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Eine faire Chance Drucken
Geschrieben von Michael Heinen   
Donnerstag, 19 April 2007
Image10 Spiele ist Jos Luhukay jetzt im Amt. 10 Spiele, in denen er auch nur 9 Punkte holte und damit nur marginal besser abschnitt als Vorgänger Jupp Heynckes. Grund genug für viele, den Trainerwechsel jetzt bereits zu hinterfragen, der ja offensichtlich keinen sichtbaren Erfolg gebracht hat.
Diese Einschätzung fußt auf der weit verbreiteten Ansicht, ein neuer Besen habe automatisch sofort gut zu kehren. Der Trainerwechsel als Allheilmittel, um aus einer sportlichen Misere hinauszukommen. Manchmal klappt dies, wie z.B. zuletzt beim HSV, wo Huub Stevens innerhalb weniger Wochen zum Höhenflug ansetzte. In den allermeisten Fällen läuft es aber eher so wie bei Borussia, was sogar wissenschaftlich für den holländischen Fußball untersucht wurde. (siehe Bas ter Weel: "Does Manager Turnover improve firm performance? New evidence using information from Dutch soccer, 1986-2004", online: ftp://repec.iza.org/RePEc/Discussionpaper/dp2483.pdf) 

Eine Wende zum Besseren kann ein neuer Trainer i.d.R. nur dann herbeiführen, wenn der alte Coach die Mannschaft aus welchem Grund auch immer blockierte und die eigentliche Qualität der Spieler über dem aktuellen Tabellenstand liegt. Bei Borussia hingegen ist die Lage eher so, daß die Mannschaft leistungsmäßig genau dort steht, wo sie leider hingehört. Nachdem in den letzten zwei Jahren der vierte Trainer eingewechselt wurde, ohne dass sich merklich etwas besserte, sollten wir einsehen, dass in diesem Kader strukturelle Defizite herrschen, die kurzfristig nicht zu stopfen sind. 
 

Dennoch gibt es inzwischen nicht wenige, die im neuen Coach den neuen Sündenbock sehen, und ihn allen Ernstes für die nicht gelungene Aufholjagd verantwortlich machen. Wenn man stattdessen einen Jörg Berger fordert, der in ähnlicher Lage schon zweimal (Karlsruhe, Rostock) ebenso scheiterte, dann ist das aberwitzig. Natürlich darf man darüber reden, ob Luhukay mit einzelnen Personalentscheidungen daneben gelegen hat. Statt Insua hätten es letzten Freitag sicherlich einige andere eher verdient gehabt, den Platz verlassen zu müssen. Doch darf man diese eine umstrittene Entscheidung zum Anlass nehmen, Luhukay jegliche Befähigung für sein Amt abzusprechen? Immerhin war der Argentinier in jenem HSV-Spiel ebenfalls schlecht und in den ersten 20 Minuten der 2.Halbzeit überhaupt nicht mehr zu sehen. Und entlarvend sind doch die kontroversen Aussagen einiger Fans, wo einige El Fakiri weichen sehen wollten, während andere diesen als besten Mann sahen, der zur Beschattung von van der Vaart unverzichtbar war. Einige hätten Nando Rafael ausgewechselt, wieder andere kritisierten ohnehin schon, Luhukay habe zu defensiv aufgestellt. Wie hätten die wohl reagiert, wenn mit Rafael ein Stürmer rausgenommen worden wäre? Dabei kann man einem Trainer kaum vorwerfen, keine zwei Stürmer aufzustellen, wenn ihm nicht mal ein echter zur Verfügung steht. 
 

Die Nerven liegen so kurz vor dem kaum noch vermeidbaren Gang in Liga 2 bei uns allen blank und die unsicheren Zukunftsaussichten erklären solche unsäglichen Diskussionen. Die Verantwortlichen im Verein haben erst vor knapp 3 Wochen den Vertrag von Luhukay demonstrativ verlängert und ihm somit das Vertrauen ausgesprochen. Dies hat man getan, weil man von ihm und seiner Arbeit überzeugt ist. Ob es uns gefällt oder nicht, würde der Verein sich jetzt lächerlich machen, wenn er nach so kurzer Zeit und wegen einer vermeintlich falschen Auswechselung von diesem Mann abrücken würde. Ganz abgesehen von den unsinnigen Alternativvorschlägen (Matthäus, Berger, Ristic?!) gebührt einem jeden Trainer ein gewisses Grundmaß an Vertrauen. Wenn man dies von Anfang an nicht hat – wie es Peter Pander bei Horst Köppel erging – dann sollte man ihn gar nicht erst in sein Amt einlassen. Spätestens mit der Vertragsverlängerung hat der Verein ein klares Zeichen gesetzt, mit diesem Mann in die nächsten Jahre gehen zu wollen. Zum damaligen Zeitpunkt gab es im Übrigen wenige, die dies kritisierten. Stattdessen waren die Internet-Foren voll des Lobes über die weitsichtige Entscheidung zugunsten des damals noch beliebten Holländers. Es ist beängstigend, wie schnell sich allerdings in unserem Verein mittlerweile der Wind drehen kann und Kredit aufgebraucht ist.
 

Letztlich bestätigt sich wieder einmal, daß alles Gerede von Kontinuität nur bedingt funktioniert. Kontinuität kann es im heutigen Profi-Fußball nur geben, solange der kurzfristige Erfolg stets gegeben ist. Dies musste bei uns 1996 ein Bernd Krauss erfahren, der am Ende einer verheerenden Vorrunde seine Koffer packen musste. Oder gar selbst ein Hans Meyer, dem der Rückfall auf einen Abstiegsplatz 2003 zum Verhängnis wurde, und der einer Entlassung durch eigenen Rücktritt zuvor kam. In beiden Fällen trauerte die Fangemeinde diesen erfolgreichsten Borussen-Trainern seit Hennes Weisweiler lange hinterher und es stellte sich heraus, daß ihre jeweiligen Nachfolger keine spürbare Trendwende einläuteten. Der Abstieg im gleichen Jahr konnte zwar jeweils vermieden werden. Langfristig führte beides aber ein paar Jahre später zu einer noch viel verheerenderen Situation, die letztlich den Gang in Liga 2 unausweichlich werden ließ. 
 

Nun kann niemand sagen, ob Luhukay ein neuer Krauss oder Meyer ist oder ob er später in die Kategorie vom Bruch, Bongartz, Bonhof einsortiert werden wird. Niemand kann vorhersehen, ob es ihm tatsächlich gelingen wird, eine aufstiegsfähige Mannschaft zusammenzustellen und diese direkt wieder hoch zu bringen oder ob er bonhoff-like ans Tabellenende der 2.Liga durchgereicht wird und schon nach wenigen Wochen im neuen Spieljahr dann doch entlassen werden muss.
 

Alles, was ich einfordere, ist es, diesem Mann eine faire Chance einzuräumen und ihm die Gelegenheit zu geben, seine hohen Vorschusslorbeeren zu rechtfertigen. Mit Bayer Uerdingen und dem SC Paderborn hat er in unteren Ligen bemerkenswertes geleistet. Er hat mit vermeintlich schwachen Mannschaften viele stärkere Kaliber hinter sich gelassen. Dies muss nicht bedeuten, dass er sich gleichfalls als Trainer eines favorisierten Teams eignet, der nächstes Jahr eine ganz andere Ausgangslage vorfinden wird. Aber es ist anmaßend, schon jetzt behaupten zu wollen, daß er bei einem Verein wie Borussia automatisch keinen Erfolg haben könnte. Genau jenes großspurige Auftreten, mit dem wir glaubten, Mannschaften wie Hannover, Bielefeld oder Cottbus haushoch überlegen zu sein, ist ein Mosaikstein zu unserer jetzigen Misere. Wer sind wir denn, dass wir glauben, ein Trainer, der „nur“ bei Vereinen wie Paderborn oder Uerdingen Erfolg hatte, sei für unseren tollen Verein nicht gut genug?? 
 

Luhukay ist ein ausgewiesener Fußballfachmann mit enormem Sachverstand. Das bestätigen alle, die ihn und seine Arbeit länger kennen, und das unterstreichen seine fast immer gut nachvollziehbaren Analysen nach Spielende. Er hat versucht, über den „Ein Team“-Gedanken ein Zusammengehörigkeitsgefühl auszulösen, das uns trotz aller fehlenden Qualitäten in der Offensive, über die Saisonendphase trägt und den einen oder anderen Spieler (wie z.B. Rafael, El Fakiri oder Delura) an die oberste Leistungsgrenze oder gar noch ein Stückchen darüber hinaus bringt. Für ein paar Wochen sah es danach aus, als könnte diese Taktik aufgehen, als man gegen Bremen, Wolfsburg und Berlin einen sichtbaren Aufwärtstrend erkennen konnte. Spätestens der Last-Minute-Knacks gegen Leverkusen zerstörte diesen sich evtl. anbahnenden Lauf aber wieder. Danach war bei einigen der Glaube an den Klassenerhalt womöglich zu sehr erschüttert, um sich zu einem weiteren Kraftakt durchzuringen. Der „Ein-Team“-Gedanke ist eben nicht umsetzbar, wenn nur 2-3 Spieler aus der Startelf unterbewusst aufgegeben haben. 
 

Luhukay dafür verantwortlich zu machen, wäre genauso, als würde man Christoph Daum in Köln verurteilen, weil er mit seinen Spielern den Aufstieg in Liga 1 doch nicht mehr bewerkstelligen konnte. Oder Ottmar Hitzfeld bei den Bayern um die Ohren zu hauen, daß er das CL-Aus nicht verhinderte und zudem in der Meisterschaft genauso hinterher hechelt wie sein Vorgänger Felix Magath. Genau wie Köln und die Bayern für ihre jeweilige Situation qualitativ nicht gut genug aufgestellt sind, muss auch Luhukay bei Borussia damit leben, was ihm von seinen Vorgängern vorgegeben wurde. Dies hat er beim besten Willen nicht zu verantworten und daher ist es unfair, ihm auch nur die kleinste Mitschuld an diesem Abstieg zu geben, den so viele andere in den letzten Jahren herbeigeführt haben. Spätestens als Anfang Februar klar wurde, daß kein neuer Stürmer verpflichtet werden würde, war Borussias Abstieg quasi besiegelt. Jos Luhukay muss jetzt das ausbügeln, was andere uns eingebrockt haben. 
 


Geben wir diesem Mann seine Chance, im Team mit Christian Ziege die neue Saison zu planen. Es werden vielleicht Spieler gehen, die der eine oder andere lieber gehalten hätte, und es werden welche bleiben, die wir nicht mehr so gerne sehen würden. Es mögen Spieler kommen, die wir für zu schlecht halten und andere nicht, die wir gerne verpflichtet hätten. Dies darf man gerne kommentieren und kritisieren. Doch letztlich stehen Luhukay und Ziege in der Verantwortung, sich nach eigenen Vorstellungen eine Mannschaft zusammenzustellen, die nächstes Jahr eine realistische Chance auf den Wiederaufstieg und zudem eine ordentliche Perspektive für ein langfristiges Überleben in Liga 1 besitzt. Ob ihnen dies gelingt, daran sollten wir die Beiden messen und das kann erst frühestens Ende dieses Jahres geschehen. Bis dahin sei ein bisschen mehr Vertrauen in die Arbeit des Trainers gesetzt, das man ihm immerhin vor wenigen Wochen noch deutlich ausgesprochen h
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