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Home Zweitl.-check ('07) Zweitliga-Check: TSG Hoffenheim
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Zweitliga-Check: TSG Hoffenheim |
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Geschrieben von Michael Heinen
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Montag, 23 Juli 2007 |
Weiter geht´s im SEITENWAHL-Zweitligacheck, bei dem in den nächsten Wochen täglich unsere 17 Konkurrenten in der neuen Liga unter die Lupe genommen werden. Nach dem 1.FC Kaiserslautern gestern, folgt heute unser erster Gegner im Borussia-Park.
Ausgangslage:
Geld regiert die Welt. Und SAP-Gründer Dietmar Hopp hat zumindest genug Geld, um einen vormals unbedeutenden Provinzverein zu regieren und womöglich in die 1.Liga zu führen. Fußballfan Hopp hatte es allzu sehr gestört, dass im weiteren Umkreis seines Firmenstandorts seit jeher kein Bundesliga-Fußball stattfindet. Zwischen Frankfurt und Karlsruhe sowie Kaiserslautern und Nürnberg ist tatsächlich fußballerisch nicht viel los, was sich nun aber durch das Auftreten der TSG ändern soll. Dabei sollte – ähnlich wie es in Wehen/Wiesbaden geschieht – die Anlehnung an die bekanntere Nachbarstadt Heidelberg gesucht werden. Der Versuch, das neue Stadion in der Nähe der Universitätsstadt zu bauen, misslang aber, so dass nunmehr in den nächsten 2 Jahren eine 30.000-Mann-Arena in Sinsheim gebaut werden wird.
Überhaupt ist das Konzept von Hopp nicht bedingungslos auf die kurze Frist ausgelegt. Anstatt nur mit hohem Kapitaleinsatz wie ein Mini-Abramowitsch aufzutreten, möchte man in Hoffenheim einen Weg der kleineren Schritte gehen. Trainer Ralf Rangnick und Sportdirektor Bernhard Peters haben daher nicht den Auftrag, bereits in dieser Saison in die 1.Liga durchmarschieren zu müssen. Dieser Schritt ist erst in 2-3 Jahren geplant, wenngleich es nicht wenige gibt, die den Hoffenheimern schon in dieser Saison eine Außenseiterrolle zutrauen.
Dass man aber nicht nur auf eine verbesserte Jugendarbeit setzt, zeigte zuletzt die Aufregung um Neuzugang Vedad Ibisevic. Die Mischung aus jungen und erfahrenen Spielern soll durch den Zukauf etablierter Akteure gewährleistet werden.
Während dieser Weg des Klubs erfolgversprechend scheint, mutet der Versuch abenteuerlich an, dem Verein künstlich so etwas wie „Tradition“ einzuhauchen. Anders ist jedenfalls nicht zu erklären, wieso man nicht mehr wie bislang als TSG, sondern als 1899 Hoffenheim wahrgenommen werden möchte. Der Hinweis auf das frühe Gründungsdatum des Vereins kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Verein im Profifußball ein (künstliches) Produkt dieses Jahrtausends ist. Inwieweit man dies als innovationsfreudiger Fußballfan begrüßt oder als Traditionalist verabscheut, muss jeder mit sich selbst ausmachen.
Zu- und Abgänge:
Hoffenheim tat sich anfangs überraschend schwer, neue Spieler anzulocken. So lehnte z.B. ein Sascha Rösler das bessere Gehaltsangebot des Aufsteigers ab, weil er bei Borussia eine bessere Perspektive sah. Auch ein Matthias Abel war sich – aus welchen Gründen auch immer – zu fein für die Rangnick-Truppe. Erst in der letzten Woche konnte man endlich erste Erfolge verbuchen, indem man nach dem Stuttgarter Talent Weis drei interessante Neuzugänge vorstellte.
Gespannt sein darf man auf Isaac Vorsah, der in der Innenverteidigung als eines der größten Talente Afrikas gilt. Der Ghanaer hat mit seinen 1,96 Metern bereits als 19jähriger eine gute Präsenz und ist im Kopfballspiel nur schwer zu überwinden.
Nicht minder imposant die Erscheinung des 1,90 Meter hohen Hünen Per Nilsson, der vom norwegischen Odd Grenland nach Hoffenheim wechselt. Auch der 5fache schwedische Nationalspieler gilt als robust und kopfballstark und dürfte seinen Stammplatz zu Beginn – anders als Vorsah – sicher haben.
Mit Vehad Ibisevic wiederum gelang Rangnick ein Coup für die Offensive, indem man einem direkten Ligakonkurrenten einen Stammspieler abluchste. Bei allem Ärger der Aachener ob dieses sportlichen Verlusts, war dieser Transfer ein ganz normaler Vorgang im Profifußball und widerspricht keinesfalls dem Konzept des Hopp-Vereins, das die eigene Jugendarbeit nur als einen Erfolgspfeifer aufstellen möchte.
Auch Ibisevic gilt als kopfballstark und eignet sich bei 1,89 Metern als Stoßstürmer. Der Bosnier ist aber technisch stark genug, um gleichfalls als hängende Spitze eingesetzt werden zu können. In seinen 24 Erstligaspielen für Aachen kam der 22jährige auf immerhin 6 Tore.
Während man damit rechnen kann, dass in Hoffenheim noch weiter zugekauft wird und bei entsprechendem Saisonverlauf in der Winterpause zugelegt werden würde, gibt es keine nennenswerten Abgänge. Die 12 Spieler, die den Verein verließen, wechselten allesamt zu unterklassigen Vereinen und stellen daher keinen wirklichen Verlust dar. Dies gilt auch für den Sohn des Hertha-Managers, Sebastian Hoeneß, der die 2. Elf seines Vaters verstärkt.
Tor/Abwehr:
Im Tor hat Aufstiegskeeper Daniel Haas derzeit die Nase etwas vorn. Der 23jährige startete als Nr.2 in die letzte Saison, profitierte dann aber von einer Ellenbogen-Verletzung von Thorsten Kirschbaum, der als einstiger U19-Nationaltorwart über die größere Perspektive zu verfügen schien. Doch Haas bewährte sich in seiner Rolle als Nr.1 und gab Rangnick bislang keinen Grund zu einem Wechsel.
Die Innenverteidigung ist der einzige Bereich, in dem Hoffenheim über keine Bundesligaerfahrung verfügt. Hier wird man auf einen sehr niedrigen Altersschnitt kommen, da keiner der Kandidaten älter als 24 Jahre ist. Auf diese Zahl bringt es z.B. Per Nilsson, der immerhin über internationale Erfahrung verfügt. Neben ihm hat Rangnick die Wahl zwischen den jeweils 18jährigen Talenten Vorsah und Jaissle oder den etwas routinierteren Göttlicher (24 Jahre) und Janker (22 Jahre).
Auf den Außenbahnen waren im Vorjahr meist Marcel Throm links und Denis Bindnagel rechts gesetzt, was sich in der 2.Liga vermutlich fortsetzen wird. Throm konkurriert am ehesten mit dem Ex-Cottbuser Zsolt Löw, während für rechts z.B. der vielseitige Christoph Janker, aber auch Jochen Seitz eine Alternative sein könnte.
Mittelfeld:
Die bekanntesten Namen des Hoffenheimer Mittelfelds lauten Selim Teber, Jochen Seitz und Francisco Copado. Letzterer galt in Unterhaching noch als treffsicherer Stürmer, der 2004 gemeinsam mit Marek Mintal die Torjägerkrone der 2.Liga holte. Auf 18 Treffer brachte er es damals. Vornehmlich als offensiver Mittelfeldspieler eingesetzt, erzielte der gebürtige Spanier im Vorjahr 14 Tore. Mit seinen inzwischen 33 Jahren gehört er zu den erfahrensten Spielern im Team, der seinen Stammplatz sicher haben dürfte.
Interessant wird sein, wie Rangnick den Ex-Aachener Ibisevic ins Team einbaut, der im Sturm mit Mesic und im offensiven Mittelfeld mit Copado auf gesetzte Konkurrenz trifft.
Im defensiven Mittelfeld erledigt Selim Teber routiniert und souverän seinen Job. Der Ex-Lauterer hat es zwar auf 107 Einsätze in Liga 1 und 2 gebracht. Der ganz große Durchbruch blieb dem einstigen Talent versagt. Mit inzwischen 26 Jahren genügt er aber für die 2.Liga gehobenen Ansprüchen auf der 6er-Position und nimmt als Kapitän auch in der Hierarchie der Mannschaft eine führende Rolle ein.
Als weiterer Schlüsselspieler im zentralen Mittelfeld gilt der Ex-Herthaner Sejad Salihovic, dem unter Falko Götz der große Durchbruch erspart blieb. In Hoffenheim wusste der Bosnier im Vorjahr zu überzeugen und war mit seinen 10 Toren maßgeblich am Aufstieg beteiligt. Insbesondere seine Freistöße sind zu beachten.
Für die Position im rechten offensiven Mittelfeld stehen der solide und zweitligaerfahrene Matthias Keller, Jochen Seitz und auch Neuzugang Tobias Weis zur Verfügung. Der 21jährige Weis wurde von der zweiten Elf des VfB Stuttgart verpflichtet und möchte sich nun in der 2.Liga weiterentwickeln. Auch Seitz spielte einst beim VfB Stuttgart und bringt es insgesamt auf 162 Bundesligaspiele. Nachdem er eine durchwachsene Vorrunde für die TSG absolviert hatte, zog er sich einen Kreuzbandriss zu, so dass abzuwarten sein wird, in welcher Form er ins Team zurückkehrt.
Links offensiv ist Dragan Paljic erster Kandidat für die Startelf. Mit 6 Toren war er in der Vorsaison mäßig erfolgreich. Dabei verfügt er aber über einen guten Schuss und wird insbesondere bei einem 4-2-3-1-System gute Chancen haben, die linke Außenbahn zu belegen. Im 4-4-2 wiederum bieten sich Trainer Rangnick genügend alternative Möglichkeiten, so dass die linke Halbposition z.B. auch von Salihovic abgedeckt werden kann.
Sturm:
Da Rangnick ein System mit nur einem echten Stürmer verfolgt, wird es um die Position des zentralen Stürmers ein Hauen und Stechen geben. Favorisiert ist hierbei Regionalliga-Torjäger Mirnes Mesic. Zur Winterpause war er vom direkten Konkurrenten, den Stuttgarter Kickers, gekommen, für die er zuvor bereits 10 der insgesamt 17 Saisontore erzielte.
Doch auch Ex-Borusse Tomislav Maric sowie Vedad Ibisevic kommen für die Position in Frage, sind aber flexibel genug, um jeweils eine der drei Positionen im offensiven Mittelfeld zu bekleiden. Für den mittlerweile 34jährigen Maric wird es vermutlich aber nur noch auf die Rolle des Jokers hinauslaufen.
Taktik:
Ralf Rangnick lässt meist im 4-2-3-1-System spielen, könnte angesichts der Alternativen im Sturm aber auch auf ein 4-4-2 umschwenken.
Breite des Kaders:
Im Vergleich zu den meisten anderen Zweitligisten verfügt die TSG über eine erstaunliche Breite, so dass man Ausfälle von Spielern problemlos kompensieren kann.
Trainer:
Ralf Rangnick ist einer der zahlreichen großen Namen auf den Trainerbänken der 2.Liga. Die Geschichte vom einstigen CL-Trainer, der freiwillig in die 3.Liga wechselte, gab der Presse Stoff für schöne Geschichten. Letztlich ging der Ex-Schalker damit aber nur zurück zu den Wurzeln. Schließlich machte er erstmals durch die gelungene Aufbauarbeit beim SSV Ulm auf sich aufmerksam. Ähnliches traut er sich nun in Hoffenheim zu, wobei die finanziellen Möglichkeiten des Vereins ein nicht ganz unwichtiges Argument gewesen sein dürften. Der „Fußball-Professor“ ist bekannt für seine modernen Methoden, mit denen er den Fußballsport höchst wissenschaftlich untersucht und analysiert.
Mögliche Aufstellung:
Haas – Bindnagel, Göttlicher, Nilsson, Throm – Teber, Salihovic, Copado, Paljic – Ibisevic, Mesic
Gesamteindruck/Prognose:
Die Stärke von Hoffenheim ist sehr schwer einzuschätzen. In der Regionalliga war man mit der Strategie erfolgreich, neben einigen jungen Talenten eine Reihe bundesligaerfahrener Spieler zu stellen, die bei ihren alten Vereinen zuletzt keine so große Rolle mehr spielten. Inwieweit werden aber Spieler wie Teber, Salihovic, Seitz oder Maric in Liga 2 ähnlich stark mithalten können wie eine Klasse tiefer? Gerade die ersten beiden waren bislang Schlüsselspieler im Team von Ralf Rangnick, die aber zuvor in Kaiserslautern und Berlin an höheren Ambitionen scheiterten. Trotzdem verfügt man mit den beiden, sowie mit Copado, Ibisevic und Mesic über eine Reihe Spieler, die auch einem Zweitligisten sehr gut zu Gesicht stehen. Wenn die junge Innenverteidigung standhält, dann sollte Hoffenheim mit dem Abstieg nichts zu tun haben. Ralf Rangnick und seinem Team ist bei gutem Saisonverlauf eine ähnliche Rolle zuzutrauen wie dem FC Augsburg im Vorjahr. Abschließen dürfte man die Saison im Bereich der Plätze 8-12.
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