|
Über die Legende von den Heilsbringern |
|
|
Geschrieben von Michael Heinen
|
|
Dienstag, 24 April 2007 |
Die Frage steht im Raum und wird hitzig diskutiert. Kann man bei einer dermaßen schwachen Offensivleistung ohne Not auf Spieler wie Degen, Thygesen, Thijs und Sonck verzichten? Subjektiv wird jeder Borussen-Fan dies anders beantworten. Da macht es vielleicht Sinn, das Urteil von außenstehenden Experten zu Rate zu ziehen. Auch wenn die Noten des kicker nicht als unfehlbare Instanz angesehen werden dürfen, bieten sie hier ein interessantes Ergebnis.
Von den 29 Borussen-Akteuren, die in dieser Saison vom Fachmagazin bewertet worden sind, landen die oben genannten Akteure allesamt auf hinteren Plätzen. Platz 21 geht an David Degen (Notenschnitt 4,33), dicht gefolgt von Bernd Thijs (4,36). Platz 26 nimmt Mikkel Thygesen (4,67) mit seinen bislang 5 Einsätzen ein. Immerhin 28. und damit Vorletzter ist Wesley Sonck (5,17), der es nur Rubinks Schalke-Auftritt verdankt, nicht die Rote Laterne in dieser Statisik ergattert zu haben. Überhaupt finden sich mit Rubink, Levels, Lamidi, Fleßers sonst ausnahmslos nur Youngsters sowie mit Sverkos ein bereits im Winter Aussortierter in der Borussen-Flop 9 des kicker.
Sicher mag man einwerfen, Sonck habe in dieser Saison nur in 8 Pflichtspielen seine Chance erhalten. Immerhin viermal durfte er aber von Beginn an ran, wobei er nur einmal (in der 73. Minute) ausgewechselt wurde. Ob beim Pokal in Osnabrück oder in den Ligaspielen gegen Hannover, Bochum und Cottbus. Gegen nicht allzu übermächtige Gegner lieferte er Leistungen ab, die sogar noch schlechter waren als das, was uns seine „Sturm“kollegen sonst so präsentieren. Soncks Spiel wirkte meist nicht nur lustlos und blieb wirkungslos. Auch der ihm zugeschriebene Torriecher versagte in den Spielen gegen Bochum und Cottbus, wo er in jeweils aussichtsreicher Position eine hundertprozentige Chance kläglich vergab.
Für ihn wie für die anderen von Luhukay kaum berücksichtigten Spieler gilt, dass sie von einigen Fans als vermeintliche „Heilsbringer“ gefordert werden. Rein sportlich gibt es aber gute Gründe, die einen Verzicht mehr als nachvollziehbar machen. Tiefer als auf Platz 18 hätten wir mit ihnen natürlich auch nicht abrutschen können. Aber wenn man die Leistungen dieser Spieler bei ihren Erstliga-Einsätzen für Borussia, in der Nachwuchsrunde oder in der Amateur-Elf heranzieht, so haben sie sich in keiner Weise für einen Platz in der ersten Elf aufgedrängt und es spricht wenig dafür, dass wir mit ihnen nur einen Zähler mehr auf unserem kärglichen Punktekonto haben würden.
Wenn es schlecht läuft, sind es immer die, die nicht berücksichtigt werden, nach denen am lautesten geschrieen wird. Wenn sie dann irgendwann ihre Chance bekommen und sie nicht nutzen, kann man sie immer noch verteufeln. In den letzten Jahren gab es mit Polster, Auer, Heinz und Elber ähnliche „Heilsbringer“, die der jeweilig „böse“ Coach vermeintlich ohne Grund ignorierte. Die Erfahrung lehrt, dass jene Spieler nach ihrem Weggang woanders ihre Chance bekamen und sich dort herausstellte, dass unsere Trainer vielleicht doch nicht ganz so falsch lagen. Ein jeder sollte sich dessen bewusst sein, wenn er allzu vorschnell nach vermeintlich Alternativen schreit und dem Trainer implizit unterstellt, nicht nach sportlichen Gesichtspunkten aufzustellen. Schaut man auf das Urteil des kicker, so ist nämlich die Nicht-Berücksichtigung der vier Aussortierten sportlich absolut gerechtfertigt.
|