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Home Interviews "Der Negativlauf sollte jetzt vorbei sein"
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"Der Negativlauf sollte jetzt vorbei sein" |
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Geschrieben von Mike Lukanz
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Sonntag, 14 Januar 2007 |
Im Rahmen des Trainingslagers in Portugal hatte SEITENWAHL Gelegenheit, mit Borussias Sportdirektor Peter Pander ein Gespräch zu führen. Dabei äußerte sich Pander zur Kritik der vergangenen Wochen, erklärte die Transfers des Winters und schaut vorsicht optimistisch in die Rückrunde. Wir erlebten dabei einen angespannten, aber kämpferisch wirkenden Sportdirektor, der vom Erfolg der getroffenen Maßnahmen überzeugt ist.
SEITENWAHL: „Herr Pander, sie wirken in diesen Tagen sehr müde und angespannt. Täuscht der Eindruck, dass Ihnen die Entwicklungen der vergangenen Wochen auch seelisch nahe gegangen sind?"
Pander: „Nein, so würde ich das nicht sagen. Es ist schon so, dass wir seit dem letzten Hinrundenspieltag jeden Tag gearbeitet und überlegt haben, wie wir die sprichwörtliche Kurve noch bekommen. Daher hatte ich für mich entschieden, im Dezember keinen Urlaub zu machen, sondern mich direkt um die Aufgaben zu kümmern, die bewältigt werden mussten. Aber natürlich ist es so, dass man nach einem Jahr ohne Urlaub natürlich schon angespannt ist und vielleicht etwas müder aussieht als sonst."
SEITENWAHL: „Nach der Kritik der vergangenen Wochen aus Teilen der Presse und des Umfelds scheinen Sie dünnhäutig geworden zu sein."
Pander: „Nein, das ist keine Dünnhäutigkeit. Ich kenne den Auftrag der Boulevardpresse, weiß, wie sie bestimmte Themen anpacken. Wenn jedoch Themen im Grundsatz falsch dargestellt werden, dann lasse ich mir das nicht gefallen und sage es auch. Da wird zum Teil üble Meinungsmache betrieben. Der Verein und ich als Person stehen aufgrund der sportlichen Situation ohnehin in der Kritik, das ist klar und auch verständlich. Wenn jedoch mit Unterstellungen und Falschaussagen gearbeitet wird, dann wehre ich mich dagegen. Ich kann Kritik und Argumente vertragen, die sachlich sind, dafür bin ich schon zu lange im Geschäft. Das hat also mit Dünnhäutigkeit nichts zu tun."
SEITENWAHL: „Die Entlassung von Uwe Speidel und die damit verbundene Verpflichtung von Jos Luhukay gab Anlass zu allerlei Spekulationen und Gedankenmodellen. Es wurde von einer Schwächung Heynckes´ geredet und dass der Verein schon jetzt versuche, einen möglichen Nachfolger in Stellung zu bringen."
Pander: „Das sind in meinen Augen Spielchen, die dazu dienen, zwischen Personen Spannungen zu erzeugen und um Fraktionen oder Fronten innerhalb des Vereins zu bilden. Ich kann mich da nur wiederholen: wir haben uns nach dem Spiel in Bochum sofort mit dem Trainer hingesetzt und uns gefragt, was wir verändern können. Auch Jupp Heynckes hat mehrfach betont, dass Veränderungen stattfinden müssen. Wir haben alles durchleuchtet: der Trainerstab, die medizinische Abteilung, das Scouting, die Mannschaft selber. Aber dass Jos Luhukay jetzt dazu benutzt wird, um sich zu fragen, was man mit ihm vorhabe, halte ich besonders Herrn Luhukay gegenüber für unverschämt. Er kommt da in eine gefährliche Situation innerhalb des Trainerteams. Er hatte uns klar mitgeteilt, dass er überhaupt keine Probleme damit hat als Co-Trainer hier zu arbeiten, ganz im Gegenteil. Daher verstehe ich auch nicht, warum das nicht glaubhaft erscheint."
SEITENWAHL: „Wenn der Verein auf einem Abstiegsplatz steht, der Trainer demzufolge in der Kritik steht, wenn ein Co-Trainer verpflichtet wird, der Ambitionen hat, einem Cheftrainer in der Bundesliga zu werden und auch schon mit Vereinen explizit in Verbindung gebracht wurde, dazu noch die kurze Vertragslaufzeit, dann darf man sich nicht wundern, dass Spekulationen entstehen."
Pander: „Die Vertragslaufzeit ist bewusst so gewählt. Wir stehen auf einem Abstiegsplatz und können nicht so tun, als ob nichts passiert sei. Wir müssen nun zuerst das Naheliegende erledigen: den Klassenverbleib sichern. Daher haben wir auch mit Jos Luhukay vereinbart, dass wir es bis Saisonende so laufen lassen und dann sehen wir weiter. Das bedeutet konkret, dass dann Luhukay, aber auch Heynckes einen Strich ziehen und bewerten, wie die Zusammenarbeit gelaufen ist und ob man eine Fortsetzung in dieser Konstellation wünscht. Gespräche unter der Überschrift ‚was wäre, wenn?‘ hat es nie gegeben. Das wäre ein massiver Vertrauensbruch gegenüber Jupp Heynckes, das können und werden wir nicht machen."
SEITENWAHL: „Warum fiel die Wahl auf Jos Luhukay?"
Pander: „Wir haben uns überlegt, ob wir nach Uwe Speidel wieder einen reinen Konditionstrainer holen oder einen Co-Trainer, der den Schwerpunkt in der fußballerischen Schulung legt. Wir hatten bei Jos Luhukay von Anfang an ein sehr gutes Gefühl. Er geht auf die Mannschaft zu, er kann integrativ wirken, er hat eine sehr positive Ausstrahlung. Wir wollten nicht immer nur zurückschauen und den Kopf hängen lassen, sondern positiv nach vorne schauen."
SEITENWAHL: „Lassen Sie uns über die Transfers des Winters sprechen. Die Verpflichtung von Mikkel Thygesen überrascht insofern, als dass sein Name in den vergangenen Wochen überhaupt keine Erwähnung fand. War Thygesen eine Parallelplanung zu Bancé und Gonzales oder wurde der Transfer realisiert, weil die Verhandlungen speziell in der Ukraine stockten?"
Pander: „Mikkel Thygesen spielte in unserem Scoutingsystem schon längere Zeit eine große Rolle und ich wusste, dass mehrere Vereine die Fühler nach ihm ausgestreckt haben. Gonzales war im Gespräch, doch wussten wir bei ihm, dass englische Vereine ebenfalls interessiert waren. Bei Bancé, den wir schon im Sommer verpflichten wollten, war eine Ausleihe möglich, jedoch mit vielen komplizierten Vertragsinhalten. Natürlich wäre es schön gewesen, einen solchen Spielertypen wie Bancé in der Mannschaft zu haben. Doch wenn ein Spieler wie Mikkel Thygesen zu haben ist, muss man reagieren und zuschlagen. Er ist ein Spieler, den wir nach dem Ausfall von Oliver Neuville kaum haben: ein schneller, dynamischer Konterspieler. Wir sind zufrieden, dass wir ihn bekommen konnten."
SEITENWAHL: „Sind die Transferaktivitäten abgeschlossen?"
Pander: „Nein, das Transferfenster ist noch bis Ende Januar geöffnet und wir werden weiterhin Augen und Ohren offen halten und uns keiner Option vorzeitig berauben, weil wir schon jetzt die Akten schließen. Der Markt ist im Winter ohnehin schwieriger als im Sommer. Die sogenannten ‚Knipser‘, die immer gefordert werden, kosten hohe Millionenbeträge und selbst dann bleibt die Frage, ob der aktuelle Verein ihn überhaupt freigibt. Da macht man es sich teilweise zu einfach. Wir wollten in der Winterpause keine Schnellschüsse oder Notlösungen. Alle Transfers sind für uns auch Perspektivspieler, die Borussia auch in Zukunft weiterhelfen können."
SEITENWAHL: „Peer Kluge steckt zurzeit mitten in Vertragsverhandlungen. Nun ist zu hören, dass die anfangs als ‚Formalie‘ verstandene Verlängerungen ins Stocken geraten ist, da Peer Kluge durchaus ein offenes Ohr für andere Verein habe. Wie ist da der Stand?"
Pander: „Wir haben im November mit Peer Kluge gesprochen. In den schwierigen sportlichen Wochen ruhten die Gespräche, so dass wir mit Peer selber als auch mit seinem Berater erst im neuen Jahr wieder sprechen konnten. Natürlich macht sich Peer auch Gedanken, wohin die Reise mit Borussia geht. Wir sind so verblieben, dass wir uns nach dem Trainingslager mit ihm und seinem Berater zusammensetzen und dann werden wir sehen, was dabei herauskommt."
SEITENWAHL: „Die Rückrunde beginnt direkt mit drei Spielen in acht Tagen, davon zweimal auswärts und das gegen Mannschaften, die man vor der Saison noch hinter sich lassen wollte oder mit denen man sich zumindest auf Augenhöhe sah. Es ist abzusehen, dass die Stimmung von außen nicht ruhiger wird, sollte der Start nicht erfolgreich sein."
Pander: „Wir haben 17 Rückrundenspiele. Natürlich ist der Start sehr wichtig, rechnet man das Spiel gegen Aachen eine Woche später noch dazu. Doch selbst wenn man sehr gut startet, ist man noch nicht gerettet. Ebenso blieben weitere 13 Spiele, sollte der Start nicht so glücken, wie wir uns das alle erhoffen. Man muss sich darüber im Klaren sein, dass wir in den nächsten Monaten immer im Dunstkreis der Abstiegskandidaten sein werden. Es hängt auch davon ab, wie die anderen Mannschaften zurechtkommen. Halten einige Mannschaften das gute Ergebnis der Hinrunde, das man vorher nicht erwartet hätte oder bekommen diese auch ihre Krise, die wir jetzt hatten. Unser Negativlauf sollte jetzt eigentlich vorbei sein!"
SEITENWAHL: „Herr Pander, vielen Dank für das Gespräch!"
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