Bundesliga 2011/2012

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SEITENwechsel, der 15. Drucken
Geschrieben von Mike Lukanz   
Dienstag, 21 November 2006
ImageLieber Mike,

Jupp Heynckes ist ein schlechter Trainer. Die Borussia rangiert nach dreizehn Spieltagen auf dem vierzehnten Tabellenplatz. Ein Punkt vor einem Abstiegsplatz und hinter den Aufsteigern Aachen und Cottbus. Die Borussia steht dort absolut berechtigt. Die Spieler sind überfordert, wenn sie schnell und druckvoll nach vorn spielen sollen, und schnelles druckvolles Spiel nennt man mit anderen Worten: bundesligatauglich. Der VfL dümpelt, er spielt uneffektiv. Leichte Fehlpässe und Stockfehler prägen das Bild, sobald Kreativität und Spielwitz gefragt wären.

Jupp Heynckes ist ein schlechter Trainer. Er versteht es nicht, seinen Spielern Selbstvertrauen und Sicherheit zu vermitteln, ihnen das kleine Einmaleins des Bundesliga-Fußballs beizubringen. "Dass der Trainer auf uns junge Spieler setzt, gibt uns Selbstvertrauen", sagte Michael Delura vor kurzem.  Gerade Delura enttäuschte zuletzt regelmäßig. Wenn Selbstvertrauen auf wenig Klasse trifft, ist das schön für Delura, doch jämmerlich für den Klub. "Die Jungs sind entwicklungsfähig, wollen lernen und wissen langsam, was gefordert ist, um nach vorne zu kommen", sagte Heynckes vor kurzem. Offenbar kann er ihnen nicht vermitteln, was gefordert ist, um nach vorn zu kommen.

Jupp Heynckes ist ein schlechter Trainer. Die Mannschaft hat sich keinen Zentimeter weiter entwickelt und spielt ähnlich ideenlosen Fußball wie unter Horst Köppel. Was etwas heißen will!  Eine neue Mannschaft aufzubauen, ihr Rüstzeug für attraktiven Fußball mit auf den Weg zu geben, ihr ein Konzept zu vermittlen, das auch mit beschränkteren Mitteln Erfolg verspricht, diese Aufgabe hat Jupp Heynckes unterschätzt. Oder er hat sich selbst überschätzt.

Jupp Heynckes ist ein schlechter Trainer, weil er ratlos ist. Weil er eine Mannschaft betreut, deren Mittelfeldspieler Eugen Polanski nach sechs Niederlagen aus den letzten sieben Spielen sagt: "Jedem einzelnen von uns fehlt im Moment der letzte Wille." Weil diese Mannschaft ohne Kopf und Willen auch die beiden Spiele in Stuttgart und München verlieren wird.

All das kann ich schreiben, weil ich frei vom Verdacht bin, Jupp Heynckes für einen schlechten Trainer zu halten. Aber ändert das was?
Herzliche Grüße,
Maik



Auf schillernde Juwelen kann man von vielen Seiten blicken und staunen. Seit 1997 bereits blickt SEITENWAHL für seine Leser auf das Gladbacher Geschehen, 2004 gesellte sich der VfLog dazu. Beide Projekte haben ihren eigenen unverwechselbaren Charme. Zu Beginn der Saison 06/07 kommt es nun zum SEITENwechsel: SEITENWAHL und VfLog beginnen einen Briefwechsel, in dem alles möglich ist: Fachsimpelei, Verbalfouls, Streit und Harmonie. Solange die Tinte reicht, wird auf www.seitenwahl.de und www.VfLog.de künftig nach Spieltagen der Brief der jeweils anderen Seite veröffentlicht.