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Zweitliga-Check: 1.FC Kaiserslautern Drucken
Geschrieben von Michael Heinen   
Sonntag, 22 Juli 2007

ImageNur noch knappe 2 Wochen bis zum Pokalspiel in Osnabrück. Heute in genau 3 Wochen wird es dann endlich auch im Ligabetrieb wieder ernst, wenn Borussia zum Auftakt zur 2. Bundesliga-Saison auf den 1.FC Kaiserslautern trifft.  Liest man in diversen Sonderheften, so findet man kaum mehr Informationen über die 2. Liga, als dass es sich mal wieder um die beste aller Zeiten handeln soll und sich allesamt bekannte Namen dort versammeln. Deswegen hat sich SEITENWAHL dazu entschlossen, die 17 Konkurrenten in der Liga genauer unter die Lupe zu nehmen und ihre Stärken und Schwächen zu analysieren. Herausgekommen ist ein Zweitliga-Check, der in den kommenden Wochen täglich über jeweils einen der kommenden Liga-Gegner berichten wird. Den Anfang macht heute unser Auftaktgegner aus Kaiserslautern.

Ausgangslage:
Es ist schon eine skurrile Situation. Der 1.FC Kaiserslautern ist aufgrund der Tradition, der Erwartungshaltung der Fans und nicht zuletzt der finanziellen Situation dazu verdammt aufzusteigen. Dies aber mit einem Kader, der gegenüber der Vorsaison nominell schlechter besetzt scheint. Und schon in der abgelaufenen Spielzeit ließ sich die fehlende Qualität im Kader deutlich anmerken, die man auch durch die viel gepriesene Jugendarbeit nicht aufzufangen verstand. Fast schon verzweifelt mutete da der Rausschmiss von Trainer Wolfgang Wolf an, der objektiv betrachtet aus den vorhandenen Möglichkeiten das Beste herausgeholt hatte. Immerhin durfte man bis zum vorletzten Spieltag noch davon träumen, die Schwächen der Konkurrenz ausnutzen zu können und (unverdient) in die Eliteliga zurückzukehren.  

In der neuen Saison soll es ein komplett neues Kompetenzteam mit Borussen-Vergangenheit richten. Trainer Kjetil-Andre Rekdal begann zwischen 1988 und 1990 bei Borussia seine Bundesliga-Karriere als Spieler, die er 7 Jahre später in Berlin ungleich erfolgreicher fortsetzte. Sportdirektor Michael Schjönberg  ist Borussen-Fans aus einem unvergessenen Pokalspiel in unschöner Erinnerung, bei dem er den letzten Elfmeter für Hannover 96 verwandelte und Borussias Traum vom DFB-Pokalsieg jäh zerstörte. Nachdem er zuletzt in Niedersachsen als Co-Trainer von Peter Neururer und Dieter Hecking agierte, traut man ihm nun in der Pfalz genau das zu, was bei uns Christian Ziege umsetzen soll. 
  

Zu- und Abgänge:
Ähnlich wie Ziege erging es Schjönberg zunächst insofern, als daß einige wichtige Spieler nicht länger bereit waren, in Liga 2 zu verbleiben. Spielmacher Thomas Hajnal darf als schwerwiegendster Verlust gewertet werden. Der ehemalige Schalker entschied sich zu einem Wechsel nach Karlsruhe und hinterlässt auf der zentralen Mittelfeldposition eine gewaltige Lücke. Diese wird sogar noch verstärkt, da neben dem Regisseur auch der erfahrene 6er Silvio Meißner zurück zum VfB Stuttgart ging. Von dort war der 34jährige zur Rückrunde ausgeliehen worden und brachte direkt seine Stärken ein, was 5 Tore in 15 Partien eindrucksvoll untermauern. Fraglich, ob diese beiden Stützen durch den kanadischen Nationalspieler Patrice Bernier gleichwertig ersetzt werden können, den Rekdal aus Norwegen mitbrachte. Der quirlige 1,77m kleine Bernier dürfte sich aber dennoch mit seiner Kampfstärke, Aggressivität und Ausdauer in Kaiserslautern wohl fühlen.  

Ansonsten wurde der Schwerpunkt (bislang) eher auf die Defensive gelegt, wo mit Alexander Bugera und Boubacar Diarra zwei potentielle Stammspieler für mehr Stabilität sorgen sollen. Diarra galt für 10 Jahre – ähnlich wie Coulibaly – als Freiburger Institution. Nach der Demission von Volker Finke entschied er sich aber ebenfalls zu einem Neuanfang, nachdem er in der vergangenen Rückrunde verletzungsbedingt seinen Stammplatz im Breisgau verloren hatte. Alexander Bugera war in Duisburg mit 34 Spielen gesetzt, entschied sich aber trotzdem bereits im April zu einem Wechsel, der ihm letztlich den Sprung in die Eliteliga verwährt.  

Ersetzen muss Lautern in der Innenverteidigung Ismael Bouzid, den es nach Istanbul drängte. Im Sturm verlor man mit Benjamin Auer zwar einen prominenten Namen, dessen Rückkehr in die alte Heimat aber unglücklich verlief. Wie schon zuvor in Bochum wurde der Ex-Borusse in Kaiserslautern nicht glücklich und musste sich beim Bankdrücken in Demut üben.
 

Für den teuersten Neuen hat sich Schjönberg ausgerechnet bei seinem Ex-Verein in Hannover bedient, von wo er Erik Jendrisek loseiste. Der wendige Linksaußen konnte sich in der 1.Liga bei nur 9 Einsätzen (0 Tore) nicht durchsetzen. Dem slowakischen Nationalstürmer traut man aber eine Klasse tiefer offensichtlich mehr zu.
 

Mit dem Schweden Björn Runström steht zudem der lange herbeigesehnte Transfer eines weiteren Stürmers kurz bevor. Der offensiv vielseitig einsetzbare Spieler war zuletzt in der englischen Liga bei Fulham kaum zum Einsatz gekommen und kam auch als Leihspieler bei Luton Town nur schlecht zurecht. Trotzdem hofft man, mit ihm die Flexibilität im Angriff zu erhöhen.

Tor/Abwehr:
Im Tor konnte sich im Vorjahr Jürgen Macho als Routinier behaupten. Der 29jährige Österreicher darf zu den besseren Zweitliga-Keepern gezählt werden, wenngleich er nicht immer fehlerlos agiert. Ihm im Nacken sitzt der 9 Jahre jüngere Florian Fromlowitz, der in Lauterns Abstiegssaison kurzzeitig die Nr.1 gewesen war, ehe ihn Macho von dort verdrängte. Es ergibt sich also eine ähnliche Situation wie bei Borussia, wo qualitativ ebenfalls nur geringe Unterschiede zwischen beiden Keepern bestehen. Anders als Luhukay hat sich Rekdal aber noch nicht endgültig auf seinen Stammtorwart festgelegt. 

In der Viererkette hat Lautern durch die Neuzugänge mehr Optionen als noch im Vorjahr und dürfte an Qualität hinzugewonnen haben, wenngleich dieser Bereich mit 34 Gegentoren ohnehin nicht als absolute Schwachstelle auszumachen war. 
 

Der Franzose Mathieu Béda, dessen Wechsel nach Rostock sich aus finanziellen Gründen zerschlagen hat, gilt in der Innenverteidigung als gesetzt. Ihm wird in erster Linie Diarra zur Seite stehen. Moussa Ouattara aus Burkina Faso steht als Ergänzung bereit. 
 

Die  Außenbahnen sind beidseitig umkämpft. Rechts dürfte Bugera ernsthafte Ansprüche anmelden, aber auf Widerstand bei Youngster Steffen Bohl stoßen, der sich im Vorjahr mit 6 Toren imposant in die Startelf spielte. Insbesondere seine Kopfballstärke (5 Treffer) zeichnet ihn aus. Der 18jährige Sascha Kotysch zeigte in der Vorsaison ebenso gute Ansätze, fällt aber zunächst einmal wegen einer Operation am Meniskus längere Zeit aus. 
 

Links heißen die Alternativen Josh Simpson, Axel Bellinghausen sowie Sven Müller. Letzterer verfügt aus seiner Zeit in Wolfsburg und Nürnberg über 100 Spiele Erstligaerfahrung, die aber über biederen Durchschnitt nie hinauskam. Der Kanadier Simpson dürfte genau wie Bernier bei Rob Friend für Wiedersehensfreude am ersten Spieltag sorgen. In seinem ersten Jahr in der Pfalz brachte er es auf immerhin 21 Spiele, wobei er auch in der Lage ist – genau wie Bohl auf rechts – ins Mittelfeld vorzurücken.
 

Mittelfeld:
Während die Außenbahnen wie oben beschrieben solide besetzt sind und auch für Spielraum im Mittelfeld sorgen, ergeben sich in der Zentrale gewaltige Probleme. Hier wird sich zeigen müssen, inwieweit Neuzugang Bernier die Erwartungen erfüllt. Aimen Demai oder Fabian Schönheim, die beide über weite Strecken der Vorsaison ausfielen, sind im defensiven Mittelfeld Alternativen, bei denen man abwarten muss, wie sie nach ihren Ausfällen wieder in Tritt kommen. Beide können alternativ auch in der Innenverteidigung zum Einsatz kommen, sofern hier Bedarf besteht. 

Stefan Lexa, der zuletzt eher im rechten Mittelfeld eingesetzt worden war, könnte eine Alternative sein. Mit dem 30jährigen Österreicher scheint Rekdal aber nur noch bedingt zu planen. So wurde ihm zum Ende der Saison gar die Freigabe für einen Wechsel erteilt, die der zwischen Genie und Wahnsinn pendelnde Routinier aber nicht wahrnahm. Von Youngster Sebastian Reinert wird in dieser Saison ein Sprung nach vorne erhofft, den er aber gegen Borussia wohl noch nicht wird vornehmen können. Der 20jährige wird wegen eines Muskelfaserrisses bis zum Saisonstart ausfallen. 
 

Sturm:
Der 1,80m große Algerier Noureddine Daham brachte es in der Vorrunde auf beachtliche 7 Treffer, blieb aber anschließend die komplette Rückrunde torlos, so daß er im Saisonverlauf immer mehr von Marcel Ziemer und Emeka Opara verdrängt wurde und inzwischen gar zum Verkauf steht.  

Der 22jährige Nigerianer Opara kam zur Winterpause und gilt als schneller, technisch starker Angreifer. Genau wie Ziemer brachte er es auf 3 Tore, was zeigt, dass die absolute Qualität hier noch nicht wirklich vorhanden ist. So erklärt sich, warum sich Michael Schjönberg um eine weitere Alternative bemühte, die man nun mit Björn Runström gefunden zu haben scheint.

Taktik:
Mit dem vorhandenen Spielermaterial ist ein 4-4-2 ebenso möglich wie ein 4-2-3-1-System, bei dem man die Stärken über die Außen besser nutzen kann.  Viel wird hier davon abhängen, ob Opara und Runström gemeinsam harmonieren.

Breite des Kaders:
Wie sich schon oben andeutet, ist der FCK in der Defensive sowie auf den Außenbahnen auch in der Breite ordentlich besetzt. Im Sturm dürften spätestens nach dem Kauf von Runström die Probleme eher in der Qualität als in der Quantität liegen. Problematisch sieht es hingegen im zentralen Mittelfeld aus, wo gerade Hajnal auf der Spielmacherposition eine Lücke hinterlässt, die momentan nur schwer zu füllen scheint.  

Trainer:
Kjetil-Andre Rekdal verfügt trotz seiner erst 38 Jahre über Trainererfahrung, die er sich insbesondere durch 5 überzeugende Jahre in Norwegen holte. Mit Valerenga Oslo holte er 2002 den Pokal und 2005 den Meistertitel, was ihn für die belgische Liga interessant machte. In einem halben Jahr bei Lierse SK konnte er den Abstieg des Klubs aber nicht mehr ganz verhindern. Wie Rekdal nicht müde wird zu betonen, hat er sich dem Offensivfußball verschworen. Wie so viele Lautern-Trainer vor ihm möchte er zudem die einstige Uneinnehmbarkeit des Betzenberg wiederbeleben. Doch die Zeiten, in denen die Gegner schlotternd in die Hölle schlichen und sich meist in den bis zu 10 Schlussminuten den entscheidenden Gegentreffer einfingen, sind schon seit Jahren vorbei. 

Mögliche Aufstellung:

Macho – Bugera, Beda, Diarra, Müller – Bohl, Bernier, Demai, Jendrisek – Runström, Opara 

Gesamteindruck/Prognose:
Der 1.FC Kaiserslautern ist nach einem Jahr in der 2.Liga voll und ganz angekommen. Dank schwacher Einkaufspolitik im Vorjahr verfügt man über einen durchschnittlichen Zweitliga-Kader, der Borussia auf keiner Position überlegen ist. Die Defensive der Pfälzer wirkt solide und dürfte nur schwer zu knacken sein. Wie es Rekdal anstellen möchte, mit diesen Spielern beherzten Offensivfußball zustande zu bringen, bleibt vorerst ein Rätsel, das nicht unbedingt schon am 13.August gelöst werden muss. Nur wenn die jungen Talente en masse positiv überraschen, könnte der Aufstieg realisierbar sein. Läuft es normal, wird für den FCK am Ende aber nicht mehr als eine Platzierung im oberen Mittelfeld herausspringen.