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Ein längst überfälliger Schritt |
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Geschrieben von Michael Heinen
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Donnerstag, 08 März 2007 |
Mit der Entlassung von Peter Pander hat Borussia an diesem Donnerstag einen weiteren Verantwortlichen für die aktuelle Krise aus dem Amt entlassen. Es wäre viel zu einfach, unserem Ex-Manager die alleinige Schuld an der aktuellen Situation zuzuschreiben. Schon vor seiner Zeit beklagte Borussia eine eklatante Auswärtsschwäche. Schon vor seiner Zeit wurden viele Fehler gemacht, die bis heute noch nachwirken. Doch niemand wird abstreiten können, dass Pander selbst in seinen knapp 2 Jahren bei Borussia einige schwerwiegende Fehler hinzugefügt hat, die mehr oder weniger entscheidend zur aktuellen sportlichen Situation beigetragen haben. Von daher war die heutige Entwicklung absolut folgerichtig.
Pander hat all seine Entscheidungen natürlich mit den jeweiligen Trainern abgesprochen, so dass auch die Herren Köppel und Heynckes nicht völlig von Schuld freigesprochen werden können. Die beiden haben für ihre diesbezüglichen Verfehlungen ebenfalls mit ihrem Job bezahlen müssen. Bei Peter Pander geschah dies nun etwas später, war aber nicht minder berechtigt.
Ein Fußball-Manager muss letztlich an seiner Transferbilanz gemessen werden. Und diese fiel alles in allem nicht sonderlich gut aus. Echte Top-Verstärkungen kann Pander nicht vorweisen. Spieler wie Zé Antonio oder Bo Svensson mögen ihm dank des Preis-Leistungs-Verhältnisses positiv angerechnet werden. Dem steht aber eine Vielzahl offensichtlicher Fehleinkäufe gegenüber. Insbesondere aber wurde im Laufe der Saison mehr und mehr offensichtlich, dass unser Kader schlecht zusammengestellt ist. Die Innenverteidigung war in der Hinrunde viel zu dünn besetzt. Die (sportlich nachvollziehbaren) Verkäufe von Strasser und Fukal wurden nicht kompensiert, was weniger qualitativ als quantitativ ein Problem darstellte. Hier haben Heynckes und Pander auf die Jugend gesetzt, mussten dann aber im Laufe der Vorrunde selbst eingestehen, zu blauäugig gewesen zu sein. Ein 19jähriger Spieler wie Levels, der letztes Jahr noch Oberliga spielte, war in solch verantwortungsvoller Rolle ebenso überfordert wie der noch bedauernswertere Rubink, der eigentlich noch der A-Jugend angehört.
Doch Pander war nicht einmal bereit oder fähig, aus diesem Fehler zu lernen. So erklärte er noch in der letzten Woche, im Sturm auf die jungen Spieler vertraut zu haben, die allerdings bereits seit mehreren Jahren ihre Torungefährlichkeit unter Beweis stellten. Die Erklärung Panders, hier „zu optimistisch“ gewesen zu sein, muss als Offenbarungseid gewertet werden.
Der ehemalige Wolfsburger versäumte es im Winter, den offensichtlichen Mangel an torgefährlichen Stürmern zu beseitigen, obwohl Oliver Neuville für mindestens 2 Monate ausfiel und ein Vaclav Sverkos abgegeben wurde. Eine angestrebte Verpflichtung von Bance scheiterte. Doch es war insgesamt absolut fahrlässig, überhaupt keinen Stürmer zu holen. Während Mainz, Hamburg und Bochum einige ihrer Schwachstellen im Winter erfolgreich beseitigten, holte Pander mit Thygesen und Baumjohann zwei Perspektivspieler sowie mit Gohouri nachträglich den schon im Sommer so dringlich benötigten Innenverteidiger. Über 3 Mio. Euro wurden im Winter insgesamt ausgegeben, ohne dass unsere dringlichste Schwachstelle beseitigt wurde. Anstatt das Risiko des Abstiegs zu minimieren, wie es seine Pflicht gewesen wäre, waren Panders Transferbemühungen leider „nicht zielführend“.
Zusammen mit der unsäglichen Schlaudraff-Geschichte führten diese und noch einige andere merkwürdige Untaten des Managers dazu, dass er mehr und mehr Kredit einbüßte. Sowohl bei den Fans, die ihn zuletzt als Sündenbock anprangerten, wie aber offensichtlich auch im Präsidium, wo zuletzt nicht mehr viel Rückendeckung für Pander zu spüren war.
Die vorzeitige Trennung war daher absolut überfällig. Seit Wochen war es ein offenes Geheimnis, dass Panders Zukunft nicht bei Borussia liegen würde. Warum also unnötig weiter rumeiern? Borussia ist heute endlich den ehrlicheren Weg gegangen und hat sich von ihrem unglücklichen und leider oftmals auch unfähigen Mitarbeiter getrennt.
Unruhe wäre am Samstag ohnehin zu erwarten gewesen, da vereinzelte Fangruppen bereits angekündigt hatten, Pander sogar während des Spiels an den Pranger stellen zu wollen, was in keinem Fall für unser primäres Ziel hilfreich gewesen wäre. Dies heißt nämlich weiterhin, mit aller Macht zu versuchen, in dieser Saison den Klassenerhalt doch noch irgendwie zu sichern. Durch den Rücktritt des Managers bekommen wir keinen Punkt mehr in der Tabelle gut geschrieben. Und auch die Wahrscheinlichkeit des Klassenerhalts dürfte unbeeinflusst bleiben. Kurzfristig ändert sich nichts an unserer Lage. Da ist weiterhin die Mannschaft unter Jos Luhukay gefragt, mit ähnlichem Engagement wie gegen Bremen und 65 Minuten lang in Wolfsburg alles zu geben, um das unmöglich Scheinende doch noch möglich zu machen.
Wichtig war die Entscheidung vielmehr mittel- bis langfristig, denn hier muss Borussia schleunigst ein Konzept entwickeln, wie man die Fehler der Vergangenheit beseitigen und aus ihnen lernen möchte. Auch wenn die fehlende Planungssicherheit die Situation erschwert, brauchen wir jetzt schnellstmöglich ein neue sportliche Leitung, mit der wir in eine hoffentlich bessere Zukunft starten können. Der Verein wird sich jetzt auf die Suche nach einem geeigneten Nachfolger für Pander machen und dabei hoffentlich ein glücklicheres Händchen beweisen. Dass man einen solchen benötigt, dürfte spätestens seit dem Heynckes-Rücktritt im Verein bekannt sein, so dass man jetzt nicht völlig unvorbereitet auf die Situation sein sollte.
Auch die Trainerfrage sollte in nicht allzu ferner Zukunft geklärt werden. Jos Luhukay hatte einige Spiele lang Zeit zu zeigen, wie er arbeitet. Entweder man ist von ihm, seiner Arbeit und seinem Konzept für die Zukunft überzeugt oder nicht. Aus meiner Sicht scheint Luhukay der geeignete Mann für die Zukunft zu sein, dem auch in Liga 2 ein ordentlicher Neuaufbau zuzutrauen wäre. Von daher wäre es absolut wünschenswert, der Verein würde sich möglichst bald zu seinem Trainer bekennen und ihm auch für den Fall des Abstiegs sein Vertrauen aussprechen.
Es gibt viel zu tun bei Borussia in den nächsten Wochen. Vollkommende Ruhe wird dabei nicht aufkommen, was bei einem Tabellenletzten aber ohnehin nicht der Normalzustand sein kann. Trotzdem bietet uns die konsequente Entscheidung des heutigen Tages die Chance, uns endlich wieder verstärkt aufs Sportliche zu konzentrieren. Am Samstag geht es ins erste Endspiel gegen Hertha BSC, worauf ab sofort die volle Konzentration zu richten ist. 10 Spieltage vor Schluss ist Borussia noch lange nicht abgestiegen. 5 Punkte Rückstand sind viel, aber es gibt genügend Beispiele aus der Vergangenheit, dass selbst größere Rückstände noch aufgeholt wurden.
Peter Pander sei trotz aller nötiger Kritik für seine Zukunft alles Gute gewünscht. Die letzten Wochen und Monate waren für ihn sicher nicht leicht und es ist beschämend für unseren Verein, wenn ein Mitarbeiter mit Morddrohungen konfrontiert wird und Polizeischutz benötigt. Herrn Pander ist zu wünschen, dass auch er und seine Familie jetzt wieder zur Ruhe kommen und er bei seiner nächsten sportlichen Aufgabe mit etwas mehr Fortune und Geschick agieren wird als ihm dies bei unserem Verein gelungen ist.
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