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Rückblick 1993 – Sieg gegen Werder ohne Sturm Drucken
Geschrieben von Michael Heinen   
Sonntag, 25 Februar 2007
Es war der 14. Mai 1993, der 31.Spieltag der Saison 92/93. Der junge Coach Bernd Krauss stand gerade ein knappes halbes Jahr in der Verantwortung und hatte Borussia immerhin von Platz 14 auf 7 hoch geführt. Der UEFA-Cup war nur noch einen Platz entfernt, da stand das Spitzenspiel gegen den Tabellen-Zweiten aus Bremen an, der vor der Partie punktgleich mit den Bayern um den Titel rangelte.

Da sich Martin Dahlin in der Vorwoche beim Stand von 3:0 in Saarbrücken eine Rote Karte eingehandelt hatte, und Martin Max sowie Hans-Jörg Criens verletzt ausfielen, blieben dem Trainer vor dieser wichtigen Begegnung nur noch Bachirou Salou sowie Peter Wynhoff als Sturmspitzen übrig. Wobei letzterer – ähnlich wie Delura oder Thygesen heute – nur bedingt als Stürmer durchgehen konnte.  

In dieser Situation agierte Krauss mit einer gewagten Aufstellung. Er verzichtete auch noch auf den Einsatz des einzigen Stoßstürmers Salou und stellte eine Elf ohne echten Angreifer auf, die wie folgt aussah:  

Kamps – Kastenmaier, Klinkert, Eichin, Hochstätter, Neun, Nielsen, Pflipsen, Fach, Schneider, Wynhoff
 

Das kompakte Borussen-Mittelfeld überraschte das Team von Otto Rehhagel, ging in der 31. Minute durch Kalla Pflipsen in Führung und legte nach der Pause mit einem Doppelschlag (66., 69.) durch Fach und Nielsen zum 3:0 nach. Erst dann wurde mit Salou ein echter Stürmer eingewechselte, was prompt den 3:1 Anschlusstreffer durch Frank Neubarth zur Folge hatte.
 

Ein paar Wochen später wurde Werder zwar dennoch Meister und Borussia verpasste den UEFA-Cup-Platz. Aber in dieser einen Partie hatte sich die gewagte Taktik des Newcomers Bernd Krauss durchgesetzt, der sich damit bei vielen Fans eine Menge Respekt verschaffte. 
 

Was das alles aber mit dem Spiel heute abend gegen Bremen zu tun hat? Vermutlich nicht viel. Denn schon ein kleiner Blick auf die damalige Mannschaftsaufstellung verglichen mit der heutigen wird nicht nur Nostalgikern die Unterschiede verdeutlichen. Damals hatten wir mit Kastenmaier, Hochstätter oder Nielsen echte Typen und Führungsspieler in den Reihen. Mit Neun oder Schneider zudem Spieler, die zwar auch fußballerisch beschränkt waren, aber zu jeder Zeit 120% gaben und bei der Ehrenrunde mehr rannten und kämpften als so mancher unserer Spieler heute im Spiel. Zudem standen mit Pflipsen, Fach, Hochstätter und Kastenmaier einige Spieler im Team, die torgefährlicher waren als all unsere verfügbaren Stürmer heute. 
 

Dennoch sei dieses Spiel zumindest als Beispiel verstanden, dass der Verlauf eines Spiels nicht immer zwingend an der offiziell vorgegebenen Taktik hängt. Selbst ein 5-5-0-System kann bei entsprechender Umsetzung offensiver sein als ein 4-3-3. Heute abend zählt nur ein Sieg, der gar nicht so unmöglich ist gegen zur Zeit angeschlagene Bremer, die vermutlich auf Fritz und Diego verzichten müssen. Volles Engagement und ein bisschen Glück werden schon nötig sein. Aber so ist er eben, der Abstiegskampf. Wenn unsere Mannschaft das immer noch nicht verstanden hat, ist eh jede Hoffnung umsonst – ob mit oder ohne Stürmern.