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"Der Aufstieg entscheidet sich zwischen Bonn und uns!" |
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Geschrieben von Joachim Schwerin
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Montag, 17 Oktober 2005 |
Mit einem
ebenso verdienten wie geduldig erarbeiteten 1:0-Pflichtsieg gegen den GFC Düren
festigte Borussias U23-Team die Tabellenführung in der Oberliga Nordrhein. Dank
eines sehenswerten Treffers von Andreas Spann in der zweiten Halbzeit bewahrte
die Mannschaft den Vorsprung von einem Zähler auf die ambitionierte Konkurrenz
vom Bonner SC. Nach dem Spiel führten wir ein ausführliches Gespräch mit Trainer
Horst Wohlers, in dem es einerseits um eine Einordnung des bisherigen
Saisonverlaufs, andererseits aber auch um die grundsätzlicheren Ziele seiner
Arbeit und die Integration der Nachwuchsspieler in das Gesamtgefüge des
Vereins, einschließlich der Profimannschaft, ging.
SEITENWAHL: Über das Spiel heute muß man
nicht lange reden. Geduldig weiterspielen, bis irgendwann das Tor fällt, konnte
die Devise nur heißen.
Horst Wohlers: Das habe ich zur Halbzeit auch den Spielern gesagt. Wir
haben zwar einen Elfmeter verschossen, aber wir mußten hinten nur zu null
spielen. Wir haben bislang selbst immer mindestens ein Tor erzielt, und das ist
ja dann erneut geschehen. Wenn der Gegner hinten dicht macht und man selbst
seine ersten Chancen nicht nutzt, kommen eben solche Spiele dabei heraus. Man
muß aber bedenken, daß wir wieder mit einer umformierten Mannschaft spielen
mußten. Schuchardt fehlte uns vorne, und mit Fleßers und Polanski hätten wir im
Mittelfeld viel mehr Druck machen können. Allerdings haben die anderen Spieler
ebenfalls ihre Ansprüche, und solange sie sich in die Truppe einordnen, ist das
in Ordnung. Mit Alexander Krük habe ich heute sogar einen A-Jugendlichen
gebracht...
SEITENWAHL:.. der als linker Außenverteidiger gut gespielt hat...
Horst Wohlers: Er hat mir heute sehr gut gefallen. Ich habe dadurch Dennis
Kempe ins Mittelfeld vorziehen können, wo er besser ins Spiel gekommen ist. Er
ist fußballerisch gut, sehr diszipliniert, was die Abwehrarbeit angeht, und hat
die Position, die normalerweise Marvin Compper spielt, gut ausgefüllt.
SEITENWAHL: Marvin Compper hat heute statt im linken Mittelfeld in der
Innenverteidigung gespielt, wo er gegen Mainz sein Bundesligadebüt gegeben hat.
Man könnte ohnehin denken, Compper sollte in der U23 regelmäßig auf der
Position - sprich Innenverteidiger - eingesetzt werden, die er auch in der
Profimannschaft spielen soll, um diese Rolle besser einüben zu können. War
diese Überlegung ein Grund, ihn heute in die Abwehr zurückzuziehen?
Horst Wohlers: Nein. Marvin kann linke Seite spielen, Innenverteidigung und
Mittelfeld. Ich lasse ihm da seine Freiheiten. Solange ihm Jeff Strasser bei
den Profis vorgezogen wird, muß er bei uns einige Positionen durchspielen; das
tut ihm gut. Ich habe ihn im übrigen gefragt, was er am liebsten spielt. Da hat
er geantwortet: "Das weiß ich nicht. Ich spiele gerne Innenverteidigung,
aber auch gerne außen, nur in der Bundesliga würde ich lieber innen
spielen." Mit Recht, denn das ist ja auch viel einfacher. Wenn Du in der Bundesliga
außen spielst und Druck machen mußt, kannst Du sehr viele Fehler machen. In der
Innenverteidigung hat er das ganze Spiel vor sich, und kopfballstark und
schnell ist er ohnehin. Bundesliga traue ich ihm auf dieser Position ohne
weiteres zu, genauso wie ich Eugen Polanski die Bundesliga zutrauen würde.
SEITENWAHL: Nach den letzten erfolgreichen Bundesligaspielen ist es
sicherlich wesentlich einfacher als zuvor, den Nachwuchsleuten ihre Chance zu
geben. Vorher, als es nicht so gut lief, wußten die Spieler ja selbst, daß
Horst Köppel kaum anders konnte, als auf bekannte Namen zu setzen.
Horst Wohlers: Ja, jetzt, wo es in der Bundesliga ordentlich läuft, sollten
die jungen Spieler häufiger mal über dreißig Minuten oder so ihre Einsätze
bekommen. Marvin Compper hat beispielsweise im letzten halben Jahr einen
Riesensprung gemacht. Er lebt Fußball, und ich wüßte nicht, was ihn stoppen
sollte, in die Bundesliga reinzukommen.
SEITENWAHL: Compper ist ein Beispiel für die Variabilität Ihrer Spieler,
was die Positionen angeht, aber es gibt noch eine Reihe von weiteren: Robert
Fleßers, der in der Nationalelf Innenverteidigung spielt und bei Ihnen
defensives Mittelfeld, oder Marcell Jansen, dessen ganz frühe Ausbildung im
Mittelfeld ihm jetzt als Linksverteidiger zugute kommt. Zielen Sie auf eine
solche Bandbreite an Einsatzmöglichkeiten bewußt ab, oder ist das eher ein
Zufallsprodukt aus der Vergangenheit?
Horst Wohlers: Ich finde es schön, daß nun die U17, die ich ja früher
trainiert habe, die U19 und die U23 alle in derselben Formation spielen. Wenn
ich also wie heute Alexander Krük von der U19 zu uns hole, weiß er genau, was
er zu spielen hat. Klar soll man auch Freiheiten lassen, aber es gibt immer
ein, zwei Positionen, die der betreffende Spieler beherrschen muß, das ist das
Ziel der Ausbildung.
SEITENWAHL: Sie denken also an eine Art Ajax-Schule, in der die Spieler
Jahrgang für Jahrgang aufrücken und sich nahtlos in dieselben ein, zwei
Positionen einfügen können, bis sie dann vielleicht einmal in der Bundesliga
ankommen?
Horst Wohlers: Ja. In der Bundesliga muß man sich dann wirklich
spezialisieren, vorher ist allerdings noch etwas mehr Raum für Variabilität.
SEITENWAHL: Blicken wir nach einem Drittel der Saison auf die Tabelle der
Oberliga. Ist Platz eins für Sie eine Momentaufnahme und bleiben Sie beim Ziel,
unter den ersten fünf zu landen...
Horst Wohlers:...nun, "unter den ersten fünf" beinhaltet ja Platz
eins...
SEITENWAHL:...sicherlich, aber Sie könnten doch Ihre Ziele jetzt nach oben
anpassen?
Horst Wohlers: Ich denke, wenn wir mit der personellen Besetzung
weiterspielen können, die wir in den ersten elf Spielen hatten, dann
entscheidet sich der Aufstieg zwischen Bonn und uns. Ich habe Bonn dreimal
gesehen; das ist ein ganz starker Klub, der von den Leuten und den Strukturen
her das Potential hat aufzusteigen. Wir sollten der Hauptkonkurrent von Bonn
sein, wenn Fleßers, Polanski, Compper und Kirch, der heute erstmals wieder
dabei war und einfach noch Spielpraxis braucht, in meiner Mannschaft regelmäßig
zum Einsatz kommen. Velbert, Uerdingen und Kleve haben auch ihre Qualitäten,
aber nicht auf dem Niveau von Bonn.
SEITENWAHL: Eine gewisse Zurückhaltung bei der Formulierung Ihrer Ziele
wird sicherlich aus der Erfahrung der letzten Jahre verständlich, als Borussia
mehrfach im Laufe der Rückrunde Tabellenplätze eingebüßt hat, weil störende
Einflüsse von außen - etwa durch Abstellungen unzufriedener Profis - vorhanden
waren.
Horst Wohlers: Richtig. Man muß darüber hinaus bedenken, daß wir heute zum
Beispiel fast mit einer kompletten U23 gespielt haben. Nur Harwat und Kastrati
sind älter, und natürlich Schuchardt, der heute nicht dabei war und ansonsten
für Harwat gespielt hätte. Wir haben also in jedem Fall nur noch zwei ältere
Spieler im Team, wenngleich ich natürlich hoffe, daß Peter Wynhoff wieder den
Anschluß gewinnt. Im Grunde aber spielen wir mit einem Team, das vor einem Jahr
noch nahezu komplett in der A-Jugend war. Denken Sie an Fleßers, Levels...
SEITENWAHL:...der eine starke Saison spielt, wie Dennis Puhl...
Horst Wohlers:...der schon etwas länger dabei ist, ja. Aber auch die
anderen alle, van den Bergh, Hoffmann und wie sie alle heißen, entfachen diese
Begeisterung, die wir brauchen. Wir müssen als Mannschaft auftreten,
einschließlich der Spieler in der zweiten Reihe, die irgendwann ihre Chance
bekommen werden: Spann hat jetzt wieder von Beginn an gespielt, Hammes gar zum
ersten Mal.
SEITENWAHL: Bei Spann warten wir immer noch ein wenig auf den Durchbruch.
Vor einem halben Jahr fragten Sie sich selbst noch, warum er auf dem Platz so
wenig Selbstbewußtsein zeigt.
Horst Wohlers: Heute war es besser, vor allem nach seinem Tor merkte ich,
jetzt blüht er endlich auf und gewinnt auch mal einen Zweikampf. Im Training
zeigt er enormes Potential, aber er müßte sich einfach noch mehr überwinden.
Wenn er beißen lernt, hat er alle Möglichkeiten.
SEITENWAHL: Eine andere Sache fällt in dieser Spielzeit ebenfalls auf,
nämlich daß Ihr Team in elf Spielen bereits sechs Platzverweise kassiert hat.
Nun war die heutige gelb-rote Karte für Celik ein Witz, da er deutlich sichtbar
gefoult wurde, der Schiedsrichter ihn aber wegen einer Schwalbe zum zweiten Mal
verwarnte. Dennoch: Hat Ihre Mannschaft ein Disziplinproblem?
Horst Wohlers: Nein. Der Platzverweis heute war ähnlich wie bei Schuchardt
im ersten Spiel, als Schuchardt als Mannschaftsführer mit dem Schiedsrichter
redet, daraufhin gelb sieht und anschließend wegen einer Schwalbe vom Platz
fliegt. Zwei Platzverweise fallen also schon mal aus dieser Rechnung weg. Auch
die rote Karte für Fleßers konnte ich nicht nachvollziehen. Nur Levels und
Rrustemi waren ganz eindeutige Fälle, und die haben schön bluten müssen, indem
sie einen ordentlichen Betrag in die Mannschaftskasse gezahlt haben. Es
entscheidet immer der Trainer, ob einer zahlen muß oder nicht, und das hängt
davon ab, was ich als gravierend ansehe.
SEITENWAHL: Kommen wir auf die Verzahnung zwischen erster und zweiter
Mannschaft zu sprechen. Sie haben eine Reihe talentierter Spieler angesprochen,
von denen einige den Sprung nach oben geschafft haben, während andere
nachdrängen. Gibt es die Überlegung, auch von letzteren ab und an jemanden zur
Belohnung einmal ein paar Tage bei den Profis mittrainieren zu lassen, damit
sie schon einmal oben reinschnuppern können?
Horst Wohlers: Wenn Horst Köppel mal mittwochs ein Spiel machen möchte,
dann gibt es schon die Überlegung, ein, zwei junge Spieler zusätzlich
hinzuzuholen. Andererseits muß ich häufig mit zwölf oder vierzehn Leuten
trainieren, etwa weil einige bei der Nationalmannschaft sind. Da kann man sich
kaum einspielen, so daß es schlecht wäre, wenn noch zusätzliche Spieler nicht
bei uns mittrainieren würden. Sicherlich ist ein Training bei den Profis als
Belohnung gut, aber es reicht derzeit, wenn Polanski, Kastrati und Compper
regelmäßig oben dabei sind.
SEITENWAHL: Wie ist es umgekehrt, wenn Profis nach unten kommen, um
Spielpraxis zu bekommen?
Horst Wohlers: Der Unterschied in dieser Saison ist, daß die, die von oben
kommen, sich voll mit der Mannschaft identifizieren. Horst Köppel hatte sich ja
in der vorigen Saison beschwert, daß er immer Spieler wie Demo oder Pletsch im
Oberligateam mit dabei hatte, die alle gar keine Lust hatten...
SEITENWAHL:...und daß Dick Advocaat mit Horst Köppel auch über diese und
andere Dinge nicht gesprochen hatte...
Horst Wohlers:...überhaupt nicht. Das ist nun ganz anders. Als Horst Köppel
das erste Mal El-Fakiri geschickt hat, war das in Ordnung, denn der wollte sich
ja ins Team spielen. Profis, die nun bei uns spielen, wie auch Thijs, wollen
etwas erreichen. Im letzten Jahr kamen die Spieler runter, weil der
Profitrainer sie weghaben wollte, das ist der große Unterschied. Es ist
wirklich gut, daß Horst Köppel diese Problematik kennt und solche Fehler nicht
wiederholt werden. Nächste Woche wird beispielsweise Melka bei uns im Tor
spielen, der eine ganz schwere Zeit hinter sich hat, aber das ist ebenfalls
voll in Ordnung.
SEITENWAHL: Sie sprachen vorhin die Nachwuchs-Auswahlmannschaften des DFB
an. Wir haben den Eindruck, daß die Länderspielbelastung und die daraus
resultierenden gesundheitlichen Probleme beispielsweise bei Eugen Polanski
bislang eher hinderlich für die Karriere im Verein waren. Wie denken Sie
darüber?
Horst Wohlers: Wenn Eugen Polanski jetzt Bundesliga spielen würde, würde er
gut spielen. Ich denke nicht, daß er durch die Einsätze beim DFB überbelastet
ist. Eugen hat ein Kopfproblem, weil er sich von der bisherigen Saison mehr
erhofft hatte. Darüber rede ich mit ihm auch. Wenn ich Profitrainer wäre, würde
ich ihn vielleicht eher bringen. Er ist zweikampfstark, er ist torgefährlich,
er kann alles. Ich habe ihn anfangs im Training mit den anderen Profis gesehen,
da war er besser als alle anderen. Deshalb hoffe ich, daß er bald seine Chance
bekommt. Andererseits muß man Horst Köppel verstehen. Sein Mittelfeld spielt
derzeit gut, etwa El-Fakiri...
SEITENWAHL:...der eine gute Saison absolviert und von der Öffentlichkeit
stark unterschätzt wird, weil er taktisch klug, aber nicht sehr auffällig spielt...
Horst Wohlers:...ja, El-Fakiri spielt sehr gut und bekommt schlechtere
Bewertungen, als er verdient hätte. Leider ist das gerade eine der beiden
Positionen von Eugen, denn für einen so jungen Spieler sind die Halbfelder
ideal. Die Rolle, die Oude Kamphuis oder Thijs spielt, käme für ihn zu früh.
Zwar käme noch das linke Mittelfeld in Frage, aber da ist Kluge derzeit
wirklich gut. Somit sind die Stammplätze wohl momentan vergeben.
SEITENWAHL: Eugen Polanski hatte zudem das Problem, daß er ausgerechnet im
Pokal gegen Kutzhof zum Einsatz kam, wo er nur verlieren konnte. Compper, der
gegen Mainz ins kalte Wasser geworfen wurde, hatte hingegen eine Situation, in
der er nur gewinnen konnte.
Horst Wohlers: Ja, so etwas ist immer das Schlimmste. Die Erwartungen sind
unrealistisch hoch, Du spielst dann schlecht, aber daß auch alle anderen ganz
schlecht gespielt haben, spielt keine Rolle mehr. Das Kutzhof-Spiel war
untypisch für Eugen Polanski, denn ich kenne ihn anders.
SEITENWAHL: Blicken wir noch kurz voraus. Sie haben noch acht Spiele bis
zur Winterpause. Was haben Sie sich hierfür vorgenommen?
Horst Wohlers: Wir haben schwierige Heimspiele unter anderem gegen
Uerdingen und Velbert. Alle Auswärtsspiele hingegen sind machbar. Die
Zielsetzung ist, daß wir bis zur Winterpause in Tuchfühlung mit Platz eins
bleiben - ob auf diesem Platz oder dahinter. Wir könnten dann planen, denn wir
müßten anders planen, wenn wir in die Regionalliga aufstiegen könnten, und neue
Leute holen, denn wir werden ja auch Abgänge ans Profiteam haben. Mit dem dann
verbleibenden Kader würde die Regionalliga keinen Sinn machen.
SEITENWAHL: Zum Abschluß haben wir eine persönliche Frage. Horst Köppel war
Ihr Vorgänger als U23-Trainer und hat immer betont, wie gerne er im
Nachwuchsbereich tätig sein würde. Dann kam es anders, und plötzlich ist er als
Bundesligatrainer erneut etabliert. Würde Sie ein solcher Sprung zurück ins
große Scheinwerferlicht ebenfalls reizen?
Horst Wohlers: Mir macht die Arbeit im Nachwuchsbereich Spaß, und sie macht
hier noch mehr Spaß, weil die Jungs richtig gut sind. Man sieht ja auch die
Erfolge, wenn die Spieler dann erfolgreich in die höheren Mannschaften kommen.
Ich habe keinen Druck - auch nicht vom Verein - außer dem, den ich mir selbst
mache, und mehr Nervenbelastung brauche ich nicht. Ich habe ja bei Horst Köppel
gesehen, welch brutaler Druck in der Bundesliga entsteht, gerade auch für die
Familie. Ich habe das früher alles schon selbst miterlebt. Ich fühle mich wohl
in Mönchengladbach, wohne und arbeite am selben Ort, und meine Familie hat
keinen Druck. Das ist alles gut so.
SEITENWAHL: Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg und bedanken uns für
das Gespräch.
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