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Home Interviews Borussias U17-Nationalspieler mit Ambitionen: 'Wir wollen Deutscher Meister werden und dann zur WM'
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Borussias U17-Nationalspieler mit Ambitionen: 'Wir wollen Deutscher Meister werden und dann zur WM' |
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Geschrieben von Joachim Schwerin
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Donnerstag, 10 Mai 2007 |
Während die Mittagssonne auf das Hotel Val d’Arimont bei Malmedy herabflutet, wähnen wir uns mitten im Urlaub: Ein Bach murmelt, Touristen bevölkern eine stillgelegte Bahnstrecke durch die Hügel die Ardennen, die neben dem Hotel zum Wandern einlädt, und in der Bar mit Blick auf den Pool schwappt der Capuccino im Takt zur gedämpften Musik. Drei Dutzend Ferienhäuser neben dem Hauptgebäude wirken hingegen verlassen, doch der erste Eindruck täuscht. Tatsächlich beherbergen sie die vier U17-Nationalmannschaften der EM-Gruppe A, darunter in Vierergruppen aufgeteilt das deutsche Team. Obwohl theoretisch Mittagsruhe ist, hat uns DFB-Trainer Paul Schomann ohne Zögern gestattet, in das Haus, das unter anderem Dennis Dowidat bewohnt, einzufallen: „Die ruhen heute sowieso nicht“ kommentiert der Westfale Schomann trocken.
Als wir eintreten, liefern sich zwei Teamkollegen Dowidats auf der
Playstation einen spannenden Fußballwettstreit. Bayern München hat gerade das
von einer einzelnen Person vielumjubelte 1:0 gegen Willem II Tilburg erzielt
(die Namen der Spieler verschweigen wir hier mit Absicht). Bevor Paul Schomann
sich verabschiedet, ruft er noch Tony Jantschke und Eric Tappiser aus einem
Nachbargebäude herbei. Damit ist die Dreierdelegation der Gladbacher Borussia -
im DFB-Team immerhin die zweitgrößte nach derjenigen von Bayer Leverkusen -
komplett. Es ergibt sich ein munteres Gespräch, von dem wir die essentiellen Teile
(es versteht sich bei der guten Stimmung vor Ort, daß manches andere nicht
überliefert wird) nachfolgend zusammenfassen.
SEITENWAHL: Was bedeutet Ihnen die Teilnahme an der
Europameisterschaft, und welches ist Ihr wichtigstes Ziel?
Dennis Dowidat: Es ist immer eine Ehre, für Deutschland zu
spielen, aber eine EM ist natürlich noch bedeutsamer. Unser Ziel ist es, uns
für die WM zu qualifizieren, das wäre noch einmal etwas ganz Besonderes. Gerne
wären wir auch Europameister geworden, aber die WM-Teilnahme war und ist das
oberste Ziel.
SEITENWAHL: Wie haben Sie den Übergang vom normalen
Spielbetrieb im Verein zur EM empfunden?
Dennis Dowidat: Wir hatten zwar noch am Mittwoch vor
Turnierbeginn ein Regionalligaspiel in Köln, doch darauf wird hier beim DFB Rücksicht
genommen. Im Vergleich zu den Spielern, die nicht mehr so spät im Einsatz
waren, haben wir dann erst etwas reduziert trainiert, somit war das kein
Problem.
SEITENWAHL: DFB-Trainer Paul Schomann hat auf die gute
Zusammenarbeit zwischen DFB und Borussia Mönchengladbach hingewiesen und
gesagt, im Verein habe man bereits seit einigen Wochen Rücksicht auf Ihre
EM-Teilnahme genommen. Sind Sie in der letzten Zeit nur noch dosiert an den
Ligaalltag herangegangen, oder war das gar nicht möglich?
Dennis Dowidat: In den Meisterschaftsspielen war das natürlich
nicht möglich, da mußte man immer Tempo gehen. Im Training gab es jedoch eher
Möglichkeiten. Wir haben beispielweise etwas weniger im konditionellen Bereich
gemacht und allgemein etwas dosierter gearbeitet.
SEITENWAHL: Inwiefern ist Marko Marin, der vor einem Jahr
ebenfalls bei der U17-EM zum Einsatz kam und inzwischen bis in die Bundesliga
durchgestartet ist, für Sie ein Vorbild?
Tony Jantschke: Jeder muß erst einmal auf sich selbst schauen, um
zu sehen, ob er den Sprung in den Profikader letztlich schaffen kann. Ich hoffe
selbstverständlich, daß das für mich bei Borussia klappt, aber Gladbach kann
natürlich in den nächsten Jahren auch nicht zu viele Jugendspieler auf einmal
an den Profibereich heranführen. Man sollte einfach abwarten, wie sich die
Dinge entwickeln. Das ist für jeden Spieler individuell anders.
SEITENWAHL: Borussia hat in diesem Jahr aufgrund der
speziellen Situation, in der sich die erste Elf und die weiteren Teams
befanden, vielen Jugendspielern die Möglichkeit gegeben, sich frühzeitig in
höheren Ligen zu zeigen. Empfinden Sie das auch als zukünftig gute Chance für
sich selbst, oder überwiegt der Frust, daß es derzeit mit Ausnahme der U17 im
Verein nicht gut läuft?
Dennis Dowidat: Insgesamt ist diese Saison für den Verein erst
einmal eine große Enttäuschung, und das merkt man auch an der Stimmung. Für uns
selber in der U17 kann man daraus aber keine Rückschlüsse ziehen. Wenn man gut
ist, kommt man mit der Zeit ohnehin nach oben, egal ob ein bißchen schneller
oder langsamer. Für uns ist natürlich derzeit ohnehin egal, ob wir irgendwann
mal die Perspektive auf erste oder zweite Bundesliga haben, aber für den Verein
macht es eher einen Unterschied, klar.
SEITENWAHL: Wie erklären Sie sich, daß Borussias U17 in
diesem Jahr in der Regionalliga West so erfolgreich ist?
Tony Jantschke: Wir hatten am Anfang der Saison viele gute
Einzelspieler. Christian Ziege hat aus uns dann ein Team gemacht. Das merkt man
jetzt gerade am Ende der Saison, beispielsweise wie wir gegen Köln trotz der
frühen roten Karte aufgetreten und trotz des 2:2 moralisch als Sieger vom Platz
gegangen sind.
SEITENWAHL: Haben Sie den Weggang eines großen Fußballers wie
Christian Ziege vom Trainerposten der U17 bedauert?
Dennis Dowidat: Klar hätten wir gerne weiter mit ihm
zusammengearbeitet; er war sehr locker, und die Arbeit mit ihm hat sehr viel
Spaß gemacht. Unseren jetzigen Trainer kennen wir aber schon lange, er ist ein
ganz anderer Typ, jedoch ein super Trainer, und er führt reibungslos weiter,
was Christian Ziege angelegt hat.
SEITENWAHL: Wie wichtig ist die Endrunde zur Deutschen
Meisterschaft noch im Vergleich zur EM hier oder eventuell der WM im Sommer?
Tony Jantschke: Man kann in der Jugend wohl nur ein- oder zweimal
deutscher Meister werden, und das wollen wir schaffen. Wir haben in allen
Bereichen eine tolle Truppe, einschließlich der Auswechselspieler, die das
gleiche Niveau haben wir die erste Elf. Wir haben daher eine sehr gute Chance
auf den Titel.
SEITENWAHL: Dann wünschen wir viel Erfolg für die anstehenden
Aufgaben!
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