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Home 2006/07 34, H, BL, Bochum
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Bor. Mönchengladbach - VfL Bochum 0:2 |
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Geschrieben von seitenwahl.de
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Samstag, 19 Mai 2007 |
Was durch einen Heimsieg am 20. Mai 2001 endgültig eingeleitet worden war, wurde am heutigen 19. Mai 2007 definitiv zu Ende gebracht: Borussia zweite Zugehörigkeit zur 1. Fußball-Bundesliga. Mit dem zweitschlechtesten Wert bei den erzielten Toren in der Ligageschichte und den zweitwenigsten Gegentoren aller Bundesligaabsteiger sicherte sich die Elf von Trainer Jos Luhukay deshalb für die kommende Saison folgerichtig auch einen Platz in der zweitbesten Liga der Republik. Das heute die Saison beschließende Heimspiel gegen den VfL Bochum verlor sie standesgemäß mit 0:2 (0:1).
Zwei Veränderungen nahm Trainer Jos Luhukay in der
Startformation vor, beide waren aufgrund von Sperren nötig geworden. Für den
rotgesperrten Steve Gohouri begann Zé António in der Innenverteidigung, für den
gelbgesperrten Nando Rafael firmierte Kahê in der Sturmspitze.
Bis zum Bochumer Führungstreffer in der 24. Spielminute
durch Christoph Dabrowski, der sich recht früh eine Verwarnung des emsigen Dr.
Merk zugezogen hatte, war es vornehmlich die Borussia, die in Ballbesitz
versuchte in Richtung des Tores des Gegners zu spielen. Die Bochumer hatten
sich dabei in erster Linie Schussversuchen wie dem des Marcell Jansen zu
erwehren, der unmittelbar nach Spielstart aus gut 25 Metern den Ball an das
Außennetz beförderte. In den besagten Minuten bis zur Bochumer Führung zeigte
sich die Borussia durchaus spielfreudig, im Mittelfeld harmonierten
beispielsweise Federico Insúa und Marko Marin miteinander, doch in der Spitze
blieb die Borussia vorwiegend harmlos. So erreichte Kahê selten den steil
gespielten Ball, der ihn vor des Gegners Tor einsetzen sollte, und die Borussia
musste warten, bis Marko Marin - eingesetzt von Marcell Jansen und Federico
Insúa - mit einem hernach abgefälschten Schuss auf das Tor von Jaroslav Drobny
eine nennenswerte Situation hatte.
Fünf Minuten vor der Bochumer Führung durch Dabrowski (der
geistesgegenwärtig in einen Flankenball schnellte und dabei davon profitierte,
dass Marcell Jansen ihm nicht ausgiebig genug gefolgt war, weil er meinte,
innerhalb des Strafraums obliege es zuvorderst Bögelund Dabrowski in Schach zu
halten) hatten die Westfalen bereits die Möglichkeit zur Führung gehabt,
Misimovic Gekas gesucht, doch Tobias Levels war noch auf dem Posten gewesen und
hatte den drohenden Rückstand verhindern können. Nach dem über die rechte
Angriffsseite erzeugten Treffer für Bochum verflachte das Borussenspiel
zusehends, so dass der von Drobny nur unzureichend gesicherte Torschuss Kasper
Bögelund nach etwa 35 Spielminuten einen Höhepunkt in den verbliebenen Minuten
bis zum Halbzeitpfiff wurde. Der Borussia, der man in den ersten 23 Minuten der
Partie noch abnehmen konnte sich vernünftig aus der katastrophal gelaufenen
Spielzeit zu verabschieden, gelang es immer weniger ihre offensichtlichen
Defizite zu kaschieren und zum Ende der ersten Halbzeit wurde ihr Tabellenplatz
immer offensichtlicher.
Nach dem Pausentee in den Katakomben der
Hennes-Weisweiler-Allee deutete sich zunächst wieder der Willen der Borussenelf
an sich ordentlich und vernünftig aus der Saison zu verabschieden. Mitunter
wurde gerade in der Anfangsphase dieser Spielhälfte der Ball auch schon einmal
wirklich energisch in Richtung des Tores der Bochumer getragen, doch mehr als
eine gefühlte Torgefahr war die Elf von Jos Luhukay nicht in der Lage zu
entwickeln. Federico Insúa und Marko Marin, der sich redlich bemühte den Ball
in die Spitze zu befördern, scheiterten weiterhin fortwährend an der existenten
Behäbigkeit an und innerhalb des Strafraums. Dort probierte sich in den ersten
12 Minuten mit Kahê auch noch einer von den beiden treffsichersten Borussen in
dieser jämmerlichen Spielzeit um die Umsetzung von Torgefahr, doch zu mehr als
einem ausgehungerten Schuss in Richtung Drobny in der 55. Spielminute war der
brasilianische Angreifer schlicht nicht in der Lage; möglicherweise der
Hauptgrund, weshalb ihn Luhukay nach 57 Minuten gegen den Bundesligadebütanten
und U23-Torjäger René Schnitzler tauschte.
Auch mit diesem auf dem Feld wurde die Borussia nicht
exponentiell torgefährlicher. Ihre ganze bereits angedeutete Jämmerlichkeit kam
in diesen Minuten sehr gut bei einem Eckball zum Ausdruck, bei dem der Ball vor
die Füße der gestaffelt nebeneinander postierten Marcell Jansen und Peer Kluge
landete, beide Leistungsträger sich aber nicht entscheiden konnten wer diese
günstige Gelegenheit mit einem Torschuss nutzen müsste und als Resultat dieser
Zaghaftigkeit nur einen harmlosen Roller produzierten, den abzuwehren für die Bochumer
Defensive kein Problem darstellte.
Während die Bochumer in der 70. Spielminute ihren im
Saisonverlauf bisher ungebrauchten Mittelfeldveteranen Dariusz Wosz für den
zusammen mit Peer Kluge zum 1. FC Nürnberg übertretenden Misimovic auf das Feld
schickten und René Schnitzler sich in der Spitze der Borussia redlich mühte,
verflachte das Spiel wieder deutlicher. Bei Mannschaften, die ein hohes Tempo
anschlagen und dennoch mit der Zeit einen Niveauverlust nicht verhindern
können, heißt es oft sie hätten dem enormen Anfangstempo Tribut zollen müssen.
Das Tempo dieses Spiels war aber zu keinem Zeitpunkt derart hoch, dass man zum
Beispiel der Borussenelf dies als eine Art Vorwand effektiv zugestehen darf.
Eher darf man bezweifeln, dass die in dieser Saison über Wohl und Wehe bereits
ausgiebig entschieden habende Motivation bzw. Eigenmotivation letztlich doch
auf den üblichen aber dennoch kümmerlichen Rest absank. Ein Rest, der das
Borussenspiel zwar optisch kollabieren sah, jedoch wenigstens verhinderte, dass
die Borussenspieler selbst noch den Schein wahrten und eben ein Mindestmaß an
Bereitschaft aufbrachten sich auf den Beinen zu halten.
Unterschlagen sei keinesfalls der appetitanregende
Schlenzer Federico Insúas aus etwa 20 Metern, der in der 74. Spielminute links
am Gehäuse des VfL Bochum vorbeischnellte, unterschlagen seien auch die
restlichen Wechsel nicht. Für den auffälligen Marko Marin kam nach 79
Spielminuten Alexander Baumjohann zu seinem dritten Saisoneinsatz und für den
scheidenden Peer Kluge - der wie auch der verletzte Torwart und
Mannschaftskapitän Kasey Keller sowohl vor, als auch nach dem Spiel erhebliche
Ovationen des Publikums geradezu genießend in Empfang nehmen konnte - in der
87. Spielminute U21-Nationalmannschaftskapitän Eugen Polanski.
Ebenfalls nicht unterschlagen sei das letzte Tor des
Spiels, vor allem nicht, da es dem bereits erwähnten Wosz in seinem 324. und
letzten Bundesligaeinsatz gelang. Der Bochumer Altvordere, der seine Karriere
mit dem Saisonende beschließt, wurde an der rechten Strafraumkante von dem
ebenfalls eingetauschten Pavel Drsek in Szene gesetzt und lief in abwartender
Haltung mit dem Ball am Fuß so lange quer, bis ihm die Abwehr der Borussia eine
Lücke anbot, durch die hindurch er den Ball an Christopher Heimeroth vorbei zum
zweiten Tor des Spiels und zum 44. Gegentor dieser Borussensaison in das Netz
beförderte. Anschließend blieb dem sich für einen Profifußballer in einem
greisen Alter und gleichwohl auch Fitnesszustand befindlichen ehemaligen
Hallenser und Herthaner die Gelegenheit sich vor dem mitgereisten Anhang der
Westfalen für diese Tat bejubeln und feiern zu lassen.
Acht Minuten später betätigte Schiedsrichter Dr. Markus
Merk aus der Nähe von Kaiserslautern seine Pfeife zum letzten Mal und beschloss
somit um 17:17 Uhr die Saison und den sechsjährigen Aufenthalt der Borussia in
der 1. Fußball-Bundesliga.
Über das Resultat des Spiels gibt es keinerlei
Diskussionen. Fünfundzwanzig ansehnliche Minuten in der ersten und etwa
siebzehn akzeptable Minuten in der zweiten Spielhälfte sind unzweifelhaft
zu wenig, um Konkurrenzfähigkeit mehr als nur anzutäuschen. Seit dem
Treffer Andriy Voronins in der Nachspielzeit im Auswärtsspiel in Leverkusen,
bei noch acht ausstehenden und 24 zu vergebenden Punkten - so scheint es im
Endeffekt - hatte sich der überwiegende Teil der von Borussia entlohnten
sportlichen Belegschaft quasi aufgegeben. Auch Trainer Luhukay ist es in dieser
Phase nur sporadisch gelungen den zuvor bereits durch fatal fehlgeleitete Motivationen im Grunde dann endgültig verschluckten Ehrgeiz aufzuwecken,
die spielende Belegschaft aufzurütteln. Heraus kamen eine gute Halbzeit gegen
Hamburg, eine akzeptable gegen München und zweimal gute fünfunddreißig Minuten gegen
Stuttgart und Bochum. Ganze zwei Pünktchen von immerhin 24 möglichen ergatterte
die Mannschaft deshalb bloß und trägt daher auch die Hauptverantwortung dafür,
dass der finanziell gesunde Verein sportlich vor einem Scherbenhaufen und der
so penibel auf die Wahrung der Reputation bedachte Jos Luhukay
extremst unter Druck steht; für den in der Öffentlichkeit oftmals als
liebenswert knuffig umrissenen Venloer, der auch heute wieder kaum eine
Gelegenheit ausließ für die kommende Spielzeit Erwartungen zu wecken, ist mit
dem Schlusspfiff eine Zeit angebrochen, in der er all die gemachten
Versprechungen und effektiven Ausreden, weshalb er trotz hinreichender
Möglichkeit den aktuellen Kader nicht vor dem Absturz hatte bewahren können,
unvermittelt auf das sprichwörtliche Butterbrot geschmiert bekommt.
Das von einigen Anhängern ins Stadion mitgebrachte Plakat
(„Ihr habt uns den Himmel versprochen, ...") ist Ausdruck dessen, was in erster
Linie den Niederländer nunmehr erwarten muss, sollte die von ihm so partout beworbene
Borussia 2007/2008 auch nur in Bruchteilen an die in peinlichem Unwillen ihren
Dienst schiebende Ausgabe dieser Saison erinnern. Und dabei darf auch in keinem
Fall missachtet werden, dass der ultimativste Maßstab der kommenden Saison der
zu erzielende sofortige Wiederaufstieg ist.
Ganz schön viel auf einmal, richtig. Aber wer sich der einfacheren
Aufgabe verweigert, muss die schwierige halt mit entsprechender Bravour
meistern.
Borussia: Heimeroth - Bögelund, Levels, Zé
Antonio, Compper - Kluge (Polanski 87), Fleßers, Insúa, Marin (Baumjohann 79),
Jansen - Kahê (Schnitzler 57)
Ersatz: Löhe - Svensson, Kirch, Thygesen.
VfL Bochum: Drobny - Maltritz, Yahia, P.
Bönig, O. Schröder, Zdebel, Dabrowski (Drsek 75), Misimovic (Wosz 70), Epalle,
Grote (Ilicevic 62), Gekas
Tore: 0:1 Dabrowski (24.), 0:2 Wosz (82.)
Zuschauer: 50.001 (92,56 %)
Schiedsrichter: Dr. Markus Merk (Otterbach)
Gelbe Karten (Borussia): Levels, Kluge, Insúa
Gelb-Rote Karten: -
Rote Karten: -
Besondere Vorkommnisse: Vor der Partie
verabschiedete Borussia jene Profis, die den Verein mit dem Ende der laufenden
Saison definitiv verlassen werden. Unter ihnen Mannschaftskapitän Kasey Keller
und sein Stellvertreter Peer Kluge. Zu seinem Bundesligadebüt kam während des
heutigen Spiels U23-Akteur René Schnitzler (*14. April 1985). Mit dem heutigen Spiel
ist Borussias zweiter Bundesligaabstieg wirksam geworden, wie beim ersten
Abstieg 1999 beschloss sie die Spielzeit auf dem letzten Tabellenrang (damals
gewann sie zwei Partien weniger und hatte 21 Zähler bei 41:79 Toren). Durch
ihre in dieser Saison 23 erzielten Tore und ihre 44 kassierten Treffer reihte
sich Borussia an jeweils zweiter Position unter allen bisherigen
Bundesligaabsteigern ein. Nur Tasmania 1900 Berlin (1965/66, 15) traf, nur der
1. FC Kaiserslautern (1995/96, 37) kassierte als Absteiger weniger Treffer als
Borussia. Die 23 erzielten Treffer (darunter ein Eigentor des Mainzers
Christian Demirtas und ein Elfmeter (Oliver Neuville am 1. Spieltag)) sind
zugleich absoluter Vereinsnegativrekord in ihrer Bundesligageschichte. Bisher
erzielte Borussia in der Saison 2004/2005 mit 35 Toren die wenigsten Treffer,
davor waren 37 Tore in der Fastabstiegssaison 1989/90 ihre geringste Ausbeute.
In insgesamt 204 Partien seit dem Juli 2001 ging Borussia bei einem negativen
Torverhältnis von -68 (224:292 Tore) 54 Mal als Sieger und 62 Mal mit einem
Unentschieden vom Feld; 88 Spiele dieser Zeit verlor sie, davon allein 64 auf
des Gegners Platz. In Heimspielen trug sie 44 Mal den Sieg davon und behielt
bei einem Torverhältnis von +38 (141:103 Tore) 34 Mal einen Zähler in ihrem
Gepäck.
Mit im Durchschnitt 47.587 Zuschauern pro Heimspiel konnte
Borussia in dieser dritten Saison an der Hennes-Weisweiler-Allee an den
Spieltagen die wenigsten Zuschauer seit Eröffnung des neuen Stadions zur Saison
2004/2005 begrüßen. Nur gegen den Hamburger SV am 29. und gegen Bayern München
am 32. Spieltag meldete Borussia ein ausverkauftes Haus; die 39.670 Zuschauer
beim Heimspiel gegen Hannover 96 am 13. Spieltag war die bislang niedrigste
Zuschauerzahl in einem Heimspiel in ihrem neuen Stadion.
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