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Home 2006/07 23, H, BL, Bremen
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Vorbericht, Spieltag 23: Werder Bremen |
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Geschrieben von seitenwahl.de
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Donnerstag, 22 Februar 2007 |
Am 23. Spieltag der Bundesligasaison 2006/2007 duelliert sich der Tabellenletzte mit dem zuletzt in der Liga nicht mehr taufrischen Herbstmeister und die wirklich einzige Hoffnung, der sich die zum Tabellenletzten haltenden Anhänger für den Ausgang und den Verlauf dieser Begegnung hingeben können, ist und bleib ein Sonntagabend im November 2005, als eine ebenfalls in Norddeutschland angesiedelte Erfolgsmannschaft in die Stadt kam und wohl den Auslöser dafür bot, dass die Heimelf eines der besten Heimspiele der vergangenen 2 Jahre darbot.
Borussia
Fünf von siebzehn Rückrundenspiele sind vorbei, von den
fünfzehn möglichen Punkten holte die Mannschaft von Heynckes-Nachfolger Jos
Luhukay ein Drittel und dürfte bei derart anhaltender Ausbeute am Saisonende
mit 32 Zählern den zweiten Bundesligaabstieg der Vereinsgeschichte zur Realität
gemacht haben. Hinzu kam nach dem vermeintlich bahnbrechenden Auswärtserfolg
bei den Bielefelder Arminen gegen den Mitkonkurrenten Alemannia Aachen und
gegen den vermeintlichen Mitkonkurrenten Borussia Dortmund eine
Mannschaftsleistung, die bei der Anhängerschaft der Borussia dafür sorgte, dass
man sich bereits einen Spickzettel mit den Anfahrtswegen zu den bekanntesten
Zweitligastadien zurechtschrieb. Dass dabei ein Name, der des alten Rivalen 1.
FC Köln, ein altbekannter ist und bleibt, mag für den Moment tröstend
erheitern, macht aber das ganze Ausmaß der Trostlosigkeit dieses beginnenden
Frühlings erst so richtig deutlich. Nur Freunde des Sarkasmus werden ihre
Freude an der Feststellung haben, dass mit sinkender Ligagröße durch eine
solche Angleichung des Leistungshorizonts für die momentane Komposition der
Borussenmannschaft zumindest die Wahrscheinlichkeit erhöht wird, dass die
Häufigkeit von Tor- und Punkteerfolgen nicht eines Aufeinandertreffens von
Geburtstagen mit Weihnachtsfesten gleichkommt.
Dass man in Ermangelung guter Resultate der vereinseigenen
U23 in der leistungsstärkeren Regionalliga in Zeiten schlechter Ergebnisse der
Lizenzspielerelf noch nicht einmal mehr bei der U23 eine Ersatzbefriedigung
findet, mag die schlechte Laune und das Gefühl der Enttäuschung noch
potenzieren. Dazu mag sich gesellen, dass die direkte Konkurrenz im
vermeintlich durch die Borussia bereits angenommenen Überlebenskampf durchaus
zu Punkten weiß; so sammelte der Hamburger SV immerhin acht, der FSV Mainz 05
bereits deren dreizehn Zähler im Vergleichszeitraum seit dem 27. Januar.
Indes, nur mit Jammerei hat sich noch keine Situation
lösen lassen. Auch wenn die Lage noch so prekär scheint, letztlich ist es immer
möglich in jedem Spiel einen Sieg davon zu tragen. Derweil es logisch bleibt,
dass es bei der Qualität eines Gegners wie Werder Bremen allein mit gutem
Willen längst nicht zum Erfolg reichen dürfte. Der Nachweis von gutem Willen,
der letztlich ein Attest über die Bereitschaft der Mannschaft zum Klassenerhalt
wäre, wäre im Vergleich zu der Partie gegen Borussia Dortmund im ehemaligen
Westfalenstadion am vergangenen Wochenende jedoch wenigstens ein Zeichen der
Mannschaft an eine nach Bekenntnissen dürstende Anhängerschar.
Borussias Defensive
Die wenigste Diskussion gibt es über die Besetzung der
Torwartposition. Gerade in Dortmund, als sich seine Mitspieler dem Trend des
Saisonverlaufs nicht entgegenstellten, konnte sich Torwart und Mannschaftskapitän
Kasey Keller als fester Bestandteil der Spielercombo auszeichnen, die ähnlich
der beschriebenen Musikkapelle auf dem versunkenen Luxusliner Titanic bis zum
bitteren Ende ihren vertraglichen Pflichten nachkommt. Ohne den Amerikaner im
Borussentor hätten die Westfalen in der ersten wie in der zweiten Halbzeit das
eine und das andere Tor mehr erzielen können und dabei der banal vor sich hin
pfuschenden Borussia die Möglichkeit eines (letztlich nicht eingetretenen)
Glückstreffers vorab entzogen.
Gibt es bei der Torwartposition keinerlei Diskussion,
beginnt diese schon auf der rechten Abwehrseite bei Kasper Bøgelund. Der
mehrfache dänische Nationalspieler steht seit kurz vor Ende der Hinrunde wieder
im regelmäßigen Mannschaftstraining, doch hat sich die ihm dort vermittelte
Kunst noch nicht in seinem Können etabliert. So mutet es für ihn zu schwierig
an, Defensivaufgaben mit Offensivmöglichkeiten zu paaren und damit hebt er sich
nicht sonderlich von seinem mittlerweile nach Odense entlassenen Landsmann
Thomas Helveg ab. Obschon man gerade bei Helveg sehen konnte, dass es Fußballer
gibt, die mittels häufigeren Einsätzen in ihrem Spiel zu mehr Ballsicherheit
gelangen können.
Ein Problem ganz anderer Art besitzt der Bøgelunds
Landsmann Bo Svensson zuletzt in der Innenverteidigung vorgezogene Steve
Gohouri. Der kopfballstarke Athlet von der Elfenbeinküste droht den gleichen
Vorurteilen anheim zu fallen wie der Australier Craig Moore vor zwei Jahren.
Ähnlich wie der Mann aus „Down Under" schont der sprunggewaltige Verteidiger
beim Zweikampf weder sich noch einen Gegenspieler, doch aufgrund
falschverstandenem Fairplay bei Publikum wie vor allem Schiedsrichtern wandelt
er dadurch regelmäßig auf dem so genannten „schmalen Grad". In Dortmund, wo die
Schwalben in traditioneller Art und Weise tief fliegen, war gerade dies im
Spielverlauf wieder breit plakatiert worden. Ein wenig eleganter zieht sich
dabei sein Kompagnon Zé António aus der Affäre, wenngleich der Mann aus Torres
Vedras längst nicht mehr die Souveränität ausstrahlt, die er in den ersten
sechs Monaten seines ersten Borussenvertrages innehatte; inwiefern dies damit
zusammenhängt, dass seit geraumer Zeit auf der linken Abwehrseite mit Marvin
Compper ein Nachwuchsspieler agiert, sei dahingestellt, dem Tübinger kann man
dennoch wie dem Portugiesen eine gute Portion guten Willen nicht absprechen und
dies, wenngleich man überlegen müsste, inwiefern es sinniger wäre auf der im
aktuellen Fußball nicht unwichtigen linken Außenverteidigerposition besser mit
Leistungsträger Marcell Jansen wieder auf ein schon altbewährtes wie
gleichermaßen funktionstüchtiges Schwungrad des Borussenspiels zu bauen.
In der Partie gegen Bielefeld beeindruckten auf der der
Defensive zuzurechnenden Position vor der Abwehr Eugen Polanski und Peer Kluge,
leider wussten beide dies in diesem Rahmen in den folgenden Spielen gegen
Aachen und Dortmund nicht zu wiederholen. Wenngleich Peer Kluge insgesamt der
leistungsstabilere dieses Duos ist und bei Polanski die Tücke des zweiten
Seniorenjahres mit falscher Selbsteinschätzung kollidiert und dazu führt, dass
der Kapitän der U21-Nationalmannschaft des DFB in seinen Auftritten rundweg
anmaßend und pomadig erscheint; die Situation im Kader will es aber so, dass es
kaum Alternativen zu dem dennoch natürlich hochveranlagten Nachwuchsprofi gibt.
Borussias Offensive
Zieht man alle jene Partien von den gespielten 22
Begegnungen dieser Saison ab, in denen die Borussia mehr als einen Treffer
erzielt hat, kommt man einerseits auf die Zahl achtzehn und andererseits auf
die Zahl elf. In elf Spielen blieb Borussia ohne eigenes Tor, in weiteren
sieben erzielte sie lediglich ein Tor. Und so ergibt sich eine Ausbeute,
abzüglich Elfmeter wie Eigentore, von mickrigen sechzehn Saisontoren. Wer nach
einem Grund für die Tabellenposition sucht und wem dabei die mangelnde
Leistungsbereitschaft bei einem Großteil des Kaders nicht als ausreichendes
Argument erscheint, der kann sich im Stile des Katastrophentouristen an der
Harmlosigkeit der Borussenoffensive ergötzen.
Zur Zielscheibe der Kritik ist vor dem Hintergrund dieser
Gefahrlosigkeit immer wieder der meist im Joggingtempo tief ins Mittelfeld
zurückfallende Carlos Eduardo de Souza Floresta („Kahê") geworden, der im
Umfeld längst als Synonym wie alleiniger Prügelknabe für den von großen Teilen
ungeliebten Sportdirektor Peter Pander gilt. Trotz all seiner augenscheinlichen
Unzulänglichkeiten wäre es aber realitätsfern die Problematik der Borussia
vollständig an diesem Spieler festzumachen, da er von seinen Mitspielern meist
nur zur Kaschierung eigenen Unwillens missbraucht wird, wenn diese sich dem auf
dem Papier symbolisierten Gefahrenpunkt in des Gegners Strafraum selbst
berauben, in dem sie Kahê mit turmhohen Bällen in das vordere Mittelfeld dazu
zwingen mit dem Rücken zum Tor die Bälle anzunehmen und von dort
weiterzuleiten. Dieser Erbärmlichkeit könnte man vermutlich mit einer zweiten
Planstelle im Angriff auf die Sprünge helfen, doch wurde diese Planstelle seit
einiger Zeit für die Verwendung eines zweiten defensiven Mittelfeldspielers der
Defensive zur Verfügung gestellt und damit dem Eindruck Vorschub geleistet,
Borussia Mönchengladbach benötige mittlerweile einen elften Feldspieler, um
Torgefahr erzeugen zu können.
Es ist derweil jedoch nicht so, dass die fehlende
Durchschlagskraft (oder schon die fehlende Möglichkeit während des Spiels diese
unter Beweis zu stellen) nicht von den Trainerteams erkannt worden sei. So ist
Jos Luhukay keinesfalls der Erste in dieser Saison, der Sonderübungen (für die
Offensivabteilung) angesetzt hat. Auch wenn er der Erste ist, der für
Sonderübungen vom vollends bematschten Boulevardjournalismus wie ein direkt vom
Himmel entsandter dafür gefeiert wird.
Der Gegner aus Bremen
Immer wenn in Mönchengladbach im fröhlichen Abstand eines
Trainerwechsels über Kontinuität palavert wird und man im Anschluss daran
wieder vorführt, dass man den Begriff wohl zu keinem Zeitpunkt überhaupt hätte
buchstabieren können, wird man sich in Bremen die Hände reiben. Seit dem 10.
Mai 1999 ist dort mit Thomas Schaaf ein und derselbe Trainer, seit dem 13. Juli
desselben Jahres mit Klaus Allofs ein und derselbe sportliche Geschäftsführer
tätig.
Während man die in Mönchengladbach in einem ähnlichen
Zeitraum installierten und für den letzten erwähnenswerten Erfolg des Klubs,
den Wiederaufstieg in die 1. Fußball-Bundesliga, verantwortlichen
Führungskräfte längst zum Teufel gejagt hat (oder sie hat auch zum Teufel jagen
lassen), indem man nicht mit dem nötigen Nachdruck dafür sorgte, dass sie
blieben, beweist das Bremer Zusammenwirken von Geschäftsführer mit Trainer
nicht erst durch die gewonnene Meisterschaft 2004 und den Pokalsieg im selben
Jahr, wie unerlässlich es ist auf den wirklich entscheidenden Positionen eines
Fußballvereins miteinander harmonierende Personen platziert zu haben.
Nachdem der SV Werder in der Vorsaison in der Champions
League nur aufgrund eines späten Gegentores gegen Juventus Turin und im
DFB-Pokal leidlich aufgrund eines starrköpfigen Entscheids des Deutschen
Fußball-Bundes im Viertelfinale beim FC St.Pauli ausgeschieden war, erzielte
man mittels der restlichen Bundesligaspielzeit immerhin den Vizemeistertitel
vor dem Nordrivalen Hamburger SV und durfte somit in der aktuellen Spielzeit
abermals sein Glück in der europäischen Elite der Champions League testen;
jenes war den Werderanern jedoch in der Vorrundengruppe mit Chelsea London,
Levski Sofia und dem FC Barcelona letztlich nicht wohlgesinnt und so landete
der Klub zur zweiten Saisonhälfte im UEFA-Pokal.
Nachdem sich die Elf von Trainer Schaaf beim
Regionalligisten Pirmasens ein peinliches Aus im DFB-Pokal geleistet hatte, das
im Gegensatz zu den Verhältnissen in Mönchengladbach nach dem Aus in Osnabrück
(eine Runde später) allerdings nicht zu Respektlosigkeiten gegenüber dem Qualitätstrainer
des Vereins führte, absolvierten die Norddeutschen eine bemerkenswerte
Hinrunde. Eher nebenbei besiegten sie in deren Verlauf, an dessen Ende der
trophäenarme Herbstmeistertitel prangte, im heimischen Weserstadion die
Borussia souverän mit 3:0. Besonders hervor tat sich in diesem Halbjahr der für
knapp 6 Millionen Euro aus Portugal geholte Nachfolger von Johan Micoud im
zentralen Mittelfeld, Diego Ribas da Cunha, wohingegen der für eine
vergleichbare Ablöse aus Hannover abgeworbene deutsche Nationalverteidiger Per
Mertesacker erst eine Fersenoperation dafür abwarten musste.
Nach einem erwartet ordentlichen Auftakt in die laufende
Rückrunde der Bundesliga strauchelte die Mannschaft zuletzt dreimal in Folge.
Den Anfang bot eine 0:2-Heimniederlage gegen den Mitkonkurrenten Schalke 04,
als Bremen seinen gesperrten Nationalspieler Torsten Frings nicht adäquat
ersetzt bekam, sowie eine deutliche Niederlage beim VfB Stuttgart (1:4), einem
weiteren Mitkonkurrenten um den Meistertitel. Eher überraschend blieb dabei die
dritte Pleite, daheim gegen den in dieser Spielzeit abstiegsgefährdeten
Hamburger Sportverein - kurz unterbrochen wurde diese Schaffenskrise von einem
routiniert erzielten 3:0 im UEFA-Cup-Spiel gegen den niederländischen Vertreter
Ajax Amsterdam.
Bremens Defensive
Die Innenverteidigung um Ronaldo Aparecido Rodrigues
(„Naldo") und den erwähnten Per Mertesacker dürfte zu den besten drei zentralen
Abwehrpärchen der Liga zählen, nachdem das Hamburger Duo Boulahrouz/van Buyten
seit dieser Saison nicht mehr existent ist, das Duo Lucio/van Buyten nicht
reibungslos funktioniert und sonst meist nur ein einziger Verteidiger eines
Innenverteidigergespanns (Mathieu Delpierre beim VfB Stuttgart, Marcelo Bordon
beim FC Schalke 04) so fehlerlos agiert. Überrascht dies bei Per Mertesacker
nicht, ist die genommene Entwicklung des Ronaldo Aparecido Rodrigues
bemerkenswert. Noch vor dem Spiel Borussias bei Werder Bremen in der Hinrunde
war an dieser Stelle zwar einerseits vor den Vorstößen und vor, vor allem, den
Freistößen des Brasilianers gewarnt worden, doch auch darauf verwiesen worden,
dass der Südamerikaner gerne Konzentrationsmängel offenbart und dadurch
scheinbar leichte Ballverluste in Drucksituationen produziert. Diese
Beobachtung war zuletzt hinfällig, der Brasilianer spielt eine ebenso gute
Saison wie auch Clemens Fritz als Rechtsverteidiger und Dritter von vier
Stammspielern in der Abwehr.
Somit reduziert ist das Gefahrenpotential auf lediglich
Torhüter Tim Wiese und Linksverteidiger Pierre Womé, der an guten Tagen, ebenso
wie sein Hamburger Pendant Timothee Atouba, prächtige Spiele abliefern kann, im
Durchschnitt aber häufig für Aussetzer zahlt, die ihm von Seiten Thomas Schaafs
auch noch nicht vollends ausgetrieben wurden. Die Alternative auf dieser
Position, Eigengewächs Christian „Schulle" Schulz, wirkt allerdings biederer
als der athletische Afrikaner, könnte sich aber vor allem dann bewähren, wenn
der Mann aus Kamerun durch seine wiederaufgenommene Nationalmannschaftskarriere
abgelenkt wirkt. Nichtsdestotrotz dürfte gegen Borussia dort jedoch Pierre Womé
beginnen.
Zu Torwart Tim Wiese hingegen würde sich mit dem Veteranen
Andreas Reinke ein ungleich robusterer Ersatzmann anbieten und bei aller
Wertschätzung, die man den Werderanern für ihre Personalsuche und für die
Akquirierung ihres Kaders offen entgegenzubringen hat, mitunter wird es nicht
deutlich, weshalb der ehemalige Kaiserslauterer Wiese ihre Nummer Eins sein
sollte. Wiese lebt zunächst von seiner Art Mitspieler für seine eigenen Unzulänglichkeiten
verantwortlich zu machen und auch wenn er bisweilen sehr behände aus seinem Tor
eilt, wenn man ihn beispielsweise mit dem stilistisch nüchternen Hannoveraner
Robert Enke oder dem ebenso überlegen agierenden Nürnberger Raphael Schäfer
vergleicht, dürfte es wie auch bei Dortmunds Roman Weidenfeller eigentlich
keine Diskussion darüber geben, dass eine Karriere in der deutsche
Nationalmannschaft für Wiese wie Weidenfeller noch ein langer, ein ziemlich
steiniger und absolut beschwerlicher Weg sein müsste. Seinem Kontrahent im
Verein, Andreas Reinke, der seinen Stammplatz im Werdertor nur deshalb verlor,
weil ihm in der Vorsaison ein Gegenspieler die Gesichtsknochen zertrümmerte,
ist jedenfalls die Enttäuschung darüber abzunehmen, dass das Tor der Werderelf
seit geraumer Zeit von Wiese gehütet wird.
Bremens Offensive
Die längst heimisch gewordene eselige Peinlichkeit
innerhalb des deutschen Sportjournalismus lässt sich dieser Tage auf einen
einzigen Umstand herunterbrechen: Die geradezu dummdämlich anmutende Erfassung
der Minuten, in denen der Angriffsspieler des SV Werder, WM-Torschützenkönig
Miroslav Klose, ohne eigenes Tor ist.
So unzweifelhaft der in Polen geborene und in der Pfalz
aufgewachsene ein Weltklassestürmer von oberster Güteklasse ist, so vermessen
ist so manche Schlagzeilen erpressende Behauptung in der deutschen
Öffentlichkeit gerade in Zeiträumen, in denen der ehemalige Akteur der SG
Blaubach Diedelkopf einmal nicht in seiner gewohnten Häufigkeit das gegnerische
Tornetz heimsucht. Man erinnere sich beispielsweise an die Weltmeisterschaft
2002 in Asien, als der 28-jährige alle seine fünf Turniertreffer in der
Vorrunde markierte und sich spätestens ab dem Viertelfinale vorrechnen lassen
musste, dass seine Tore ausschließlich gegen Hinterbänkler der ansonsten gern
verschwiegenen FIFA-Weltrangliste gefallen seien. Oder an die nicht minder
holzköpfige Rechnung, die in den Jahren zwischen den beiden letzten
Weltmeisterschaften immer angestrengt wurde, wonach der agile Stürmer eben seit
jener WM im Fernen Osten nunmehr ohne Kopfballtor sei.
Dabei unterschlägt der für die Berichterstattung entlohnt
werdende Journalist in seinem auf die Auflagenzahl fixierten Dünkel
selbstredend, dass der immerhin schon elf Tore bei Weltmeisterschaften erzielt habende
deutsche Topstürmer auch in Phasen, in denen er nicht selbst zum Abschluss
gekommen ist, stets wichtige Dienste für seine Mannschaft leistete und mit
seiner strebsamen Bereitschaft zum Teamspiel so manchem dadurch freigeblockten
Mitspieler einen Torerfolg auflegen konnte; in Mönchengladbach wäre man in
Zeiten, in denen die Torgefahr spärlich den homöopathischen Bereich verlässt,
froh um jedes auch nur von einem Stürmer so vorbereitete Tor.
Froh wäre dieser Tage gern auch der noch in der Vorsaison
neben Klose für Furore sorgende kroatische Nationalspieler Ivan Klasnic, doch
der in Hamburg geborene Stürmer fällt schon seit geraumer Zeit, und noch
geraume Zeit, wegen einer Nierenerkrankung aus. In diese Phalanx war während
der Hinrunde zuvorderst der in Goslar im Harz geborene deutsche
Juniorennationalspieler Aaron Hunt gestoßen und hatte an der Seite von, eben,
Klose für so manchen Jubelschrei gesorgt. Nachdem jener jedoch im
U21-EM-Qualifikationsspiel gegen das ihm mütterlicherseits verbundene Albion von
seinen Gegenspielern mit einen Schlichtungstermin vor der UEFA „belohnt" wurde
(ihm wurden rassistische Beleidigungen u.a. gegen Anton Ferdinand unterstellt),
ist auch er ein Stück von der Ideallinie abgekommen und hat somit den direkt
hinter ihm in der Stürmerhierarchie der Norddeutschen rangierten Kräften wieder
Hoffnung auf einen Stammplatz machen können.
Nachdem der sich in Bremen kaum zur Geltung gekommene und
im Winter auch von der Borussia umworbene Ägypter Mohamed Zidan für 2,5
Millionen Euro ins rheinhessische Mainz abgewandert ist, tummeln sich dort der
weiterhin ausgeliehene portugiesische U21-Internationale Hugo Almeida (dessen
Verpflichtung am Saisonende die hanseatischen Kassen um eine Summe von 4
Millionen Euro erleichtern würde) und der schwedische A-Nationalspieler Markus
Rosenberg, seines Zeichens Wintereinkauf von Ajax Amsterdam und ein weiterer
Attest für die formidable Arbeitsweise des vierfachen Meisters in Sachen
Spielersichtung.
Zwischen Defensive und Offensive geistern bei den Bremern
Spieler herum, die das Prädikat Mittelfeldspieler nicht allein deshalb
verdienen, weil sie ihrerseits auch durchaus regelmäßig im Verlauf einer Saison
das Tor treffen. Neben dem längst stadtbekannten Diego Ribas da Cunha bilden in
Ermangelung des seit geraumer Zeit schwerer an der Achillesssehne verletzten
Frank Baumann vor allem die deutschen Nationalspieler Torsten Frings (zentral
defensiv) und Tim Borowski (gewiss auf einer der Halbpositionen) das Gerippe
der Bremer „Raute" in diesem Mannschaftsteil. Gern ergänzt durch den Dänen
Daniel Jensen, bisweilen aber auch vom in Leverkusen wie in Stuttgart
gescheiterten Kroaten Jurica Vranjes, bildet sie quasi den Maschinenraum der
Elf und verleiht mit ihren multiplen Schwungrädern der Mannschaft (Frings, Diego,
Borowski) unverwechselbare Instinkte.
Schiedsrichter
Der Deutsche Fußball-Bund konnte sich trotz gewohnter
enger Absprache mit seinen Funktionären für das Schiedsrichterwesen noch nicht
dazu durchringen, für diese Partie beiden Mannschaften einen so genannten
Unparteiischen zuzuweisen. Bis zum Spieltag sollen die Würfel dafür aber
gefallen sein.
Bilanz
Wenn man sich allein auf die vergangenen Resultate in
Heimspielen gegen den SV Werder Bremen bezieht, so wird man bei 22 Siegen, 6
Remis und zehn Niederlagen eigentlich kaum die Vorzeichen der diesjährigen
Begegnung erkennen. 2004 gelang den Gästen von der Weser nicht nur in der
Meisterschaft und im Pokal, sondern auch letztmalig ein Erfolg bei der
Borussia. In der letzten Minute der Begegnung auf dem nunmehr zu Staub
umgebauten Bökelberg erzielte Frank Baumann den Bremer Siegtreffer, nachdem
zuvor Vaclav Sverkos für die damals von Holger Fach betreute Borussia die
Führung und Ivan Klasnic den Ausgleich für Bremen erzielt hatte. Im ersten
Spiel beider Mannschaften in Borussias neuem Stadion gewann die Borussia ebenso
(3:1), wie beim letzten Match im vorvergangenen Herbst unter Horst Köppel.
Dabei gelang es ihr auch durch ein kurioses Eigentor des Frank Baumann eine
Begegnung, in der sie in den ersten 45 Minuten heillos überfordert schien, so
mit Fortune herumzureißen, dass sie ihren Fans in der Folgezeit eine
Siegessträhne von 3 Erfolgen in 4 Partien auftischte.
Aufstellungen
Borussia: Keller - Bøgelund, Gohouri, Zé
António, Compper - Delura, Polanski, Insúa, Kluge, Jansen - Kahê.
Reserve: Heimeroth - Svensson, El Fakiri, Thijs, Degen,
Sonck, Levels, Kirch, Baumjohann, Thygesen, Fleßers, Rafael.
Verletzt: Neuville, Daems,
Svärd (alle Rehabilitationstraining)
Bremen: Wiese - Fritz, Mertesacker, Naldo, Womé - Frings
- Jensen, Borowski - Diego - Klose, Hunt.
Reserve: Reinke, Vander - Pasanen, Schulz, Vranjes,
Niemeyer, Hugo Almeida, Rosenberg.
Verletzt: Baumann (Achillessehnenoperation), Owomoyela
(Sprunggelenkverletzung), Klasnic (Nierenoperation)
Schiedsrichter: bei Redaktionsschluß noch nicht bekannt
Assistenz: bei Redaktionsschluß noch nicht bekannt
4. Offizieller: bei Redaktionsschluß noch nicht bekannt
SEITENWAHL-Meinung:
Thomas Zocher: Erklärungen sind immer zur
Veranschaulichung angedacht, nicht um damit etwas zu vertuschen. Spiele gegen
Werder Bremen sind dazu da, um zu sehen, wie viel Borussia Mönchengladbachs
Lizenzspielern fehlt, um ernsthaft Anspruch auf die ihnen größtenteils sinnlos
überlassenen Entgelder erheben zu können. Borussia 0, Bremen 4.
Hans-Jürgen Görler: Die Borussia hat lediglich
eins ihrer letzten vier Spiele verloren, der SV Werder hingegen ging dreimal
als Verlierer vom Platz. Wer als Favorit in die Sonntagspartie geht, liegt
somit klar auf der Hand. Leider wird es am Ende doch nur zu einem 1:1 reichen.
Aber danach sind es ja immer noch elf Spiele, dann zehn, neun, acht ...
Mike Lukanz: Die Abschiedstour aus der
Bundesliga beginnt und zum Auftakt gastiert der Meisterschaftsfavorit aus
Bremen im BorussiaPark. Dass Negativserien der Kontrahenten gar nichts
bedeuten, wenn es gegen Borussia geht, haben wir in der laufenden Saison schon
des öfteren bewiesen bekommen. Erfreuen wir uns also an der Spielkunst eines
Diego, Klose und Naldo und bestaunen den nie gefährdeten 2:0-Sieg der
Hanseaten.
Christoph Clausen: Dass Werder Bremen trotz
dreier Bundesligapleiten in Folge weiterhin zu tollen Leistungen fähig ist, hat
die Mannschaft gegen Ajax Amsterdam eindrucksvoll bewiesen. Auch am Sonntag
erwischt die Schaaf-Truppe wieder einen Schokoladentag und fährt gegen bemühte,
offensiv aber weiter hillose Gladbacher einen ungefährdeten 2:0-Sieg ein.
Christian Heimanns: Besuchen Sie die Liga, solange es noch geht. Frei nach Geier Sturzflug, selbst deren Name passt ins Programm. Nachdem wir letzte Woche die Freundlichkeit hatten, Dortmund aufzubauen, werden wir nun so liebenswert sein, Bremen in der Liga wieder zu Erfolg zu verhelfen. 2:0 für Werder.
Michael Heinen: Borussia wird leider einmal
mehr erkennen müssen, dass die Klasse nicht ausreicht, um selbige zu halten.
Mit einem 2:0-Sieg rehabilitieren sich die Bremer für die schwächeren
Leistungen der Vorwochen gegen engagierte, aber erneut zu ungefährliche
Borussen.
Der SV Werder im Internet: http://www.werder.de/
; http://dasgreenteam.de/
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