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Milchmädchenrechnung |
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Geschrieben von Mike Lukanz
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Freitag, 13 Juli 2007 |
Als am vergangenen Montag im „kicker" zu lesen war, dass sich Borussia einen „Sparkurs auferlegt" habe, kochten kurzzeitig die Emotionen unter Borussias Anhängerschaft hoch. Mutmaßungen ob einer prekären finanziellen Lage im Verein machten die Runde und Skeptiker, die bereits seit längerer Zeit auf Probleme im finanziellen Bereich Borussias hingewiesen hatten, fühlten sich einmal mehr bestätigt. Nun sollte man weder zu viel in Nebensätze noch in aufgewühlte Forumsdiskussionen interpretieren, doch das aktuelle Beispiel zeigt einmal mehr, was Unkenntnis, überzogene Erwartungshaltung und Halbwissen bewirken können. Die Fähigkeit, sich auf nüchterne Fakten zu beziehen, scheint im krassen Widerspruch zur Emotionalität eines Fans zu stehen.
Drei Faktoren wurden zum Anlass genommen, die finanzielle Situation bei Borussia Mönchengladbach als „kritisch" zu bewerten: 1. die Aussagen von Vize-Präsident Siegfried Söllner im SEITENWAHL-Interview Ende März 2007, 2. die Transfereinnahmen in zweistelliger Millionenhöhe durch die Verkäufe von Marcell Jansen und Federico Insua und 3. der bereits angesprochene Artikel respektive Nebensatz in der Ausgabe des „kicker" vom 09. Juli.
Die Anspannung im Mönchengladbacher Umfeld ist trotz einer langsam wachsenden, positiven Grundstimmung nach wie vor vorhanden. Die Wunden, die durch die katastrophale Abstiegssaison 2006/07 gerissen wurden, sind noch nicht vollständig geheilt. Jede noch so kleine und vordergründig unwichtige Meldung kann, wie im vorliegenden Fall, massiv am Nervenkostüm rütteln. Auch wenn bis heute nicht alles Gold ist, was glänzt und die neuformierte Mannschaft inklusive des Trainers Jos Luhukay und des Sportdirektors Christian Ziege noch beweisen müssen, dass sie den Ansprüchen der harten Zweitligasaison genügen, ist es nicht förderlich Nebenkriegsschauplätze zu eröffnen, wo es nichts zu gewinnen gibt.
Durch den Abstieg in die 2. Liga fehlen Borussia circa 40% der Einnahmen, die man als Erstligist erhalten hatte. Diese reichen von geringeren Einnahmen durch Sponsoren, verkauften Dauerkarten bis hin zum deutlich abgespeckten Posten aus der TV-Verträgen der DFL. Jeder Absteiger muss sich den neuen Gegenbenheiten anpassen und alle Ausgaben überprüfen, oder, wie Geschäftsführer Schippers oft betont, jeder Euro muss „geröntgt" werden.
Wer eine direkte Re-Investition aller Transfereinnahmen fordert, vergisst indes wesentliche Punkte: so muss ein nicht zu unterschätzender Teil der knapp 16 Millionen Euro als Steuer abgeführt werden. Damit schrumpft der Betrag, den Christian Ziege zur Verfügung hat, bereits merklich.
Bis zum heutigen Tag hat Borussia bereits acht neue Spieler verpflichtet. Addiert man bei diesen Transfers alle Ablösesummen, Handgelder etc., verringert sich die ursprünglich so groß wirkende Summe aus den Transfererlösen weiter deutlich. Die Spieler, die vier, fünf oder gar sechs Millionen Euro kosten, wechseln ohnehin nicht in die 2. Liga oder würden das schon angepasste Gehaltsgefüge des Kaders sprengen. Bei der Konkurrenz aus Köln, Mainz, Aachen oder Kaiserslautern sind ebenso keine großen Transfers zu verzeichnen, ganz im Gegenteil: Borussia hat von allen Zweitligisten bisher das meiste Geld für Transfers ausgegeben.
Wenn Siegfried Söllner sagt, dass der Verein auch „bei einem mehrjährigen Aufenthalt in der 2. Liga keine finanziell-existenziellen Probleme" bekomme, bedeutet das lediglich, dass Borussia ihre Vorgabe, nur das Geld auszugeben, das man zur Verfügung hat, unabhängig der Ligazugehörigkeit nicht verfehlen will und wird. Seine Aussagen, verbunden mit den bereits oben angeführten Faktoren zu Transfererlösen, widersprechen sich demnach nicht.
Die Transferaktivitäten Borussias sind darüber hinaus noch nicht vollständig abgeschlossen; weitere Gelder werden fließen. Ziege und Luhukay wussten bereits vor Monaten, dass man nominell eine komplette Mannschaft transferieren muss. Diese interne Vorgabe ließ bereits vorab keine großen Einzeltransfers zu. Das Geld musste klug gestreut werden, um sowohl die Qualität in der Breite (nach den vielen Abgängen) als auch die der Tiefe aufrechtzuerhalten respektive zu verbessern.
Legt man diese Vorgaben zugrunde, muss konstatiert werden, dass erst durch die Verkäufe von Jansen und Insua das Geld vorhanden war, den status quo zu bekommen, ohne finanzielle Abenteuer wagen zu müssen. Im besten Fall sind sowohl im Winter als auch - im bestmöglichen Szenario - im nächsten Sommer beim Wiederaufstieg Reserven vorhanden, um die Mannschaft weiter verbessern zu können.
Es ist wichtig und richtig, dass sich Anhänger Gedanken um den Verein machen, kritisch bleiben und Dinge hinterfragen. Eine klassische Journalistenfalle ist, Sachverhalte um des Kritisierens willen zu kritisieren. Dieser Falle sollte man, speziell vor dem Hintergrund der noch angespannten Gemütslage im BorussiaPark, jedoch nicht erliegen. Die zu diskutierenden Probleme im sportlichen Bereich werden schneller kommen, als viele erhoffen. Da macht es keinen Sinn, sich mit Problemen zu befassen, die de facto (noch) keine sind.
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