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Borussia setzt Ausrufezeichen |
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Geschrieben von Mike Lukanz
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Mittwoch, 17 Januar 2007 |
Mit einem vor allem in der ersten Halbzeit
überragenden Konter- und Offensivfußball, den man in Mönchengladbach lange
vermisst hat, schlug Borussia im letzten Testspiel des Trainingslagers die
chinesische Nationalmannschaft mit 4:0 im EM-Stadion in Faro. Bereits zur
Halbzeitpause stand das Endergebnis fest, das durch zwei Tore von David Degen
und je eines von Federico Insua und Wesley Sonck zustande gekommen war. Nach
diesen sieben Tagen an der Algarve und drei Siegen in drei Testspielen reiste
die Mannschaft um den zufriedenen Trainer Jupp Heynckes heute Morgen zurück
nach Deutschland.
Wie es nach den Eindrücken vom Spiel gegen den FC Falkirk zu
erwarten war, bot Jupp Heynckes im Testspiel gestern seine zurzeit stärkste
Formation auf. Vor Torhüter Keller bildeten Neuzugang Steve Gohouri und Ze
António die Innenverteidigung, die in der Hinrunde lange Zeit verletzten
Marcell Jansen und Kasper Bögelund die Außenverteidigung. Bernd Thijs spielte
vor der Abwehr, unterstützt von Eugen Polanski (links) und David Degen (rechts)
auf den Flügeln, dazu Federico Insua als offensiver Spielmacher hinter den
Spitzen Mikkel Thygesen und Wesley Sonck.
Bereits nach wenigen Minuten war zu erkennen, dass Borussia
aggressiv zu Werke ging. Bei gegnerischem Ballbesitz rückten die Feldspieler
weit in die Offensive, um die technisch versierten Chinesen, die ohne sechs
Stammspieler angetreten waren, im Spielaufbau zu stören. Nach sieben Minuten
schlug der souverän aufspielende Ze António einen langen Pass auf den rechten
Flügel, der von einem chinesischen Verteidiger vor David Degen abgefangen
wurde. Der Schweizer setzte jedoch sofort nach und eroberte damit den Ball
zurück. In vollem Sprint überlupfte er einen zweiten Verteidiger, um
abschließend auch den chinesischen Torwart mit einem gefühlvollen Heber zu
überwinden. Ein phantastisches Tor von
David Degen, der auch danach auf der rechten Seite im Verbund mit Kasper
Bögelund offensivfreudig und spielstark agierte.
Knapp zwei Minuten später wurde eine kleine Unaufmerksamkeit
in der Abwehr fast mit dem sofortigen Ausgleich bestraft. Den Schuss eines chinesischen
Stürmers konnte Marcell Jansen nur noch abfälschen, doch Keller war mit einem
Reflex zur Stelle und lenkte den Ball aus kurzem Winkel über die Latte. Nach
dieser turbulenten Anfangsphase beruhigte sich das Spiel etwas, ohne auf
Borussias Seite an Tempo und Zielstrebigkeit zu verlieren. Die Pässe wurden
meist direkt gespielt, die Flanken wurden oft gewechselt und der Gegner trotz
der eigenen Führung weiter früh gestört. Die rechte Seite um Bögelund und Degen
war hierbei stärker als ihr Pendant mit Marcell Jansen und Eugen Polanski auf
dem linken Flügel.
In der 34. Minute ein nächstes Highlight. Der sehr
laufstarke, aber etwas glücklose Thygesen schlug vom rechten Flügel eine lange
Flanke an das linke Strafraumeck, wo Wesley Sonck den Ball mit seinem schwachen
linken Fuß volley nahm. Technisch sauber getroffen, aber zu unplatziert, fiel
der Schuss Torwart Yang Ling in die Arme. Diese Szene war jedoch nur der Auftakt
zu einer Schlussphase, die durch Tempo, Zielstrebigkeit und Spielwitz vollends
überzeugte. Eine Minute nach Soncks Volleyschuss lief Thygesen mit dem Ball in
Richtung Strafraumgrenze, wo er mangels freistehender Mitspieler kurz stoppte. Aus
dem Rückraum sprintete Degen zwischen die Abwehrreihe, Thygesen reagierte
geistesgegenwärtig und lupfte den Ball über die Abwehrreihe der Asiaten. Degen
umspielte den Torwart, wurde aber zur Außenlinie abgedrängt. Dort verlud er den
Torwart ein zweites Mal und schoss aus kurzer Distanz zum 2:0 ins Tor.
Weitere 180 Sekunden später erkämpfte sich Bernd Thijs am
Mittelkreis den Ball durch energisches Pressing, als die Chinesen in der
Vorwärtsbewegung waren. Thijs passte sofort auf Sonck, der den Ball in hohem
Tempo Richtung Strafraum trieb. Wieder war es Degen, der vom rechten Flügel in
den Strafraum sprintete und von Sonck in Szene gesetzt wurde. Mit einer
Schussfinte ließ er zwei Verteidiger ins Leere rutschen, passte in die Mitte
auf Insua, der den Ball annahm und locker ins linke, untere Eck zum 3:0
einschob.
Den Schlusspunkt dieser überzeugenden Halbzeit setzte dann
Wesley Sonck. Erneut war es ein Ballgewinn der Defensive, der dem 4:0 vorausging.
Insua passte scharf auf den rechten Flügel, wo Bögelund einige Meter lief, um
danach aus vollem Lauf perfekt zwischen Torwart und gegnerischer Abwehrlinie an
den zweiten Pfosten zu passen, wo Sonck wartete. Der Belgier besaß in diesem
Moment noch die Ruhe und Übersicht, um den Ball gegen die Laufrichtung des Torwarts
ins Tor zu lenken.
In der Halbzeitpause rieben sich Journalisten und die rund
einhundert mitgereisten Fans verwundert die Augen ob der Darbietung der
Borussia in der ersten Halbzeit, was zu einigen Gesprächen im eigens für das
Spiel eingerichteten Catering-Bereich führte.
Jupp Heynckes wechselte in der Halbzeitpause nicht aus und
es dauerte zehn Minuten, bis die nächste Chance für Borussia zu verzeichnen
war. Eine Flanke von der rechten Seite veranlasste Wesley Sonck, einen
Torschuss per Seitfallzieher anzusetzen, doch traf er den Ball nicht richtig. Das
Spiel verlor nun deutlich an Tempo. Borussia agierte nach wie vor konzentriert,
verwaltete das Spiel jedoch etwas mehr. Jupp Heynckes nutzte die Zeit für zwei
Wechsel. Thygesen, der bereits vor dem Spiel aufgrund einer leichten Erkrankung
angeschlagen war, verließ das Spielfeld und wurde durch den etwas defensiver
agierenden Oliver Kirch ersetzt, so dass Borussia auf ein 4-5-1 umstellte.
Weiter kam Frederic Löhe zu seinem ersten ernsthaften Einsatz, als er unter
großem Applaus für Kasey Keller eingewechselt wurde. Jupp Heynckes bedankte
sich mit dieser Einwechslung für den Einsatz und das Engagement von Löhe, der
als dritter Torwart und aus der A-Jugend kommend mit an die Algarve geflogen
war.
In der 67. Minute schlug der solide, aber unauffällig
spielende Eugen Polanski eine Ecke von der linken Seite in den Strafraum, wo
sich Wesley Sonck am zweiten Pfosten durchsetzte, den Ball aber nur gegen die
Latte köpfen konnte. Unmittelbar danach verließ auch Nationalspieler Jansen das
Feld, für ihn kam Robert Fleßers in die Partie. David Degen hatte 20 Minuten
vor dem Ende eine weitere große Chance nach einem Konter, doch anstatt in die
Mitte auf den freistehenden Sonck zu passen, versuchte es Degen mit einigen
Kabinettstückchen, was abschließend zum Ballverlust führte. Das Spiel war
längst entschieden, doch Wesley Sonck zeigte dem Schweizer mit Gesten und
Ausrufen deutlich, was er von diesem Eigensinn hält. Auch wenn Degen leicht
lächelnd den Kopf schüttelte: Sonck ist Stürmer, und Stürmer wollen Tore
schießen, ganz egal, ob es 0:0 oder 4:0 steht.
Die Chinesen übernahmen in dieser Phase etwas deutlicher die
Initiative, auch bedingt durch die vielen Wechsel bei Borussia. So kamen in der
letzten Viertelstunde des Spiels noch Kahê, Svensson, Helveg und Kluge für
Degen, Gohouri, Bögelund und Polanski. Frederic Löhe konnte sich in dieser
Phase bei einigen Fernschüssen und Ecken der Chinesen auszeichnen und somit
beweisen, dass er nicht zu Unrecht eine Woche bei den Profis trainieren durfte.
15 Minuten vor dem Schlusspfiff kam es noch einmal zu einer
schönen Kombination über Insua. Der Argentinier „tunnelte" einen Gegenspieler,
schlug aus dem Fußgelenk einen weiten Pass auf den linken Flügel auf Kahê. Der
Brasilianer trabte leicht mit dem Ball Richtung Strafraum und wartete auf
nachrückende Mitspieler. Danach der kluge Pass in die Mitte auf den
mitgelaufenen Insua, der sofort abzog, doch nur in die Arme des Torwarts
zielte. Die letzte Chance des Spiels hatte dann Peer Kluge, der wie David Degen
in der ersten Halbzeit den Torwart der Chinesen mit einem Heber überlisten
wollte, doch nicht so genau zielte wie Degen 80 Minuten zuvor.
Borussia setzte mit diesem Spiel den positiven Höhepunkt des
einwöchigen Trainingslagers. Das Ergebnis kann und darf allerdings keinen
Anlass geben, um die kommenden Aufgaben in der Rückrunde als Selbstläufer zu
betrachten. Dennoch: nach den spielerisch schwachen bis katastrophalen
Leistungen der Hinrunde setzte die Mannschaft von Jupp Heynckes mit diesem
Spiel ein Ausrufezeichen. Die Art und Weise, wie das Ergebnis zustande kam, ist
die logische Konsequenz der konzentrierten Arbeit im Trainingslager. Jupp
Heynckes zeigte sich nach dem Spiel dementsprechend zufrieden und bestätigte,
dass seine Mannschaft speziell in der ersten Halbzeit das umgesetzt habe, was
seit Trainingsauftakt intensiv geübt wurde. „Da die Ergebnisse der Laktatwerte
zu Beginn des Trainings Anfang Januar überragend waren, haben wir die
Schwerpunkte auf taktisches Verhalten gelegt. Frühes Pressing und schnelles
Spiel in die Spitzen.", so Heynckes nach dem Spiel. Es gelte, diese Leistungen
nun in den Spielen im Rahmen des Turniers in Düsseldorf und gegen den RSC
Anderlecht zu bestätigen, um dann gut vorbereitet in Cottbus in die Rückrunde der
Bundesliga zu starten.
Nach dem Spiel kam es zu euphorischen Szenen zwischen Fans
und Mannschaft. Jupp Heynckes wurde lautstark gefeiert, die Mannschaft mit
einem lauten „kommt raus, wenn ihr Borussen seid" zum Mitfeiern aufgefordert. So
entstand zum Abschluss ein großes und versöhnliches Bild zwischen Borussia und
ihren Fans, als sich die Spieler zwischen die Anhänger stellten und alle
gemeinsam, dirigiert von Nando Rafael, den Klassiker „es gibt nur eine
Borussia" sangen. Ob es, wie von einem Fan bemerkt, der „Geist von Portugal"
sein wird, der die Mannschaft durch die Rückrunde begleiten wird, sei
dahingestellt. Entscheidend wird der Auftritt in Cottbus sein, dessen ist sich
vor allem Jupp Heynckes bewusst. Doch er ist vorsichtig optimistisch. Ein guter
Teamgeist, gesunde Leistungsträger und ein spielerischer und taktischer
Fortschritt - erarbeitet im Trainingslager - machen Mut!
Borussia: Keller (67. Löhe) - Bögelund (79. Helveg), Gohouri
(79. Svensson), Zé Antonio, Jansen (71. Fleßers) - Thijs, Polanski (79.
Kluge), Degen (76. Kahê), Insua - Sonck, Thygesen (79. Kirch).
Tore: 1:0, 2:0 Degen (7., 35.), 3:0 Insua (38.), 4:0 Sonck (40.).
Zuschauer: 100.
Aus Portugal berichtete Mike Lukanz
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