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SEITENwechsel, der 27. |
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Geschrieben von Mike Lukanz
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Dienstag, 10 April 2007 |
Lieber Mike,
ich stutze und überlege, ob auch ich im Kindergarten, im
zarten Alter von drei oder vier oder fünf Jahren, schon derlei Rechungen
aufgestellt (und womöglich wieder verworfen) habe, die Du so selbstbewusst für
deine dortige Schaffenszeit reklamierst. Es kann schon sein. In diesem
besonderen Fall ist das aber völlig egal. Ich will es mal folgendermaßen
erklären: Kennst Du noch die überhaupt nicht lustigen Korrektur-Marotten
gemeiner Mathe-Lehrer? Da hatte man mühsam und erfolgreich die Ergebnisse
komplizierter Gleichungen vom Nachbarn abgeschrieben und der Einfachheit halber
auf den umständlichen Lösungsweg verzichtet, schon gab es nur einen Bruchteil
bzw. gar keine Punkte. Das war natürlich ärgerlich, schließlich war das Ergebnis
doch erstens clever herbeigezaubert und zweitens auch noch korrekt. In etwa so
verhält es sich womöglich auch mit deinen Kindergarten-Beispielen: Sie sind zwar
ärgerlich, aber im Ergebnis diesmal wohl leider korrekt: Borussia ist schlechter
als Bochum. Bochum hat diese Saison schon 33 Punkte gesammelt und 36 Tore
geschossen - beides Werte, die der VfL unter Umständen nicht mehr erreichen
wird.
Was das Drumherum dieses Niedergangs angeht, sieht die Lage aus einigen hundert
Kilometern Entfernung sehr viel entspannter aus. Lässt man mal die
vermeintlichen Meinungen diverser Schreihälse außer Acht, die recht schnell in
ihrer Einfältigkeit langweilen, schält sich doch ein recht angemessener Umgang
mit der gegenwärtigen Situation heraus. Mit Jos Luhukay ist ein Trainer im Boot,
dessen Vertrag schon jetzt über die Saison hinaus verlängert wurde und dem alle
verantwortungsvoll Beteiligten zutrauen, dass er einen langen Atem, ein
mitttelfristiges Konzept und dass er Ahnung hat. Mit Christian Ziege ist ein
Sportdirektor verpflichtet, der auf den ersten Blick einen realistischeren
Zugang zur Borussia gefunden zu haben scheint als ihn Peter Pander je hatte. Ihm
traut man zu, zum Horst Held der Fohlen zu werden, während man Pander den Dieter
Heoneß von Gladbach nie so richtig abnahm. Sollten Kasey Keller, Marcell Jansen,
Oli Neuville oder Insua wirklich bleiben, wenn es in der 2. Bundesliga nach
Osnabrück geht - und dass sich das lohnt, könnten sie wissen! -, dann stünde ein
Korsett, um das sich ein Neuanfang formatieren ließe. Wenn man nun hoffentlich
nicht ganz naiv unterstellt, dass sich die Verantwortlichen in der
Hennes-Weisweiler-Allee bereits jetzt mit dem Super-GAU beschäftigen, dürfte die
Borussia die Mission "Direkter Wiederaufstieg" substanzieller, gelassener und
organisierter angehen als die Konkurrenz aus Köln oder Kaiserslautern - ob
erfolgreicher ist erst einmal unwichtig. Nicht überzubewerten auch, dass Fans
und Umfeld nicht annähernd so aufgebracht scheinen wie am Ende der Heynckes-
oder gar der Köppel- oder gar der Advocaat-Ära.
Ähnlich wie nun in
Gladbach - darauf wies ich
letztens schon einmal im VfLog hin - standen die Zeichen vor wenigen Jahren
in Osnabrück. Auch dort gelang ein nachhaltiges, mit den Fans weitgehend klug
abgestimmtes Wiederaufbauprogramm, an dessen Ende bald bestenfalls der
Wiederaufstieg in die 2. Liga steht. Vorher war man ein Jahr äußerst unglücklich
daran vorbeigerutscht, eine weitere Saison endete mehr als enttäuschend im
ambitionslosen Mittelfeld, und erst im dritten Jahr sieht es nun so aus, als
gehe alles gut. Eine ähnlich lange Reise steht womöglich der Borussia bevor, und
es gäbe Schlimmeres. Kurzfristig jedoch ist erst einmal wichtig, dass dein
Kindergartenrechnen weiter zutrifft: Borussia wird gegen Hamburg gewinnen.
Allein schon, um einen unsympathischen Traditionsklub mit in den unseligen
Strudel zu ziehen. Das wäre schön!
Maik
Auf schillernde Juwelen kann man von vielen Seiten blicken und staunen.
Seit 1997 bereits blickt SEITENWAHL für seine Leser auf das Gladbacher
Geschehen, 2004 gesellte sich der VfLog dazu. Beide Projekte haben
ihren eigenen unverwechselbaren Charme. Zu Beginn der Saison 06/07
kommt es nun zum SEITENwechsel: SEITENWAHL und VfLog beginnen
einen Briefwechsel, in dem alles möglich ist: Fachsimpelei,
Verbalfouls, Streit und Harmonie. Solange die Tinte reicht, wird auf
www.seitenwahl.de und www.VfLog.de künftig nach Spieltagen der Brief der jeweils anderen Seite veröffentlicht.
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