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Federico Insúa - ein Fazit |
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Geschrieben von Christian Heimanns
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Freitag, 22 Juni 2007 |
Federico Insúa verlässt Borussia. Der teuerste Einkauf in der über 100jährigen Vereinsgeschichte verlässt den Club nach einer Saison voller Enttäuschungen, und Fans wie Beobachter fragen sich, wen wir da eigentlich auf unserer Spielmacherposition hatten.
Eins ist Insúa nicht: Ein Söldner. Das viel benutzte und im
Profifußball meist unangebrachte Wort passt schon deswegen nicht auf ihn, weil
er vor einem Jahr kaum dazu zu bewegen war, seinen damaligen Verein zu
verlassen. Insúa war Führungsspieler und Publikumsliebling beim argentinischen
Meister und hatte sowenig Lust wie Grund, wieder auf Reisen zu gehen. Aus
seinen Äusserungen vor knapp einem Jahr spricht kaum verhohlene Verzweiflung
und es brauchte Zureden nicht nur von Seiten Borussias sondern auch der Boca
Juniors, die unser Geld gut gebrauchen konnten, damit er noch einmal nach
Europa ging.
Und noch etwas ist er nicht: Ein Weichei. Als er von
Avellaneda zu Boca wechselte und die Last des Trikots mit der „10" bekam, hatte
er Riquelme zu ersetzen sowie die Erinnerung an Maradona nicht zu beschmutzen
und er wurde von Bocas riesiger Anhängerschaft sehr kritisch beäugt. Vor allem,
als ihm zu Anfang nicht alles gelang. Doch er biss sich durch, er führte die
Mannschaft als Kapitän in die einzigartigen Derbys gegen River Plate, machte in
wichtigen Spielen entscheidende Tore und war die herausragende Figur der
Meistermannschaft. Ein Mann, der gegen Widerstand seinen Weg gehen kann.
Umso höher waren die Hoffnungen anfangs der letzten Unsaison,
besonders des Verfassers, dass Borussia sich auf einer zentralen Position
hervorragend verstärkt habe. Die beste Platzierung seit dem Wiederaufstieg und
den Juniorchef der argentinischen Nationalmannschaft als Netzers Erben, wo
sollten die Träume enden? Da wo sie '99 auch vorbei waren, jetzt wissen wir es,
aber wieviel Anteil daran trägt Insúa? Luhukay rügte öffentlich in erzürntem
Ton seine mangelnde Effektivität. Bei 2 Toren in 32 Spielen sicherlich zu
Recht, aber die ganze Wahrheit ist das nicht.
Insúa hat sich nie versteckt, sich in jedem Spiel viel
angeboten und den Ball gefordert, und nach anfänglichem Zögern der Kollegen
bekam er ihn auch. Vielfach war es das mangelnde Umschalten seiner Kollegen,
das einen schnelleren Spielaufbau verhinderte. Und Oliver Neuville, der noch am
geeignetsten für zügiges Spiel nach vorne gewesen wäre, war erst ausser Form
und dann verletzt. Insúa wiederum rackerte und ging bei gegnerischem Spiel
aggressiv auf den Ballführenden, löste sich dabei aber zu früh aus der
Mittelfeldformation. Er trieb den Ball energisch nach vorne, verweigerte aber
oft den Torschuss, ganz im Gegenteil zu dem, was man in Argentinien von ihm
sehen konnte. Es mag unfair sein, einen Spieler am Einkaufspreis zu messen;
schliesslich kann er ja am wenigsten dafür, dass wir so großzügig nach Buenos
Aires überwiesen haben. Und dennoch stellt sich beim Vergleich mit seinem
Vorgänger automatisch die Frage, ob er 15 mal besser war, als Thomas Broich.
Freundlicherweise zeigte Insúa in genau einer Halbzeit, was
eigentlich möglich gewesen wäre, nämlich alls er sich gegen Bayern mehrfach
hintereinander den Ball schnappte und von der Mittellinie aus losdribbelte, als
gäbe es kein Morgen. Wiederum typisch für ihn, dass er dann von der
Strafraumgrenze erfolglos versuchte, den Ball in „Tor des Jahres"-Manier unter
die Latte zu schlenzen, aber die Läufe waren atemberaubend. Endlich, als wir
abgeschlagen abgestiegen waren, wussten wir, wofür Borussia 4,5 Millionen Euro
hingeblättert hatte. Vielen Dank auch.
Inzwischen wäre es mir lieber, ich hätte es nie erfahren.
Lieber wäre es mir gewesen, der Spieler von vorher hätte sich verabschiedet als
dass uns einmal mehr demonstriert wurde, wie sinnlos der peinliche Abstieg war.
Es ist zwar nicht Insúas Schuld, dass man Kahê nicht steil schicken kann, dass
Sonck nicht spielen konnte oder wollte, dass Rafael nicht die Antizipation und
den Antritt eines Neuville hat. Aber nachdem wir nun wissen, was Insúa nicht
ist, sehen wir auch mit Klarheit, was er leider wohl war: Gemessen an seinen Fähigkeiten,
und unseren Hoffnungen, eine der grössten Enttäuschungen unserer Geschichte.
Das hört sich sehr bitter an, zumal ich den Spieler bei
weitem nicht so fürchterlich sehe, wie viele andere aus diesem Abstiegskader.
Ich wünsche ihm auch ehrlich alles Gute in Mexico. Aber die abgelaufene Saison
lässt kein anderes Fazit zu.
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