Bewegt man sich seit Samstag in den bekannten Foren der Mönchengladbacher Fangemeinde, findet man bemerkenswerte Diskussionen. Es wird spekuliert, ob Borussias Kader stark genug für den Wiederaufstieg sei, welche Mannschaften sich man als Mit-Absteiger wünsche, wie der Kader überhaupt in der nächsten Zweitligasaison aussehe. Borussia hat nicht nur das Problem des schlechten Tabellenstandes, sondern auch das des jammernden und sich selbst zerreißenden Umfeldes. Egal, was war und egal, wer woran (vermeintlich) die Schuld trägt: wir schreiben den 25. Spieltag, es folgen noch zehn Spiele, von denen sechs im heimischen BorussiaPark ausgetragen werden. Noch vor wenigen Jahren hätte sich ein Großteil der Mönchengladbacher Fanszene beim Ausblick auf sechs entscheidende und wichtige Heimspiele kampfes- und sangeslustig die Hände gerieben. Anno 2007 ertrinkt man in Selbstmitleid und gegenteiligen Schuldzuweisungen. Dabei waren es genau diese Phasen, in denen der „Mythos" der besten Fans der Welt entstand.
Es ist zurzeit nebensächlich, wer welchen Fehler gemacht hat. Niemand ist allein schuldig für irgendeine Platzierung. Es ist weder der Stürmer mit 30 Toren (den Borussia nicht hat), noch der Trainer mit Ein- und Auswechslungen oder taktischen Vorgaben noch der Sportdirektor mit getätigten oder nicht getätigten Transfers. Es sind Fragmente, die zu einem Gesamtbild führen, doch dürfen sie nicht als Alibi für alles genommen werden. Man braucht in Mönchengladbach immer eine Sau, die man durchs Dorf treiben kann. Insofern hat Peter Pander Recht, wenn er sagt, dass er auch für den Nicht-Abstieg 2004/05 und den zehnten Platz 2005/06 verantwortlich sein will, wenn man jetzt die alleinige Schuld des status quo auf ihn abwälzt. Und wo bleiben die Kritiker, die Luhukay dafür rügen, den schon ausgemusterten El-Fakiri „von der Tribüne in die Startelf" zu spülen? Die Aufarbeitung dieser Saison wird im Sommer erfolgen (müssen), unabhängig vom Ausgang. Dennoch stellt sich die Frage, welchen Sinn es in der jetzigen Phase hat, sich in Personalfragen zu verrennen.
Es zählt nur noch eins: den Abstieg vermeiden. Viele Fans werden argumentieren, dass sie im Laufe der Saison schon ausreichend in Vorleistung gegangen sind. Das ist richtig. Es geht hierbei nicht um die Wechselwirkung von Fans und Mannschaft im Spiel, es ist das allgemeine Auftreten, die Einstellung zur Sache. Plakate mit „Pander raus - Effe rein" mögen den Nerv der Zeit treffen, sind aber nicht zielführend. Jeder sollte sich fragen, wen er jetzt und in Zukunft in der Verantwortung im Verein haben will und ob man mit gewissen Entscheidungen nicht vom Regen in die Traufe kommt. War es nicht Effenberg, der „seine" Borussia bereits zweimal verlassen hat, als bessere Angebote kamen?
Rechnerisch ist noch gar nichts entschieden, Borussia hat es selber in der Hand. Niemand bestreitet, dass es schwierig wird. Niemand sagt, dass Borussia kein strukturelles Problem hat, doch löst man dieses nicht inmitten einer Saison.
Fußball hat den Vorteil, dass er relativ einfach ist. Manchmal geht es nicht um Ratlosigkeit, um fehlende Ideen. Manchmal reicht einfach die Einstellung. Die Mannschaft hat schon in den vergangenen Wochen den Kampf angenommen, mit den ihr zur Verfügung stehenden, qualitativen und spielerischen Mitteln. Mit einem Abstieg wird sich niemand anfreunden, doch wäre es fatal, wenn man sich am Ende der Saison vorwerfen müsste, dass nicht alle an einem Strang gezogen haben. Die nächste Jahreshauptversammlung wird kommen, und da wird und muss Tacheles geredet werden. Bis dahin gibt es Wichtigeres.
Jürgen Klopp hat in der Winterpause gesagt: „Wir fangen bei null an!". Ich finde, es ist auch in Mönchengladbach höchste Zeit, bei null anzufangen. Ab jetzt, für die nächsten zehn Spiele.
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