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Home 2006/07 22, A, BL, Dortmund
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Bor. Dortmund - Bor. Mönchengladbach 1:0 |
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Geschrieben von seitenwahl.de
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Samstag, 17 Februar 2007 |
Im sechsten Jahr nach dem Wiederaufstieg in die 1. Fußball-Bundesliga taumelt Borussia Mönchengladbach trost- und wehrlos dem zweiten Abstieg aus der deutschen Eliteklasse entgegen. Auch die Partie im ehemaligen Dortmunder Westfalenstadion, wie schon das Match gegen Aachen, in Bochum, gegen Mainz und in Cottbus ist eine jener Begegnungen gewesen, in denen man mit einer rundum vernünftigen Leistung die zwischendurch stets gelegentlich angedeutete Potenz des eigenen Spiels hätte verdeutlichen und verfestigen können. Der leidenschaftsfreien Borussenmannschaft der Spielzeit 2006/07 fehlt es, wie die Darbietung des heutigen Spieltags unterstrich, dazu jedoch an viel zu vielen elementaren Dingen und deshalb steht sie mit kümmerlichen 16 Saisontreffern 12 Spiele vor Saisonschluss völlig zurecht am Tabellenende.
Auch im dritten Spiel seiner
Amtszeit als Betreuer der Lizenzspielermannschaft beorderte Jos Luhukay die
identische Startformation wie bei seinem Trainerdebüt bei der Borussia auf das
Rasenviereck. In Ermangelung der verletzten Daems und Neuville platzierte er
den nach einer Rangelei mit einem Mannschaftskollegen in der Vorwoche nicht
berücksichtigten Sonck ebenso wieder auf die Ersatzbank wie Bernd Thijs, für
den der bei Luhukay zunächst weiterhin keine Rolle spielende Mikkel Thygesen
seinen Platz im 18er-Kader hatte räumen und stattdessen in der Regionalliga für
Borussias U23 hatte spielen müssen.
Während man sich bei der
Borussia bereits zu Spielbeginn an der Tatsache zu laben schien, dass für „die
Musik" im Signal-Iduna-Park zu Dortmund zunächst die Heimmannschaft
verantwortlich sei, positionierten sich die keinesfalls ohne Skepsis beäugten
Gastgeber vor ihrem Heimpublikum mit energischen Bewegungen in Richtung des
Balles. So dauerte es auch bei der Borussia bis nach dem Führungstreffer der
Dortmunder, der in der 19. Spielminute durch den Schweizer Alexander Frei
erzielt wurde, bis sie zu ersten zaghaften Torschüssen auf das Gehäuse der
Gastgeber kam. Nachdem Michael Delura mit mehr oder minder halben Rückgaben in
der 27. und in der 34. Spielminute dem Dortmunder Keeper Weidenfeller die
unterschwellige Angst vor einer gänzlich beschäftigungsfreien ersten
Spielhälfte nahm, aber erst Marcell Jansens Gewaltschuss am Außennetz der
Dortmunder endete, schien es so als könne sich die Borussia schrittweise aus
der Dortmunder Spieldominanz befreien und ihrerseits den eben bereits vor
Spielstart in der Umkleide verschusselten Spielfaden aufnehmen. In jedem Fall
sah das Spiel der Borussia ab der 27. und bis zur 45. Spielminute
zusammenhängender aus als in jenen ersten 27 Spielminuten, die derweil
ausreichend Gelegenheit boten die Dortmunder Führung zur Halbzeit als verdient
zu umreißen.
Nachdem sich die Gladbacher
Anhänger unter den mehr als 70.000 Zuschauern in der Pausenunterbrechung über
den Zustand der von ihr unterstützten Mannschaft, angesichts der dargebotenen
Armseligkeit in spielerischer wie emotionaler Hinsicht noch gegenseitig
schlimme Fragen stellen durften, machten die ersten Momente der zweiten
Spielhälfte eben jener quasi ausgehungerten Reisegruppe gar die trügerische
Hoffnung, dass ihre Borussia den Ernst der Lage und die Chance der heutigen
Ansetzung fortan doch noch nutzen wollte. So arbeitete sich in der 46. Spielminute
über Marvin Compper Marcell Jansen binnen Sekunden zweimal vielversprechend an
das Dortmunder Tor heran, doch weder der ansonsten blockstumpfe Kahê, dessen
Torschussversuch misslang, noch Federico Insúa, dessen Nachschussgelegenheit
ebenso durch Körperteile eines Dortmunder Gegenspielers vereiltelt wurde,
wussten diese Vorarbeit gewinnbringend umzusetzen.
Und als wenn man aus
Mönchengladbacher Sicht die Uhr danach hätte stellen wollen, bereits vier
Minuten nach dieser ersten echten Torgefahr vor dem Tor der Gastgeber stufte
die Borussia in ihren zielgerichteten Offensivbemühungen kollektiv auf jenen in
die Breite gefächerten Schongang zurück, den sie noch in Bielefeld so angenehm
wie überraschend hatte vermissen lassen.
Dass der Gegner der von Jos
Luhukay angeleiteten Mannschaft am heutigen Spieltage trotz der eigenen
Ohnmacht anfällig war, bewies die Westfalen gleichermaßen in einer zweiten
Spielhälfte, die keinesfalls auf einem guten Niveau absolviert wurde.
So nahmen mehrere Akteure der
Gastgeber, unter ihnen Ex-Nationalspieler Ricken, die teilweise eklatant
offenbarten Räume vor dem Tor von Kasey Keller nicht an und versäumten es den
Spielstand frühzeitig über den Zweifel eines Glückstreffers erhaben zu machen.
In der 54. Spielminute indes war es keinesfalls die Pomadigkeit der Gastgeber
jene kollektive Ohnmacht bei der Borussia nicht auszunutzen, denn dort
scheiterte Torschütze Alexander Frei freistehend an einem glänzenden Reflex des
Kasey Keller; ausgelöst wurde jene brandgefährliche Situation durch die
Unachtsamkeit von Polanski und Compper, wobei der Kapitän der deutschen
Juniorennationalmannschaft den Bärenanteil für das Zustandekommen dieser Chance
der Dortmunder auf seine Kappe zu nehmen hatte.
Auch im Anschluss an diese
sogenannte tausendprozentige Gelegenheit hatten die Dortmunder, die sich gegen
Ende des Spiels in zwei Situationen um einen Elfmeter gebracht fühlten, weitere
Möglichkeiten den vielbesungenen „Sack" frühzeitig zu zu machen. Unter anderem
als Frei mit einem Freistoß in der 59. Minute nur die Latte traf. Dies gelang
ihnen allerdings nicht und so hätten der Borussia, die im Verlaufe der zweiten
Halbzeit den ehemaliger Kaiserslauterer Roman Weidenfeller zu spärlichen
Paraden zwang, beinahe so Situationen noch Erfolg gebracht wie in der 79.
Spielminute, als der eingewechselte Sonck den freistehenden Rafael zu bedienen
gedachte, der in Angola geborene Juniorennationalstürmer aber aus zehn Metern
halbrechts innerhalb des Strafraums den Ball noch nicht einmal zu berühren
vermochte. Somit blieb es letztlich beim leistungsgerechten Erfolg der
Gastgeber, die ihre größte Schrecksekunde zu überstehen hatten, als Steve
Gohouri in der 55. Minute per Kopf Zé António einsetzte und Weidenfeller den
darauf erfolgten Kopfballversuch des Portugiesen gerade noch so eben abwehren
konnte.
Unwidersprochen gewann die
Borussia aus Dortmund die Begegnung unter dem Strich in hochverdienter Art und
Weise. Im Gegensatz zu ihrer Namensverwandten vom Niederrhein vermittelten die
für sie angetretenen Spieler dem Zuschauer die Gewissheit sich darüber im
Klaren zu sein, was ihnen und ihrem Arbeitgeber durch den heutigen Spieltag
hätte drohen können. Dies taten bei denen von der Mönchengladbacher Borussia
entlohnten Akteuren nur die längst bekannten Ausnahmen wie Torwart Keller, der
am heutigen Spieltag zum wiederholten Male ihr bester Spieler war. Der Rest
verdeutlichte durch einen zusammenhanglosen und vor allem in jeder Beziehung
leidenschaftsfreien Auftritt sein eigentliches Interesse am (dennoch weiter möglichen)
Klassenverbleib. Vor allem konterkariert die leidenschaftsfreie
Borussenmannschaft zum wiederholten Male das penible wie aufrichtige Bemühen
eines ihnen mittlerweile in „schöner Regelmäßigkeit" aufs Neue zugeordneten
Übungsleiters.
Dass Borussia Mönchengladbach
mit einem offensichtlich derart motivierten Spielerkader zwölf Runden vor dem
Saisonschluss nur mit knapp 3 Punkten hinter dem rettenden Ufer zurückliegt,
ist das eigentlich Positive des Augenblicks. Eigentlich ein irrer Widersinn in
sich. Mit einer derartigen Kaffeefahrt- und Betriebsausflugsmentalität verdient
sich die Mannschaft den realistischer werdenden Abstieg nicht nur redlich,
sondern auch nach allen Regeln der Kunst. Schade nur, dass es letztlich immer
der Klub ist, der am meisten darunter zu leiden haben wird. Der hat es
begriffen, die Mannschaft dieselbe Erkenntnis lediglich in Unterstützung
heischender Manier vorgetäuscht.
Dortmund: Weidenfeller - P. Degen, Brzenska, C. Metzelder,
Kringe - Kruska (Sahin 43) - Tinga, Ricken - Pienaar (Smolarek 65) - Valdez
(Amedick 74), Frei
Borussia: Keller - Bögelund, Gohouri, Zé António, Compper -
Polanski (D. Degen 65), Kluge - Delura (Rafael 77), Insúa, Jansen - Kahê (Sonck
65)
Ersatz: Heimeroth - Svensson, Thijs, El Fakiri
Tore: 1:0 Frei (19.)
Zuschauer: 73.600
Schiedsrichter: Markus Schmidt (Stuttgart)
Gelbe Karten (Borussia): Bögelund
Gelb-Rote Karten: -
Rote Karten: -
Besondere Vorkommnisse: Das
heutige Auswärtsspiel der Borussia bei Borussia Dortmund war das 97.
Auswärtsspiel seit dem Wiederaufstieg 2001 (bisher: 10 Siege, 28 Remis, 58
Niederlagen). Der letzte Sieg der Borussia in Dortmund datiert vom 18. April
1998, ein 2:1 mit Toren von Jörgen Pettersson und Karlheinz Pflipsen (Gegentor:
Julio Cesar).
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