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SEITENwechsel, der 22. |
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Geschrieben von Mike Lukanz
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Montag, 19 Februar 2007 |
Lieber Mike,
Borussia ist zum ersten Mal in dieser Saison Tabellenletzter
und steht damit dort, wo die Mannschaft hingehört. Ein uninspirierteres,
mittelloseres Team spielt derzeit nicht in der Bundesliga. Es stimmt:
Cottbus und Mainz verlieren auch viel, stehen aber mit Mann und Maus
(und Fans) zusammen; Aachen steckt auch im Abstiegskampf, ist aber noch
immer euphorisiert, dass es mitspielen darf in der höchsten Spielklasse;
Bochum, Bielefeld und Frankfurt sind auch schlecht, spielen aber klugen,
zumindest potenziell effizienten Fußball; Hamburg hat nur einen Punkt
mehr, startet nun aber eine Serie, die mehr als hoffen macht an der
Elbe.Sicher werden von diesen Teams trotzdem zwei absteigen, obwohl sie sich dieser Tage noch Hoffnungen machen, diesem Schicksal zu entgehen. Sicher ist seit Samstag für mich jedoch auch, dass Borussia der dritte Absteiger
sein wird: ein hoffnungsloser und einer, bei dem die Rede von Schicksal
den Blick auf die wesentlichen Gründe verstellte.
Klubs mit einem deutlich geringeren Etat schaffen es, eine Mannschaft auf
die Beine zu stellen, die zusammen passt und die gern zusammen Fußball
spielt, deren Mittel im Zusammenspiel ausreicht, um den Fans so etwas wie
Identifikation zu ermöglichen und um auf eine Art und Weise Punkte zu
sammeln, die einen glauben macht, man könne erstklassig bleiben. Klubs mit
deutlich weniger Tradition sind in der Lage, mittel- und langfristig einen
Weg einzuschlagen, der Erfolg verspricht, und sei es nur auf kleiner Flamme.
Klubs mit noch unbekannteren Spielern schaffen es, diese unbeschriebenen
Bundesliga-Blätter Woche für Woche zu verlässlichen und konstant spielenden
Leistungsträgern zu machen. All das schafft Borussia, nicht erst seit dieser
Saison, nicht, in Gladbach verwelken Hoffnungsträger und werden als
bundesligauntauglich nach Aachen verkauft. Das alles sind strukturelle
Ursachen für eine Krise, die man nicht einem einzelnen Spieler des aktuellen
Kaders anlasten kann. Da sich diese Wägbarkeiten so schnell nicht beheben
lassen, wird Gladbach absteigen - und das ist dann ja auch gut
so.
Und unter diesen Umständen stimmt dann auch, was du vergangene Woche
wissen wolltest: Ja, fortan reibe ich mir die Hände und hoffe auf die
ganz große Nummer in der kommenden Saison - wenn man sich derzeit, was
die Borussia angeht, schon nicht über etwas freuen kann, dann doch
wenigstens auf etwas: Osnabrück steigt auf, Köln, Kaiserslautern und
1860 nicht, Gladbach, Hamburg und Bielefeld steigen ab. Das wäre eine 2.
Bundesliga, die man im Traum nicht für möglich gehalten hätte. Unter
anderen Umständen könnte man diese Konstellation auch bitter nennen,
unter diesen aber nicht. Im Gegenteil, sie ist erwartbar und
schlussendlich hochspannend.
Es grüßt, seit Freitagabend, seit dem
4:0 meiner Osnabrücker im Spitzenspiel gegen Erfurt, in wohliger
Gesellschaft aller möglichen Lebensgeister:
Maik
Auf schillernde Juwelen kann man von vielen Seiten blicken und staunen.
Seit 1997 bereits blickt SEITENWAHL für seine Leser auf das Gladbacher
Geschehen, 2004 gesellte sich der VfLog dazu. Beide Projekte haben
ihren eigenen unverwechselbaren Charme. Zu Beginn der Saison 06/07
kommt es nun zum SEITENwechsel:
SEITENWAHL und VfLog beginnen einen Briefwechsel, in dem alles möglich
ist: Fachsimpelei, Verbalfouls, Streit und Harmonie. Solange die Tinte
reicht, wird auf www.seitenwahl.de und www.VfLog.de künftig nach Spieltagen der Brief der jeweils anderen Seite veröffentlicht.
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