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"Die Mannschaft braucht das Vertrauen der Fans" Drucken
Geschrieben von Mike Lukanz   
Dienstag, 11 Oktober 2005
Fünf Monate nach unserem großen Sommerinterview und 6 Wochen nach Schließung der Transferperiode stand uns Sportdirektor Peter Pander erneut Rede und Antwort. In einem sehr ausführlichen, ehrlichen und offenen Gespräch nahm er zu verschiedenen Problemen und Fragen Stellung. So lüftete er manches Geheimnis des letzten Transfersommers, bilanzierte die Neuzugänge, sprach über Fanmentalitäten, Träumereien, Vertragsverlängerungen und äußerte sich auch zum Thema Giovane Elber klar und deutlich.


SEITENWAHL: Herr Pander, Sie haben zu Beginn Ihrer Amtszeit in Mönchengladbach einmal gesagt: "Wenn ich merken sollte, dass im Verein etwas schief läuft oder dass nicht alle an einem Strang ziehen, werde ich dazwischen hauen." Hat die öffentliche Schelte nach dem Spiel in Köln Wirkung gezeigt?

Peter Pander: Ich glaube es war notwendig, dass man nach so einem Spiel nicht so tut, als wäre das Spiel nicht verloren worden und sich dann nur auf die zweite Halbzeit bezieht, wo wir optisch überlegen waren und besser gespielt haben. Wir haben da in der ersten Halbzeit wie in den Spielen zuvor nicht gut gespielt und die Mannschaft hat sich in Köln, aus meiner Sicht, taktisch nicht klug verhalten. Und es hat sich gegen Bremen anfangs auch fortgesetzt. Wieder ein Spiel, wo wir in der ersten Halbzeit schon fast geschlagen waren, auch wenn die Mannschaft in der zweiten Halbzeit mit einer kämpferisch überzeugenden Leistung das Spiel drehen konnte. Aber es ist auch wichtig, dass man der Öffentlichkeit klar macht: Damit sind wir nicht einverstanden! Das war auch keine Trainerkritik, sondern allgemeine Kritik, wie die Mannschaft aufgetreten ist. Dass das der ein oder andere als Trainerkritik verstanden hat oder verstanden wissen wollte, dann ist das nunmal so, aber damit muss man im Bundesligageschäft auch umgehen können. Es muss nicht nach jedem Spiel kritisiert werden, aber ich sage immer: Wehret den Anfängen, und wir waren auf keinem richtig guten Weg. Es gibt zwar kein "hätte, wenn und aber" im Fußball, aber es hätte auch anders aussehen können: verlieren wir gegen Bremen, fahren wir mit 5 Punkten in 6 Spielen nach Bielefeld und spielen vielleicht da nur Unentschieden. Dann haben wir Gesprächsbedarf. Deswegen war es im Nachhinein besser, das mal anzusprechen und nicht nur alles schön zu reden. Nur wer Kritik verträgt, kann sich verbessern.

SEITENWAHL: Eine kurze Bilanz zu den Transfers des Sommers. Sie haben sieben Spieler verpflichtet und fast alle sind Stammspieler geworden. Ist das eine Bestätigung Ihrer Politik?

Pander: Ich denke, wir haben da nicht so schlecht gelegen. Wir mussten die Qualität erhöhen, passende Charakter holen und, das darf man nicht vergessen, wir mussten uns fragen: was können wir uns wirtschaftlich leisten? Und Borussia hatte im vergangenen Jahr, aus unterschiedlichen Gründen, sehr viel Geld ausgegeben. Mir steht es zwar nicht zu, dass als richtig oder falsch zu bewerten, nur spielte dieser Umstand mit hinein. Ich stelle aber auch klar: der Verein ist finanziell gesund, das ist sicher, aber er ist nicht in der Lage zu sagen: wir geben mal eben 10 Millionen für Transfers aus und gehen das Risiko einer Verschuldung ein. Dann müsste der Verein zu einer Bank gehen und sich das Geld leihen. Ob das im nächsten Jahr anders ist, wenn wir uns sportlich stabilisiert haben, ist eine ganz andere Frage. Bei den diesjährigen Transfers ging es darum, dass sie a) nicht zu viel Geld kosten (dürfen) und b) passen sie in die Mannschaft hinein? Wenn ich heute auf die Tabelle gucke, dann muss ich sagen: Ja, sie passen! Und wenn ich sehe, dass sie die Spieler, die schon länger im Verein sind, verdrängt haben, dann muss ich auch sagen: Ja, sie passen! Dass nicht alle sieben oder acht spielen, weil es manchmal noch nicht ganz so rund läuft, ist klar, aber wenn schon fünf davon spielen, dann ist das in meinen Augen eine ordentliche Transferbilanz.

SEITENWAHL: Kommen wir zu den Positionen im Kader, die auch bei SEITENWAHL als dringend zu schließende Lücken angesehen wurden. Sie hatten im Interview, das Sie uns im Sommer gegeben haben, u.a. gesagt, dass sich "die Innenverteidigung von selbst versteht, da nur noch Jeff Strasser da ist". Nun hatte man im Sommer mit Moore, van Kerckhoven und Pletsch drei Spieler für diese Position abgegeben und diesen Sommer nur den in Deutschland unbekannten Ze António, einen 34-jährigen Thomas Helveg, der diese Position de facto nie gelernt hat, und U23-Spieler Compper geholt. War diese Transferpolitik, gerade für den Bereich Innenverteidigung, nicht fahrlässig?

Pander: Nun, wir hatten immer gesagt, durch die Tatsache, dass wir Bögelund für die rechte Abwehrseite verpflichten konnten, Milan Fukal diese Position in der Innenverteidigung auch spielen kann. Der Milan hat sich da ein bißchen gesträubt, aber er ist prädestiniert für diese Position und hat das einige Male bewiesen, dass er das spielen kann. Thomas Helveg ist erfahren und routiniert, hat mir in den Gesprächen selber signalisiert, dass diese Position für ihn kein Problem sei und, das muss man fairerweise sagen, Thomas hat in der Vorbereitung hervorragend gespielt. Auch gegen den PSV Eindhoven, die mit einigen guten und schnellen Stürmern hier angetreten sind, hat er das hervorragend gelöst. Er ist dann leider in München schlecht ins Spiel gekommen, holt sich die Verletzung und ist seitdem ja nie wieder richtig in Tritt gekommen. Ze António ist eine richtig gute Verstärkung geworden, er präsentiert sich klasse. Auch Strasser hat sich wieder stärker präsentiert nachdem er raus war aus der Mannschaft. Natürlich wäre es wünschenswert gewesen, vielleicht noch einen Innenverteidiger zu bekommen. Es waren ja einige Namen im Gespräch. Ich habe mir Granqvist auch angeguckt, klar. Ich muss aber ehrlich sagen: ich habe da ein Spiel gesehen, 2:5 verloren, er spielte da gegen Sören Larsen und hat ganz schlecht ausgesehen. So kam ich zu dem Ergebnis, dass er uns nicht sofort weiterhelfen kann. Zu van Kerckhoven: er kam zu mir und sagte "Herr Pander, wären Sie eher hier gewesen, wäre ich auch geblieben.". Er kam in Belgien aber nicht mehr raus. Da kamen dann auch Tipps bei mir an, ich solle doch eine Million Euro Ablöse an Westerlo zahlen. Sowas kann man doch keinem vermitteln! Aber, und das muss man auch sehen, wir haben mit Stand 8. Spieltag die viertbeste Abwehr, das muss auch irgendwo herkommen.

SEITENWAHL: Kandidaten für die Innenverteidiger-Position waren ja durchaus vorhanden, wenn auch nicht alle von Ihnen kommentiert worden sind: z.B. Frank Fahrenhorst, Eder Guterres von Boavista Porto, der eben schon angesprochene Andreas Granqvist und Daniel Agger, der inzwischen bei den Bayern auf Interesse gestoßen ist. Bei Agger hatte sein Verein Bröndby Kopenhagen unmittelbar nach den ersten Interessensbekundungen eine horrende Ablösesumme....

Pander: Fünf Millionen!

SEITENWAHL: ...gefordert. War Daniel Agger demnach wirklich ein Thema?

Pander: Sportlich ja, finanziell keine Chance. Ich kenne Bröndby Kopenhagen sehr genau, weiß, mit welchen Forderungen die antreten und mit denen können Sie auch nicht verhandeln. Die sagen, wenn Ihr nicht wollt, dann kommt ein englischer Verein und zahlt die geforderten fünf Millionen. Fahrenhorst war sicherlich eine Überlegung. Und ich kann auch sagen, dass es mehr als eine Überlegung war, wo die Bremer aber eine Zahl genannt haben, wo ich sagen musste: Leute, das kann's nicht sein! Sportlich hätte man das sicherlich machen können.

SEITENWAHL: Nochmal zu Granqvist. Sie hatten einmal gesagt, dass ein Verein wie Borussia auf dem Transfermarkt einfach schneller sein muss, um Transfererfolge erzielen zu können. Bei Bögelund war man anscheinend schneller....

Pander: Absolut!

SEITENWAHL: ..aber dennoch: wenn man einen Granqvist als Perspektivspieler ansieht, was Sie ja getan haben, und man weiß, dass größere Verein schon die Fühler nach ihm ausgestreckt haben, muss man da nicht einfach sagen: Wir holen ihn, wenn der Preis stimmt, unabhängig davon, ob er uns sofort weiterbringt?

Pander: Ja, aber wenn Sie abwägen müssen: geben Sie 1,5 Millionen für einen Perspektivspieler aus und er hilft nicht sofort, muss man sich gerade dieses Jahr bei Borussia die Frage stellen, ob es das wert ist. Können wir uns das im Moment leisten? So viel Geld für einen Nachwuchsspieler auszugeben, der uns vielleicht erst in zwei oder drei Jahren hilft? Denn leider hat man in Deutschland oft nichts anderes zu tun, als einen Nachwuchsspieler, der so viel Geld gekostet hat und vielleicht die ersten Spiele nicht spielt, sofort in Frage zu stellen. Das wird in England, Spanien oder Italien überhaupt nicht gemacht. Diese Geduld hat man gerade in Mönchengladbach nach diesem letzten Jahr eben nicht. Die Leute wollen, dass die Mannschaft sofort besser wird. Ob wir in einem Jahr so weit sind zu sagen: wir sind gut aufgestellt und holen mal ein Talent, muss man sehen. Wir beobachten den internationalen U21-Markt sehr genau und da sind einige auf der Liste, die sehr interessant sind. Junge Spieler brauchen aber eine gewisse Zeit und die hat man nur, wenn man sportlich in ruhigeren Gewässern ist. Wenn Sie einen Granqvist ansprechen, dann müssen Sie auch sehen, auf welchem Niveau der in Schweden spielt! Ich sage jedem: fahrt da mal hin und Ihr werdet sehen, dass das teilweise noch nicht einmal Zweitliganiveau ist. Er hat in der U21-Nationalmannschaft gut gespielt, wir beobachten ihn auch aktuell, aber die Aussage auch von ausländischen Scouts ist: er ist zur Zeit in seiner Entwicklung stehengeblieben, trotzdem bleibt er in Beobachtung.

SEITENWAHL: Sie erwähnten, dass Sie den internationalen Nachwuchsmarkt beobachten. Hätten Sie die fünf Millionen für Rafinha, die der FC Schalke 04 bezahlt hat, auch investiert, vorausgesetzt, man hätte das Geld?

Pander: Ja, weil ich ihn gesehen habe.

SEITENWAHL: Bei seinen Auftritten bei der U20-WM?

Pander: Ich habe ihn auch in Brasilien gesehen, als wir Kahe beobachtet haben. Rafinha ist ein Topspieler, sicherlich. Ob die fünf Millionen gerechtfertigt sind, ist eine andere Frage, aber diese Frage kann man bei jedem Transfer stellen. Wir haben in Brasilien jemand, der für uns intensiv scoutet, der uns 14-täglich die Reports schickt und uns auch zu diesem Spieler klare Aussagen gemacht hatte.

SEITENWAHL: Die zweite Problemzone im Kader ist und war die des offensiven Mittelfelds. Sie hatten im gleichen Interview im Sommer diesbezüglich erwähnt, dass "die Konkurrenz im Mittelfeld erhöht werden muss". Heinz wurde verkauft, Thomas Broich war zu Saisonbeginn nicht in Topform, Peer Kluge ebensowenig, Thijs verletzte sich und letztlich wurde Kristian Listzes geholt, den man schon Wochen vorher hätte holen können, da er ohnehin vertragslos war. Auch hier waren Alternativen im Gespräch, Nakamura z.B.; Scheitert es dann immer nur am Geld oder ist man einfach nicht bereit, mal etwas mehr zu investieren, wenn man offenkundig Probleme auf dieser Position hat und: musste man schlussendlich Marek Heinz zu diesem Preis verkaufen, obwohl man eigentlich mit ihm geplant hatte?

Pander: Wenn Sie sagen, dass Borussia auf dieser Position schon seit Jahren Probleme hat, dann glaube ich Ihnen das, aber wir können nicht alles auf einmal verändern, das überfordert den Verein. Natürlich habe ich mit Nakamura gesprochen und auch mit seinem Berater. Doch dann kam Glasgow und dann muss man sehen, über welche Zahlen da gesprochen wurde. Vier Millionen Euro, und heute spielt er in Glasgow auch nicht regelmäßig. Hätte bei uns auch anders sein können, denn er ist ein guter Spieler, ohne Frage. Marek Heinz war da, also haben wir mit ihm geplant. Das Ganze nahm dann eine plötzliche Wende, als Galatasary Istanbul kam und sagte, sie wollen den Spieler haben. Dazu die Tatsache, dass Marek Heinz oft und permanent gesagt hat, dass er sich hier unwohl fühle und weg wolle. Natürlich muss man fairerweise sagen, dass sich Marek gesteigert hatte in den letzten Wochen, speziell im und unmittelbar nach dem Trainingslager in Seefeld. Doch dann gab es die Situation, dass Galatasary für den Spieler insgesamt fast 2,5 Millionen Euro geboten hat. Da war für mich, die Vereinsführung und den Trainer klar, dass wir ihn abgeben. Denn er hat, bei all seiner Klasse, gerade in Deutschland zu schwankende Leistungen gebracht, als dass man jetzt sagen könnte, er sei unverkäuflich.

SEITENWAHL: Warum fiel dann die Entscheidung auf Lisztes?

Pander: Ich sage ganz offen, dass wir dann ein wenig in Zeitdruck waren. Die Türken waren, entgegen aller in den Medien verbreiteten Meldungen, erst am Montag vor Ende des Transferfensters hier, um die Verträge zu unterschreiben. Dann habe ich mich Horst Köppel zusammengesetzt und wir haben uns gesagt, dass wir da eigentlich ein bißchen dünn besetzt sind. Wir haben uns dann gefragt und entschieden: warum nicht Lisztes? Wir wussten, dass aufgrund der Vorgeschichten mit Elber, Böhme und Ziege und den Vorwürfen über die alten, verletzungsanfälligen Spieler, dass der Transfer Kritik bringen wird. Aber das haben wir bewusst in Kauf genommen. Er hat den zweitätigen Fitnesstest bestanden und extreme Abstriche im Gehalt hingenommen, das muss man auch deutlich sagen. Ich habe mit Lisztes mal in Wolfsburg verhandelt, bevor er sich den Kreuzbandriss in Bremen zugezogen hatte und ablösefrei war. Damals waren Zahlen auf dem Tisch, da ist er jetzt jenseits von Gut und Böse. Ich sage jetzt, dass ich vor Kristian Lisztes Respekt habe, dass er diesen Vertrag bei Borussia unterschrieben hat. Es bedeutet für uns mehr Chancen als Risiko. Sein erster Auftritt war nicht unbedingt so, wie man sich das vielleicht vorgestellt hat, aber ich kann nicht verstehen, wie der Boulevard ihn nach unserem Sieg gegen Duisburg mit einer "6" bewerten konnte. Das hat kein Spieler einer Mannschaft verdient, die gerade gewonnen hat. Das war einfach unverschämt, einen Spieler so abzustempeln für die Öffentlichkeit. Das ist einfach nicht in Ordnung und das hat er wirklich nicht verdient. Sein Vertrag lohnt sich für ihn nur, wenn er spielt. Aber, um Ihren Gedanken abzuschließen: Marek Heinz war eben erst kurz vor Toreschluss weg und da ist es auf dem Transfermarkt sehr schwierig, noch etwas zu bekommen. Wir waren, das sage ich ganz offen, an Ezekiel Gonzales von Panathinaikos Athen dran, die aber die Türe zugemacht haben, als sie in die Champions-League gekommen sind. Gonzales wollte auch ganz gerne kommen, aber der Verein hat nunmal mit dem Einzug in die Champions-League abgesagt. Prinzipiell ist klar, das Mittelfeld muss torgefährlicher werden.

SEITENWAHL: Ist die Option Bernd Thijs für den Posten des offensiven Mittelfeldmanns denkbar, zumal er in Belgien seine Torgefahr unter Beweis gestellt hat.

Pander: Ich kenne Bernd Thijs nur als defensiven Mann und da sehe ich ihn auch, obwohl ich die taktischen Belange Horst Köppel überlassen will. Mit seiner Größe und seiner Schusskraft ist er aber sicherlich einer, der Torgefahr ausstrahlen kann.

SEITENWAHL: Lassen Sie uns mal ein wenig träumen. Just in der Zeit, in der Borussia einen offensiven Mittelfeldmann suchte, gab der HSV die Verpflichtung von van der Vaart bekannt. Nun wurde in Fankreisen diskutiert, dass, wenn so ein Spieler für fünf Millionen Euro zu haben ist: ist das nicht genau das kalkulierbare Risiko, das Borussia mal eingehen sollte oder ist ein Spieler wie van der Vaart, unabhängig von den Summen, die vielleicht im Hintergrund fließen, für Borussia unbezahlbar und unrealistisch?

Pander: In diesem Jahr ist er unbezahlbar. Horst Köppel hat zwar in einem anderen Zusammenhang gesagt, dass der HSV für ihn ein Vorbild sei, aber ich wäre mit Vorbildern vorsichtig. Borussia muss ihren eigenen Weg gehen. Der HSV hat in den letzten Jahren 20 Millionen Euro investiert. Einen Atouba kenne ich natürlich auch, aber ich weiß auch, was der kostet bei Tottenham. Das sind also kein Kunstgriffe, sondern die Hamburger gehen das Risiko wirtschaftlich auch ein, weil sie in Hamburg und den dortigen Medien einen ganz anderen Anspruch haben. Man darf auch eins nicht vergessen: ein van der Vaart zu Borussia Mönchengladbach nach einem Fast-Abstieg - was glauben Sie, wie da die Vertragsgespräche gelaufen wären? Wenn dann andere Mitbewerber kommen, die international spielen, auch ein schönes Stadion haben und eine Weltstadt bieten können, dann hat man keine Chance. Das sollten die Fans nie vergessen. Also ist es nicht die Frage, ob Borussia nicht bereit ist, dieses Geld auch auszugeben. Der Tag, an auch wir einen solchen Transfer stemmen, muss und wird kommen, keine Frage. Wir werden auf Dauer nicht nur mit Schnäppchen und ablösefreien Spielern weiterkommen, wenn der Anspruch steigt. Aber leider laufen die D'Alessandros und van der Vaarts nicht ablösefrei herum, das ist in der Tat so.

SEITENWAHL: Bereuen Sie Ihre Aussage aus der Sommerpause, dass Sie "auf alle Eventualitäten vorbereitet seien"? Diese Aussage wurde Ihnen ja teilweise, salopp gesagt, um die Ohren gehauen, weil das Umfeld, die Medien und die Fans einen Lisztes z.B. nicht als "Eventualitätslösung" sehen.

Pander: Ich kann mich da nur wiederholen: natürlich habe ich das gesagt und wir sind ja auch darauf vorbereitet gewesen. Denn wenn sich die Transferpolitik nicht so erfolgreich gestaltet hätte dieses Jahr, wären wie heute nicht auf dem 6. Tabellenplatz. Das muss man einfach zur Kenntnis nehmen. Außerdem wollten und mussten wir auch den Kader reduzieren. Wir hatten 28 Spieler im Kader. Ich glaube daher, dass wir die Dinge gut gelöst haben. Als Ulich den Verein verlassen hatte, haben wir mit El Fakiri einen Mittelfeldspieler bekommen, der Fußball spielen kann und läuferisch stark ist.

SEITENWAHL: Aber die Art und Weise, wie El Fakiri hier präsentiert wurde, wirkte schon merkwürdig. Salopp formuliert: er tingelte von Verein zu Verein, in Kaiserslautern wollte man ihn, konnte ihn aber nicht bezahlen, in Mönchengladbach passte dann alles und er bekam einen Vertrag. Für den Außenstehenden alles andere als ein klassisch vorbereiteter Transfer.

Pander: Die Zeit hatte weder Borussia noch ich. Wir hatten doch letzte Saison erst Gewissheit vor dem Leverkusen-Spiel. Dazu die Unbekanntheiten mit einzelnen Spielern. Kommen sie nochmal wieder? Wie schwer wiegt die Verletzung? Außerdem wird doch ein Großteil der Transfers nicht mehr im Mai oder Juni vollzogen, sondern erst am Ende, das kann man doch jedes Jahr sehen. Die großen, internationalen Vereine wollen doch zuerst sehen, ob sie Champions-League spielen, ob sie die Qualifikation für die internationalen Wettbewerbe schaffen, bevor sie sich verstärken.

SEITENWAHL: Haben Sie das Gefühl, dass die Diskrepanz zwischen Anspruch und Realität in Mönchengladbach besonders groß ist?

Pander: Ja, und da gewöhne ich mich gerade dran (lacht). Das ist angeboren und verwurzelt hier. Ich möchte aber auch mal eines klarstellen: ich bin Gladbacher, mein Verein ist Borussia Mönchengladbach. Ich bin nicht hierher gereist, mache meinen Job und gehe wieder nach Hause. Ich fühle mich wohl in der Region, meine Familie ist hier. Ich lebe das hier mit dem Verein und will wirklich, dass es hier nach vorne geht und werde meinen Beitrag dazu leisten. Natürlich fällt es schon auf, dass man zu schnell in Sphären rein will, die man früher mal hatte. Die großen Zeiten sind vorbei und wir werden uns nur mit harter und geradliniger Arbeit weiterentwickeln. Denn es kann auch sehr schnell nach unten gehen. Ich habe das in meiner Zeit in Wolfsburg erlebt, als Gladbach 1999 noch nicht einmal eine schlechte Mannschaft hatte. Da gab es dann Ergebnisse wie 1:7 und 2:8 und man ist am Ende sang- und klanglos abgestiegen. Nach dem Abstieg und dem Wiederaufstieg, den anfänglichen 12. Plätzen dachte man auch, dass es weiter nach oben geht. Letzte Saison war dann wohl für alle der "worst case". Ich erinnere mich noch, als ich hier ankam, wie tief die Stimmung im Keller war.
Nun muss man aber auch im Umfeld die Geduld haben, dass man sieht, da scheint eine Mannschaft zu wachsen, die sich kämpferisch zerreißt auf dem Spielfeld. Man sollte den Spielern auch mal etwas Zeit geben, das ist ganz wichtig. Ich bin trotzdem optimistisch, dass wir weiter unseren Weg gehen mit den Fans, die überragend sind und die auch zur Mannschaft stehen. Wir brauchen aber jetzt ein bißchen Ruhe, wir brauchen auch Vertrauen von den Fans. Das brauchen die Spieler, ich auch sicherlich. Das muss man jetzt alles wachsen lassen.

SEITENWAHL: Reden wir über Giovane Elber. Der Boulevard hat das Thema schon aufgegriffen in den letzten Wochen, Teile der vermeintlich seriösen Medien sprachen vom "Missverständnis Elber", manche Fans spekulieren, dass die Verpflichtung nichts als ein großer Werbegag war. Nun muss man nicht alles kommentieren, was in den Medien kolportiert wird, aber: kann das Thema Elber zum Problem für Borussia werden, wenn er längere Zeit nicht spielt?

Pander: Ich hoffe nicht. Ich habe immer gefragt, wann man Giovane geholt hat? Wie war die Ausgangssituation? Da war ja allen klar, dass er noch verletzt ist. Vielleicht hat er das selber unterschätzt, wie lange er noch braucht, um wieder fit zu sein. Natürlich hat er noch einen riesen Namen, unbestritten. Das sorgt dafür, dass jede Aussage von ihm aufgegriffen wird und schon klingelt das Telefon, wo Sport1.de eine Auskunft dazu haben will. Nur Giovane Elber, das ist nicht böse gemeint, ist auch nur ein Teil des Teams, nicht mehr und nicht weniger. Wir wären doch alle heilfroh, wenn er in einer top Verfassung wäre. Dass Giovane mit dieser Situation nicht zufrieden ist, das mag sein. Ich habe zwei lange Gespräche mit ihm geführt. Eines unter vier Augen, ein zweites in größerem Rahmen, wo auch Mediziner anwesend waren, die ihm das nochmal erklären konnten, wo sein Problem liegt. Es wird der Tag kommen, wo man sagen muss: wo stehen wir? Was kann er für Borussia leisten?

SEITENWAHL: Sein Vertrag läuft aus.

Pander: Ja, 2006. Aber es hilft uns natürlich nicht, wenn wir nur lesen "der Verein hat dies gemacht, der Verein hat das gemacht und damit bin ich nicht zufrieden." Ihm hilft nur konsequentes Training, konsequentes Heranarbeiten. Nach dem Kutzhof-Spiel hat er selber eingesehen, dass es noch keinen Sinn macht.

SEITENWAHL: Hat man ihm mit den ersten Einsätzen nicht einen Bärendienst erwiesen, weil man vielleicht wusste, dass er noch nicht so weit ist? Oder wollte man nur die Medien und die Fans beruhigen, indem man ihm wider besseren Wissens in einen Bundesligakader berufen hat?

Pander: Nein, wir haben uns da nicht leiten lassen von Fanmeinungen oder den Medien. Es war klar, dass wir ein echtes Sturmproblem hatten, nachdem Sonck ausfiel und Sverkos nicht in einer guten Verfassung war. Es war ein Versuch, ob er uns schon helfen kann. Er und wir haben aber gesehen, dass es noch deutlich zu wenig war, auch für seinen Anspruch. Ich habe ihm auch gesagt: "Giovane, Du hast immer noch einen großen Namen. Also überlege Dir, ob Du Dir das antun willst. Mit Deinem Namen stehst Du mehr unter Beobachtung als die anderen Spieler."

SEITENWAHL: Muss man als Verein dann aber nicht einschreiten, wenn von einem Spieler in der Presse als "Missverständnis" oder "Totalausfall" gesprochen wird?

Pander: Menschlich ist er hervorragend, er ist im Team integriert. Seine Mentalität ist nunmal eine andere, er ist ungeduldig. Ich akzeptiere die Bezeichnung "Missverständnis" auch nicht. Der Verein hat ihm einen Vertrag gegeben und das ist Fakt. In der Winterpause wird man sich zusammensetzen und Bilanz ziehen, dann sehen wir weiter. Wenn er wieder 80 bis 90 Prozent Leistungsfähigkeit erreicht, ist dem Verein Borussia Mönchengladbach schon deutlich geholfen.

SEITENWAHL: Wagen wir nun einen Ausblick auf den Winter. Sind im zweiten Transferfenster auf den nach wie vor vakanten Positionen weitere Verstärkungen geplant oder schon Spieler in Beobachtung?

Pander: Es sind Spieler in Beobachtung, nur bitte ich um Verständnis, dass ich keine Namen nennen werde. Aber ich kann auch nicht versichern, dass jemand verpflichtet wird. Wenn eklatante Probleme auftreten, wollen wir vorbereitet sein. Wintertransfers sind nicht immer richtig, denn es ist immer schwierig, in eine intakte Gruppe neue Spieler zu integrieren. Dennoch müssen wir uns die Option offen halten. Wir schauen aber vor jeder Verpflichtung, ob wir nicht einen jungen Spieler haben, der wir anstattdessen integrieren können.

SEITENWAHL: Stichwort junge Spieler. unserer Meinung nach verfügt Borussia über ein Juwel in den Reihen, das bis dato aber noch nicht gespielt hat: Eugen Polanski. Man hatte den Eindruck, dass Horst Köppel sich am Anfang der Saison, als der Druck von außen größer wurde, noch nicht getraut hat, junge Spieler wie Compper und Polanski spielen zu lassen. Fehlt da manchmal ein wenig Mut?

Pander: Man muss eines sehen. Eugen hatte im Sommer eine Menge Spiele, er kam angeschlagen von den Auswahlmannschaften zurück. Heute (Montag) kommt er mit Muskelfaserriss von der U21-Nationalmannschaft zurück. Man hat schon im Trainingslager gemerkt, dass er relativ müde ist. In Kutzhof, wo man gegen einen nicht wirklich überragend starken Gegner gespielt hat, hat man schon sehen können, dass er in einer nicht guten Verfassung war. Das ist keine Kritik, aber er war da nicht so gut drauf. Fakt ist auch, dass, wenn ein junger Spieler gut ist, wird er auch spielen. Horst Köppel sieht die Spieler jeden Tag im Training und wer sich da anbietet, wird seine Chance bekommen.

SEITENWAHL: Marcell Jansen ist in Vertragsverhandlungen, das konnte man in der Presse lesen. Wie ist da der aktuelle Stand? Immerhin ist sein Marktwert in den letzten Monaten deutlich gestiegen.

Pander: Wir kennen den Vertrag und wollen ihn anpassen. Wirtschaftlich soll er sich verbessern. Sein Vertrag geht ohnehin bis 2008. Dennoch werden wir das nicht überdimensionieren.

SEITENWAHL: Können Sie das über die Presse verbreitete Angebot von Arsenal London für Marcell Jansen bestätigen?

Pander: Nein.

SEITENWAHL: Bei weiteren sieben Spielern läuft der Vertrag zum Ende der Saison aus. Christian Ziege soll an dieser Stelle ausgeklammert werden. Es bleiben Böhme, Keller, Neuville, Lisztes, Elber und Kampa. Wann werden Sie diese Verhandlungen aufnehmen? Wollen Sie da frühzeitig Ruhe und Gewissheit haben oder warten Sie gegebenenfalls bis zum Frühjahr um zu sehen, wie sich die Spieler entwickeln? Zumal mit Elber, Böhme, Keller und Neuville Spieler betroffen sind, die alle über 30 Jahre alt sind.

Pander: Wir müssen ja eines sehen: Keller und Neuville sind Aktivposten in der Mannschaft. Bei beiden besteht die Option, dass sie noch ein weiteres Jahr bei Borussia bleiben. Im Grunde wäre es für mich einfach, denn ich bräuchte nur die Option ziehen, dann wäre das Thema sowieso erledigt, aber vielleicht gibt es hier und da noch Gesprächsbedarf. Bei Böhme und Elber wird man den Entwicklungsprozess nach den Verletzungen abwarten. Lisztes hatte ich schon erwähnt, er hat auch sehr viel Geld verzichtet und will sich hier nochmal präsentieren. Er hat es also selbst in der Hand. Von daher können wir in den Vertragsfragen relativ entspannt sein.

SEITENWAHL: Lassen Sie uns über die allgemeine Stellung des Vereins reden. Die Verein belegt einen 6. Tabellenplatz, stellt wieder zwei deutsche Nationalspieler, die U23 ist Tabellenführer, die U19 ebenso. Ist das eine schöne Momentaufnahme oder erkennt man langsam die Investitionen der Vergangenheit und die Geduld, die man gerade im Amateur- und Jugendbereich hatte?

Pander: Im Jugend- und Amateurbereich wächst definitiv was. Natürlich wird da zur Zeit etwas gesät, das wir später mal ernten wollen. Der 6. Tabellenplatz sollte dennoch nicht zum Träumen verleiten. Denn nicht alle Spiele waren bisher so, wie wir uns das vorgestellt haben und ich bin der Erste, der das selbstkritisch so sieht. So ein Spiel wie das gegen Mainz gibt man eben, wie vor einem halben Jahr gesehen, bei entsprechender nervlicher Belastung noch ab. Da müssen wir also noch stabiler werden. Wenn wir weiter nur auf diesem Niveau spielen, dann geht das Spiel auch mal verloren oder unentschieden aus. Wir dürfen bei Borussia aber eines nicht machen: wir müssen den Tabellenplatz, wie auch immer er zustande gekommen ist, auch annehmen und nicht nur das Negative rausziehen.

SEITENWAHL: Das Fanlager ist zur Zeit natürlich ruhig...

Pander: Das kann ich mir denken. Man steht vor Köln, man ist die Macht am Rhein und das sieht auch gut aus. Dennoch kann das in drei Wochen auch wieder anders aussehen. Wichtig ist dabei nur, dass man dann ruhig bleibt, wenn man mal wieder auf einem 10 oder 11. Tabellenplatz steht. Man darf und soll sich ruhig freuen, aber auch realistisch bleiben, wenn mal eine Schwächephase kommt, die definitiv kommen wird.

SEITENWAHL: Sind Sie dann der Erste, der auch auf die Euphoriebremse tritt?

Pander: Absolut. Aber man wird ja schon gefragt, ob es eine veränderte Zielsetzung gibt. Nach dem Mainz-Spiel. Totaler Quatsch! Die Kölner haben auf Platz 4 auch schon begonnen zu träumen und drei Spiele später haben wir sie wieder überholt. Wir wollen alle gemeinsam, dass es besser wird. Wir wollen stabiler werden und in zwei oder drei Jahren ist dann vielleicht etwas mehr möglich. Momentan bleibt unser Ziel, dass wir eine ruhige Saison spielen wollen.

SEITENWAHL: Zum Abschluss, was ist mit dieser Mannschaft aus Ihrer Sicht möglich, wenn alle fit und eingespielt sind? Ist da nicht mehr möglich als Platz 10?

Pander: Im Fußball ist alles möglich. Eine Mannschaft wie der VfL Bochum hat UEFA-Cup gespielt. Wenn man einen guten Lauf hat und das Selbstvertrauen da ist, wenn man das nötige Glück auch hat, dann ist auch mehr als Platz 10 drin...... Platz 9 zum Beispiel. (lacht).

SEITENWAHL: Für den Fall der Fälle: wird Borussia für den UI-Cup melden nächstes Jahr?

Pander: wenn die Tabellensituation es hergibt, natürlich. Es wird ja nur noch ein Platz vergeben, der sechste..... leider.

SEITENWAHL: Herr Pander, vielen Dank für das ausführliche Gespräch!