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Die Alarmglocken schrillen |
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Geschrieben von Mike Lukanz
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Sonntag, 19 November 2006 |
Jupp Heynckes beließ es diesmal beim offiziellen Statement. Nachdem Pressesprecher Markus Aretz allen Journalisten ein ruhige Heimfahrt wünschte, eilte Heynckes an allen Mikrofonen, Diktiergeräten und Kameras vorbei Richtung Kabine, er war zu keiner weiteren Stellungnahme bereit. Dies hatte zur Folge, dass Peter Pander, der jeder Pressekonferenz beiwohnt und anschließend selber Frage und Antwort steht, sich einer größeren Menge an Journalisten gegenüber sah, die nun von ihm Erklärungen verlangten. Erklärungen, was soeben geschehen war und wie Borussia den Karren aus dem (Abstiegs-)Dreck zu ziehen gedenkt. Seine Wortwahl ließ jedoch erkennen, dass in Mönchengladbach die Alarmglocken schrillen.
Nach einem solchen Spiel sind alle Beteiligten frustriert, niedergeschlagen. Peter Pander ist jedoch ein kluger Mann, der es versteht, zur richtigen Zeit die richtigen Worte zu finden und jedem Beobachter somit einen Eindruck vermittelt, wie es um Borussia steht und was im Verein besprochen wird. Er wird nie laut dabei, seine Stimme ist stets ruhig und sachlich, doch erkennt man auf Dauer, mit welchem Nachdruck Dinge angesprochen werden. „Eine unangenehme Entwicklung" habe er ausgemacht. „13 Punkte aus 13 Spielen sind eindeutig zu wenig!", hieß eine weitere Forderung. Immer und immer wieder wiederholte er, dass es in den kommenden Wochen einzig und allein darum gehe, „Punkte zu sammeln, egal wie". Der Sportdirektor ist sichtlich angefressen. Nach den persönlichen Turbulenzen der vergangenen Saison, nach Schlaudraff, Elber und Köppel sollte in diesem Jahr endlich Ruhe einkehren. Der nächste Schritt im Rahmen der Stabilisierung. Doch nun: Abstiegskampf.

Einmal dabei, sprach er weitere Dinge an: es werde ihm „zuviel geredet" in den letzten Tagen und „zu wenig gut gespielt". Jeder Einzelne müsse zuerst „auf dem Platz Leistung zeigen", erst dann vor den Mikros. Selbst Jupp Heynckes bekam, direkt oder indirekt, gewollt und ungewollt, sein Fett weg. Pander erwähnte, dass man „nicht dauernd über die vielen Verletzten klagen" könne, sondern dass man „gemeinsam aus dieser schwierigen Lage herauskommt". Natürlich blockierte er jede Frage zur Position von Jupp Heynckes, was letztlich nur vernünftig ist.
Jupp Heynckes, der auf der Pressekonferenz davon sprach, eine „nicht funktionierende Mannschaft" zu haben und dass man nun „im mentalen Bereich" arbeiten müsse, gestand mit leerem Blick, dass dies eine „sehr bittere Niederlage" sei und er für die jetzige Situation „die volle Verantwortung" übernähme. Bemerkenswerte Sätze nach einem 13. Spieltag über eine Mannschaft, die er zu großen Teilen zusammengestellt hat und täglich betreut.
Die Mechanismen des Geschäfts greifen, so auch in Mönchengladbach. Peter Pander ist sich dies bewusst. Er weiß vor allem, dass nur Erfolge die nötige Ruhe bringen. Er fordert sie ein. Eine andere Wahl hat er kaum. Als man sich für Heynckes entschied, hat man sich ebenfalls für kontinuierliches Arbeiten, Geduld, Aufbau und Jugendförderung entschieden. Vergessen sollte man jedoch nicht, dass die Bundesliga keine Pause gönnt. Es ist ein schwieriger Spagat, den Borussia zur Zeit bewerkstelligen muss. Alle bekannten Muster treten in Mönchengladbach derzeit zu Tage. Unzufriedene Spieler, die über die Presse kommunizieren, ein in Fahrt kommender Boulevard, dessen Schlagzeilen immer direkter und größer werden, ein bisweilen schmallippiger Trainer, dem man in diesen Zeiten des Misserfolgs die alten Geschichten vergangener Tage aufs Brot schmiert und schließlich ein Sportdirektor, der auf den Ernst der Lage hinweisen muss. Ein Teufelskreis, wie es scheint. Borussia muss in der Tat aufpassen, dass diese aktuelle Lage kein Dauerzustand wird. Sich auf die Rückrunde zu verlassen, wäre ein gefährlicher Irrtum. Schließlich hat man sich auch vor wenigen Wochen auf die Heimspiele verlassen.
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