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Arm. Bielefeld - Bor. Mönchengladbach 0:2 |
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Geschrieben von seitenwahl.de
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Samstag, 03 Februar 2007 |
Im 96. Auswärtsspiel seit dem Wiederaufstieg in die 1. Bundesliga konnte die Borussia am heutigen Samstagnachmittag auf der ehemaligen Bielefelder „Alm“ ihren Aufwärtstrend der letzten anderthalb Partien fortsetzen und verdientermaßen drei Punkte mit nach Mönchengladbach nehmen. Borussias Argentinier Federico Insúa hatte die Elf von Jos Luhukay in der ersten Spielhälfte mit seinem ersten Bundesligatreffer bereits folgerichtig in Führung gebracht, ehe unmittelbar vor dem Spielende Marcell Jansen einen von zahlreichen Tempogegenstößen zum zweiten Borussentor des Tages verwerten, das Endresultat herstellen und vor gut 24.000 Zuschauern für den erst 10. Bundesligaauswärtssieg der letzten fünfeinhalb Jahre sorgen konnte.
Auf drei Positionen hatte der
infolge des Rücktritts von Jupp Heynckes in der Verantwortung stehende
Niederländer Luhukay die Anfangsformation im Vergleich zur Partie gegen
Nürnberg unter der Woche verändert. Für den verletzten Bo Svensson, der neben
Thijs, Sonck, Daems und Neuville heute nicht mit dabei war, agierte in der
Innenverteidigung wieder Steve Gohouri, im Mittelfeld ersetzte auf der rechten
Bahn Michael Delura David Degen und für den zuletzt als Stürmer eingesetzten
Mikkel Thygesen war Peer Kluge im Mittelfeld aufgeboten.
In den ersten zwanzig Minuten
der ersten Spielhälfte versuchten beide Teams den richtigen Zugang zum Spiel zu
finden, wobei es bei den gastgebenden Bielefeldern in erster Linie ein Versuch
wurde, bei dem Standardsituationen eine Rolle spielen sollten. Wie auch
Borussia auf der Gegenseite, tat sich aber auch die Arminia schwer eine echte
Gelegenheit herauszuarbeiten, nicht zuletzt weil auch Kasey Keller die ihm
überlassenen Flankenschläge der Arminen in seinen Strafraum entsprechend
festzuhalten wusste. Nach etwa zwanzig Minuten gelangte dann jedoch die
Borussia über eine schöne Kombination über die linke Seite mit Marcell Jansen
zu ihrer ersten echten Torgelegenheit, wobei Michael Delura sich grämen konnte,
dass Bielefelds Torhüter Hain seinen Hackenstoß noch um den Pfosten lenkte und
kurze Zeit später Marcell Jansen mit einem ähnlich gewitzten Versuch - er hatte
sich durch die Bielefeld Reihen geschlängelt und mit dem rechten Fuß den Ball
probiert in das lange Eck zu schlenzen - an der Größe des Bielefelder Gehäuses
scheiterte.
Bereits hier war ersichtlich
geworden, dass die Borussia gedachte an ihre ordentlichen Auftritte gegen
Cottbus (2. Halbzeit) und Nürnberg (beide Spielhälften) anzuknüpfen und neben
dem bloßen Engagement auch ein Stück der vorher viel geforderten
Leidenschaft für sich in die Waagschale
zu werfen. Schon früh im Mittelfeld setzten die Borussen durchaus Grätschen zum
Ball an, so resultierte die Verwarnungskarte für Kahê in der 25. Spielminute
aus einem verzweifelten Versuch den von ihm verlorenen Ball durch einen
derartigen Einsatz zurück zu erobern.
Bevor die Borussia in der 28.
Spielminute über den bis dato sehenswertesten Angriffsspielzug der Partie ihr
Führungstor erzielen konnte, lag ein Treffer für die Hausherren in der Luft.
Doch vermochte Arminenstürmer Wichniarek seine Nachteile in Sachen Körperlänge
nicht durch Sprungkraft wettzumachen und so endete sein Kopfball jenseits der
für Borussia gefährlichen Regionen ihres Tores.
Der bis dato sehenswertesten
Angriffsspielzug der Partie vollzog sich unmittelbar darauf, als Marvin Compper
und Marcell Jansen mit flinken Zuspielen dafür sorgen konnten, dass Peer Kluge
etliche Meter vor dem Strafraum der Hausherren über einen ungestörten
Aktionsradius verfügte. Kluge trieb daraufhin den Ball einige Meter dem Tor der
Bielefelder entgegen und deutete den einen Schussversuch an, den mit den
Zuschauern auch die Bielefelder Defensivspieler erwarteten. Im entscheidenden
Moment jedoch schob Kluge den Ball nicht dem langsam von der Torlinie rückenden
Hain zum Abschlag in die Hände, sondern zu dem auf einer Höhe mit den
Abwehrspielern lauernden Federico Insúa. Der Argentinier nutzte die Gunst der
Situation und überwand Hain, gleichwohl mit einer Portion Glück, da er quasi
lediglich über den Ball wischte, zum 1:0 für die Borussia.
In den ersten Minuten nach der
Führung suchte die Borussia, gerne durch Eckballsituationen, die Chance ihrem
ersten Treffer ein schnelles zweites Tor folgen zu lassen, doch je stärker es
auf die Halbzeitpause zuging probierte sie sich in einer defensiveren
Grundhaltung, der jedoch keineswegs die Giftigkeit im Zweikampf fehlte, die sie
immer wieder in den Genuss von Balleroberungen brachte. Dennoch war es im
Endeffekt Glück, dass die Borussia mit einer Führung im Rücken in die
Habzeitunterbrechung gehen konnte, da beispielsweise in der 42. Spielminute
Steve Gohouri, der ansonsten den spitzfindigen Abdelaziz Ahanfouf im Griff
hielt, auf dem Rasen ausglitt und es nur dem Außenpfosten und einem Hechtsprung
Kasey Kellers zu verdanken blieb, dass der ehemalige Duisburger den Ball dort
nicht zum Ausgleich ins Borussentor einschieben konnte.
Direkt mit Wiederbeginn der
Partie nach der Unterbrechung erlebten die mitgereisten Fans der Borussia die stärksten
Minuten des erstmals in der Rückrunde in der Formation Borussias aufgebotenen
Peer Kluge. Der schon 2001 aus Chemnitz geholte Mittelfeldspieler, der nach 63
Minuten verwarnt wurde, lieferte bis zu seiner Auswechselung in der 72.
Spielminute eine blitzsaubere Partie im defensiven Mittelfeld und konnte über
seine zahlreichen Balleroberungen und über diesen Umstand hinausgehende
Umsichtigkeiten konsequent das Spiel der Borussia beleben und bereichern. Immer
wieder wurden Angriffsversuche der Bielefelder, die noch kurz vor der Pause
durch den ehemaligen Borussen Jörg Böhme eine vermeintlich gute Möglichkeit zum
Torerfolg ausgelassen hatten, somit frühzeitig in Ballbesitz für die Borussia
umgemünzt; es blieb jedoch das große Manko, dass die stets folgenden
Kontersituationen, wie über Insúa nach 50 Minuten, nicht bis zum letzten
Kontakt schlüssig zu Ende gespielt wurden und das Spiel daher lange Zeit nicht
vorentschieden wurde.
Die Bielefelder versuchten mit
fortgesetzter Spieldauer von diesen Quäntchen, die der Borussia in ihrem
Offensivspiel noch fehlten, zu profitieren, in dem sie ihrerseits ihr Risiko
erhöhten und in der Abwehrbewegung zugunsten des Offensivspiels gewisse
Wagnisse eingingen. Erstmals nach einer Stunde infolge eines Freistoßes von Jörg
Böhme waren sie vor dem Borussentor aufgezogen, sechs Minuten danach übte sich
der eingewechselte Eigler mit einem Distanzschuss. Doch Keller konnte diesen Versuch problemlos unter sich
begraben.
Die angesprochene letzte
Konsequenz im Abschluss, des öfteren bereits im Zuspiel in der Offensive, ließ
die Partie unter Zuhilfenahme risikofreudigerer Bielefelder fortan eine
stärkere Wellenbewegung vollführen, bei der die Borussia - wie erwähnt - immer
und immer wieder Gelegenheit bekam für das Endergebnis vorzusorgen. In der 67.
Minute war es der herauseilende Hain, der Jansen den Torjubel versagte, acht
Minuten später setzte der kluge eingesetzte Nationalspieler die Kugel nur
Zentimeter am rechten Pfosten vorbei und zwei Minuten vorher konnten sich, nach
geschicktem Zuspiel Insúas, der eingewechselte El Fakiri und Marvin Compper
nicht einig werden und so versiegte eine weitere Großchance.
Es schien, letztlich, daraus
hinauszulaufen, dass entweder den Bielefeldern der Ausgleich oder der Borussia
das 2:0 gelingen müsse. Hierbei taten die Hausherren der Borussia den
vermeintlichen Gefallen erheblicher Ballverluste in der Vorwärtsbewegung, die
Borussia half den Ostwestfalen aber meist prompt mit zu hektischen Abspielen
aus und brachte den in der Tabelle besserplatzierten Mannen von Thomas von
Heesen damit meist postwendend den gerade abgegebenen Ballbesitz zurück. Hier
wirkte die Borussia unreif, hier spiegelte sich natürlich auch der bisherige
Saisonverlauf und die Historie auf fremdem Platz in den Aktionen wieder. Die
Bielefelder waren so lange Zeit noch nicht geschlagen und versuchten sich immer
wieder entsprechend aufzubäumen, entsprechend aufzubauen. Letztlich aber
leisteten sie sich in den Schlussminuten einen Ballverlust zu viel, der
eingewechselte Fatmir Vata übersah Borussias Kahê, und der Brasilianer in
Borussias Diensten konnte jenen Angriff in der 89. Minute auf Marcell Jansen
weiterleiten. Borussias Eigengewächs ließ sich diese finale Chance auf einen
Torjubel in jener Situation nicht entgehen und überwand Hain.
Wie die Mannschaft auf dem
Rasen, feierten die mitgereisten Anhänger der Borussia auf den Rängen den
ersten Sieg in der Rückrunde, gleichzeitig den ersten Auswärtssieg seit fast 9
Monaten und den tabellarischen Punktesprung von 16 auf 19 Zähler. Zu verdanken
war dieser einer Mannschaftsleistung, wie man sie allwöchentlich benötigt, um
im Existenzkampf eine Möglichkeit auf ein erfolgreiches Ende zu besitzen. Neben
dem erwähnten Kluge und dem formidablen Torschützen Jansen war es insbesondere
die konzentrierte Defensivleistung der gesamten Mannschaft, abgesehen von
allenfalls fünf Minuten gegen Ende der ersten Spielhälfte, die dafür die Basis
leistete.
Deutlich ist aber auch, dass
dieser ersehnte Erfolg auf des Gegners Platz, der Anschluss an die Nichtabstiegsregion
der Tabelle und das Ende des monatelangen Wartens auf einen Sieg in einem
Pflichtspiel überhaupt keinen Wert hat, wenn die Elf es am Ende der nun
anstehenden Woche nicht versteht mit einem Sieg über Mitkonkurrent Aachen
diesem heutigen Erfolg auch vor heimischer Kulisse einen Sieg folgen zu lassen.
Und dabei muss sie sich zwingend bewusst sein und weiter bewusst werden, dass
dies nur mit demselben Feuereifer, mit demselben Teamgeist, mit derselben
Motivation und wenigstens mit derselben fußballerischen Qualität zu leisten
sein wird. Nur dann kann die heutige Partie in Bielefeld im Nachhinein einen
Wert jenseits der Kosmetik erlangen.
Und so endet dieser Spieltag
für Borussia mit einer zur Plattitüde verkommenen Erkenntnis: Das nächste Spiel
ist das schwerste!
Bielefeld: Hain - Bollmann, Westermann, Gabriel, Schuler -
M. Ndjeng (Masmanidis 46), Zuma, Kauf, Böhme (Vata 72) - Ahanfouf (Eigler 58),
Wichniarek
Borussia: Keller - Bögelund, Gohouri, Zé António, Compper - Polanski, Kluge (El Fakiri 72) - Delura, Insúa (Rafael 90), Jansen - Kahê.
Ersatz: Heimeroth - Levels, D. Degen, Thygesen, Baumjohann.
Tore: 0:1 Insúa (28.), 0:2 Jansen (89.)
Zuschauer: 24.000
Schiedsrichter: Florian Meyer (Burgdorf)
Gelbe Karten (Borussia): Kahê, Jansen, Kluge.
Gelb-Rote Karten: -
Rote Karten: -
Besondere Vorkommnisse: Nach
dem Rücktritt von Borussias Trainer Jupp Heynckes vom Mittwoch, 31. Januar,
trug sein Assistenztrainer Jos Luhukay (* 13. März 1963) für die Partie als
Interimslösung die Verantwortung. Das heutige Auswärtsspiel der Borussia bei
Arminia Bielefeld war das 96. Auswärtsspiel seit dem Wiederaufstieg 2001
(bisher: 9 Siege, 28 Remis, 58 Niederlagen). In den beiden vorangegangenen
Partien Borussias in Bielefeld (04/05: 0:0, 05/06: 2:0) war die Borussia unter
Holger Fach und Horst Köppel ebenso gegentorlos geblieben. In der Partie der
Saison 2005/06 gewann Borussia zum bis dato vorletzten Mal auf fremdem Platz in
der 1. Bundesliga. Der heutige Sieg war der erste Auswärtssieg Borussias seit
dem 34. Spieltag der vergangenen Saison, als man im ehemaligen Frankfurter
Waldstadion Eintracht Frankfurt auch mit 2:0 geschlagen hatte. Für Federico
Insúa, im Sommer von den Boca Juniors verpflichtet, war sein Tor der erste
Treffer seit seinem Wechsel zur Borussia.
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