiele gewann bei Borussia bislang
kein anderer Bundesligist seit dem Stadionneubau. Erstmals seit der Saison
2003/2004 verlor die Borussia zwei Heimspiele in Folge. Damals unterlag das von
Ewald Lienen trainierte Team am 3. Spieltag 0:1 gegen Stuttgart (16. August
2003) und am 5. Spieltag 0:2 gegen Eintracht Frankfurt (13. September 2003)
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