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Geschrieben von Christoph Clausen
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Mittwoch, 16 Mai 2007 |
Lieber Christoph,
über Abwesende
schreiben wir ja stets nur Gutes, dem lieben Mike gilt also ein herzlicher Gruß
in den Urlaub! Er ist wohlverdient, keine Frage. Doch, wahrlich, wenn Mike
zurückkommt, kann er sich warm anziehen: So viele literarische Bezüge hat
selbst unser liebster Vielzitierer bisher nicht in einem Seitenwechsel
untergebracht wie Du! Hut ab und chapeau! Was sollen wir da noch sagen? In
Bezug auf die letzten Monate können wir nur mit einem anderen
mephistophelischen Dunstkreis zustimmen: „Oh selig, wer noch hoffen mag, aus
diesem Meer des Irrtums aufzutauchen!" (Gern zitiert in diesen Wochen, ich
weiß.) Und doch, diese Hoffnung ist doch alles was wir haben. Die
Seelenlosigkeit des real existierenden Abstiegs, die Peinlichkeit der Häme mancher
Fans angesichts der VfL-eigenen exorbitanten (d. h.:schlechten)
Leistungen, Du beschreibst es mehr als treffend!
Doch dein
schönster Verweis gilt der "Ästhetik des Scheiterns". Genau darum
geht es in meinen Augen. Scheitern ist kein Problem, im Gegenteil. Über meinem
Schreibtisch hängt seit Jahren ein Zitat des Videokünstlers Nam June Paik: „Wenn
zu perfekt, liebe Gott böse!" - ein bezaubernder Appell gegen alle Hybris,
Selbstüberschätzung aber auch Selbstquälerei. Wir sind Menschen, wir machen
Fehler. Auch Beckett wusste dies und schuf das prima Lebensmotto: "Try again. Fail again. Fail better." Und genau diese Ästhetik des Scheiterns
ist in Gladbach abhanden gekommen. Der Machbarkeitswahn ohne Demut führte zu
immer größerem, statt immerbesseren Scheitern. Jetzt geht es wieder in Liga
zwei, das ist die Quintessenz und Konsequenz der fatalen Handlungen der letzten
Jahre. Werden wir wieder aufsteigen? Ich hoffe es. Wird es auf dem Weg dahin
neue Probleme geben? Ich bin dessen gewiss. Und das heißt auch: In Gladbach
muss sich die Einstellung zum Thema Erfolg, zum Thema Machbarkeit ändern, und
der Umgang mit Scheitern ganz neu geübt werden. Die Engländer, so schreibst Du
zurecht, haben kein eigenes Wort für Schadenfreude. Dafür kennen sie
dieses Sprichwort: "How do you make God laugh? - Tell him your plans." Wir sollten in Gladbach alle für eine Weile in Urlaub
fahren. Und dabei Demut und Scheitern noch einmal ganz neu lernen.
Liebe Grüße,
Martin
Auf schillernde Juwelen kann man von vielen Seiten blicken und
staunen. Seit 1997 bereits blickt SEITENWAHL für seine Leser auf das Gladbacher
Geschehen, 2004 gesellte sich der VfLog dazu. Beide Projekte haben ihren
eigenen unverwechselbaren Charme. Zu Beginn der Saison 06/07 kommt es nun zum
SEITENwechsel: SEITENWAHL und
VfLog beginnen einen Briefwechsel, in dem alles möglich ist: Fachsimpelei,
Verbalfouls, Streit und Harmonie. Solange die Tinte reicht, wird auf
www.seitenwahl.de und www.VfLog.de
künftig nach Spieltagen der Brief der jeweils anderen Seite
veröffentlicht.
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