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Eugen Polanski setzt sich hohe Ziele Drucken
Geschrieben von Joachim Schwerin   
Montag, 25 Juli 2005
Mit Marcell Jansen und Marvin Compper hatten im Juni zwei Spieler Borussia Mönchengladbachs maßgeblichen Anteil daran, daß die U20-Nationalelf bei der Weltmeisterschaft in den Niederlanden das Viertelfinale erreichte. Wenige Wochen danach vertreten erneut zwei Borussen bei einem hochrangigen Turnier, der U19-Europameisterschaft in Nordirland, die Farben ihres Vereines. Während Dennis Kempe kurzfristig nachrückte, sich aber bereits über zwei Einwechslungen freuen durfte, gilt Kapitän Eugen Polanski als zentrale Stütze des Teams von Uli Stielike. Er zeichnete sich bislang als Ideengeber und zweifacher Torschütze aus und hatte maßgeblichen Anteil daran, daß die Auswahlelf noch vom Titel träumen darf. Vor dem letzten Gruppenspiel gegen Gastgeber Nordirland, bei dem ein Sieg dem Einzug ins Halbfinale gleichkäme, sprach SEITENWAHL mit dem Kapitän der U19-Nationalmannschaft über das laufende EM-Turnier sowie seine Erwartungen nach seiner Rückkehr zu Borussia.


SEITENWAHL: Herr Polanski, nach dem 3:0 gegen Griechenland im zweiten Gruppenspiel hat sich die Situation der U19 bei der EM entscheidend verbessert. Wie ist derzeit die Stimmung im Team?

Eugen Polanski:
Nach einem 3:0 ist es leicht zu sagen, daß wir gut gespielt haben, aber es ist wichtig, nicht in Überschwang zu verfallen, zumal wir das erste Spiel verloren haben. Wir konzentrieren uns völlig auf das dritte Spiel, um dann ins Halbfinale einzuziehen.

SEITENWAHL:
Wie sind Sie mit Ihrer eigenen Leistung bislang zufrieden? Immerhin haben Sie bereits zwei Treffer erzielt.

Eugen Polanski:
Ohne daß ich meine Tore zähle, habe ich meine Leistung gebracht. In der zweiten Halbzeit des ersten Spieles haben Kevin Boateng und ich im Mittelfeld allerdings zu wenig Defensivarbeit verrichtet, was zu den vier Gegentoren beigetragen hat. Insgesamt aber bin ich bislang zufrieden.

SEITENWAHL:
Wie gehen Sie mit der öffentlichen Äußerung Uli Stielikes um, er habe an Sie als Kapitän auf und außerhalb des Teams besonders hohe Erwartungen, um zum Teamerfolg beizutragen? Ergibt sich daraus für Sie ein besonderer Druck, oder sind Sie diesen Anspruch an sich gewöhnt?

Eugen Polanski:
Ich empfinde das nicht als besonders. Ich bin seit der U15 Kapitän der jeweiligen deutschen Nationalmannschaften. Da wächst man in eine solche Rolle hinein, und es ist für mich selbstverständlich, als Kapitän - gerade auch als Mittelfeldspieler - besonders viel Verantwortung zu übernehmen.

SEITENWAHL:
Nun ist der Termin der U19-EM, die sehr spät in der Saisonvorbereitung stattfindet, ausgesprochen unglücklich. Schadet dies Ihren Chancen auf einen Platz in Borussias Profiteam, und hat Horst Köppel mit Ihnen über diese Situation gesprochen?

Eugen Polanski:
Horst Köppel wollte mich auch lieber in Mönchengladbach behalten, damit ich meine Chance dort nutzen kann. Wir spielen aber auch hier kein anderes Spiel als in Gladbach, und meine Kraft hole ich mir auch durch die Spiele hier in Nordirland. Ich habe gerade noch mit Horst Köppel telefoniert. Er meinte, er sei zufrieden mit mir und wünsche mir viel Glück. Die Situation für mich ist also nicht unbedingt tragisch.

SEITENWAHL:
Seitens Borussias verlautet gestern im Gespräch, daß Ivo Ulich mit größter Wahrscheinlichkeit in den nächsten Tagen den Verein verlassen werde, daß man aber nicht auf dem Transfermarkt nachbessere, weil man mit Ihnen auf dieser Position plane. Wie ist Ihr Kenntnisstand?

Eugen Polanski:
Ich habe hier nichts von dieser Entwicklung mitbekommen. Wenn dem so ist, freue ich mich natürlich darüber, daß der Verein mir diese Rolle zutraut.

SEITENWAHL:
Ein großes Turnier wie eine U19-EM ist eine gute Gelegenheit, sich international ins Rampenlicht zu spielen. Sie haben letzte Saison nur einen Kurzeinsatz in der Bundesliga gehabt, obgleich Horst Köppel immer wieder betonte, wie viel er von Ihnen hält. Nutzen Sie nun die Gelegenheit in Nordirland, sich auch ins Notizbuch anderer Vereine zu spielen, oder suchen Sie Ihre Chance weiterhin ausschließlich in Gladbach?

Eugen Polanski:
In erster Linie will ich meine Leistung für meinen eigenen Trainer im Verein bringen. Wenn mir das gelingt, bekomme ich meine Chance bei Borussia - egal wann. Ich habe erst vor kurzem einen neuen Vertrag unterschrieben, Wenn ich Lust auf einen anderen Verein hätte, hätte ich das nicht getan, insofern ist das für mich gar keine weitere Überlegung wert.

SEITENWAHL: Im Sommer 2003 wurde ein Interesse Chelseas an Ihrer Person kolportiert. Was ergab sich damals bzw. ergab sich nicht, denn ein Wechsel kam ja nicht zustande?

Eugen Polanski:
Das Interesse war da und wurde mir durch mehrere Spielervermittler bekannt. Viel mehr weiß ich aber nicht. Es war ein Zufall, daß damals Mikael Forssell bei Gladbach war, und Chelsea wollte sich ohnehin nicht auf ein Tauschgeschäft einlassen. Ich wäre aber auch nicht gewechselt. Zwar denkt man schon über ein solches Thema nach, aber ich war damals fünfzehn oder sechzehn Jahre alt, da wäre ein Wechsel nach England zu früh gekommen. Ich gehe meinen Weg in Deutschland. So schlecht ist der deutsche Fußball ja nicht...

SEITENWAHL:
...zumal im Nachwuchsbereich bei Borussia. Zwei Gladbacher waren bei der U20-WM, zwei sind jetzt bei der U19-EM - mit Ihnen als Kapitän - und zwei weitere spielen in der U18-Auswahl, darunter Robert Flessers als Kapitän (der vorerst keinen Profivertrag erhalten wird; Anm. d. Red.). Ist das derzeit eine zufällige Häufung an Berufungen oder Beleg für eine systematisch gute Nachwuchsarbeit?

Eugen Polanski:
Vielleicht haben wir im Moment noch etwas mehr Glück mit den Talenten, die wir im Verein haben, aber die Nachwuchsarbeit war immer gut. Jetzt kommen noch die besseren Bedingungen in Gladbach hinzu, die vielleicht die besten in der Bundesliga sind.

SEITENWAHL:
Werden Sie außerhalb Borussias - etwa beim Turnier hier - auf diese besseren Bedingungen angesprochen?

Eugen Polanski:
Wir hatten jüngst das Trainingslager der U19-Nationalelf in Wegberg und haben ein paar Mal auf der neuen Trainingsanlage in Mönchengladbach trainiert. Alle waren begeistert, und selbst die Spieler von Bayern München haben gesagt "so etwas haben wir nicht". Da ist man dann schon stolz darauf, für Borussia Mönchengladbach spielen zu dürfen.

SEITENWAHL:
Wie sehen nun Ihre Pläne für die nächsten Wochen aus, sobald die U19-EM vorbei ist? Kehren Sie unmittelbar zum Profikader zurück?

Eugen Polanski:
Ja. Meinen Urlaub hatte ich, einen Teil der Vorbereitung habe ich ja auch schon mitgemacht. Vielleicht kriege ich einen Tag Erholung, aber dann muß ich versuchen, wieder so schnell wie möglich an die Mannschaft heranzukommen und meine Chance zu bekommen.

SEITENWAHL:
Mit welchen Zielen gehen Sie in die neue Saison?

Eugen Polanski:
Ich gebe mir keine bestimmte Anzahl an Einsätzen vor, möchte aber natürlich so häufig wie möglich spielen und irgendwann einmal in die Stammelf gelangen. Irgendwann, vielleicht nach einigen Kurzeinsätzen, kann der Trainer dann auch sehen, daß ich jemand bin, den man einmal von Anfang an bringen kann.

SEITENWAHL:
Auf welcher Position sehen Sie sich dann bei Borussia? Wir sprachen ja vorhin über die "Ulich-Nachfolge", aber es gibt natürlich noch andere Möglichkeiten...

Eugen Polanski:
Am wohlsten fühle ich mich im zentralen Mittelfeld, ob defensiv oder offensiv. Da ich beidfüßig bin, kann ich aber auch links oder rechts spielen.

SEITENWAHL:
Denken Sie, daß der gute Eindruck, den junge Spieler wie Jansen, Compper und Kirch zuletzt hinterlassen haben, hilfreich für Sie sein wird, Ihre Chance im Profiteam zu bekommen und von den älteren Spielern schnell akzeptiert zu werden?

Eugen Polanski:
Nein. Als ich mit Marcell Jansen zum Profiteam gekommen bin, sind wir bereits sehr gut aufgenommen worden, und uns wurde viel geholfen. Klar will jeder seinen Platz verteidigen, aber Neid hat es nie gegeben.

SEITENWAHL:
Wir haben in früheren Gesprächen oftmals gehört, daß sich der dauernde Personalwechsel bei den Trainern negativ, aber im Einzelfall auch positiv für Nachwuchsspieler auswirken kann. Welches sind Ihre Erfahrungen?

Eugen Polanski:
Auf die Jugendabteilung hatte das wenige Auswirkungen. Zwar kann so etwas negativ sein, aber man hat ja auch gesehen, daß Advocaat Marcell Jansen und mich schnell in den Kader genommen hat, und mit Horst Köppel - der uns von den Amateuren gut kennt - haben wir nun vielleicht sogar noch mehr Glück. Insgesamt ist das derzeit eher positiv für uns. Ich kenne Köppel jetzt seit gut einem Jahr. Er spricht sehr viel mit den Spielern, versucht immer zu erfahren, was wir denken und wie wir uns fühlen. Ich finde das besser, als wenn man weniger reden würde.

SEITENWAHL:
Mit Dennis Kempe ist ein weiterer Borusse im letzten Moment auf den EM-Zug aufgesprungen. Wie schätzen Sie ihn ein?

Eugen Polanski:
Wir spielen seit drei Jahren zusammen, und ich kenne ihn gut. Er ist robust, ein Linksfuß, der über die Außenposition sehr schnell ist. Er kam zwar im letzten Moment hinzu, hat sich das aber in der Zeit davor verdient.

SEITENWAHL:
Zum Schluß möchten wir Sie noch um einen Ausblick auf die laufende EM bitten.

Eugen Polanski:
Ich hoffe, daß wir gegen Nordirland unsere Leistung aus dem zweiten Spiel bestätigen. Wir wären dann im Halbfinale, und wenn uns das gelingt, wollen wir ganz klar Europameister werden.

SEITENWAHL:
Viel Erfolg dabei, und vielen Dank für das Gespräch!